Die Geschichte der Zeitungen der Vereinigten Staaten beginnt am 25. September 1690, als Richard Pierce und Benjamin Harris erstmals eine koloniale Zeitung mit dem Titel Publick Occurrences: Both Foreign and Domestick (etwa: „Öffentliche Begebenheiten aus dem Aus- und Inland“) in Boston herausgaben. Ihre Auflage lag bei 100 bis 200 Exemplaren und sie war nur einen Tag erhältlich. Danach wurde sie von den Britischen Kolonialbehörden verboten.Stephen L. Vaughn: Encyclopedia of American Journalism. 2007, S. 225Julie K. Hedgepeth Williams: Newspapers in the Eighteenth Century. In: Margareth Blanchard: The history of the mass media. Chicago 1998, S. 451 Erst 14 Jahre später erfolgte mit der Boston News-Letter (erschienen 1704–1776) die zweite Zeitungsgründung in den britischen Kolonien Nordamerikas.Eighteenth-Century American Newspapers in the Library of Congress, abgerufen am 16. Februar 2010 Weitere Zeitungspublikationen folgten und verbreiteten sich rasch im ganzen Land. Innerhalb von 50 Jahren wurden in mehreren großen amerikanischen Städten Zeitungen herausgegeben.
mini|Die erste amerikanische Zeitung: Publick Occurrences, Both Foreign and Domestick (25. September 1690)
Die meisten amerikanischen Zeitungen in den Jahren bis zur Amerikanischen Revolution vertraten etwas, das die Welt noch nie gesehen hatte: eine Presse – bis zur anspruchsvollen Verpflichtung, selbst staatliche Einrichtungen und Behörden zu stürzen.Mitchell Stephens: Collier Encyclopedia, History of Newspapers. nyu.edu; abgerufen am 19. März 2010 Historiker bezeichnen heute den Prozess gegen John Peter Zenger wegen aufrührerischer Verleumdung im Jahre 1735 als den Beginn der freien Presse in Amerika. law.umkc.edu; abgerufen am 17. Februar 2010 Nach dem Unabhängigkeitskrieg (1775–1783) fand der Gedanke einer „freien Presse“ Eingang in die „Bill of Rights“, den ersten zehn Zusatzartikeln der US-Verfassung. Dies führte dazu, dass sich während der nächsten 200 Jahre eine freie Presse in den Vereinigten Staaten entwickeln konnte.U.S. Geschichte: Bill of Rights (10 Amendments). magazinusa.com
Die Printmedien in den USA, die breite Informationsmöglichkeiten bieten, die sowohl meinungs- als auch wertebildend wirken, spielen eine wichtige Rolle in der amerikanischen Gesellschaft. Gemäß einer Umfrage durch Readership Institute verbringt jeder US-Bürger pro Tag etwas mehr als 28 Minuten mit dem Lesen von Zeitungen und 81,2 % der Amerikaner lesen während einer 7-Tage-Woche eine Zeitung (Stand 2002). Readership Institute, Media Management Center at Northwestern University Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten die Printmedien in den Vereinigten Staaten eine Monopolstellung (das Radio und Radiostationen verbreiteten sich erst in den 1920er Jahren in den USA; am 2. November 1929 nahm als erstes Aktualitätenkino der Welt das Embassy am Broadway in New York seinen Betrieb auf.WDR3 „lernzeit“ 2006).
Kolonialzeitungen 1704–1775 Die Entwicklung der Kolonialpresse stimmt mit einem Zeitraum überein, der häufig als eng provinziell in der amerikanischen Literatur angesehen wird und dessen geistiges Klima von verschiedenen Faktoren bestimmt wurde. Zum einen war der Puritanismus noch vorherrschend, zum anderen erlebte die Aufklärung bereits einen Höhepunkt und die amerikanische freiheitliche Gesellschaftsordnung bildete sich heraus. Im 17. Jahrhundert waren viele Puritaner von England in die britischen Kolonien nach Nordamerika emigriert, so dass zu dieser Zeit der Puritanismus dort zur bestimmenden Religion wurde.Kapitel VII: §1 Literature in the Colonial Newspapers, Abschnitt 1 abgerufen am 18. Februar 2010 (Alle angegebenen Einzelnachweise von Kapitel VII: Colonial Newspapers and Magazines 1704–1775, beziehen sich auf The Cambridge History of English and American Literature in 18 Volumes (1907–1921). VOLUME XV. Colonial and Revolutionary Literature; Early National Literature, Part I, by Elizabeth Christine Cook)
Diese Beschränkungen in der kolonialen Sicht hatte mehrere markante Auswirkungen auf den frühen Journalismus bis 1750. Der Mangel an Nachrichten zwang den redaktionellen Geist zu erfinderischen, ja kreativen Leistungen. Während der langen Wintermonate blieben die europäischen Nachrichten völlig aus, wodurch die interkoloniale Kommunikation nur unregelmäßig und unsystematisch stattfand. Eine Kritik an der Regierung in politischen Leitartikeln bedeutete eine offizielle Untersuchung, deren Folge die erzwungene Einstellung der Zeitung war, wenn man nicht einem Prozess wegen Verleumdung riskieren wollte. Zudem hatte die Öffentlichkeit schon genug religiöse Ermahnungen von der Kanzel gehört und über die fatalen Folgen der unbiblischen Lehre, oder Betrachtungen gegen die Sünde in Broschüren gelesen.Kapitel VII: §1 Literature in the Colonial Newspapers, Abschnitt 2 abgerufen am 18. Februar 2010
The Boston News-Letter
Nach dem Verbot der Publick Occurrences Both Foreign and Domestick im September 1690 durch die Britischen Kolonialbehörden, wurde erstmals am 24. April 1704 die Boston News-Letter in einer begrenzten Auflage von 300 Exemplaren veröffentlicht. Von der britischen Regierung subventioniert, war sie die erste kontinuierlich erscheinende Zeitung in den britischen Kolonien Nordamerikas.
In der Geschichte des kolonialen Massachusetts spielte die Religion eine zentrale Rolle. Sie beeinflusste die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse und sie bildete die Grundlage für einen Großteil der dynamischen Spannungen zwischen der Regierung und der Presse. Dieser Umstand übte einen starken Druck auf die Art der Boston News-Letter und ihrem Herausgeber John Campbell aus. Er sah es als seine Verpflichtung an, diese Zeitung zu veröffentlichen. Wäre nicht das Gefühl der Pflicht gewesen, hätte die Konfrontation mit der armseligen finanziellen Unterstützung und anderen Schwierigkeiten die frühe Aufgabe der Zeitung zur Folge gehabt.John Campbell and the Boston News-Letter abgerufen am 24. Februar 2010
mini|Der Boston News Letter für die Woche von 17. bis zum 24. April 1704
John Campbell, ein Antiquar und Postamtsvorsteher von Boston, war Herausgeber und der erste Redakteur der Boston News-Letter. Wöchentlich veröffentlichte er ein Blatt – eine einzelne Seite, zweispaltig und auf beiden Seiten bedruckt. Sie war in erster Linie mit kurzen Nachrichten, Dokumente und Essays vor allem aus britischen und europäischen Zeitungen aufgefüllt. Die Londoner Flying Post und London Gazette wurden am häufigsten als Nachrichtenquelle verwendet. Campbell, durch seine Position als Postamtsvorsteher, sah seine Aufgabe in der Veröffentlichung von quasi offiziellen Berichten in Form einer Zeitung als eine formale, chronologische Aufzeichnung von Nachrichten. Er sah sich nicht als ein unabhängiger Redakteur, dessen Aufgabe darin bestand, Maßnahmen der Regierung zu prüfen oder Probleme zu analysieren oder kontroverse Artikel zu verfassen. Durch die Freundschaft mit Gouverneur Dudley sowie gelegentliche Zahlungen staatlicher Subventionen war es nur natürlich, dass eine einseitige Berichterstattung zu Gunsten der Kolonialregierung stattfand. Dieser Umstand brachte der Boston News-Letter bei der Bevölkerung und den politischen Gegnern der Kolonialregierung eine geringe Wertschätzung ein, was sich in einem Rückgang der Auflage niederschlug.America’s First Newspaper abgerufen am 24. Februar 2010
Die Situation verschlechterte sich 1718, als John Campbell durch William Brooker als Postamtsvorsteher ersetzt wurde. Campbells Philosophie, die Zeitung wie ein Amtsblatt zu verwalten, hatte bei seinem Nachfolger zu der Annahme geführt, dass die Zeitung ein Bestandteil der Position des Postamtsvorsteher war. Campbell weigerte sich jedoch die Zeitung an Brooker abzugeben, worauf dieser ihm die Nutzung der Frankiermaschine für den kostenlosen Versand an die Abonnenten verweigerte. Dadurch waren einige Leser nicht mehr in der Lage die Boston News-Letter zu erhalten und die Kolonialregierung war ihrer Zeitschrift beraubt. Bedingt durch die Streitereien, beschloss William Brooker eine neue Zeitung, die Boston Gazette herauszugeben.
Im Jahre 1722 übergab John Campbell die Führung der Zeitung an seinem Drucker Bartholomäus Green. Durch diesen Wechsel änderte sich auch der Schwerpunkt der Berichterstattung, von weniger Überseeveranstaltungen zu mehr inländische Nachrichten. Nach seinem Tod 1732 übernahm der Drucker John Draper die Herausgabe und Redaktionsleitung der Boston News-Letter. Er erweiterte die Ausgabe auf vier Seiten und füllte sie mit Nachrichten aus Boston und andere Städte in den Kolonien. Trotz dieser Veränderungen blieb die Boston News-Letter bis zu ihrer Einstellung 1776 das Sprachrohr für den Gouverneur und den Loyalisten.
Boston Gazette Die Boston Gazette war eine wöchentlich herausgegebene Zeitung in Boston, Massachusetts. Sie wurde erstmals am 12. Dezember 1719 durch William Brooker veröffentlicht, als Konkurrenz zu den Boston News Letter. 1741 übernahm die Boston Gazette komplett das New-England Weekly Journal mitsamt deren Mitarbeitern.
Nach der Revolution verlor die Zeitung, durch Änderungen in ihrer Ausdrucksweise und der politischen Einstellung, einen großen Teil ihrer Abonnenten. Die Boston Gazette kämpfte erbittert gegen die Verabschiedung der Verfassung der Vereinigten Staaten und gegen die Regierung von Washington. Sie sank in der Volksgunst und verlor an Macht, wodurch das Interesse an dem Blatt nachließ. Nach einem langen Kampf wurde die Boston Gazette 1798 wegen Mangel an Unterstützung eingestellt.Isaiah Thomas. The History of Printing in America, With a Biography of Printers, and an Account of Newspapers. From the press of Isaiah Thomas, 1874
New-England Courant mini|The New-England Courant bestand aus einem einzigen Blatt Papier, das beidseitig bedruckt war. Das erste Mitteilungsblatt wurde von James Franklin, dem älteren Bruder Benjamin Franklins, herausgebracht. Es bestand aus einer verstümmelten Masse von rund sechs Monaten veralteten Artikeln, die den Gazetten und anderen öffentlichen Drucke aus London entnommen waren. James Franklin wurde durch eine Reihe von angesehenen Freunden ermutigt, eine Zeitung in einer anderen Aufmachung zu verbreiten, als der zur Zeit vertriebenen Blätter. Daraufhin veröffentlichte er 1721, als die Wirtschaftlichkeit einer dritten Zeitung in Boston zweifelhaft war, auf eigenes Risiko den New-England Courant. Diese angesehenen Freunde wurden als der Hellfire Club bekannt, ein literarischer Kreis, der in Boston gebildet wurde. Vor Erscheinung des New-England Courant hatten die Zeitungen nur wenige Sätze des redaktionellen Kommentars am Ende eines Artikels. James Franklin löste sich von dieser Praxis und schrieb mehr Leitartikel. Ihm gelang zusammen mit seinem Hellfire Club die Veröffentlichung einer Zeitung mit „verschiedenen Themenbereichen“, die ein allgemeines Interesse ansprach. Obwohl sie damit die Orthodoxie Neu Englands schockierten, erwies sie sich als eine äußerst unterhaltsame Zeitung und begründete eine Art literarisches Vorbild.Kapitel VII: § 2 The New England Courant, Abschnitt 3 abgerufen am 22. Februar 2010