mini|Lore am Verkehrskreisel in Overath-Steinenbrück mit der Aufschrift „Grube Lüderich von 1852–1978“

Das Bensberger Erzrevier oder auch Erzrevier Bensberg ist ein Bergrevier im Bergischen Land, in dem vor allem im 18. und 19. Jahrhundert verschiedene Erze und stellenweise auch Braunkohle gewonnen wurden. Die Ausdehnung des Reviers erstreckt sich im Wesentlichen über die Städte Bergisch Gladbach, Engelskirchen, Overath und Rösrath im Rheinisch-Bergischen Kreis. Benannt ist das Revier nach dem Ort Bensberg im Zentrum des Reviers.

Der Begriff Bensberger Erzrevier stammt aus der wissenschaftlichen Diskussion der Geologie. Bekannt ist unter anderem die Untersuchung und Bewertung von Zink-Blei=Erzlagerstätten im Bensberger Erzrevier als montangeologische und bergwirtschaftliche Grundlage zur Frage der Wiederaufnahme des Bergbaus von Berghauptmann a. D. Friedrich Wernicke von November 1957. Auch der frühere Geologe der Grube Lüderich, Heinz Lehmann, erwähnt in einem Gutachten den Begriff Bensberger Erzrevier.Carl-Heinz Kalthoff und Heinz Lehmann, Gutachten über die Bergwerksfelder der Vieille Montagne, Altenberg und Silberkaule in der Bundesrepublik Deutschland, Mai 1983, S. 9 Immer geht es um die Frage, wie viele und welche Bodenschätze noch in der Erde ruhen. Vereinzelt hört man auch die Begriffe Bensberger Revier und Bensberger Erzdistrikt.

Geschichte und formale Zuordnung Formal (als bergrechtlicher Gerichtsbezirk und als Bezirk der bergamtlichen Verwaltung) wurde das Bensberger Erzrevier zunächst unter dem Begriff Bensberger Revier im Jahre 1853 als Geschworenen-Revier aus Teilen des Niederbergischen Reviers gegründet. Ein Jahr später wurden Teile davon dem neugegründeten Revier Solingen zugeschlagen. Nach nur zwölf Jahren, am 10. Juli 1865, ging das Revier Bensberg durch Zusammenschluss mit dem Revier Solingen im Revier Deutz auf und endete somit formal.Montanhistorisches Dokumentationszentrum, Bergbau-Archiv, Bestand 80: Aktiengesellschaft des Altenbergs für Bergbau und Zinkhüttenbetrieb, Overath-Untereschbach, abgerufen am 23. März 2022.

Dem Revier Deutz wurde 1872 das Revier Düsseldorf und 1894 auch noch das Revier Ründeroth zugeschlagen. Die Bensberger Gruben gehörten nun formal zum Revier Deutz-Ründeroth. Dieses Revier wurde wiederum 1931 mit dem Bergrevier Wied (mit Sitz in Neuwied) zum Bergrevier Siegburg zusammengefasst. Darüber stand das Oberbergamt Bonn. Die nach dem Zweiten Weltkrieg zu Nordrhein-Westfalen gehörenden Teile der Oberbergämter Bonn und Dortmund wurden 1970 zum Landesoberbergamt Dortmund zusammengeschlossen. Dieses wurde im Jahr 2000 aufgelöst. Die Aufgaben des Landesoberbergamts gingen an die Bezirksregierung Arnsberg über. Heute, da alle Gruben im Bensberger Erzrevier den Betrieb eingestellt haben, ist die Abteilung 6 Bergbau und Energie in NRWHomepage Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie abgerufen am 10. Januar 2012 der Bezirksregierung Arnsberg für alle Fragen zuständig, die den früheren Bergbau betreffen.

Die Gruben auf den Gangerzlagerstätten mini|Halde aus dem 13. Jahrhundert auf der Sommerlagerstätte der Grube Lüderich mini|hochkant|Gezähe, Schaufel 13. Jahrhundert von der Grube Bliesenbach mini|Bleiplombe als Verbindungsstück in einem Fenstermaßwerk des Altenberger Doms

Geschichte Schon die Römer betrieben im Bensberger Erzrevier Bergbau. Zwischen Bleifeld und dem Franziskaschacht wies man auf der Sommerlagerstätte zwischen 2000 und 2005 durch Ausgrabungen römischen Bergbau aus dem zweiten und dritten Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts nach. Mittelalterlicher Bergbau ist urkundlich erstmals für das Jahr 1122 belegt, als Kaiser Heinrich V. der Abtei Siegburg das Recht verlieh, auf ihrem Besitztum Metallerze abzubauen. Nähere Einzelheiten sind nicht bekannt. Es existieren jedoch westlich von dem Ausgrabungsgelände des römischen Bergbaus auf dem Lüderich Halden aus dem 13. Jahrhundert. Diese können auch im Zusammenhang mit dem Bergbau „um das Jahr 1250“ stehen, den der Erzbischof Konrad von Hochstaden betrieben haben soll, um auf diese Weise Mittel für den Bau des Kölner Doms zu gewinnen. Dabei muss man wissen, dass in einer Tonne Bleiglanz etwa 300 bis 700 Gramm Silber enthalten waren. Daraus lässt sich folgern, dass die Finanzierung des Doms mit dem gewonnenen Silber für Münzen unterstützt wurde, während man das Blei direkt für den Bau des Doms, nämlich für die Verbindung von Bauteilen und die Dachbedeckung verwendete. Bei den meisten Gruben des Bensberger Erzreviers findet man noch heute im Gelände Pingen und Halden vom Bergbau des Hochmittelalters. In den Zechenbüchern liest man allenthalben, dass man in einem Alten Mann auf Spuren von Altbergbau getroffen sei und altes Gezähe gefunden habe.

Der früheste schriftliche Nachweis auf Bergbau speziell für Gruben im Bensberger Erzrevier geht auf eine Urkunde vom 23. August 1512 zurück. Darin erneuert Johann III., Herzog von Jülich-Berg und Graf von Ravensberg für Hans Unger und Rütger Osthoff die Erlaubnis seines Vorgängers Wilhelm IV., „auf dem Hahn“ im Kirchspiel Bensberg Erz zu schürfen. Der Lüderich wird erstmals am 5. Juli 1518 urkundlich erwähnt. Dabei handelt es sich um einen „Consens“ des gleichen Herzogs Johann III. von Jülich-Berg, der den „Bruder Johann up dem Strych“ und dessen Mitgewerken berechtigt, auf dem Lüderich im Amt Steinbach ein Erzbergwerk zu betreiben. Mit dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges kam der Bergbau für lange Zeit vollständig zum Erliegen.

Zu nachweisbar neuen Aktivitäten kam es erst wieder im 18. Jahrhundert. Am 8. Oktober 1738 erhielt der Hofrat Gumpertz eine Generalbelehnung „zur Ausbeute aller zwei Stunden im Umkreise von Bensberg herum“ sich vorfindenden Eisenstein-, Kupfer-, Blei- und Silberbergwerke. Am 3. September 1740 bestätigte man ihm die verliehene Belehnung. Bei näherer Betrachtung dieser Angaben war Gumpertz damit Herr über sämtliche Gruben im Erzrevier Bensberg. Am Beginn des 19. Jahrhunderts war es bereits seit 1826 auf der Grube Julien zu zaghaften Bemühungen gekommen, den Bergbau zur Gewinnung von Bleierzen aufzunehmen. Um 1830 war die „Chaussee von Bensberg nach Altenbrück“ im Bau. Als man zu diesem Zweck in einem Steinbruch in Altenbrück Schotter für den Ausbau gewinnen wollte, fand man in der Nähe des späteren alten Lüderichstollens Bleierze. Es wird berichtet, dass sich hierdurch allmählich Bergbau am Lüderich entwickelte, der aber zunächst einen bescheidenen Rahmen hatte. Als man in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Verhüttung von Zink zu industrieller Reife gebracht hatte, brach im Bensberger Erzrevier ein wahrer Zinkrausch aus. Es kam allerorten zur Gründung von Grubenbetrieben, die für lange Zeit vielen Menschen Brot und Arbeit gaben.Herbert Stahl (Redaktion), Gerhard Geurts, Hans-Dieter Hilden, Herbert Ommer, Siegfried Raimann: Das Erbe des Erzes, Band 4, Der Lüderich, Bergisch Gladbach 2008, ISBN 3-932326-52-0, S. 14ff.

Die Gruben In der nachfolgenden Tabelle werden die Gruben auf den Gangerzlagerstätten im Bensberger Erzrevier aufgeführt. Name Stadt / Gemeinde Stadtteil / Ortsteil verliehen auf Grube Achenbach Overath Steinenbrück Blei, Kupfer, Eisen Grube Anacker Rösrath Rösrath Zink, Blei, Kupfer, Eisen Grube Antonius Much Markelsbach Siderit, Blei, Zink Grube Apfel Bergisch Gladbach Moitzfeld Zink, Blei Grube Arago Overath Steinenbrück Zink, Blei, Kupfer, Eisen Grube Aurora Lohmar Jexmühle Zink, Blei, Kupfer Grube Bavaria Overath Steinenbrück Blei, Kupfer, Siderit Grube Bergsegen Rösrath Hoffnungsthal Zink, Blei Grube Berzelius Bergisch Gladbach Moitzfeld Zink, Blei Grube Bliesenbach Engelskirchen Loope Zink, Blei Grube Blücher Bergisch Gladbach Herkenrath Zink, Blei Grube Bruno II Engelskirchen Niederhof Kupfer, Zink, Eisen, Pyrit Grube Castor Engelskirchen Loope Blei, Zink, Kupfer, Eisen, Pyrit Grube Copernicus Köln Köln-Rath/Heumar Blei, Zink Grube Direktion Elberfeld Bergisch Gladbach Kaule Zink, Blei, Kupfer Grube Emanuel Much Markelsbach Zink, Blei Grube Elisa Bergisch Gladbach Bärbroich Zink, Blei Grube Erasmus Lindlar Hohkeppel Zink, Blei, Kupfer, Eisen Grube Felix Bergisch Gladbach Moitzfeld Kupfer Grube Fortuna Bergisch Gladbach Bensberg und Lückerath Zink, Blei Grube Franziska (Rösrath) Rösrath Hoffnungsthal Zink, Blei Grube Fresenius Overath Heiligenhaus Blei, Kupfer Grube Fresenius I Overath Heiligenhaus Zink Grube Frühling Rösrath Bleifeld Blei, Zink Grube Galilei Bergisch Gladbach Frankenforst Galmei, Zink, Blei Grube Georg Forster Bergisch Gladbach Herkenrath Zink, Blei Grube Gertrudensegen Much Markelsbach Zink, Blei, Kupfer, Siderit Grube Gotthardt Overath Vilkerath Zink, Blei Grube Grünewald Overath Untereschbach Blei Grube Gustav Bischof Rösrath Hoffnungsthal Zink, Blei, Kupfer, Siderit Grube Heiligenthal Overath Heiligenhaus Blei, Kupfer Grube Henricus Rösrath Hoffnungsthal Zink, Blei, Kupfer Grube Hermann Overath Steinenbrück Blei, Kupfer, Siderit Grube Hermannsfreude Rösrath Rösrath Zink, Blei, Kupfer Grube Hermannsfreude I Rösrath Rösrath Zink, Blei Grube Idria Bergisch Gladbach Bensberg Quecksilber Grube Julien Bergisch Gladbach Kaule Zink, Blei Grube Jungfrau Bergisch Gladbach Moitzfeld Zink, Blei Grube Klaproth Bergisch Gladbach Bockenberg Blei, Kupfer, Zink Grube Leibnitz Rösrath Hoffnungsthal Kupfer Grube Leopold von Buch Bergisch Gladbach Moitzfeld Zink, Blei Grube Loisel Bergisch Gladbach Bärbroich Zink, Blei Grube Lüderich Overath und Rösrath Untereschbach, Steinenbrück und Hoffnungsthal Zink, Blei Grube Mirabeau Rösrath Rösrath Kupfer Grube Napoleon Overath Untereschbach Blei Gruben Nestor und Peter Rösrath Hoffnungsthal Zink, Blei, Kupfer, Eisen Grube Nikolaus Overath Fischermühle Zink, Blei Grube Nikolaus-Phönix Much Markelsbach Zink, Blei Grube Penny SeelscheidMohlscheid Zink, Blei, Eisen Grube Petersberg Overath Heiligenhaus Zink, Blei Grube Phönix Overath Niedergrützenbach Blei, Kupfer, Eisen Zink Grube Rosalinde Overath Vilkerath Zink, Blei Grube Rudolphus Rösrath Rösrath Blei, Kupfer Grube Rupertus Overath Vilkerath Zink, Blei, Kupfer, Siderit Grube Schnepfenthal Rösrath Hoffnungsthal Zink, Blei, Kupfer, Siderit Grube Segen Gottes Rösrath Stümpen Blei Grube Silberkaule Engelskirchen Loope Blei, Zink, Kupfer, Siderit Grube Theodore Rösrath Rösrath Zink, Blei Grube Vereinigtes Glückauf Rösrath Forsbach Blei, Zink, Kupfer Grube Victor Rösrath Hoffnungsthal Blei, Kupfer, Zink Grube Volta Lohmar Dahlhaus Zink, Blei Grube Wallenstein Rösrath Hoffnungsthal Zink, Blei, Kupfer Grube Wallenstein II Rösrath Hoffnungsthal Zink, Blei Grube Washington Bergisch Gladbach Asselborn Zink, Blei Grube Weiß Bergisch Gladbach Moitzfeld Zink, Blei Zeche Aachen Much Zeche Aachen Blei

Die Eisengruben in der Paffrather Kalkmulde Geschichte Die Anfänge des Bergbaus in der Paffrather Kalkmulde sind bisher nicht genau zu bestimmen. Erste Hinweise auf die Verhüttung von Raseneisenstein findet man in Berichten über Ausgrabungen in der Wahner Heide, dem Königsforst und der Umgebung von Katterbach, wo man Rennöfen und Schlacke aus der Latènezeit etwa 500 v. Chr. gefunden hat.Walter Lung, „Mittelalterliche Töpferöfen und Eisenverhüttung in Katterbach“ in: Kölner Jahrbuch für Vor- und Frühgeschichte, Band 3, Köln 1958 Über römischen Bergbau fehlen bislang entsprechende Belege. Westlich von Unterbörsch im Gemeindegebiet Kürten hat man einen Rennofen und Keramik aus dem 8. bis 9. Jahrhundert ausgegraben. Sodann ist belegt, dass im Jahr 1930 in Seelsheide eine „Rennhütte“ und etliche Schlackenhalden aus dem 8. bis 9. Jahrhundert ausgegraben wurden. Gefunden wurden dabei jedes Mal Ofenstücke, Blasdüsen und Keramik aus der Karolingerzeit.Thomas Kreft, Das Mittelalterliche Eisengewerbe im Herzogtum Berg und in der südlichen Grafschaft Mark, Herzogenrath 2002 Weitere eindeutige Belege über mittelalterlichen und spätmittelalterlichen Bergbau liegen nicht vor.