Die Heinkel He 111 war ein zweimotoriges Flugzeug aus deutscher Produktion, hergestellt von 1935 bis 1944 durch die Ernst Heinkel Flugzeugwerke in Rostock und die Heinkel-Werke Oranienburg, hauptsächlich für die Luftwaffe. Außerdem wurde das Flugzeug in Spanien produziert und dort bis 1976 eingesetzt. Der freitragende Tiefdecker in Ganzmetallbauweise mit Einziehfahrwerk war eine Konstruktion von Siegfried Günter und baute stark auf den Erfahrungen mit dem einmotorigen Schnellverkehrsflugzeug Heinkel He 70 auf.

Entwicklung mini|Prototyp He 111 V1 Die Maschine wurde in den 1930er Jahren von den Brüdern Günter als schnelles Verkehrsflugzeug für die Lufthansa für zwei Mann Besatzung und zehn Passagiere konzipiert und später in großen Stückzahlen im Zweiten Weltkrieg als Bomber eingesetzt.

Bereits 1932 erteilte das Reichsverkehrsministerium (RVM) den Auftrag zur Entwicklung eines Bombers und Verkehrsflugzeugs, wobei die Bombervariante (noch geheim) Vorrang hatte. Am 24. Februar 1935 startete die He 111 V1 (Werknummer 713, 1. Militärversion) mit Gerhard Nitschke in Rostock-Marienehe zum Erstflug.Manfred Griehl: Heinkel He 111: Kampfflugzeug, Torpedobomber, Transporter. Motorbuch, Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01841-1, S. 17. Am 12. April 1935 folgte die He 111 V2 (W.Nr. 715) als erster ziviler Prototyp. Dieser und der vierte Prototyp flogen als Transportmaschine, wobei die He 111 V4 und die erste Vorserie He 111 A-0 bereits die Konzeption als Bomber erkennen ließen. Im Laufe der Erprobung wurden verschiedene Änderungen vorgenommen, so zum Beispiel der Einbau stärkerer Motoren vom Typ DB 600 (He 111 B), da die Luftwaffe eine höhere Geschwindigkeit forderte. Weil die aerodynamisch hochwertige Zelle sehr teuer war, wurde ab 1936 versucht, die Kosten durch Einführung neuer Tragflächen zu senken: Ab der He-111-F-Serie erhielten alle Flugzeuge trapezförmige Tragflächen, die im Unterschied zu den bis dahin verwendeten gerade Vorder- und Hinterkanten aufwiesen.

Einsatz mini|Heinkel He 111 im Flug mini|Beladung einer Heinkel He 111 E mit Bomben. Man beachte die alte Bugform mini|Nordfrankreich (1940)

Die Luftwaffe erhielt ihre ersten He 111 B im Spätherbst 1936. Der erste Kampfeinsatz des Musters erfolgte ab März 1937 im Spanischen Bürgerkrieg, als die Kampfgruppe 88 der Legion Condor 30 He 111 B-1 (spanischer Spitzname „Pedro“) gegen die Republik einsetzte. Zuvor wurden ab Jahresanfang bereits einige wenige Exemplare durch die Versuchsbomberstaffel 88 im Einsatz erprobt. Auch die Modelle He 111 E und He 111 F kamen in Spanien zum Einsatz und wurden nach Kriegsende von der spanischen Luftwaffe übernommen.

Aufgrund der Erfahrungen im Spanischen Bürgerkrieg verzichtete die Luftwaffe bei ihren He 111 auf eine ausreichende Defensivbewaffnung, da die He 111 schneller als die meisten verfügbaren Jagdflugzeuge des Gegners flog. In der Luftschlacht um England zeigte sich aber, dass eine vorbildlich geführte Abwehr mit leistungsstarken Jagdflugzeugen ungeschützten Bomberverbänden hohe Verluste zufügen konnte.

Die He 111 war mit fast 1000 gelieferten Flugzeugen 1939 der Standardbomber der Luftwaffe und blieb als solcher im Zweiten Weltkrieg an allen Fronten im Einsatz. Bei Kriegsbeginn waren die Kampfgeschwader 1, 4, 26, 27, 28, 53, 54, 55 und 100 sowie das Lehrgeschwader 1 mit ihr ausgestattet. Inzwischen wurde bereits die Version He 111 P mit vollverglaster Rumpfnase gebaut, deren Herstellung durch die Knappheit der für den Jagdflugzeugbau benötigten Triebwerke vom Typ DB 601 allerdings auf eine kleine Stückzahl begrenzt war. Zum Standardmodell wurde daher die He 111 H mit Jumo-211-Motoren, die aufgrund der Erfahrungen bei der Luftschlacht um England eine mehrfach verstärkte Defensivbewaffnung erhielt.

He 111 wurden mit je zwei Torpedos als Torpedobomber ausgerüstet. Einige Flugzeuge wurden mit Gleitflugbomben Hs 293 oder als Träger der V1 bestückt. Besonders eigenwillig war die fünfmotorige He 111 Z, die aus zwei He 111 zusammengebaut war. Bemerkenswert waren auch die Versionen He 111 H-8 mit Ballonkabelmessern zum Einsatz gegen Sperrballone und die H-23 als achtsitziger Transporter für Fallschirmjägereinsätze.

He 111 waren an der Vernichtung des Nordmeergeleitzuges PQ-17 ebenso beteiligt wie als Transportflugzeuge bei der Versorgung der 6. Armee in der Schlacht von Stalingrad oder beim Einsatz im Irak 1941.

In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1944 zerstörte ein Verband aus He 111 und Ju 88 bei einem Bombenangriff 43 US-Bomber auf dem Flugfeld von Poltawa, die im Rahmen von Operation Frantic dort zwischengelandet waren, und beschädigte 26 weitere.vgl. Ernst König: Die Geschichte der Luftwaffe. Rastatt 1980, S. 140.

Auslandsverwendung In Spanien wurde die He 111 B mit dem Kennzeichen 25-32 nach einer Notlandung von den republikanischen Streitkräften erbeutet, in die Sowjetunion verbracht und im Wissenschaftlichen Institut Moskau unter der Bezeichnung Samoljot (Flugzeug) 31 ausgiebig getestet, wobei einige Technologien für die sowjetischen Luftstreitkräfte übernommen wurden. Beispielsweise wurde das Bombenzielgerät kopiert und fand später in den Typen IL-4, Tu-2, Jer-2 und Pe-8 Verwendung. Eine während des Zweiten Weltkrieges erbeutete He 111 H wurde an der Fliegerschule Saratow als Lastensegler-Schleppflugzeug genutzt und flog in dieser Funktion mit einer A-7 auch einen Einsatz zur Versorgung von Partisanen im gegnerischen Hinterland, wurde allerdings auf dem Rückflug von eigenen Jagdflugzeugen abgeschossen.Wladimir Kotelnikow: Beutebomber Heinkel He 111. In: Klassiker der Luftfahrt Nr. 5/2014, S. 26–29. mini|Blick aus der Kanzel über Brest-Litowsk, 1939

Ab 1941 erhielt die Luftwaffe die Schulversion He 111 P-3 mit Doppelsteuerung. Im Verlaufe des Krieges wurden die He 111 neben ihrer eigentlichen Aufgabe auch als Transporter, Torpedobomber und Schleppflugzeug eingesetzt. Eine besondere Version war die He 111 Z, eine mittels eingefügtem Tragflächenmittelstück entstandene Doppelrumpfausführung mit fünf Motoren.

30 He 111 F-1 und 5 He 111 G-5 wurden an die Türkei sowie mehrere He 111 B und He 111 E an das faschistische Franco-Spanien geliefert.

mini|Produktion von Heinkel He 111 P-4

Bis 1956 wurden von der spanischen Firma Construcciones Aeronáuticas S.A. (CASA) in Tablada (Sevilla) noch rund 250 Exemplare der He-111-H-16-Lizenzversion CASA 2.111B gefertigt. Diese He-111-Ableger flogen 1957 während des Ifni-Kriegs gegen Marokko Bombenangriffe und befanden sich bei der spanischen Luftwaffe bis in die 1970er Jahre im Dienst. Hervorstechendes Unterscheidungsmerkmal sind die großen Kühler unter den Motoren, die auf die bei der 2.111B verwendeten Rolls-Royce-Merlin-Triebwerke hindeuten. Dies wurde nötig, weil die deutschen Daimler-Benz-Motoren, wie sie auch bei der 2.111A verwendet wurden, und dazu passende Ersatzteile nach Kriegsende kaum noch verfügbar waren. CASA 2.111B wurden als He-111-Doubles im Film Luftschlacht um England eingesetzt.

mini|Vollsichtbug der CASA 2.111B (spanischer He-111-Lizenzbau) mini|Torpedoangriff mit Heinkel He 111. Das Flugzeug konnte zwei Torpedos mitführen, welche an den Bombenschlössern unter dem Bombenschacht eingehängt wurden.

Produktion Neben der Fertigung bei Heinkel in Rostock (Ernst Heinkel Flugzeugwerke, EHF) und Oranienburg (Heinkel-Werke Oranienburg, HWO) wurde die Maschine in Lizenz bei den Norddeutschen Dornier-Werken (NDW) in Wismar, Arado (ArB) in Brandenburg, der Allgemeinen Transportanlagen-Gesellschaft (ATG) in Leipzig sowie bei den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken (JFM) hergestellt. Die Produktion lief von März 1936 bis September 1944.

+Bauzahlen der He 111 bis 30. September 1944VersionEHFNDWHWOArBATGJFMSUMME Prototypen44 A-01010 A66 B-077 B136283419 C1212 D3030 E80504040210 F4545 Gca. 8ca. 8 J120120 L (Umbau)(6) P-1752095 P-2451288739 P-4 (Umbau)(156) H-1952120136 H-2180182140502 H-3182196126504 H-4 (Umbau)(117 ?)(117 ?) H-5560560 H-617451745 H-6tp3030 H-11301301 H-11 TO200200 H-145050 H-16200200 H-16/R1900900 H-20770770 Z(12)(12) SUMME 5657 671 577 449 326 40 7603

Versionen Prototypen He 111 V1: Die erste He 111, ausgerüstet mit BMW VI 6,0 Z. He 111 V2: Sie war ein reines Passagier- und Postflugzeug, das zehn Personen befördern konnte und eine verkleinerte Flügelspannweite besaß. He 111 V3: Die erste reine Bomberversion, ebenfalls mit verkleinerter Spannweite. He 111 V4: Ein ziviler Prototyp, aus dem fünf Serienmaschinen He 111 C abgeleitet wurden, die von der Lufthansa eingesetzt wurden. Offiziell vorgestellt wurde er am 10. Januar 1936. He 111 V5: Letzter Prototyp; er war mit leistungsstärkeren DB-600-A-Motoren ausgerüstet und bildete dank seiner stark verbesserten Leistungen die Ausgangsbasis für die erste größere Serie von He 111 B-Bombern. Der Erstflug fand Anfang 1936 statt.

mini|He 111, die bis in die 1970er Jahre im Dienst der spanischen Luftstreitkräfte stand, 1975

Serienmuster He 111 A-0: Die in zehn Exemplaren gebaute Bomber-Null-Serie wurde komplett als Prototypen eingesetzt. 1936 wurden sechs He 111 A nach China exportiert. Die Serie war - wie die Prototypen - mit dem Motor BMW VI 6,0 Z ausgerüstetGreen S.288 He 111 B: Heinkel rüstete nun die He 111 mit stärkeren Motoren aus (je 1000 PS) und nannte diese Serie He 111 B (417 km/h). Die Luftwaffe führte diese Maschine nun doch Anfang 1937 unter der Bezeichnung He 111 B-1 mit DB-600-C-Motoren ein. Die B-2 hatte verbesserte Motoren DB 600 CG und eine stärkere Bugbewaffnung. Ab März 1937 wurden 30 Exemplare bei der Kampfgruppe 88 der Legion Condor im realen Einsatz getestet. He 111 C: Fünf Stück wurden für die Lufthansa als zivile Transportflugzeuge gebaut, siehe auch He 111 V4. Diese hatten noch den Motor BMW VI 6,0 Z.Nowarra, Luftrüstung Bd.2 S.270 He 111 D: Eine leistungsgesteigerte Version mit DB-600-Ga-Triebwerken (je 1050 PS, 460 km/h), die jedoch nicht lange gebaut wurde, da Daimler-Benz mit der Produktion von Motoren für etwa die Bf 109 vollständig ausgelastet war. Der Einsatz erfolgte als Führungsflugzeug. He 111 E: Die E-Serie flog schon 498 km/h (bessere Kühler). Auch die Baureihen E-1 und E-3 kamen in Spanien zum Einsatz, insgesamt (inkl. der B-1) knapp 100 Maschinen. Da Daimler-Benz mit der Motoren-Lieferung nicht nachkam, wurden 1000-PS-Jumo 211A-1-Motoren eingebautGreen S.292 He 111 F: Von der F-Serie wurden 30 Stück an die Türkei verkauft, einige andere waren bei der Legion Condor im Einsatz. Bei dieser Serie wurde die Flügelvorderkante und die Motorisierung geändert: Eingebaut wurden Motoren des Typs Jumo 211A-3 mit 1100 PSGreen S.292/293. Alle Typen sahen der A-Serie noch ähnlich. Die schlechten Sichtverhältnisse für die Besatzung wurden bemängelt. Dies und andere Mängel führten zur Entwicklung der He 111 P. He 111 G: Versuch, mehr zivile Kunden zu finden. Meist mit DB 600A/G-Triebwerken. Zwei Maschinen der G-3-Serie wurden versuchsweise mit Sternmotoren ausgerüstet (BMW 132Dc bzw. BMW 132H). Sie kamen zur Lufthansa und wurden dort als He 111 L bezeichnet. Es handelte sich um Umbauten. He 111 J: 90 Stück von der Luftwaffe als Torpedobomber bestellt. Sie erhielten wieder Daimler-Benz-Motoren des Typs DB 600CG.Green S.293 He 111 P: Die P-Serie besaß eine stromlinienförmige Gondel an der Rumpfunterseite, einen vollverglasten Bug und DB-601-Motoren mit je 1100 PS. Sie wurde Anfang 1939 an die Luftwaffe geliefert. Sie ersetzte die Maschinen der B- und E-Serie. mini|He 111 mit Fi-103-Flugbombe