Admiral Lasarew (russisch: Адмирал Лазарев, Transliteration: Admiral Lazarev) war der Name einer Panzerturmfregatte der Kaiserlich Russische Marine. Sie war Typschiff einer Serie von vier Schiffen. Die Schiffe der Admiral-Lasarew-Klasse waren die ersten größeren gepanzerten Einheiten der russischen Marine, die ihre Bewaffnung in Geschütztürmen führten. Das Bauprogramm trug wesentlich zur Entwicklung der russischen eisenverarbeitenden und Schiffbauindustrie bei.

Geschichte Russland hatte 1863 mit dem Bau von gepanzerten Kriegsschiffen im größeren Ausmaß begonnen. Die zehn 1864/65 in Dienst gestellten Monitore der Bronenossez-Klasse sowie das Kanonenboot Smertsch waren für die damalige Zeit moderne Schiffe. Sie trugen ihre Hauptbewaffnung in Geschütztürmen. Nachteil war neben dem kleinen Fahrbereich vor allem der geringe Freibord. Da zur damaligen Zeit die Kaiserlich Russische Marine ihren Dienstbetrieb auf See nur während der Navigationsperiode im Sommer durchführte, war dieser Umstand zunächst nicht allzu störend. Für einen Einsatz auf hoher See, aber auch im Schwarzen Meer, im Mittelmeer und in der Ostsee im Herbst und im Winter waren diese Boote jedoch wenig geeignet. Unter Beibehaltung der grundsätzlichen Konstruktion sollte daher ein mehr oder weniger hochseetaugliches Schiff nach dem verbesserten Entwurf der schwimmenden Batterien entstehen. Im 1864 verabschiedeten Schiffbauprogramm war ursprünglich unter anderem der Bau von acht größeren Schiffen vorgesehen, letztendlich wurde im August 1864 der Bau von vier Schiffen beschlossen: der Lasarew, der Greig, der Spiridow und der Tschitschagow. Der innerhalb von drei Monaten ausgearbeitete Entwurf sah eine Vergrößerung der Leistung der Maschinenanlage von 350 auf 400 PS vor. Anstelle der Batterieaufstellung der Geschütze sollten die Schiffe Geschütztürme bekommen. Der Entwurf E-3 sah eine Länge in der Wasserlinie von 75,6 m, eine Breite von 13,1 m und einen Tiefgang von 4,72 m vor. Die Verdrängung sollte bei 3007 tn.l. liegen. Der Entwurf E-2 sah eine schärfere Rumpfform vor, der Tiefgang erhöhte sich auf 4,9 m, die Verdrängung vergrößerte sich auf 3196 tn.l. Da der gleichzeitige Bau von vier Schiffen die Möglichkeiten der Admiralitätswerften überstieg, sollte der Bau auf verschiedene russische Werften aufgeteilt werden. Geplant war der Bau von zwei Schiffen nach dem Entwurf E-3 und von zwei weiteren Schiffen nach dem Entwurf E-2.

Jedes der Schiffe sollte drei Panzertürme erhalten. Die Monitore der Bronenossez-Klasse waren mit einem Turm ausgerüstet, der auf einer Konstruktion von John Ericsson beruhte, während der auf der Smertsch eingebaute Turm nach den Prinzipien von Cowper Phipps Coles konstruiert war. Die praktischen Erfahrungen hatten gezeigt, dass die Konstruktion von Cowles der von Ericsson überlegen war. Nachteilig war vor allem der hohe Schwerpunkt der Ericsson-Konstruktion. Die Schiffe sollte daher Panzertürme nach dem Vorbild der Smertsch erhalten. Von Anfang an war die Einrüstung von 22,9-cm-Kanonen mit gezogenem Rohr vorgesehen. Diese nach einem Entwurf von Krupp gebaute Waffe war das erste moderne Hinterladergeschütz, das in Russland produziert wurde.

Die Schiffe sollten auf russischen Werften gebaut werden, und es sollte ausschließlich in Russland hergestelltes Eisen für den Bau verwendet werden. Dies trug sicherlich zur Entwicklung der russischen Schiffbauindustrie bei, machte den Bau aber langwierig und kompliziert.

Größtes Problem bei der Entwicklung von Panzertürmen zur damaligen Zeit war die Lagerung der Geschützlafette. Da hydraulische Rohrbremsen bis in die 1870er-Jahre nicht verfügbar waren, musste der Rückstoß der Kanone kompensiert werden. Gewöhnlich geschah dies dadurch, dass das Geschütz anfangs direkt auf Deck, später auf am Deck befestigten Schienen zurückrollte. Die Herausforderung für die Konstrukteure bestand darin, den Rohrrücklauf so zu begrenzen, dass ein Geschütz innerhalb eines Panzerturmes aufgestellt werden konnte. Bei den ersten Konstruktionen von Geschütztürmen war die Lafette unbeweglich auf der Drehscheibe des Turms befestigt. Mit der Drehscheibe wurde die Lafette um den Pivotzapfen seitlich geschwenkt. Der Pivotzapfen konnte sich – wie bei Geschütztürmen – im Mittelpunkt der Drehscheibe befinden. Für die Aufstellung in Kasematten, Zitadellen und Batterien auf Schiffen sowie für Küstengeschütze ordnete man den Pivotzapfen auch außerhalb des Mittelpunktes der Drehscheibe an. Bei den ersten Konstruktionen von Cowles lief das Geschütz auf einer nach hinten geneigten Gleitbahn zurück. Der Rückstoß wurde durch die Reibung der Lafette auf der Gleitbahn, die Neigung und durch die für die damalige Zeit typischen Trossen, mit denen die Lafette auf der Gleitbahn vertäut war, gedämpft. Insgesamt konnte damit die Länge des Rohrrücklaufs auf ein vertretbares Maß reduziert werden. Ericsson setzte die Lafette auf Rollen und dämpfte den Rückstoß zusätzlich durch einen Reibungsdämpfer, der mit den Rollen verbunden war.Reibungsdämpfer nach Ericsson Der Dämpfer bestand aus mit der Lafette verbundenen Scheiben und Platten, die mit dem Rahmen verbunden waren. Vor dem Schuss wurden Platten und Scheiben zusammengepresst, was die Reibung erhöhte. Nach Abgabe des Schusses und nachdem die Waffe auf der Gleitbahn zurückgelaufen war, wurde der Dämpfer gelöst und die Lafette konnte leicht in die Schussposition zurückrollen. Reibungsdämpfer wurden schon früher auf Schiffen angewandt. Die Konstruktion von Ericsson zeichnete sich dadurch aus, dass die Reibung während des Zurücklaufens praktisch konstant blieb. Außerdem konnte sie durch eine Vergrößerung der Platten und Tafeln leicht erhöht werden, die Reibungskraft wuchs dabei proportional zu deren Anzahl an. Nachdem Armstrong einige Verbesserungen an der Konstruktion vorgenommen hatte, fand sie bei der Schiffsartillerie und Küstengeschützen breite Anwendung. In Russland erwarb sich Generalleutnant F. W. Pestitsch (Ф. В. Пестич), Chef der Artillerieabteilung des Kriegshafens Kronstadt, Verdienste bei der Entwicklung von Panzertürmen und Lafetten. Nach langwierigen Versuchen entwickelte Pestitsch 1871 einen Panzerturm für die 11-Zoll-Kanone M1867, der auf allen zeitgenössischen russischen Turmschiffen zum Einsatz kam. Zur Vergrößerung des Höhenrichtbereiches konnte bei der von Pestitsch konstruierten Lafette der Schildzapfen der Kanone angehoben bzw. abgesenkt werden.

Namensgeber des Schiffes war der russische Admiral Michail Petrowitsch Lasarew. Lasarew hatte sich unter anderem in der Schlacht von Navarino ausgezeichnet und war von 1833 bis zu seinem Tode 1851 Befehlshaber der Schwarzmeerflotte.

Konstruktion und Bau mini|links|Panzerturmfregatte Admiral Lasarew

Den Auftrag für die Admiral Lasarew erhielt die Werft Carr and MacPherson (Карр & Макфердсон, später Baltische Werke) in Sankt Petersburg. Gebaut werden sollte das Schiff nach dem Entwurf E-3. Die vorbereitenden Arbeiten begannen am 20. April 1865. Der Bau dieser modernen Schiffe in Russland erforderte die Lösung einer Reihe von organisatorischen und technischen Fragen. Das Sortiment der eisenerzeugenden Betriebe musste an die Anforderungen des modernen Schiffbaus angepasst und eine Organisation zur Qualitätssicherung geschaffen werden. Dabei waren jedoch die technologischen Möglichkeiten der russischen Hersteller zu berücksichtigen. Teilweise mussten bereits hergestellte Teile nochmals produziert oder nachgearbeitet werden, da sie den Qualitätsanforderungen nicht genügten. Die Panzerung für die Admiral Lasarew und die Schwesterschiffe wurde von den Ischorski-Werken geliefert, ein Teil auch von dem Eisenwerk der Bergbaubehörde in Kamensk.

Weiterhin wurde der Bau der Schiffe durch laufende Änderungen am Projekt verzögert. So wurde nach dem Vorbild des britischen Schiffes Bellerophon ein doppelt beplankter Bug vorgesehen. Die Verstärkung der Struktur sollte Rammstöße ermöglichen und den Rumpf vor Beschädigungen bei Aufnehmen des Ankers in stürmischer See schützen. Nach der Havarie der Kanonenboote Smertsch und Latnik im Jahr 1865 wurde die bis dahin gebräuchliche Verlegung der Lüftungsrohre aufgegeben. Stattdessen sollten sie an den Deckträgern aufgehängt werden. Bei der Durchführung durch ein Hauptschott sollten die Lüftungsrohre Sperrventile bekommen. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass die Schotten tatsächlich in jedem Fall wasserdicht waren. Auf Vorschlag des Vorsitzenden des Schiffbaukomitees GeneralmajorIn der Kaiserlich-Russischen Marine führten Angehörige technischer Laufbahnen traditionell Dienstgrade des Heeres. S. I. Tschernjawski (С. И. Чернявский) wurde die Stärke der Panzerung der Bordwände von 114 auf 152 mm angehoben, obwohl die Herstellung derartig starker Panzerplatten Schwierigkeiten bereitete.

Die Panzerung war mehrschichtig aufgebaut. Auf den Rumpf wurde zunächst eine Lage von Planken aus Teakholz mit einer Stärke von 229 mm aufgebracht, darauf eine Lage von Eisenplatten mit einer Stärke von 25,4 mm.Die krummen Maße ergeben sich, weil in Russland zur damaligen Zeit das metrische System noch nicht benutzt wurde. 25,4 mm entsprechen dem russischen Längenmaß Djuim (Дюйм) bzw. einem Zoll. Darauf wurde eine Lage vertikal verlaufender Teakholzplanken mit einer Stärke von 203 mm verlegt, auf die wiederum die Panzerplatten von 14 bzw. 152 mm Stärke verlegt wurde. Die vertikal verlaufenden Teakholzplanken wurden durch Eisenwinkel gleicher Dicke verstärkt. Sie sollten ein Einbeulen der Panzerung bei Treffern verhindern. Die Unterfütterung mit Teakholz verhinderte einerseits ein Absplittern von Teilen der spröden Panzerung, andererseits dämpfte das elastische Material die eingeleiteten Kräfte und verhinderte so ein Ausreißen der Befestigungsbolzen der Panzerung. Die 25,4 mm starke Zwischenschicht aus Eisen sollte Splitter und Geschosse auffangen, welche die äußere Panzerung durchschlagen hatten. Die Innenhaut mit einer Stärke von 14,3 mm bildete die letzte Schicht. Diese Panzerung sollte nach Meinung Tschernjawskis besser vor Treffern schützen als die Panzerung der Bellerophon. Vorteil der zweilagigen Panzerung war neben der höheren Qualität auch der geringere Preis gegenüber einer einlagigen Panzerung vergleichbarer Stärke und die Tatsache, dass Panzerplatten größerer Stärke in Russland nur schwer herzustellen waren. Die Frontpanzerung der Türme wurde auf 165 mm verstärkt, die Seiten und die Rückwände waren 127 mm stark gepanzert.

Die Änderungen an der Panzerung vergrößerten die Verdrängung um ungefähr 240 t. Dadurch vergrößerte sich der mittlere Tiefgang um 0,3 m, am Heck auf insgesamt 5,6 m. Dies erschien zulässig, ein negativer Einfluss auf die Eigenschaften des Schiffes wurde nicht befürchtet. Um den Freibord von 1,52 m zu erhalten, wurden die Bordwände um 0,3 m erhöht.

Anstelle der ursprünglich vorgesehenen zweiflügeligen Schiffsschrauben wurden nun dreiflügelige mit einem Durchmesser von 4,57 m verbaut. Dadurch wurde der durch die größere Verdrängung verursachte Geschwindigkeitsverlust teilweise kompensiert. Gleichzeitig wurde die Ruderanlage modifiziert. Statt gewöhnlicher kamen nun balancierte Ruder zum Einsatz. Der Befehlshaber des Panzergeschwaders, Konteradmiral I. F. Lichatschew (И. Ф. Лихачев) setzte diese Änderung in einer Nachschrift zum Bauauftrag am 26. Oktober 1865 durch. Als vorteilhaft wurde die bessere Manövrierbarkeit des Schiffes bei kleiner Fahrt angesehen. Dadurch konnten auch Überlastungen der Ruderanlage vermieden werden, wie sie bei der Perwenez (Первенец) und der Ne tron menja (Не тронь меня) aufgetreten waren.