Yoon Jeong-hee (* 30. Juli 1944 in Busan, Provinz Chōsen, damaliges Japanisches Kaiserreich, heutiges Südkorea; † 19. Januar 2023 in Paris, Frankreich) war eine südkoreanische Schauspielerin.
Biografie Yoon Jeong-hee startete ihre Schauspielkarriere im Jahr 1966, als sie von Kang Dae-Jin in einem landesweiten Casting aus 1200 Mitbewerbern ausgewählt wurde.vgl. Pressemappe zu Poetry bei festival-cannes.fr (PDF-Datei, 6,55 MB; aufgerufen am 22. Mai 2010) Sie erhielt daraufhin die weibliche Hauptrolle in seinen Film Cheongchun geukjang (1967; englischsprachiger Titel Sorrowful Youth), der von einer Gruppe junger Freischärler berichtet, die für eine Unabhängigkeit von Japan agieren. Dem Drama war großer Erfolg in Südkorea beschieden und allein in Seoul sahen den Film 270.000 Menschen. Daraufhin folgten weitere Hauptrollen im südkoreanischen Kino, vorwiegend in Dramen.
In den 1960er und 1970er Jahren stieg Yoon Jeong-hee neben Moon Hee und Nam Jung-hee zu einer der führenden Filmschauspielerinnen in ihrem Heimatland auf. Sie erschien bis heute in über 330 Filmen und wurde mit 24 Darstellerpreisen ausgezeichnet.
Im Jahr 1974 heiratete sie den bekannten Pianisten Paik Kun-woo, mit dem sie eine Tochter hat, die Violinistin ist.vgl. Interviewmit Paik Kun-woo bei kdaily.com, 1. Dezember 2008 (aufgerufen am 22. Mai 2010) Seit 1976 lebt das Paar in Frankreich.vgl. Chung Ah-young: Actress Yoon Returns to Screen After 15 Yrs. In: Korea Times, 28. August 2009 (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft) 1994 beendete sie mit Manmubang von Jong-seon Eom vorerst ihre Filmkarriere. Das Drama über den Koreakrieg brachte ihr den Darstellerpreis bei den Grand Bell Awards, Südkoreas nationaler Filmpreis, ein. Weitere Rollenangebote lehnte sie ab. Sie blieb dem Kino als Jurymitglied bei verschiedenen Filmfestivals verbunden, darunter dem von Pusan (2001).vgl. Paquet, Darcy: South Korea's Pusan fest's 6th edition line-up. In: Screen International, 10. Oktober 2001 (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft) 40 Jahre nach ihrem Leinwanddebüt wurde sie im Jahr 2007 mit einer Sonderausstellung im Korean Film Archive in Seoul gewürdigt.vgl. Chung Ah-young: Actress Yoon Marks 40th Anniversary of Debut. In: Korea Times, 3. Dezember 2007 (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft)
2010 kehrte Yoon Jeong-hee mit der Hauptrolle in Lee Chang-dongs Poetry (Shi) auf die Kinoleinwand zurück. In dem Drama ist sie als fragile Mija zu sehen, die allein ihren jugendlichen Enkel versorgt und an einem Lyrik-Workshop teilnimmt. Gleichzeitig wird sie mit ihrer Alzheimer-Krankheit konfrontiert sowie dem Vorwurf, dass ihr Enkel eine Mitschülerin vergewaltigt haben soll. Lee Chang-dong hatte die Rolle eigens für sie geschrieben.
Poetry feierte seine Premiere auf den 63. Filmfestspielen von Cannes, wo Yoon Jeong-hee Lob seitens der Kritiker erhielt. Sie wurde daraufhin als Mitfavoritin auf den Darstellerpreis gehandelt,vgl. „A qui la Palme?“. In: 24 Heures. 22. Mai 2010, S. 35vgl. EFE: Sin favoritos para la Palma de Oro, Bardem acapara las apuestas en Cannes. 22. Mai 2010, 2:57 PM GMT, Festival Cannes (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft) der aber an die Französin Juliette Binoche (Copie conforme) verliehen wurde. „Die Figur ist wie ich: sie ist eine Träumerin, unschuldig, phantasievoll, vielleicht etwas exzentrisch“, so Yoon Jeong-hee, die plant, ihre Filmkarriere fortzusetzen.vgl. Lee Changdong: "ce qui m’intéresse, c’est le conflit intérieur du personnage" bei festival-cannes.fr (aufgerufen am 22. Mai 2010)
2019 wurde öffentlich bekannt, dass sie an Alzheimer erkrankt ist.
Am 19. Januar 2023 verstarb sie in Paris, wo sie gemeinsam mit ihrem Ehemann lebte.
Filmografie (Auswahl) Liste nach der Korean Movie Database (KMDb)., abgerufen am 18. März 2021