mini|Karte der Auslandsstationen der Kaiserlichen Marine 1901–1914

Als Kreuzergeschwader bezeichnet man im Allgemeinen Verbände von Kriegsschiffen, vorwiegend von Kreuzern, in Geschwaderstärke. Zu ihren Aufgaben gehörten die Sicherung der Handelswege über See, Operationen an feindlichen Küsten und das Aufspüren und Bekämpfen gegnerischer Geleitzüge und Kriegsschiffverbände.

In der deutschen kaiserlichen Marine wurden Kreuzergeschwader zur Unterstützung der Kolonialpolitik des Reiches entsandt, um Aufstände, Unruhen und Streitigkeiten in den Kolonien zu befrieden. Es gab mehrere ostasiatische, ostafrikanische und westafrikanische Kreuzergeschwader, darüber hinaus auch zwei ostasiatische und eine ostamerikanische Kreuzerdivision.

Das erste ständige Kreuzergeschwader wurde Anfang 1881 in Tschifu (China) unter Kapitän zur See und Kommodore Louis von Blanc gebildet. Die übliche Bezeichnung war daher Ostasiatisches Kreuzergeschwader, obwohl es auch vor Australien, in der Südsee und schließlich vor Ostafrika auftrat. Von 1886 bis 1893 stellte die Kaiserliche Marine ein permanentes Kreuzergeschwader auf, das in der Region zwischen der Ostküste Afrikas, Australien und der Westküste Südamerikas pendelte. Dieses Geschwader sollte 1893 aus Kostengründen aufgegeben werden. Der chinesisch-japanische Krieg (1894) jedoch zwang alle Großmächte, ihre Einheiten in Ostasien aufzustocken.

Ostasiatisches Kreuzergeschwader 1881–1915

Westafrikanisches Geschwader 1884–1885 Am 14. Juli 1884 schloss Gustav Nachtigal in Anwesenheit des Kanonenbootes Möwe in Bellstadt (Douala) Schutzverträge mit Headmen der Duala, hisste die deutsche Flagge und nahm für das Deutsche Reich Kamerun als Kolonie Deutsch-Westafrikas in Besitz. Danach verließ die Möwe ihr Stationsgebiet vor Kamerun und nahm Flaggenhissungen in den Küstengebieten von Gabun, Togo und Angola vor. Anschließend beteiligte sie sich an der Gründung der Kolonie Deutsch-Südwestafrika.

Inzwischen wurden die deutschen Wirtschaftsinteressen in Kamerun, vor allem die Niederlassungen der Hamburger Reederei Carl Woermann sowie der Firma Jantzen & Thormählen, durch Annexionsmaßnahmen anderer europäischer Mächte an der afrikanischen Westküste gefährdet. Schon bald kam es auch zu Aufständen der einheimischen Bevölkerung, die von englischen Kolonialisten geschürt wurden. Am 30. September 1884 gab Kaiser Wilhelm I. den Befehl zur Aufstellung eines Westafrikanischen Geschwaders unter dem Befehl des Chefs des Stabes der Admiralität, Konteradmiral Eduard von Knorr.Heiko Herold: Reichsgewalt bedeutet Seegewalt. Die Kreuzergeschwader der Kaiserlichen Marine als Instrument der deutschen Kolonial- und Weltpolitik 1885 bis 1901 (Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 74, zugleich Phil. Diss. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), München (Oldenbourg Verlag) 2012. ISBN 978-3-486-71297-1. Seite 25. In Anm. 37 präzisiert Herold, dass die Bezeichnung "Geschwader", nicht "Kreuzergeschwader" war. Er setzte am 15. Oktober seine Flagge auf der Kreuzerfregatte Bismarck.

mini|Kreuzerfregatte Gneisenau

Kreuzerfregatte Bismarck – Flaggschiff September 1884 bis Juli 1885 Kreuzerkorvette Ariadne; Oktober 1884 Kreuzerfregatte Gneisenau; Oktober bis Dezember 1884 Kreuzerkorvette Olga; Oktober 1884 bis April 1885 Tender Dampfer Adler

Erster Geschwadereinsatz vor Westafrika mini|SMS Olga bei der Beschießung von Hickorytown (heute Duala) in Kamerun am 21. Dezember 1884 mini|Erstürmung von Belltown durch das Landungskorps der SMS Olga im Dezember 1884 (Zeichnung von Carl Saltzmann, 1885)

Das Geschwader trat am 30. Oktober die Fahrt nach Kamerun an. Bei den Kapverdischen Inseln wurden die Ariadne nach Liberia und Französisch-Guinea und die Gneisenau nach Ostafrika entlassen. Am 17. Dezember ankerten die Bismarck und die Olga im Kamerun-Fluss hinter der Suellaba-Spitze.

Kurz zuvor war die Siedlung von Ndumbe Bell, dem König der Duala, niedergebrannt und die deutsche Fahne entfernt worden. Admiral Knorr entschloss sich zum sofortigen militärischen Eingreifen. Die Landungskorps der beiden Schiffe wurden abgesetzt, um die Ortschaften der Rebellen zu zerstören und deren Häuptlinge festzunehmen. Zwei Küstendampfer, Fan und Dualla, wurden als Landungsfahrzeuge eingesetzt und setzten am 20. Dezember zusammen 307 Soldaten, drei 8,7-cm-Schiffsgeschütze und eine 3,7-cm-Maschinenkanone bei Hickorytown an Land. Der Widerstand der Aufrührer wurde gegen Mittag gebrochen; sie flüchteten in die Mangrovenwälder.

Unterdessen erreichte die Landungskorps die Nachricht, dass Aufrührer auf dem gegenüber liegenden Ufer die Faktorei der Firma Jantzen & Thormählen überfallen und deren Leiter verschleppt hätten. Die Truppe setzte über und eroberte die zäh verteidigte, in den Fluss hinausragende Joß-Platte und den Ort Joßtown. Gegen Abend wurde die Ermordung des Faktoreileiters bekannt. Am nächsten Morgen gelang es, einige Rädelsführer festzunehmen. Am Nachmittag erschien die Olga, die nach vorherigen Auslotungen die Fahrt flussaufwärts bei Flut gewagt hatte, mit Admiral Knorr an Bord. Nach weiteren Durchsuchungen und Beschießung der Dörfer mit Granatfeuer kehrten die Landungskorps am 22. Dezember auf ihre Schiffe zurück. Das Unternehmen hatte einen Toten und acht Verwundete gekostet, hinzu kam, dass bei zahlreichen Teilnehmern Malaria ausbrach.

Die Olga mit Konteradmiral Knorr verblieb im Unruhegebiet, die Bismarck konnte wegen ihres Tiefgangs nicht bis dorthin folgen. Nach Verhängung des Belagerungszustandes und Erklärung einer Handelsblockade sowie Zurückweisung des anmaßenden Auftretens des britischen Konsuls Edward H. Hewett, der auf dem Kanonenboot HMS Watchful erschienen war, klangen die Unruhen ab. Bis Januar 1885 trat unter der Bevölkerung endgültige Beruhigung ein, bis März beugten sich auch die Häuptlinge der Gewalt und lieferten sogar den Mörder des Faktoreileiters Pantaenius zur Exekutierung aus. Auch die Streitereien unter ihnen hörten auf.

Am 31. Dezember 1884 traf das Kanonenboot Möwe wieder vor Kamerun ein. Sie erhielt Auftrag, den schwer erkrankten Reichskommissar Gustav Nachtigal in ein besseres Klima nach den Kanarischen Inseln zu bringen, doch starb Nachtigal schon am 21. April an Bord. Das Kanonenboot fuhr dann durch das Mittelmeer nach Ostafrika. Die Olga, die durch das als Stationär vorgesehene am 23. März 1885 eingetroffene Kanonenboot Habicht abgelöst wurde, konnte zusammen mit dem Tender Adler in die Heimat zurückkehren. Die Bismarck unternahm zunächst Fahrten entlang der Küste und hisste an mehreren Orten des Kamerun-Gebietes die deutsche Flagge, ließ auch Erkundungen im Hinterland vornehmen. Den Befehl, über Südwestafrika nach Ostafrika zu gehen, konnte sie erst am 7. Juli nach Eintreffen des ersten Kaiserlichen Gouverneurs für Kamerun, des Freiherrn von Soden, ausführen. Inzwischen nahm sie Vermessungsarbeiten im Kamerun-Fluss vor und schaltete sich an der Küste von Togo in örtliche Abgrenzungsdifferenzen mit Frankreich ein. Als zweiter Stationär traf das Kanonenboot Cyclop in Kamerun ein.

Nach Befriedung von Stammesfehden und Unruhen im Kolonialgebiet wurde das Westafrikanische Kreuzergeschwader im Juli 1885 wieder aufgelöst. Vor der Küste Ostafrikas warteten neue Aufgaben.

Zweiter Geschwadereinsatz vor Westafrika Im September 1885 erhielt Kapitän zur See Karl Paschen den Befehl, aus den Kreuzerfregatten Stosch, Prinz Adalbert und Gneisenau, die unter Befehl von Konteradmiral Knorr im Geschwadereinsatz vor Ostafrika standen, ein selbständiges Geschwader zu bilden und mit diesem zunächst nach Westafrika zu verlegen. Am 11. Oktober ging die Stosch in Kapstadt zunächst ins Dock. Die lange Reparaturzeit veranlasste Paschen, der am 1. Oktober zum Konteradmiral befördert worden war, auf die Prinz Adalbert überzusteigen, um schneller in sein Operationsgebiet zu gelangen. Allerdings hatte sich die politische Lage inzwischen so weit beruhigt, dass die Gneisenau nach Ostafrika zurückkehren konnte, während Prinz Adalbert und Stosch den Befehl zur Heimreise erhielten.

Ein Sonderauftrag führte Konteradmiral Paschen aber zunächst nach Kamerun, um dort die politischen Verhältnisse zu erkunden. Ende November trafen Stosch und Prinz Adalbert vor Freetown wieder zusammen. Paschen wechselte wieder auf die Stosch und übernahm nun den Auftrag, die Entwicklung im Karolinenstreit zwischen Spanien und Deutschland vor den Kapverdischen Inseln abzuwarten. Erst als dieser durch einen Schiedsspruch des Papstes Leo XIII. geregelt war, wurde die Heimreise fortgesetzt und das Westafrikanische Geschwader im Dezember 1885 aufgelöst.

Ostafrikanisches Kreuzergeschwader 1885–1886 Carl Peters gründete 1884 die „Gesellschaft für Deutsche Kolonisation“ und ließ sich von dieser einen Auftrag zum Gebietserwerb in Ostafrika erteilen. Die Reichsregierung hatte es allerdings abgelehnt, Peters’ Expedition unter den Schutz des Reiches zu stellen. Dennoch begann dieser, auf dem Festland gegenüber Sansibar „Schutzverträge“ abzuschließen. Die Vertragsabschlüsse bestanden darin, dass Peters örtliche Häuptlinge aufsuchte und ihnen – oft nach reichlichem Alkoholgenuss – deutschsprachige Schriftstücke vorlegte, auf die sie dann Kreuze als Unterschrift zeichneten. Darin wurde ihnen Schutz vor Feinden zugesagt, umgekehrt wurden die Rechte der Kolonisationsgesellschaft so beschrieben: das alleinige und uneingeschränkte Recht, Zölle und Steuern zu erheben, eine Justiz und Verwaltung einzurichten, bewaffnete Truppen ins Land zu bringen und Siedlern die Berge, Flüsse, Seen und Forsten zur beliebigen Nutzung zu überlassen. Eine Prüfung daraufhin, ob die afrikanischen Vertragspartner verstanden, was sie vorgelegt bekamen, oder ob sie überhaupt eine Vollmacht hatten, über die angesprochenen Befugnisse zu verfügen, wurde nicht vorgenommen.

Vergebens protestierte der Sultan von Sansibar, Barghasch ibn Said, der das ostafrikanische Küstenland seit Generationen als Herrschaftsgebiet seiner Familie beanspruchte. Bis um 1870 hatte sich der ostafrikanische Herrschaftsbereich des Sultanats Sansibar im Landesinneren bis jenseits des Tanganjikasees ausgebreitet. Nun entstand ein Interessenkonflikt mit der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, die ab 1884 begann, Herrschaftsrechte auf dem Kontinent zu erwerben. Wilhelm I. erteilte Peters nun doch einen kaiserlichen Schutzbrief über die Landschaften Usagara, Nguru, Useguha und Ukami und erteilte am 9. Mai per Kabinettsorder formell den Befehl zur Aufstellung eines Kreuzergeschwaders und befahl gleichzeitig auch dessen Zusammensetzung.Wilhelm I. an Caprivi (Kabinettsordre), 9. Mai 1885, BArch, RM 1/2845, Bl. 113.

Bereits vier Tage vorher hatte Wilhelm I. wiederum Admiral Knorr, der sich zu diesem Zeitpunkt nach Auflösung des Westafrikanischen Geschwaders auf SMS Bismarck noch in Westafrikanischen Gewässern aufhielt, zum Geschwaderchef ernannt.