Die Johannisbeeren (bundesdeutsches Hochdeutsch, auch in Vorarlberg) oder Ribiseln (österreichisches Schriftdeutsch, auch in Bayern und Südtirol; Ribes),Ulrich Ammon, Hans Bickel, Jakob Ebner, Ruth Esterhammer, Markus Gasser, Lorenz Hofer, Birte Kellermeier-Rehbein, Heinrich Löffler, Doris Mangott, Hans Moser, Robert Schläpfer, Michael Schloßmacher, Regula Schmidlin, Günter Vallaster: Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Walter de Gruyter, Berlin / New York 2004, S. 375, 632. im Schweizerdeutschen (Meer-)Trübeli oder Ribiseli (weitere Namen siehe unten), sind die einzige Pflanzengattung in der Familie der Stachelbeergewächse (Grossulariaceae). Sie umfasst die im Deutschen als Johannisbeere bzw. Ribisel und Stachelbeere bezeichneten Arten. Einige Arten und ihre Sorten werden als Beerenobst, andere als Zierpflanzen genutzt.
Beschreibung mini|links|Illustration der Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum)
Vegetative Merkmale Bei den Ribes-Arten handelt es sich um meist laubabwerfende, selten immergrüne (Ribes viburnifolium) oder fast immergrüne (Ribes speciosum ) Sträucher, die Wuchshöhen von 1 bis 1,5 Meter erreichen, oder selten kleine Bäume.John Borg: Cultivation and diseases of fruit trees in the Maltese Islands. Govt. Printing Office, Malta 1922.D. L. Domondon, J. Poppe, L. J. L. D. van Griensven: Fruit optimization with wastes used for outdoor cultivation of king stropharia. In: Science and cultivation of edible fungi. Band 2, 2000, S. 909–918. Wenige Arten leben als Epiphyten. Meist sind Kurz- und Langtriebe ausgebildet. Ein Teil der Arten ist mit Dornen bewehrt. Die Knospen besitzen papierartige bis krautige Schuppen; in ihnen sind die Blätter meist gefaltet. Die wechselständig und spiralig oder selten zu mehreren zusammengefassten, an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist einfach (Ribes speciosum, Ribes viburnifolium), oft drei- bis fünffach gelappt; bei einigen Arten besitzen sie einen auffälligen Geruch. Nebenblätter fehlen meist.
Generative Merkmale Es werden meist einfache, traubige, fast sitzende doldige oder schirmtraubige Blütenstände gebildet, bei einigen Arten ist der Blütenstand auf ein bis wenige Blüten reduziert. Unter jeder Blüte befinden sich zwei Tragblätter.
mini|links|Blütenstand der Roten Johannisbeere (Ribes rubrum) Die Blüten sind zwittrig oder eingeschlechtig; wenn die Blüten eingeschlechtig sind (beispielsweise Ribes diacanthum ), dann sind die Pflanzen zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Es ist ein freier Blütenbecher (Hypanthium) vorhanden. Es ist nur ein Kreis mit vier oder fünf fertilen Staubblättern vorhanden. Die radiärsymmetrischen Blüten sind vier- oder fünfzählig im Grundsatz mit doppelten Perianth. Die vier bis fünf, meist kronblattartigen, grünlichen, weißen, gelben, von rosafarben über rot bis purpurfarbenen Kelchblätter sind untereinander und mit der Basis des Fruchtknotens verwachsen. Die Kelchlappen sind aufrecht oder zurückgebogen. Es sind vier oder fünf grünliche, weiße, gelbe, von rosafarben über rot bis purpurfarbene Kronblätter vorhanden oder sie fehlen bei manchen Arten. Es ist nur der äußere Kreis mit vier bis fünf fertilen Staubblättern vorhanden. Bei funktional weiblichen Blüten sind die Staubblätter steril. Zwei Fruchtblätter sind zu einem meist unterständigen, selten halbunterständigen, einfächerigen Fruchtknoten verwachsen und enthalten viele Samenanlagen. Bei männlichen Blüten kann ein Gynözeum rudimentär vorhanden sein. Der Griffel ist zweilappig oder sogar bis zur Hälfte seiner Länge zweigeteilt. Es ist ein prominenter, relativ dicker, dunkelroter, purpurfarbener oder gelber Diskus vorhanden, oder er ist prominent und grünlich. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie). Lang- und kurzrüsselige Bienen und Kolibris sind die häufigsten Bestäuber; die Blüten einiger Arten werden von Schmetterlingen besucht.
mini|Fruchtstände der Schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum) mini|Samen der Gold-Johannisbeere (Ribes aureum) Auf den saftigen Beeren ist der Kelch noch erhalten, und sie enthalten selten nur drei bis zehn, meist zehn bis hundert Samen. Die braunen bis schwarzen Samen enthalten Öl, aber keine Stärke. Die Testa und das viele Endosperm sind gelatinös. Der gerade Embryo ist zylindrisch und winzig.
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 8.
Namen Der Name „Johannisbeere“ leitet sich vom Johannistag (24. Juni) her, um den herum die ersten Sorten reif werden.
Die Bezeichnung „Ribiseln“, von lateinisch ribes, über das gleichlautende italienische Wort,Günther Drosdowski (Hrsg.): Duden "Etymologie": Herkunftswörterbuch der Deutschen Sprache. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 1989, ISBN 3-411-20907-0. stammt vom arabischen ribâs, einer im Libanon wachsenden Rhabarberart, was die mittelalterlichen Botaniker zu ribes veränderten.Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band IV, Nachdruck. Parey, Berlin 1975, ISBN 3-489-70021-X, S. 43 f.
Es existiert eine Vielzahl von weiteren, mitunter landschaftlichen Bezeichnungen für die Johannisbeere/Ribisel, darunter: „Aalbeere“ (Umbildung von „Alantbeere“, aufgrund eines alantähnlichen Geschmacks), „Gichtbeere“ (aufgrund einer früheren Anwendung [schwarzer Johannisbeeren] gegen „Gicht“), „W(i)imele“ (um Aachen).
In vielen rheinfränkischen und alemannischen Mundarten im Gebiet zwischen Lothringen im Westen, Untermain im Nordosten und der Schweiz im Süden finden sich Zusammensetzungen mit Traube/Träubel: im Saarland, der Pfalz und Südhessen Varianten von „Gehannstraube“, z. B. „Gehons-/Kans-/Kan(t)ztraube/-trauwe(l(e))“ in Nordbaden „Hanstreible“, in Südbaden „Hanstriibili“, „Sunnetribile“ und Varianten;Sunnetribile, Sunnetribili, Hanstriibili, Hanstribele, Hannistribeli. In: Alemannisch-Lexikon, alemannische-seiten.de, abgerufen am 30. April 2025. in Schwaben „Träuble“; in der Deutschschweiz „Trübeli“ oder (vor allem um Bern) „Meertrübeli“.
Weltproduktion 2016 betrug die Welternte 655.000 Tonnen. Das Land mit der größten Johannisbeerenproduktion der Welt war Russland, das 52,7 % der weltweiten Ernte produzierte. Europa war für etwa 97,5 % der Welternte verantwortlich.FAOSTAT-Produktionsstatistik, aufgerufen am 25. Januar 2018.
Die zehn größten Johannisbeeren-Produzenten waren 2016: Produktionsland Menge in t % der Weltproduktion 345.049 52,7 166.110 25,4 24.500 3,7 13.992 2,1 11.353 1,7 10.733 1,6 9.890 1,5 3.056 0,5 2.805 0,4 1.867 0,3 Welt 655.030 100
Systematik und Verbreitung mini|Untergattung Berisia Sektion Berisia: Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum) mini|Untergattung Berisia Sektion Hemibotrya: Ribes fasciculatum var. chinense mini|Untergattung Grossularia Sektion Grossularia: Blüten der Oregon-Stachelbeere (Ribes divaricatum var. divaricatum) mit zurückgekrümmten Kelchblättern mini|Untergattung Grossularia Sektion Grossularia: Früchte der Zartblütigen Stachelbeere (Ribes leptanthum) mini|Untergattung Grossularia Sektion Grossularia: Stachelbeere (Ribes uva-crispa) mini|Untergattung Grossularioides: Sumpf-Stachelbeere (Ribes lacustre) mini|Untergattung Ribes Sektion Botrycarpum: Ribes bracteosum mini|Untergattung Ribes Sektion Botrycarpum: Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) mini|Untergattung Ribes Sektion Calobotrya: Ribes malvaceum var. viridifolium mini|Untergattung Ribes Sektion Calobotrya: Blut-Johannisbeere (Ribes sanguineum) mini|Untergattung Ribes Sektion Cerophyllum: Ribes cereum var. cereum mini|Untergattung Ribes Sektion Heritiera: Blütenstände von Ribes laxiflorum mini|Untergattung Ribes Sektion Ribes: Blütenstände von Ribes meyeri mini|Untergattung Ribes Sektion Ribes: Felsen-Johannisbeere (Ribes petraeum) mini|Untergattung Ribes Sektion Symphocalyx: Gold-Johannisbeere (Ribes aureum)
Die Familie Grossulariaceae wurde 1805 von Augustin-Pyrame de Candolle in Flore Française, Troisième Édition, 4(2), S. 405 aufgestellt. Die Typusgattung Grossularia wurde 1754 von Philip Miller in The Gardeners Dictionary … Abridged …, 4. Auflage mit der Typusart Grossularia hirsuta veröffentlicht. Einige der noch bei A. Cronquist 1981 in die Grossulariaceae eingegliederte Gattungen mit Kapselfrüchten bilden heute eigene Familien: Itea als Iteaceae und Escallonia f. als Escalloniaceae.
Der Gattungsname Ribes wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 200–202 erstveröffentlicht. Typusart ist die Ribes rubrum Synonyme für Ribes L. sind: Botrycarpum A. Rich., Botryocarpium , Calobotrya , Cerophyllum , Chrysobotrya , Coreosma , Grossularia , Liebichia , Rebis , Ribesium , Rolsonia
Die Gattung Ribes wird in Untergattungen und Sektionen gegliedert, hier jeweils mit einer Auswahl an Arten:
Untergattung Berisia: Sektion Berisia: Ribes affine : Sie kommt in Mexiko vor. Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum , Syn.: Ribes dioicum ), Heimat: Europa, Kaukasusraum Ribes armenum : Sie kommt in Armenien vor. Ribes brachybotrys : Sie kommt in Bolivien und in Peru vor. Ribes cuneifolium : Sie kommt in Peru vor. Ribes fontaneum : Sie kommt in der Region Primorje in Ostasien vor. Ribes glaciale : Sie kommt in Pakistan, Indien, Nepal, Bhutan und in China vor. Ribes heterotrichum : Sie kommt in Pakistan in Zentralasien, Sibirien und in Xinjiang vor. Ribes komarovii : Sie kommt in China, Nordkorea und in der Region Primorje vor. Ribes laciniatum (Syn.: Ribes tenue ): Sie kommt in Indien, Bhutan, Nepal, Myanmar und in China vor. Ribes luridum : Sie kommt in Indien, Nepal, Bhutan, Sichuan und Yunnan vor. Ribes maximowiczianum : Sie kommt in Japan, Korea, in der Region Primorje und in China vor. Ribes maximowiczii , Heimat: Japan, Korea, China, Mandschurei Ribes orientale : Die Art kommt in Europa in Griechenland vorJaakko Jalas, Juha Suominen, Raino Lampinen, Arto Kurtto: Atlas florae europaeae. Band 12 (Resedaceae to Platanaceae). S. 237, Helsinki 1999, ISBN 951-9108-12-2, außerdem in Westasien, im Kaukasusgebiet, in Indien, Pakistan, Nepal, Bhutan und in China. Ribes vilmorinii : Sie kommt in China vor. Sektion Davidia: Ribes henryi : Sie kommt in den chinesischen Provinzen Hubei und Sichuan vor. Ribes laurifolium , Heimat: Nordchina Sektion Diacantha: Tienshan-Johannisbeere (Ribes diacanthum ), Heimat: Ostsibirien, Mongolei, Mandschurei, Nordkorea Ribes pulchellum : Sie kommt in China, in der Mongolei und in Ostsibirien vor. Ribes saxatile : Sie kommt in Sibirien, in Kirgisistan und in der chinesischen Provinz Xinjiang vor. Sektion Hemibotrya: Dolden-Johannisbeere (Ribes fasciculatum ), Heimat: Japan, Korea, Nordchina Untergattung Grossularia (Stachelbeeren) Sektion Grossularia Ribes aciculare : Sie kommt in Zentralasien, in der Mongolei, in Sibirien und in Xinjiang vor. Ribes alpestre : Sie kommt in Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal, Bhutan und in China vor. Ribes binominatum : Sie kommt in Oregon und in Kalifornien vor. Ribes burejense : Sie kommt in China, in der Mongolei, in Nordkorea und in Russlands Fernem Osten vor. Ribes curvatum : Sie kommt in den US-Bundesstaaten Oklahoma, Texas, Alabama, Arkansas, Georgia, Louisiana und Tennessee vor. Hunds-Stachelbeere (Ribes cynosbati .; Syn.: Ribes gracile ), Heimat: Kanada, USA Oregon-Stachelbeere (Ribes divaricatum ), Heimat: Kanada, USA Ribes formosanum : Sie kommt auf Taiwan vor. Ribes hirtellum , Heimat: Kanada, USA Ribes inerme : Sie kommt im westlichen Kanada und in den westlichen Vereinigten Staaten vor. Zartblütige Stachelbeere oder Colorado-Stachelbeere (Ribes leptanthum ), Heimat: USA (Colorado, Utah, New Mexico) Ribes missouriense : Sie kommt in den zentralen, nördlichen und östlichen US-Bundesstaaten vor. Schnee-Stachelbeere (Ribes niveum ), Heimat: USA Manitoba-Stachelbeere (Ribes oxyacanthoides ), Heimat: Kanada, USA Arizona-Stachelbeere (Ribes pinetorum ): Sie kommt in den US-Bundesstaaten Arizona sowie New Mexico vor.