mini|Ortsansicht

Slavíkovice (deutsch Slawikowitz, auch Lakowitz) ist ein Ortsteil der Stadt Rousínov im Okres Vyškov in Tschechien. Er liegt anderthalb Kilometer südwestlich von Rousínov. Bekanntheit erlangte das Dorf im Sommer 1769 durch den legendären Furchenzug des Kaisers Joseph II.

Geographie Das Angerdorf Slavíkovice befindet sich beiderseits des Flüsschens Rakovec am Fuße der westlichsten Ausläufer der Litenčické vrchy in der Vyškovská brázda (Wischauer Tor). Südöstlich erhebt sich der Kroužecký kopec (349 m n.m.), im Süden der Urban (360 m n.m.) und die Stará hora (299 m n.m.). Südlich des Ortes führt die Autobahn D 1 vorbei; die nächste Abfahrt 216 Rousínov liegt einen knappen Kilometer gegen Südost. Am nördlichen Ortsrand verläuft die Bahnstrecke Brno – Přerov, der Bahnhof Rousínov befindet sich in Slavíkovice.

Nachbarorte sind Královopolské Vážany im Norden, Rousínov im Nordosten, Rousínovec und Kroužek im Osten, Slavkov u Brna im Süden, Velešovice im Südwesten sowie Viničné Šumice im Nordwesten.

Geschichte Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes datiert auf das Jahr 1237 und steht im Zusammenhang mit einem Předbor von Lakowicz. Der älteste urkundliche Nachweis über das Dorf stammt von 1351. Zu dieser Zeit waren die Güter unter mehreren Grundherren aufgeteilt. Zu ihnen gehörte Vok I. von Holstein, der 1352 der Kirche des hl. Wenzel in Olmütz einen jährlichen Zins aus seinem Anteil überschrieb. 1398 vereinigten die Brüder Vzňata und Hanuš von Melicz mit Zustimmung des Markgrafen Jobst die Güter. Hanuš’ Anteil wurde dabei an Vzňata und dessen Erben übertragen. 1406 verkaufte Vzňata das Dorf mit dem herrschaftlichen Hof an Maršík von Radovesice. 1437 veräußerte dessen Sohn Jindřich den Besitz an Mendlík von Greifenberg und dessen Ehefrau Anna, welche den Brünner Bürger Mikuláš Reichšmíd in die Gütergemeinschaft aufnahmen. Dieser verkaufte das Dorf später an Mikuláš Bystřice von Ojnice. Ihm folgte sein Schwiegervater Čeněk von Myslíkovice und danach seine Schwägerin Marta mit ihrem Ehemann Jeroným von Pivín. Am 3. Dezember 1491 überließ König Vladislav II. das Dorf Slavíkovice, einen Anteil an Syrovice und die Wüstung Nežetice als erbliches Gut an Martas Sohn Václav. In seinem Testament von 1504 vermachte Václav Slavíkovice, Nežetice sowie die Brünner Vororte Nové Sady (Neustift) und Křidlovice (Grillowitz) seinem Onkel Hynek von Popůvek. Nach Hyneks Tod 1528 erbte dessen Tochter Markéta den Besitz. Sie heiratete zunächst Jan von Widbach und in zweiter Ehe Oldřich Přepický von Richenburg. Letzterer verkaufte 1568 die Dörfer Pozořice und Slavíkovice an Mikuláš Kokorský von Kokoř. 1569 erwarb Albrecht von Boskowitz und Černahora den Besitz und schloss ihn der Herrschaft Pozořice an. Am 19. August 1769 pflügte Kaiser Joseph II. während einer Panne seiner Hofkutsche auf der Flur Díly od Rousínova (Rausnitzer Feld) neben der Brünner Kaiserstraße ein Feld des Bauern Trnka. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Slavíkovice der Herrschaft Pozořice untertänig.

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Slavíkovice ab 1850 eine politische Gemeinde in der Bezirkshauptmannschaft Vyškov. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke von Brünn nach Šternberk durch die Mährisch-Schlesische Nordbahn wurde 1869 auf den Feldern, auf denen der Furchenzug stattgefunden hatte, der Bahnhof Rousínov-Slavíkovice errichtet. 1885 bis 1886 wurde eine Dorfschule gebaut. 1948 erfolgte die Eingemeindung nach Rousínov. Gepfarrt ist das Dorf nach Rousínov.

Furchenzug von Slawikowitz mini|rechts|Vorstellung wie Ihro kayserl. Majiestät Iosephus II. persönlich dem Plug regiret, Kupferstich von 1799 mini|rechts|Kaiser Joseph II. führt den Pflug, Holzstich nach 1835 Am 19. August 1769 befand sich Kaiser Joseph II. auf der Brünner Kaiserstraße auf dem Weg zum Olschaner Lager und nach Neisse, als nördlich von Slavíkovice zwischen 17 und 18 Uhr die Hofkutsche einen Achsschaden erlitt. Während die Kutsche repariert wurde, stieg der Kaiser aus und ging zum neben der Straße gelegenen Feld des Bauern Andreas Trnka, wo dessen Knecht Jan Kartoš mit Pflügen beschäftigt war. Joseph II. nahm die Sterze und zog zusammen mit Kartoš, der die Zügel des Gespanns führte, zwei Furchen.

Bereits im selben Jahr äußerte die böhmische Königin Maria Theresia den Wunsch, auf dem Feld ein einfaches Denkmal zu setzen. 1770 ließ der Grundherr von Pozořice, Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein, eine Vierkantsäule errichten. Diese war bis 1804 durch Witterungseinflüsse und Beschädigungen von Passanten verfallen. Daneben stand ein zweites, vom Dorf Slavíkovice aufgestelltes Denkmal aus grobem Sandstein in Form eines vergrößerten Grenzsteins. Dieses war 1788 zerbrochen und wurde entfernt. An der Stelle der von Liechtenstein errichteten Säule legten die mährischen Stände 1804 den Grundstein für einen Sandstein-Obelisken. Wegen der Koalitionskriege verzögerte sich der Bau, sodass der 17 Meter hohe Obelisk erst 1811 eingeweiht werden konnte. Das Denkmal war bis 1832 bereits verfallen. 1834 beschlossen die Stände die Aufstellung eines neuen Denkmals in Form eines mit dem Mährischen Adler gekrönten Kunstgusses, gefertigt in der gräflich Salmschen Eisengießerei in Blansko. Die Einweihung fand 1836 statt. In der Nacht des 19. November 1920 wurde das Denkmal gegenüber dem inzwischen errichteten Bahnhof Rousínov-Slavíkovice zerstört. 1921 erfolgte seine endgültige Entfernung. Erhalten blieb die Relieftafel mit der Darstellung des pflügenden Kaisers, die ins Mährische Landesmuseum in Brünn verbracht wurde. Nachdem in Blansko eine weitere Relieftafel aufgefunden worden war, ließ die Stadt Rousínov davon eine Replik anfertigen. Diese wurde an einem großen Stein befestigt und am 23. November 1995 eingeweiht. Das Motiv des pflügenden Kaisers Joseph II. ist Gegenstand mehrerer Grafiken, Gemälde, Medaillen und wurde auf einer Banknote abgebildet.

Bevölkerungsentwicklung

Sehenswürdigkeiten Barocke Kapelle des hl. Johannes Nepomuk, errichtet 1728 Wegkreuze Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs Gedenkstein für den Furchenzug Kaiser Josephs II., errichtet 1995

Literatur

Weblinks

Website des Ortsteils Slavíkovice Geschichte von Rousínov und seiner Ortsteile

Kategorie:Ortsteil in Tschechien Kategorie:Rousínov Kategorie:Ersterwähnung 1237 Kategorie:Ehemalige Gemeinde in Tschechien Kategorie:Gemeindeauflösung 1948