Die Voestalpine AG (Eigenschreibweise: voestalpine, Aussprache: []) ist ein weltweit tätiger österreichischer Stahl- und Technologiekonzern mit Sitz in Linz (Oberösterreich). Sie ging 1995 aus dem 1946 gegründeten Stahlkonzern VÖEST hervor, der Teil der verstaatlichten Industrie Österreichs war.

Voestalpine ist in über 50 Ländern vertreten und besteht aus rund 500 Konzerngesellschaften und -standorten. Die Aktie notiert seit 1995 an der Wiener Börse.

2019 kamen 10 % aller österreichischen CO2-Emissionen aus den Werken der Voestalpine, sie war damit der größte Emittent des Landes. Nach eigenen Angaben konnte der Konzern das Emissionsniveau seiner Werke in den vergangenen Jahrzehnten signifikant reduzieren, so dass es nun am Minimum dessen läge, was mit den bestehenden Technologien der Stahlerzeugung erreichbar sei.

Geschichte mini|hochkant=1.4|Panorama des Werksgeländes Linz. Rechts, Bildmitte Stahlwerk LD-3 und Hochöfen 4, 5 und 6, weiter links Hochofen A, ganz links Kraftwerk sowie Sinteranlage mini|Ehemaliges Logo des Unternehmens (2003–2017)

Gründung als Rüstungsbetrieb Der Spatenstich für den Bau der Linzer Hermann-Göring-Werke, welche vollständig Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten ‚Hermann Göring‘ Linz hießen, und Tochtergesellschaft der Berliner Reichswerke Hermann Göring waren, erfolgte am 13. Mai 1938. Als Standort wurde die nahe der Donau gelegene Dorfsiedlung St. Peter/Zizlau – seit 1915 Stadtteil von Linz – ausgewählt. Grund dafür war, dass der breite Streifen im Osten von Linz aufgrund der permanenten Hochwassergefahr bis auf St. Peter nahezu unbebaut war. Man entschied sich daher, dafür die Siedlung abzutragen und die Einwohner in andere Stadtteile umzusiedeln. Das Gebiet wurde großflächig mit Schotter aufgeschüttet, um künftigen Hochwassern vorzubeugen. Bei der Schottergewinnung in der Umgebung von Linz entstanden die beiden Weikerlseen sowie Teile des Pichlinger Sees.

Als Standort wurde ursprünglich auch das Gebiet um Pichling und Asten in Erwägung gezogen, doch wären zu viel landwirtschaftliche Nutzfläche verloren gegangen. Das Areal im Osten von Linz, auf welchem gebaut wurde, besaß ein Ausmaß von 4 × 1,5 km (nach Änderungen 1 km² kleiner). Auf demselben Areal wurde von der nationalsozialistischen Herrschaft auch die Stickstoffwerke Ostmark AG gegründet – die spätere Chemie Linz.

Die Hermann-Göring-Werke Linz und ihre inzwischen gegründeten Tochtergesellschaften, die Eisenwerke Oberdonau GmbH (Rüstungsbetrieb) und die Stahlbau GmbH (Engineering- und Montagebetrieb zum Bau der Linzer Werke), wurden 1939 mit der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft zur Alpine Montan Aktiengesellschaft „Hermann Göring“ Linz fusioniert.

Ohne ausländische Arbeitskräfte – ab 1938 zivile Ausländer, ab 1940/41 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene sowie ab Ende 1942 KZ-Häftlinge – hätten die Werke nicht gebaut und die Rüstungsgüter nicht produziert werden können.

1941, nachdem der erste Hochofen angeblasen werden konnte, begannen die Eisenwerke Oberdonau mit der Produktion von Panzerteilen, welche im nahe gelegenen Nibelungenwerk St. Valentin montiert wurden. Bis 1944 konnten drei weitere Hochöfen fertiggestellt werden, und so wurden bis zur weitgehenden Kriegsbeschädigung der Werksgebäude durch US-amerikanische Bombenangriffe im Juli 1944 rund 1,5 Millionen Tonnen Roheisen für die Erzeugung von Panzerblechen produziert. Im selben Jahr erreichte der Beschäftigtenstand der Linzer Werke seinen Höhepunkt. Der Ausländeranteil (NS-Zwangsarbeit) ohne Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge betrug durchschnittlich zwei Drittel, in einzelnen Betriebsteilen bis zu 90 Prozent. Die über 7000 KZ-Häftlinge aus dem KZ Mauthausen, die zwischen 1942 und 1945 in zwei Lagern auf dem Werksgelände untergebracht waren, wurden in der Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH, Hochofenschlackenwerk, Linz/Donau, beim Ausbau der Hütte Linz und der Panzerproduktion der Eisenwerke Oberdonau und schließlich mehr oder weniger in allen Produktionsbereichen der Reichswerke eingesetzt.vgl. B. Perz: KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter der Reichswerke „Hermann Göring“ in Linz. In: O. Rathkolb (Hrsg.): NS-Zwangsarbeit: Der Standort Linz der „Reichswerke Hermann Göring AG Berlin“ 1938–1945. Bd. 1: Zwangsarbeit – Sklavenarbeit: Politik-, sozial- und wirtschaftshistorische Studien, Wien 2001, S. 499ff.

Bis zuletzt arbeiteten rund 20.000 Menschen (ohne KZ-Häftlinge) in allen Betrieben der Linzer Werke,vgl. J. Moser: Aus ökonomischer Sicht: Die Bedeutung des Einsatzes ausländischer Arbeitskräfte, ZwangsarbeiterInnen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge in den Linzer Eisen- und Stahlwerken. In: O. Rathkolb (Hrsg.): NS-Zwangsarbeit: Der Standort Linz der „Reichswerke Hermann Göring AG Berlin“ 1938–1945. Bd. 1: Zwangsarbeit – Sklavenarbeit: Politik-, sozial- und wirtschaftshistorische Studien, Wien 2001, S. 335 die neben den anderen neuen Industrieunternehmen zum wirtschaftlichen Motor der Stadt geworden waren. Die Bevölkerungszahl der Stadt stieg von 112.000 im Jahre 1938 auf 194.000 im Jahr 1945 an. Zudem befanden sich 40.000 Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Umsiedler, Flüchtlinge (teils aus Siedlungen nördlich der Donau, aus Furcht vor der Besatzung durch sowjetische Truppen) und Bombengeschädigte in der Stadt.

Am 31. Oktober 2014 wurde in der Konzernzentrale die Zeitgeschichteausstellung 1938–1945 eröffnet, die den Opfern der Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus am Standort Linz der Reichswerke Hermann Göring gewidmet ist und seit 2016 den Namen Zeitgeschichte Museum trägt.

Kriegsende und Wiederaufbau mini|Mittlerweile abgerissener kugelförmiger Druckgasspeicher und der weithin sichtbare Gasometer-Zylinder Nach Kriegsende wurden die ehemaligen Hermann-Göring-Werke als deutsches Eigentum von den Alliierten (USA) beschlagnahmt und in Vereinigte österreichische Eisen- und Stahlwerke (VÖEST) umbenannt und von der Alpine Montan AG getrennt. Am 16. Juli 1946 wurde die neu gegründete VÖEST von den Amerikanern zur treuhändigen Verwaltung an die Republik Österreich übergeben. Aufgrund des Verstaatlichungsgesetzes vom 26. Juli 1946 ging die VÖEST in das Eigentum des österreichischen Staates über.

mini|Werksgelände vom Krempl-Hochhaus gesehen Die verbliebenen 4400 Arbeiter der VÖEST begannen mit dem Wiederaufbau. Als erstes wurde das Kraftwerk, welches noch heute den Großteil der Energieversorgung sicherstellt, wiederaufgebaut. Betrieben wird es mit Kokerei- und Gichtgas sowie auch Erdgas. Danach wurden die Kokerei, der Hochofen und das Stahlwerk wieder in Betrieb genommen. 1947 konnte der erste Hochofen wieder angeblasen werden, er wurde Symbol des Wiederaufbaus. 1951 waren drei, ab 1956 vier Hochöfen in Betrieb. Ab 1947 konnte wieder Stahl produziert werden, und im gleichen Jahr ergänzte ein weiterer Siemens-Martin-Ofen die Stahlproduktionskapazität.

Aufschwung Die VOEST bildete das Fundament der Verstaatlichten Industrie, die spätere Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG). Ab 1947 erlebte die VOEST einen beständigen Aufschwung und wurde spätestens mit der Entwicklung des LD-Verfahrens zur Stahlerzeugung im Jahre 1952 zum Paradebetrieb der Verstaatlichten Industrie. Im selben Jahr wurde auch die GIWOG – Gemeinnützige Industrie-Wohnungsges. m.b.H. Linz – gegründet, um eigenständig VOEST-Mitarbeitern Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. So wurden von dieser Gesellschaft Wohnsiedlungen wie bereits 1952 die Muldenstraßensiedlung mit 178 Wohneinheiten errichtet.

Nachdem LD-Stahl auch für den Schiffbau zugelassen wurde, erwog die VOEST eine eigene Reederei zu gründen. Grund dafür war, dass die Frachtkosten für Kohle und Erztransporte zwischen 1950 und 1970 massiven Preisschwankungen unterlagen. Pro Tonne musste das Unternehmen von 22 bis zu 120 englischen Shilling bezahlen. Die Ister Reederei wurde gegründet, und im Januar 1958 lief bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft das erste Schiff vom Stapel – die zu 100 % aus LD-Stahl gebaute Linzertor. Aber auch die VOEST selbst baute Schiffe. In der von 1974 bis 1991 zum Konzern gehörenden Schiffswerft Korneuburg, welche unter NS-Besatzung den Hermann-Göring-Werken einverleibt und ausgebaut worden war, wurden über 100 Passagierschiffe für die Sowjetunion gebaut. mini|Voestalpine-Logo und Hochofen 4 in Leoben-Donawitz 1973 wurde die damals wirtschaftlich in Bedrängnis geratene steirische Alpine Montan AG (vollständige Bezeichnung Oesterreichisch-Alpine Montangesellschaft, Hauptproduktionsstätte in Leoben-Donawitz) auf politischen Druck hin wieder in die VOEST eingegliedert, zu der sie bereits vor 1946 gehört hatte. Auch die anderen damaligen österreichischen Stahlerzeuger Böhler und Schoeller-Bleckmann wurden auf politischen Wunsch hin in den neuen Konzern miteingebracht. Das neu entstandene Unternehmen erhielt den Namen VOEST-Alpine AG.

Anfang der 1980er war die VOEST-Tochter Noricum (heute MFL) in den Noricum-Skandal um illegale österreichische Waffenexporte verstrickt. Österreich hatte seinerzeit eine Rüstungsindustrie von bestem Ruf, zu der auch Sparten der VOEST gehörten.

Krise der Verstaatlichten mini|Hochöfen 1 (links) und 4 (rechts) der Voestalpine in Leoben-Donawitz In den darauffolgenden Jahren wurde der starke politische Einfluss auf das verstaatlichte Unternehmen verstärkt zur Arbeitsplatzsicherung eingesetzt. Diese fand ein Ende im Jahre 1985, als das zum Mischkonzern angewachsene bereits seit 1981 hochdefizitäre Unternehmen einen durch gescheiterte Ölderivatgeschäfte noch verstärkten Rekordverlust von 25 Milliarden Schilling einfuhr (Intertrading-Skandal). Die VOEST-ALPINE war de facto bankrott, der gesamte Vorstand musste zurücktreten. In der Folge wurde das Unternehmen massiv re- und umstrukturiert und der damals rund 70.000 Mitarbeiter umfassende Personalstand stark abgebaut. Der damalige Finanzminister Ferdinand Lacina beendete zudem mit einer neuen gesetzlichen Grundlage das bis dahin übliche Parteienproporz-System, das die Bestellung der Unternehmensführung von politischer Zugehörigkeit anstatt von wirtschaftlicher Qualifikation abhängig gemacht hatte.Ex-Staatsunternehmen auf Fusionskurs, Der Standard, 30. März 2007, S. 18.

Das Sanierungskonzept wurde am 1. September 1986 veröffentlicht und sah den Abbau von 9400 Mitarbeitern und einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 21,5 Milliarden Schilling bis 1990 vor. Um das entlassene Personal bei der Wiedereingliederung ins Erwerbsleben zu unterstützen, wurde 1987 die Stahlstiftung gegründet. Die grundlegende Restrukturierung und strategische Neuausrichtung des ÖIAG-Konzerns führte 1988 und 1989 zur Bildung von sieben bzw. sechs Branchenholdings und damit zur völligen Restrukturierung des Stahl-Bereiches der verstaatlichten Industrie in Österreich. Durch Ausgliederung aus der bisherigen VOEST-ALPINE AG entstanden vier dieser sechs Branchenholdings oder bestanden zumindest in großem Ausmaß aus Betrieben und Gesellschaften, die in der Vergangenheit der VOEST-ALPINE Gruppe angehörten. Zwei dieser Branchenholdings waren die VOEST-ALPINE STAHL AG und die Maschinen- und Anlagenbau Holding AG. Letztere wurde die VOEST-ALPINE Industriebau GmbH und die VOEST-ALPINE Maschinenbau Gesellschaft m.b.H. (ab 1989 Machinery, Construction & Engineering Ges.m.b.H.) zugeordnet.vgl. VOEST-ALPINE STAHL AG, Stahl 88, Unser Auftrag ist Erfolg, Das Geschäftsjahr 1988 der Unternehmensgruppe VOEST-ALPINE STAHL, 6 und ÖIAG, Geschäftsbereich 1988 und Austrian Industries, Geschäftsbericht 1989. 1989 umfasste die VOEST-ALPINE STAHL AG alle Stahl erzeugenden Betriebe und die Unternehmen der stahlnahen Verarbeitung.vgl. VOEST-ALPINE STAHL, Das Geschäftsjahr 1989 der Unternehmensgruppe VOEST-ALPINE STAHL, 12.