Otto Christoph Martin Erhardt Emicke (* 27. April 1891 in Ratibor; † 19. Oktober 1970 in Freiberg) war ein deutscher Metallurg auf dem Gebiet des Kaltwalzens und Begründer der Fachrichtung Metallformung an der Bergakademie Freiberg.

Leben mini|Otto Emickes Grab in Freiberg Emicke besuchte die Gymnasien in Neisse und Breslau (1903 bis 1912) und legte sein Abitur 1912 am König-Wilhelm-Gymnasium ab. Im Anschluss studierte er von 1912 bis 1918 an der Technischen Hochschule Breslau Chemie und Hüttenkunde, welches er aufgrund des 1. Weltkriegs unterbrach und ab 1918 bis 1919 fortsetzte. Im Jahr 1922 promovierte er an der RWTH Aachen zum Thema Über Versuche mit einem Chromstahl (Dr. Ing.) und schloss 1933 eine weitere Promotion (Dr. mont.) an der Montanistischen Hochschule Leoben mit Auszeichnung ab.

Bis 1928 war er in leitender Funktion im Edelstahlwerk Remscheid und beim Verein Deutscher Eisenhüttenleute in Düsseldorf tätig. Während dieser Zeit gehörte er zu den Herausgebern des Handbuchs für das Walzwerkwesen.

Emicke war seit 1928 außerordentlicher Professor an der Bergakademie Freiberg. Im gleichen Jahr initiierte er die Anschaffung eines Versuchswalzwerk für das Walzen von Leichtmetallen zu Blechen und Bändern, welches 1930 in Betrieb genommen wurde (Duo-Reversiergerüst). Dieses wird nach Modernisierung auch noch heute für die wissenschaftliche Forschung am Institut für Metallformung der TU Freiberg genutzt.

Emicke unterzeichnete im November 1933 das Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler. Am 1. April 1941 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. April 1940 aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.048.848).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/7750434Harry Waibel: Diener vieler Herren. Ehemalige NS-Funktionäre in der SBZ/DDR. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2011, ISBN 978-3-631-63542-1, S. 79.

1942 wurde er ordentlicher Professor für Verformungskunde und Direktor des Instituts für Metallformung und übernahm die Leitung des Fachausschusses des Walzwerkens der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde. 1947 verließ Emicke die Bergakademie und wirkte bis 1949 als Forschungsleiter im sowjetischen Büro „Eisen und Metallurgie“ in Freiberg. Im Jahr 1949 wurde er Direktor des Freiberger Forschungsinstitutes für Nichteisenmetalle.

Emicke trat 1956 in den Ruhestand und verstarb 1970 in Freiberg. Er wurde auf dem Donatsfriedhof beigesetzt.

Mitgliedschaften

Akademischer Verein Eisenhütte (heute: Corps Silingia Breslau zu Köln)Anschriftenliste des Weinheimer SC. 1928, S. 65. Deutsche Gesellschaft für Materialkunde Deutsche Akademie der Wissenschaft zu Berlin (1955) Ehrenmitglied des Forschungsrates der DDR

Ehrungen mini|Gedenktafel in Freiberg, Cottastr. 4 Vaterländischer Verdienstorden in Silber (1956) Ehrensenator der Bergakademie Freiberg (1961) Banner der Arbeit (1961) Ehrenkolloquium zu seinem 75. Geburtstag in Freiberg Gedenktafel am Institut für Metallformung der TU Bergakademie Freiberg

Veröffentlichungen (Auswahl) Über Versuche mit einem Chromstahl. Aachen, TH, Diss., 1922 Handbuch für das Walzwerkwesen Über graphische Verfahren und ihre Berechnungsunterlagen zur Ermittlung und Nachprüfung von gleichartigen Formkalibrierungen der Sonderstähle, des Flusstahles und der Nichteisenmetalle. Leoben, Montanist. Hochsch., Diss., 1932 Das Breiten beim Walzen in Abhängigkeit von Walzgeschwindigkeit, Walzendurchmesser und Stahlzusammensetzung (mit Eberhard Pachaly). 1936 Stand und Fortentwicklung der Walzenkalibrierung. 1937 Der Einfluß der Walzgeschwindigkeit auf den Formänderungswiderstand einiger Nichteisenmetalle und auf die Walzenbeanspruchung. International Journal of Materials Research and Advanced Techniques, 1938. Beanspruchung, Abnutzung und Schleifen von Walzen für die Herstellung von Grob-, Mittel- und Feinblechen. Stahl und Eisen, Bd. 58, Nr. 4, S. 73–82, 1938. Formänderungswiderstand (Arbeitsbedarf) und Breitung beim Walzen und Pressen von Werkstoff mit gleichmäßiger und ungleichmäßiger Querschnittshärte (mit Heinz Benad). Verlag Stahleisen, 1939. Das Walzen von Leichtmetallen zu Blechen und Bändern. Mauckisch Freiberg, 1944 Nomogramme fuer die Praxis des Warm- und Kaltwalzens von Stahl, Edelstaehlen und Nichteisenmetallen. Akademie-Verlag Berlin, 1962

Literatur Prof. Dr.-Ing. Dr. mont. Otto Emicke Ehrensenator der Bergakademie Freiberg. In: Bergakademie. Akademie-Verlag Berlin, 13/1961/6, S. 426–427 Georg Juretzek: Prof. Dr. Dr. Otto Emicke 75 Jahre alt. In: Neue Hütte 11/1966, S. 318 Ehren-Kolloquium anlässlich des 75. Geburtstages von Herrn Prof. Dr. Dr. O. Emicke. Bergakademie Freiberg, 1966 Werner Lauterbach: Otto Emicke. In: Berühmte Freiberger. Ausgewählte Biographien bekannter und verdienstvoller Persönlichkeiten. Teil 4. Freiberg, 2003, S. 97–98.

Weblinks

, personen-wiki.slub-dresden.de (sachsen.digital) Emicke, Otto (Eintrag im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek) Emicke, Otto (Eintrag in der Deutschen Biographie)

Einzelnachweise

Kategorie:Metallurg Kategorie:Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Bergakademie Freiberg) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Ehrensenator der Technischen Universität Bergakademie Freiberg Kategorie:Träger des Vaterländischen Verdienstordens in Silber Kategorie:Träger des Banners der Arbeit Kategorie:Person (Racibórz) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1970 Kategorie:Mann