mini|Schlachtkapelle Sempach (2010) Bei der verlustreichen Schlacht bei Sempach am 9. Juli 1386 fielen neben Leopold III. von Habsburg-Österreich annähernd 400 Männer (die Chronik der Schweiz berichtet gar von 700 RitternChronik der Schweiz: ISBN 3-611-00031-0 von 1987) adliger Abstammung auf dessen Seite. Dabei sind die Verluste der „nicht adligen“, die um eine Vielzahl höher lag (etwa 1100 Mannvgl. Liebenau „Die Schlacht bei Sempach“ S. 95), nicht berücksichtigt (alleine die Verluste des Hauensteiner Landfahnens und dem Kontingent von Schaffhausen zählt zum Beispiel 200 OpferZur Laubens Stemmatographie Helvetia X, fol. 303ff). Fast jedes Adelsgeschlecht aus den später Vorderösterreich genannten Gebieten Schwaben und Tirol hatte Verluste zu beklagen. Darüber hinaus kostete der Feldzug dem Hause Habsburg ein Vermögen. Zur Finanzierung dieser Militäraktion musste Leopold III. sogar einige Ländereien in Oberitalien verpfändenvgl. Theodor von Liebenau – Die Schlacht bei Sempach. Habsburgische Herrschaften und Städte waren durch Lehens- oder Bündnisverträge zum militärischen Zuzug im Kriegsfall verpflichtetRené Teuteberg: Basler GeschichteUrkundenbuch der Stadt Freiburg im Breisgau, Band 1, Heinrich Schreiber, S. 264, was auch für sie eine finanzielle Belastung bedeutete. Nun, da die Schlacht verloren ging, konnte dieser Verlust nicht kompensiert werden. Nach dem Ausgang der Schlacht mussten deshalb viele Adlige, darunter auch die Kinder Leopolds, die in ihrer schweren Geldnot das ihrem Vater verpfändete Kleinbasel abtreten musstenRené Teuteberg: Basler Geschichte S. 135, Besitzungen verkaufen oder verpfändenFridolin Jehle und Anton Englert: Geschichte der Gemeinde Dogern. Dazu kam, dass nicht wenige Adelshäuser ihre Stammhalter verloren. Dieser Schlag führte zum teilweisen Zusammenbruch der Adelsvorherrschaft in Schwaben und Vorderösterreich, vor allem jedoch im Gebiet der heutigen Schweiz.

mini|Karte Schweiz um 1200 – Habsburger HausmachtObgleich man von einem Nationalbewusstsein im heutigen Sinne noch nicht sprechen kann,Werner Meyer: 1291 Die Geschichte – Die Anfänge der Eidgenossenschaft S. 228 prägte dieser Sieg bei den Eidgenossen ein sehr starkes Zusammengehörigkeitsgefühl aus, worüber W. Meyer Folgendes schreibt: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl, fussend auf den elementaren Bindungen einer „Waffenbrüderschaft“, war schon um 1400 so stark ausgebildet, dass beim Zusammentreffen von Kriegergruppen gefühlsechte Freudentränen zum Begrüssungsritual zählten.“Werner Meyer: 1291 Die Geschichte – Die Anfänge der Eidgenossenschaft S. 229

mini|Habsburger Hausmacht um 1315Zunächst galten die Interessen der einzelnen eidgenössischen Bündnispartner der Territorialerweiterung und damit verbunden war die kontinuierliche Verdrängung der durch die Schlacht bei Sempach erheblich geschwächten Adelsvorherschaft auf dem Gebiet der heutigen Schweiz, welches grösstenteils zur habsburgischen Hausmacht gehörte. Schon um 1270 besass das Haus Habsburg Rechte, Lehen und eigenen Besitz (Allod) vom Schwarzwald bis ins Üechtland und in die Zentralschweiz, vom Bodensee bis ins mittlere ElsassRene Teuteberg: Basler Geschichte, S. 131. Diese Gebiete waren für die eidgenössischen Bündnispartner von grossem Interesse und gerieten deshalb ins Visier ihrer Territorialerweiterungspläne. Es galt für die Habsburger nicht nur, ihren eigenen Besitz in diesen Gebieten zu verteidigen, sondern sie waren durch ihre Schirmherrschaftsverpflichtung über unter anderen die Klöster St. Gallen, St. Blasien, Säckingen, Einsiedeln, die ebenfalls grosse Besitzungen dort hatten, auch verpflichtet, diesen bei Konflikten mit den Eidgenossen beizustehen. Gewannen nun die einzelnen eidgenössischen Bündnispartner eine Herrschaft, war diese zunächst jedoch nicht „Gemeineigentum einer Eidgenossenschaft“, sondern ging in den Besitz des jeweiligen Bundesgenossen über, der sie eingenommen hatte, wodurch es später auch zu Konflikten unter den Eidgenossen kam. An die Stelle der früheren Adelsvorherschaft in den gewonnenen Herrschaften traten nun die immer mächtiger werdenden Städte bzw. deren Räte, welche diese mit ihren Vögten oder Schultheissen besetzten, die nun in ihrem Sinne die Herrschaften verwalteten.

Die Eidgenossen waren sich sehr bewusst darüber, dass die Verdrängung der Adelsvorherschaft nur gelingen kann, wenn man auf die militärische Schlagkraft eines vereinten Heeres vertrauen konnte. Zu diesem Zweck schufen die Städte Zürich, Luzern, Bern und Solothurn, Stadt und Amt Zug sowie die Länder Uri, Schwyz und Unterwalden am 10. Juli 1393 im so genannten Sempacherbrief eine Kriegsordnung, welche die Bestimmungen bei Schlachten regelte. Dabei entwickelte sich auch die Möglichkeit gemeinsame Eroberungen unter eine gemeinsame Vorherrschaft zu stellen. Diese wurden dann als "Gemeine Herrschaft" bezeichnet.

Eine wahre Blütezeit dieser Herrschaftserweiterung zu Lasten der Habsburger kam knapp 30 Jahre nach der Schlacht bei Sempach, als Kaiser Sigismund 1415 die Reichsacht über Herzog Friedrich IV., dem jüngsten Sohn Leopolds, verhängte, der nicht umsonst den Beinamen „mit der leeren Tasche“ trug. Die durch die Schlacht bei Sempach geschwächte Habsburger Vorherrschaft erlitt dabei einen erneuten Hieb der Eidgenossen. Habsburg verlor dabei grosse Gebiete im heutigen Kanton Aargau, darunter auch die HabichtsburgFranz Schoch: Die Geschichte der Schweiz, die Stammburg der Habsburger, nach der das Geschlecht seit 1090 benannt ist.

Trotz der fortschreitenden Verselbständigung der Eidgenossenschaft verblieb diese, zumindest protokollarisch, im deutschen Herrschaftsgefüge. Zu einer Loslösung aus dem Heiligen Reich Deutscher Nationen kam es de jure erst nach dem Ende des Dreissigjährigen Kriegs im Jahre 1648 im sogenannten Westfälischen Frieden.

Aufbau und Quellenlage Diese Liste beinhaltet die gefallenen Adeligen auf Habsburger Seite, die in den unten genannten Chroniken und der Literatur aufgeführt werden. Die verschiedenen Schreibweisen der Gefallenen in den Chroniken und anderen Quellen sind in der Liste jeweils zu einem Einheitsnamen zusammengefasst. Dies dient dem Überblick über die tatsächliche Anzahl der gefallenen Adligen und soll Doppelnennungen vermeiden.

Gedenkstätten mini|Gedenktafel in der Klosterkirche Königsfelden Zum Gedenken des Sieges der Eidgenossen über das Habsburgische Heer und der vielen gefallenen Adeligen auf Habsburger Seite wurde an der Stelle, wo angeblich Herzog Leopold von Österreich zu Tode kam, die Schlachtkapelle Sempach errichtet. Die Wände wurden mit den Wappen und Namen einer Grosszahl der gefallenen Adligen auf Habsburger Seite sowie mit einem Schlachtgemälde dekoriert. Die eroberten Schlachtbanner wurden unter den Eidgenossen aufgeteilt. Die von Luzern eroberten Banner wurden in der Franziskanerkirche in Luzern ausgestellt. Dort sind noch heute einige von ihnen in Gemäldeform erhalten. Im linken Seitenschiff der Klosterkirche in Königsfelden befindet sich eine Gedenktafel. Neben Leopold von Habsburg-Österreich sind darauf siebenundzwanzig von insgesamt vierzigGemäss Conrad Schnitt Wappenbuch der Baslerischen Geschlechter, 1530 wurden insgesamt vierzig Ritter in Königsfelden bestattet der in der Schlacht bei Sempach gefallenen und in Königsfelden bestatteten Ritter abgebildet. Die Ritter sind kniend und betend neben ihren Wappen dargestellt. Ein altes Wandgemälde, welches sich im Chor der Kirche befand, diente 1692 dem Künstler als Vorlage, der diese Darstellungen auf Holzplatten übertrug. Anschliessend wurden diese als Gedenktafel zusammengefasst im linken Seitenschiff der Kirche ausgestellt.Heinrich Thommen: Die Schlacht von Sempach im Bild der Nachwelt, 1986, S. 78

Bilderserie

Literatur Theodor von Liebenau: Die Schlacht bei Sempach. 1886, Gedenkbuch zur fünften Säcularfeier. Im Auftrage des h. Regierungsrathes des Kantons Luzern, verfasst von Theodor von Liebenau, Staats-Archivar. Mit 10 Illustrationen. Luzern Verlag von C. F. Prell, 1886 Anton Henne von Sargans: Klingenberger Chronik. 1861. Die Klingenberger Chronik wie sie Schodoler, Tschudi, Stumpf, Guillimon und Andere benützten, nach der von Tschudi besessenen und vier anderen Handschriften zum ersten Mal ganz, und parallelen aus gleichzeitigen ungedruckten Chroniken, herausgegeben von Anton Henne von Sargans, gewesener Professor der Geschichte an der Kantonsschule 1834-1841 und der Berner Hochschule 1842-1855. Gotha, bei Friedrich Andreas Perthes. 1861 Kasimir Pfyffer: Geschichte der Stadt und des Kantons Luzern, Teil 1. 1850 – Geschichte der Stadt und des Kantons Luzern von Kasimir Pfyffer. Vom Ursprunge bis zur Staatsumwälzung im Jahr 1798. Zürich, bei Orell, Flüßli und Comp., 1850. Melchior Russen: Eidgenössische Chronik. 1482 Neuausgabe von Joseph Schneller, 1834 – Melchior Russen, Ritter von Luzern, Eidgenössische Chronik; geschrieben im Jahre 1482, und zum Erstenmale herausgegeben 1834 von Joseph Schneller, Mitglied der schweizerischen geschichtsforschenden Gesellschaft. Bern, Verlag von T. A. Jenni, Sohn. 1834 Franz Joseph Mone: Quellensammlung der badischen Landesgeschichte, Band 3. 1863 – Quellensammlung der badischen Landesgeschichte. Im Auftrage der Regierung herausgegeben von F. J. Mone, Archivdirektor zu Karlsruhe, Dritter Band, Mit einem Hefte Abbildungen. Karlsruhe, Druck und Verlag von T. Macklot. 1863 Carl Frantz Haberer: Eydgnössisch-schweytzerischer Regiments Ehren-Spiegel. 1706 – Eydgnössisch-schweytzerischer Regiments Ehren-Spiegel: oder kurtzer Entwurff der Regierung / und Staats-Ordnung Hochlobl. Cantonen – Carl Frantz Haberer, 1706 Franz Joseph Mone: Quellensammlung der badischen Landesgeschichte. Karlsruhe, Band I, 1848 Martin Steger und Josef Fink: Die Schlachtkapelle von Sempach. (Broschüre), 1999 Werner Meyer: 1291 Die Geschichte – Die Anfänge der Eidgenossenschaft. 1990, Silva-Verlag, Zürich Chronik-Verlag: Chronik der Schweiz. 1987, ISBN 3-611-00031-0 (Chronik Verlag), ISBN 3-7178-0026-4 (Ex Libris Verlag) René Teuteberg: Basler Geschichte. 1986, Christoph Merian Verlag Basel, ISBN 3-85616-027-2. Fridolin Jehle und Anton Englert: Geschichte der Gemeinde Dogern. 1978, H. Zimmermann KG, Druckerei und Verlag Waldshut Aegidius Tschudi: Chronicon Helveticum

Quellen Frankfurter Verlustliste – 1386 Stadtarchiv Frankfurt a. M.: Buch des Bundes fol. 98-100; in Cod. C. Nr. 65, Blatt 98 b nach einer Kopie von Johann Friedrich Böhmer Sekundärliteratur zur Quelle Th. von Liebenau: Arnold Winkelried – seine Zeit und seine That, 1862; S. 209–211. Rossel: Die Reichsstadt Frankfurt, 1862, Seite 7–10. Theodor von Liebenau: Die Schlacht bei Sempach, 1886

Chronik des Benediktinerklosters Kremsmünster in Österreich – 1386 Zusatz aus dem 14. Jahrhundert zu den „Historiae Bern“. Cremifanensis. H. Pez.: Script. rer. Austriac. I, S. 695–696. Monumenta Germaniae. Scriptores XXV, 665. Sekundärliteratur zur Quelle Losert: Die Geschichtsquellen von Kremsmünster im XIII. und XIV. Jahrhundert, Wien, Braumüller 1872, S. 61–62. Theodor von Liebenau: Die Schlacht bei Sempach, 1886

Conforti Pulicis Annales Vicentini – 1371–1387 Sekundärliteratur zur Quelle Theodor von Liebenau: Die Schlacht bei Sempach, 1886

Chronik des Franciscaners Detmar von Lübeck – zwischen 1386 und 1395 Sekundärliteratur zur Quelle F. H. Grautoff: Chronik des Franciscaner Lesemeisters Detmar. Hamburg, 1829, I., S. 337–338. Theodor von Liebenau: Die Schlacht bei Sempach, 1886

Chronik des Benediktinerstiftes Zwettel in Österreich – um 1390 Anonymi Coenobitae Zwetlicensis chronika terrarum Austriae, Stiriae, Karinthiae etc. – Pez.: Scriptores rerum Austriac. I, 1001. Sekundärliteratur zur Quelle Theodor von Liebenau: Die Schlacht bei Sempach, 1886

Chronik des Oesterreichers Gregor oder Matthäus Hagen – um 1394 H. Pez: Scriptores rerum Austriacarum, Tom. I, fol. 1154-1155 (Gregor Hagen 1394-1395) Sekundärliteratur zur Quelle Heinrich Gehrig: Die Winkelried-Frage, S. 53–54.