Der Islamische Zentralrat Schweiz IZRS ( – CCIS, – CCIS, – ICCS) ist eine fundamentalistische islamische Organisation in der Schweiz.Wie gefährlich ist der Islamische Zentralrat? In: Aargauer Zeitung vom 15. Mai 2010, Zugriff: 23. Januar 2012. Er ist als Verein mit Sitz in Bern im Handelsregister eingetragen. Die Führungsmitglieder Präsident Nicolas Blancho und der PR-Beauftragte Qaasim Illi wurden wegen Verbreitung von Propaganda für die dschihadistische Terrorgruppe al-Qaida rechtskräftig verurteilt. Im Verein sind lediglich knapp ein Prozent der in der Schweiz lebenden muslimischen Wohnbevölkerung vor allem aus dem KosovoDie Dschihadisten von Bümpliz, WOZ, 25. August 2016 organisiert. Er steht unter Beobachtung des Nachrichtendienstes des Bundes.Widersprüchliches vom Islamischen Zentralrat. In: NZZ Online. 17. November 2016, abgerufen am 18. April 2016.

Organisation und Struktur Ziele, Zweck und Selbstverständnis Gemäss Statuten bezweckt der Verein: die aktive Förderung islamischer Bildungsprojekte in der Schweiz. die aktive Verbreitung von islamischem Wissen in der Schweiz, mit dem Ziel Vorurteile in der Bevölkerung gegenüber dem Islam abzubauen. die Konstitution eines islamischen Selbstverständnisses auf der Basis des Qur’ans, der authentischen Prophetentradition (Sunna) sowie der klassischen Jurisprudenz (Fiqh) im rechtlichen Rahmen der Schweizerischen Eidgenossenschaft. die öffentliche Vertretung islamisch-normativer Positionen in der Schweiz und mit Bezug zur Schweiz.

Der Verein ist in Bezug auf die Schweizerische Parteipolitik neutral, verpflichtet sich jedoch dazu sachthematisch, d. h. zu Debatten über den Islam, politische Stellung zu beziehen. Der Verein sieht sich selbst in Abgrenzung zu den traditionellen Dachverbänden als dynamische Basisorganisation, die den Muslimen in der Schweiz eine Stimme in der Öffentlichkeit verschaffen soll. Der Verein ist Mitglied von zwei internationalen Dachverbänden, namentlich der European Muslims League (EML) mit Sitz in Genua (IT) und der Muslims Scholars Association (MSA) mit Sitz in Kuwait.

Gründung, Vereinsstruktur und Vorstand Der Verein wurde kurz vor der Abstimmung über das Minarettverbot, und bestärkt durch dieses, von ca. 20 Personen aus verschiedenen Landesteilen der Schweiz an einer konstituierenden Generalversammlung in Bern am 25. Oktober 2009 gegründet.

Vorstand und Generalversammlung Der Vorstand besteht aus acht Mitgliedern, einem Präsidenten, einem Generalsekretär und sechs Departementsvorstehern. Der derzeitige Präsident ist Nicolas Blancho (seit Januar 2010), die derzeitige Generalsekretärin Ferah Ulucay (seit Juli 2014), die Vorsteher der einzelnen Departements sind zurzeit (Stand 2024): Departement für die Koordination islamischer Institutionen Departement für Da'wa und Infostände: Habib Oruç (seit Februar 2012), Ingenieur Departement für Finanzen und Buchführung: Adisin Hodza (seit Januar 2010), Unternehmer Departement für Public Relations und Information: Qaasim Illi (seit Januar 2010), Student (Geschichte, Islamwissenschaft) Departement für Frauenangelegenheiten: Nora Illi (seit Februar 2012), Polygrafin Departement für Kulturproduktion: Naim Cherni (seit Februar 2012), Student

Die Departementsvorsteher koordinieren die Aufgaben ihrer Bereiche, indem sie Kommissionen gründen, denen die Realisierung der einzelnen Projekte obliegt. Abseits der Departements sind alle weiteren Vereinsmitglieder im Passivstatus, sogenannte Passivmitglieder.

Bei Wahlen und Abstimmungen innerhalb der Generalversammlung (GV) entscheidet, sofern nicht anders bestimmt, das einfache Mehr der gültigen Stimmen. Der Präsident besitzt aber bei Abstimmungen ein Vetorecht, welches durch eine qualifizierte Zwei-Drittel-Mehrheit überstimmt werden kann. Bei Wahlen gilt das Vetorecht hingegen nicht.

Organe Der Verein besteht aus sechs Organen, wobei der Präsident und die Departementsleiter zusammen den Vorstand, ein siebtes Organ, bilden. Die Organe des Vereins sind: die Generalversammlung (GV), der Präsident, die Departementsleiter, die Madschlis asch-Schura, die Kommissionen, der Präsidialstab.

Die Madschlis asch-Schura ist eine der GV untergeordnete Instanz der Entscheidungsfindung im Zentralrat, dessen Mitglieder Delegierte islamischer Institutionen sind. Im Rat sind die Interessen der 13 Moscheegemeinden (Stand 2012) vertreten.

Mitglieder Der Verein besteht aus Aktiv-, Passiv und Ehrenmitgliedern. Jede natürliche Person islamischen Glaubens, welche gewillt ist, den Zweck des Vereins aktiv zu fördern, kann als Aktivmitglied durch die Generalversammlung (GV) aufgenommen werden. Passivmitglied kann jede natürliche Person werden, die sich verpflichtet, den von der GV festgesetzten Mitgliederbeitrag zu bezahlen. Personen können zu Ehrenmitgliedern durch die GV ernannt werden, falls sie durch ihre Tätigkeiten dem Verein besondere Dienste erwiesen haben oder durch positives, islamisches Engagement sich verdient gemacht haben. Die Mitgliedschaft erlischt durch Tod, Austritt oder Ausschluss durch die GV.

Zusammensetzung Die Schweiz am Sonntag erhielt am 17. April 2010 Einblick in das Mitgliederverzeichnis, welches damals 960 Mitglieder zählte. Demnach sind rund 60 Prozent der Mitglieder Männer und 40 Prozent Frauen. Rund 60 Prozent der Mitglieder sind Schweizer, von denen die Mehrheit aus Einwandererfamilien stammt. Rund 10 Prozent aller Mitglieder sind Schweizer Konvertiten, davon 60 % Frauen. Die Mitglieder ohne Schweizer Pass stammen zumeist vom Balkan, der Türkei oder dem Irak und anderen arabischen Staaten, aber auch aus Pakistan, Libyen, Eritrea oder Somalia. Rund 80 Prozent der Mitglieder des IZRS waren damals jünger als 35; die jüngsten waren 16-jährige Schüler und die ältesten ein 80-jähriges Ehepaar. Der Verein zog offenbar nur wenige Arbeitslose und IV-Rentner an, die grosse Mehrheit der Mitglieder gab an, zu arbeiten. Die meisten arbeiteten in technischen Berufen, bspw. als Maschinenführer, Informatiker und Elektromonteur, aber viele auch als Chauffeure, Pizzaiolos sowie zwei als hauptberufliche Imame. Studenten der Universitäten Bern, Luzern und St. Gallen sind ebenso Mitglieder wie Lehrer, Kleinkindererzieherinnen, Psychologen, Ärzte, Ingenieure, unter anderem auch eine Therapeutin, ein Kunstmaler sowie ein Mitarbeiter der französischen Botschaft in Bern. Der Verein nahm nach eigenen Angaben zwei bis vier neue Mitglieder pro Tag auf, Austritte gab es bis zum 17. April 2010 nur zwei. Pressesprecher Qaasim Illi kommentierte die damalige Entwicklung mit den Worten: «Wir gehen seit der Annahme der Minarett-Initiative von einer ziemlich krisenresistenten Basis aus». Die Zeitung fasste die Eindrücke reisserisch unter dem Titel Jung, weiblich, gut ausgebildet zusammen.

Anzahl Am 15. Januar 2010 trat der Verein zum ersten Mal in der Öffentlichkeit auf und zählte nach eigenen Angaben bereits 500 Passiv- und 26 Aktivmitglieder. Gemäss Angaben von Nicolas Blancho am 1. April 2016 in der Sendung Arena des SRF zählte der IZRS damals ca. 3'700 Mitglieder.

Mitgliederzahlen Datum Insgesamt Passiv Aktiv April 2016 ca. 3'700 – – November 2014 3'219 – – Dezember 2012 2'610 2'567 43 Oktober 2011 ca. 2'050 ca. 2'000 45 November 2010 ca. 1'750 ca. 1'700 34 Mai 2010 ca. 1'150 ca. 1'100 36 April 2010 960 – – Januar 2010 ca. 525 ca. 500 26

Die Mitgliederangaben entsprechen rund 0,9 Prozent der 346'207 in der Schweiz lebenden muslimischen Wohnbevölkerung (Stand 2014).

Finanzen Der IZRS hat nach eigenen Angaben im Jahr 2010 keine Spenden aus dem Ausland erhalten und sich von da an dazu verpflichtet, solche in den Finanzberichten separat auszuweisen. Gemäss den Finanzberichten von 2010 bis 2013 wurden keine Spenden aus dem Ausland entgegengenommen. Die Finanzberichte wurden im Zeitraum von 2010 bis 2013 auf der vereinseigenen Website veröffentlicht. Für die Jahre 2009 bis 2013 wurden sie jeweils verspätet eingereicht, aber nach einem Systemwechsel im Jahre 2014 werden sie nun innerhalb von drei Monaten nach Abschluss der Rechnungsperiode publiziert. Die SonntagsZeitung erhob in einem Artikel vom Februar 2012 Vorwürfe gegen die Finanzführung des IZRS unter Berufung auf anonyme Quellen. Angeblich seien gewisse Mitglieder nur unzureichend bzw. gar nicht über das Thema Finanzen informiert und die Finanzberichte mangelhaft. Auf die Vorwürfe hat man den interviewten Nicolas Blancho nicht eingehen lassen, aber nach der Veröffentlichung des Artikels hat der IZRS im gleichen Monat noch alle seine bisherigen Finanzberichte online zur Verfügung gestellt. Im genannten Zeitungsbericht wird der Kontakt des Präsidenten Nicholas Blancho zu Tareq al-Essa, Präsident der «Revival of Islamic Heritage Society» (RIHS), kritisiert. Die RIHS wird u. a. in Pakistan und Afghanistan von der UNO gemäss Resolution 1989 wegen Verbindungen zu umstrittenen Organisationen sanktioniert. Auch zu diesem Vorwurf hat man den Interviewten keine Stellung beziehen lassen. In Kuwait selbst ist die Wohltätigkeitsorganisation RIHS keinen Vorwürfen ausgesetzt und erlaubt.

Erfolgsrechnung Jahr Ertrag Aufwand Vorsteuergewinn 2013 326'416.69 316'106.89 10'309.80 2012 285'691.13 295'219.96 -9'528.83 2011 251'387.82 250'675.67 712.15 2010 132'846.00 114'896.95 17'949.05

Positionen Theologische Ausrichtung Der IZRS wurde als sunnitisch-islamische Organisation gegründet. Die Führungsriege rechnet sich weiterhin dem sunnitischen Islam zu und vertritt dessen normative Positionen, obwohl sich der IZRS inzwischen als gesamtislamische Organisation versteht. Schiiten ist der Beitritt zum IZRS explizit gestattet, falls diese sich auf Grund der Strukturen und der Vereinsorganisation programmatisch angesprochen fühlen. Der IZRS postuliert einerseits eine enge Zusammenarbeit mit den schiitischen Glaubensgemeinschaften und betont die Gemeinsamkeiten zwischen den zwei verschiedenen Strömungen, verweist aber auch auf die theologischen Differenzen und plädiert für ein theologisches Nebeneinander. In einer Podiumsdiskussion bezeichnete Qaasim Illi die Ahmadiyya-Gemeinschaft als nicht zum Islam gehörend. Aus der Sicht der Orthodoxie habe sie den Status einer irrgeleiteten Sekte, wobei sich Illi auf den Konsens der islamischen Weltgemeinschaft berief, welche die Ahmadiyya bereits mehrfach im Nahen Osten und dem Mittleren Osten zu Nichtmuslimen erklärt hat. In einem Artikel des katholischen Medienzentrums ordnet man den IZRS als fundamentalistisch ein, weil dieser einen «normativ-sunnitischen» Islam praktiziert, welcher kulturelle Einflüsse weitestgehend ausklammere.

Berührung des anderen Geschlechts