Die deutsche Raumfahrt hat kein eigenes bemanntes Raumfahrtprogramm. Die deutschen Raumfahrer flogen daher als Besatzungsmitglieder bei Missionen anderer Staaten ins All: mit den Sojus-Raumschiffen der Sowjetunion (später Russland) und mit dem Space Shuttle der Vereinigten Staaten. Seit 2020 werden die Flüge mit Crew-Dragon-Raumschiffen von SpaceX durchgeführt. In achtzehn Missionen mit deutscher Beteiligung flogen bis 2025 insgesamt dreizehn deutsche Raumfahrer in Erdumlaufbahnen, darunter eine Frau. Ein weiterer Mann und eine weitere Frau nahmen an einem touristischen Suborbitalflug teil.
Betreuende Organisationen Übersicht Auswahl und Ausbildung der Raumfahrer erfolgten durch drei verschiedene Behörden und Gesellschaften, zeitweise auch parallel: Die Luftstreitkräfte der DDR wählten 1976 zwei Anwärter für einen Raumflug der Sowjetunion im Rahmen des Interkosmos-Programms aus. Einer davon kam zum Einsatz, der andere war Ersatzmann. Das DFVLR der Bundesrepublik Deutschland wählte bei drei Gelegenheiten (1982, 1987, 1990) insgesamt neun Raumfahrer aus, die an Forschungseinsätzen des Space-Shuttle oder auf der Raumstation Mir teilnahmen. Sieben davon kamen zum Einsatz. Auf europäischer Ebene wählte die ESA bei drei Gelegenheiten (1977, 1992, 2009) insgesamt 16 Raumfahrer aus 10 Ländern aus. Bei allen drei Auswahlen war je ein Deutscher dabei. Alle kamen dabei zum Einsatz, ein vierter stieß 2015 dazu.
Ab 1999 existierte keine rein deutsche Astronautengruppe mehr, die deutschen Raumfahrtaktivitäten sind voll in der ESA und deren Astronautenkorps integriert.
mini|hochkant=0.8|Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All DDR-Beteiligung am Interkosmos-Programm Im Rahmen des Interkosmos-Programms ermöglichte die Sowjetunion befreundeten Nationen, an bemannten Raumfahrtmissionen teilzunehmen. Für den Flug mit DDR-Beteiligung wurden am 25. November 1976 zwei Piloten aus den Luftstreitkräften der DDR ausgewählt: Sigmund Jähn und Eberhard Köllner, wobei Jähn im August/September 1978 den Raumflug mit Sojus 31 unternahm und Köllner der Ersatzmann war. Weitere Flüge waren nicht vorgesehen, so dass es nach dem Flug keine DDR-Kosmonautengruppe mehr gab.
Die Astronautengruppen von DFVLR/DLR Eine erste bundesdeutsche Astronautengruppe wurde am 19. Dezember 1982 von der damaligen Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR, später Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR) zusammengestellt. Ausgewählt wurden Reinhard Furrer und Ernst Messerschmid, die für einen Raumflug mit dem Space Shuttle ausgebildet wurden, bei dem das europäische Spacelab-Labor an Bord sein würde. Dieser siebentägige Flug fand ab 30. Oktober 1985 unter der Bezeichnung STS-61-A statt und wurde in Deutschland auch unter der Bezeichnung D1-Mission bekannt. Nach dem Flug wurde die Astronautengruppe aufgelöst.
mini|Die Astronautengruppe der DFVLR: Schlegel, Walter, Brümmer (hinten), Walpot, Thiele (vorne) Die nächste deutsche Astronautengruppe des DFVLR wurde am 3. August 1987 zusammengestellt und bestand aus fünf Personen, darunter auch erstmals Frauen: Renate Brümmer, Hans Schlegel, Gerhard Thiele, Heike Walpot und Ulrich Walter. Brümmer, Schlegel, Thiele und Walter wurden ab Oktober 1990 von der NASA zu Nutzlastspezialisten für die Mission STS-55 ausgebildet. Der Flug erfolgte im April 1993 unter Beteiligung von Schlegel und Walter. Nach diesem Flug traten Brümmer, Walpot und Walter aus, Schlegel und Thiele verblieben dagegen im deutschen Raumfahrerkorps und hielten sich für weitere Einsätze bereit.
Die politischen Änderungen Ende der 1980er Jahre (Perestroika und Glasnost) ermöglichten auch eine Zusammenarbeit der Bundesrepublik mit der Sowjetunion. Parallel zur Vorbereitung auf den Shuttle-Flug wurde die deutsche Raumfahrergruppe am 8. Oktober 1990 durch Reinhold Ewald und Klaus-Dietrich Flade verstärkt. Im Gegensatz zu ihren Kollegen wurden sie jedoch in der Sowjetunion ausgebildet und bereiteten sich auf einen Flug zur Raumstation Mir vor. Flade kam im März 1992 zum Einsatz, Ewald im Februar 1997.
Deutsche Raumfahrer bei der ESA mini|hochkant=0.8|Ulf Merbold, der erste ESA-Astronaut im All Schon ab 1977, bevor in Frankreich, Deutschland und Italien nationale Astronautengruppen aufgestellt wurden, hatte die ESA eine eigene Astronautenauswahl getroffen, damit europäische Astronauten die europäischen Experimente an Bord des Space Shuttle durchführen konnten. Die deutsche Vorauswahl übernahm das DFVLR, das am 23. April 1977 per Zeitungsannonce nach einem „Wissenschaftler im Weltraumlabor“ suchte, worauf mehr als 700 Bewerbungen eingingen. Im Artikel wird auch der bevorstehende Flug eines DDR-Kosmonauten erwähnt. Zu den vier am 22. Dezember 1977 ausgewählten ESA-Astronauten gehörte auch Ulf Merbold, und Merbold war es auch, der im November 1983 bei STS-9 der erste Nicht-Amerikaner an Bord des Space-Shuttles war. Merbold kam später zu zwei weiteren Raumflügen für die ESA: 1992 mit der Shuttle-Mission STS-42 und 1994 an Bord des russischen Raumschiffs Sojus TM-20 zur Raumstation Mir.
Erst 15 Jahre später, am 15. Mai 1992, wurde eine zweite ESA-Gruppe gebildet. Unter den sechs Raumfahreranwärtern aus sechs Ländern war mit Thomas Reiter wieder ein Deutscher. Reiter war der erste deutsche Raumfahrer, der Langzeiteinsätze auf Raumstationen absolvierte: je sechs Monate auf der Mir und auf der ISS.
Mit der Gründung des Europäischen Astronautenkorps der ESA ging die Auflösung der nationalen Astronautenkorps in Deutschland, Frankreich und Italien einher. Bis 1999 wechselten die noch aktiven deutschen Astronauten Schlegel, Thiele und Ewald vom DLR zur ESA.
Auch bei der nächsten ESA-Auswahl, die am 20. Mai 2009 aufgestellt wurde, war mit Alexander Gerst wieder ein Deutscher dabei. Gerst führte 2014 einen Langzeitaufenthalt auf der ISS durch und ein weiteres Mal im Juni 2018, bei dem er ab Oktober 2018 auch das Kommando der ISS übernahm.
Da für die ESA künftig mehr Flugmöglichkeiten bestehen werden, stieß Matthias Maurer im Juli 2015 als weiterer deutscher Raumfahreranwärter zum Europäischen Astronautenkorps hinzu.
Am 23. November 2022 wurden Nicola Winter und Amelie Schoenenwald als Reserve-Mitglieder des Astronautenkorps der Europäischen Weltraumorganisation benannt.Seite der ESA zu WinterSeite der ESA zu SchoenenwaldSZ zu Winter und Schoenenwald
Die Astronautin Bis zum Jahr 2016 war noch keine deutsche Frau im All. Aus diesem Grund rief die Unternehmerin Claudia Kessler die Initiative Die Astronautin ins Leben. Die Luft- und Raumfahrtingenieurin hatte Maschinenbau und Luft- und Raumfahrttechnik studiert und hatte ursprünglich selbst versucht, Astronautin zu werden. Ziel dieser Initiative war es, die erste Deutsche ins All zu bringen und ihr einen Kurzzeitaufenthalt auf der ISS zu ermöglichen. Es wurde die Stiftung erste deutsche Astronautin gemeinnützige GmbH gegründet,Amtsgericht Bremen, HRB 32510 HB, Bekanntmachung vom 15. August 2017. die sich durch Spenden, Crowdfunding und Unterstützung aus der Industrie finanzierte.ondemand-Osterreihe: Himmel – Interview mit der Raumfahrtingenieurin Claudia Kessler. Deutschlandfunk Information und Musik 13. April 2020
Im April 2017 wurden aus über 400 Bewerberinnen die Bundeswehr-Pilotin Nicola Baumann und die Meteorologin Insa Thiele-Eich ausgewählt, um eine entsprechende Ausbildung zu durchlaufen. Zur Finanzierung des ersten deutschen Astronautinnentrainings wurden im Frühjahr 2017 in einer ersten Crowdfunding-Runde 68.590 Euro eingesammelt.Projektseite bei Startnext; abgerufen am 13. September 2019. Nicola Baumann trat im Dezember 2017 von der Ausbildung zurück; im Februar 2018 wurde als Nachrückerin Suzanna Randall nominiert.
Der Flug zur ISS wurde anfangs für spätestens 2019 angestrebt, dann auf 2020 verschoben und weiter auf 2021Die Astronautin, archiviert am 17. Januar 2021. und 2023. Die Initiative hatte keinen festen Flug gebucht, da die Finanzierung der 50 Millionen Euro teuren Raumfahrtmission nicht gesichert war.
2022 ernannte die ESA Nicola Winter (vormals Nicola Baumann) zur Reserveastronautin.The ESA astronaut candidates are. ESA, 23. November 2022. Die Stiftung erste deutsche Astronautin wurde hingegen 2024 liquidiert.
Kommerzielle Missionen Am 1. April 2025 startete die Elektroingenieurin und Polarforscherin Rabea Rogge in der kommerziellen Mission Fram2 an Bord einer „Dragon“-Kapsel als erste Frau aus Deutschland vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ins All. Nach etwa 55 Erdumrundungen auf einer Polarbahn landete die Kapsel am 4. April 2025 vor der kalifornischen Küste.
Am 20. Dezember 2025 überschritt die Luft- und Raumfahrtingenieurin Michaela Benthaus für wenige Minuten an Bord einer New-Shepard-Kapsel die Grenze zum Weltraum.
Liste der deutschen Raumfahrer Nr. Name Staatsangehörigkeitzum Start Mission Nr. Mission Gastgeberland Missionsbeginn Flugdauer Raumstation Missionsziel 1 1 Sojus 31/Sojus 29 7 Tage Saljut 6 2 2 STS-9 10 Tage Wissenschaftliche Experimente im Spacelab-Modul 4 STS-42 8 Tage Wissenschaftliche Experimente im Spacelab-Modul 8 Sojus TM-20/Sojus TM-19 31 Tage Mir 3/4 3 STS-61-A (D1) 7 Tage Wissenschaftliche Experimente im Spacelab-Modul, Aussetzen des Satelliten GLOMR 5 5 Sojus TM-14/Sojus TM-13 7 Tage Mir 6 6 STS-55 (D2) 9 Tage Wissenschaftliche Experimente im Spacelab-Modul 13 STS-122 12 Tage ISS Installation von Columbus an der ISS 7 7 STS-55 (D2) 9 Tage Wissenschaftliche Experimente im Spacelab-Modul 8 9 Sojus TM-22 / Euromir 95 179 Tage Mir 12 STS-121/Expedition 13/Expedition 14/STS-116 171 Tage ISS 9 10 Sojus TM-25/Sojus TM-24 19 Tage Mir 10 11 STS-99 11 Tage Shuttle Radar Topography Mission, Positionierung verschiedener Satelliten 11 14 Sojus TMA-13M/ISS-Expedition 40/ISS-Expedition 41 165 Tage ISS 15 Sojus MS-09/ISS-Expedition 56/ISS-Expedition 57 197 Tage ISSvom 3. Oktober bis 18. Dezember 2018 als Kommandant der ISS 12 16 SpaceX Crew-3/ISS-Expedition 66/ISS-Expedition 67 (SpaceX) 176 Tage ISS 13 17 Fram2 (SpaceX) 3 Tage 14/15 18 NS-37 (Blue Origin) 11 Minuten Suborbitalflug
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