mini|hochkant=1.5|Saint-Marcel in Iguerande, von Osten Die Pfarrkirche und ehemalige Prioratskirche Saint-Marcel (ehemals Saint-André) befindet sich auf dem Gebiet der ostfranzösischen Gemeinde Iguerande im Département Saône-et-Loire in der Region Burgund auf einem Hügel hoch über dem Ostufer der Loire.
Nach einer Beschreibung von John Virey aus dem Jahr 1890 wurde die romanische Kirche von Iguerande im späten elften Jahrhundert erbaut und ist eine der wichtigsten romanischen Kirchen im Brionnais. Sie wurde mehrfach restauriert, hat aber ihre Reinheit der Linien beibehalten. Die ehemals dem Apostel Andreas geweihte Kirche steht heute unter dem Patrozinium des hl. Marcellus von Tanger, einem Märtyrer des zweiten Jahrhunderts.
Die ehemalige Prioratskirche Saint-Marcel ist bekannt für ihre gut erhaltene Architektur und viele interessante Skulpturen, darunter ein Zyklop, der eine Panflöte spielt. Das Kirchenbauwerk ist seit dem Jahr 1913 als Monument historique anerkannt.
Geschichte mini|hochkant=0.5|links|Jakobspilger, Holzschnitt von 1568 mini|Jakobsgrab in Santiago-de-Compostela Der Name Iguerande wird abgeleitet vom gallischen „Awaranda“, das ein „Platz an der Grenze, markiert durch einen großen Fluss“google.de bedeutet. Iguerande markierte die Grenze von zwei antiken gallischen Siedlungen, und zwar die der Haeduer und der Arverner.Iguerande Church.
Im Jahr 938 übertrug ein gewisser Bernard ein ganz junges Kloster den Eigentümern von Iguerande, wo sich immerhin bereits drei Kapellen befanden und zwar Saint-André, Saint-Jean-Baptiste und Saint-Marcel. Im Jahr 956 vervollständigte der Bischof von Mâcon, Maimbodus (938–958), diese Stiftung um die Abgabe der Einkünfte der Kirche von Saint-André an die Benediktiner-Abtei Cluny. Zu diesem Zeitpunkt scheint sich eine kleine Mönchsgemeinschaft auf der Baustelle von Saint-André etabliert zu haben. Im späten 10. Jahrhundert wurde die Kapelle Saint-André, von den Mönchen umgebaut, die vor allem durch Spenden aus der benachbarten Familie Semur gefördert wurden.
Im Jahr 1088 kam sie unter die Aufsicht der Abtei von Cluny, betreut von der Priorin des Klosters von Marcigny, und wurde von den Benediktiner-Mönchen nicht nur als Prioratskirche, sondern vor allem als Pilgerkirche deutlich vergrößert. Sie wurde im Jahr 1100 fertiggestellt. Ihr Staffelchor erinnert an die Abteikirche Cluny II, war aber bereits gänzlich eingewölbt.
Die Fertigstellung des Gebäudes fiel in die Blütezeit der Wallfahrten zum Grab des Apostels Jakobus des Älteren in Santiago de Compostela, d. h. in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts, als die Pilger jährlich zu Hunderttausenden über die Pyrenäen nach Süden zogen. In dieser Zeit organisierten vor allem Mönchsgemeinschaften, wie auch die Benediktiner von Cluny die Abwicklung der Wallfahrt. Es entwickelten sich in Frankreich vier Hauptrouten und ein Netz von Nebenrouten, an denen Kirchen, Klöster, Hospize, Herbergen und auch Friedhöfe entstanden oder erweitert wurden. So wurde auch Saint-André in Iguerande eine recht bedeutende Station des Jakobsweges an einer Nebenroute der Via Lemovicensis, mit dem Ausgangsort Vézelay, und das Priorat konnte mit seiner Kirchenerweiterung und den hier gezeigten Reliquien an der Spendenwilligkeit der Jakobspilger teilhaben. mini|hochkant|Zeitgenössische Miniatur der Schlacht von Auray (1364) im hundertjährigen Krieg Als die Streitigkeiten um Aquitanien zwischen England und Frankreich nach Mitte des 12. Jahrhunderts anhoben, gingen die Pilgerbewegungen zurück und die Kriege des 13./14. Jahrhunderts, vor allem der Hundertjährige Krieg (1339–1453), brachten einen dramatischen Einbruch. Die Klöster mit Pilgerkirchen mussten sich wieder auf die Wallfahrten zu ihren eigenen Reliquien beschränken, so auch das von Iguerande. Im dreizehnten Jahrhundert erfolgte die Aufteilung der Interessen zwischen dem Priorat von Iguerande und dem stattlichen Haus Semur.
Im Mittelalter lag Iguerande an der Landesgrenze und den Grenzen des Brionnais, der Grafschaft Forez und war Streitpunkt in vielen Auseinandersetzungen. In dieser Zeit war die Pfarrei immer noch in der Situation der gemeinsamen Verwaltungsebene zwischen der Vogtei Semur und der Generalitat von Lyon.
Bereits vor dem Jahre 1600 verließen die Mönche endgültig den Ort. Die damalige kleine Pfarrkirche Saint-Marcel brach als Ruine zusammen. Die Priorin von Marcigny übergab daraufhin die ehemalige Priorats- und Pilgerkirche Saint-André an die Pfarrgemeinde, die ihre Pfarrkirche nunmehr wieder unter die Schirmherrschaft von Saint-Marcel stellte. Das Kloster war bereits vor der Zeit der Französischen Revolution verschwunden, als die Kirche von Iguerande eine Pfarrkirche in der Diözese von Macon war und wieder unter das Patrozinium von Saint-André gestellt wurde. Heute trägt sie manchmal beide Namen.
In der Neuzeit, vermutlich im 19./20. Jahrhundert,Description de l'église d'Iguerande. hat man die Südostseite der Kirche mit kräftigen Strebepfeilern abgestützt, da diese Seite offensichtlich in Richtung des abschüssigen Hangs abzurutschen drohte. Gleichzeitig wurden die Wandabschnitte zwischen den Strebepfeilern im unteren Bereich mit steil abgeböschtem Mauerwerk verstärkt. In dieser Zeit wurde auch die südöstliche Apsidiole des Staffelchors gegen einen unförmigen kantigen Anbau einer Sakristei ersetzt.
Bauwerk mini|hochkant=1.5|links|Grundriss Abmessungen, zirka,
dem Grundriss entnommen und hochgerechnet, ohne Wandpfeilervorsprünge mini|Längsschnitt, Handskizze mini|Querschnitte, Handskizze Länge über alles (außen): 34,20 m Länge Langhaus (außen): 17,40 m Länge Langhaus (innen): 16,10 m Breite Langhaus (außen): 13,80 m Breite Langhaus (innen): 11,80 m Breite Mittelschiff (innen): 5,10 m Breite Seitenschiffe (innen): 2,50 m Länge Querhaus (außen): 19,40 m Ausladung Querhaus (außen): 2,80 m Breite Querhaus (außen): 6,80 m Breite Querhaus (innen): 4,80 m Länge Chor (außen): 10,00 m
Äußeres mini|Langhaus mit Fassade von Westen Der Grundriss der Kirche ist nicht genau geostet, sondern ihr Chor weist nach Nordosten. Das Bruchsteinmauerwerk der Wände ist ein unregelmäßiges Schichtenmauerwerk aus überwiegend kleinformatigen orangefarbenen Sandsteinen in unterschiedlichen Tönungen von kräftigen Orange, über Hellorange bis fast Weiß, teils auch grau verwittert. Die Öffnungseinfassungen und Pfeiler bestehen aus großformatigen Werksteinblöcken.
Langhaus mit Fassade Das Langhaus auf einem rechteckigen Grundriss wird von einem gemeinsamen Satteldach ohne Versätze mit etwa 30 Grad Neigung überdeckt, das mit roten Hohlziegeln in römischen Format, auch Mönch-Nonnen-Ziegel genannt, eingedeckt ist. Die unteren Reihen der Eindeckung kragen über kräftige Gesimse aus, deren Sichtkanten mit einer breiten Hohlkehle gebrochen sind. Das Gesims ruht auf einer Reihung von Kragkonsolen, die unterseitig ausgerundet und schlicht skulptiert sind.
mini|Langhaus von Südosten mini|Fassade von Westen An der äußeren Gliederung mit Strebepfeilern erkennt man bereits die innere Aufteilung in drei Schiffe und drei Joche. Die seitliche Nordwestwand besitzt noch die ursprünglichen im Querschnitt rechteckigen Strebepfeiler, die sich oberhalb des ersten Drittels ihrer Höhe leicht verjüngen. Sie reichen mit ihren steil abgeschrägten Oberseiten bis knapp unter die Traufe. Der äußere Pfeiler in Verlängerung der Fassadenwand erreicht die Traufhöhe. Mittig zwischen den Pfeilern und in Höhe der oberen Wandhälfte ist je ein schlankes rundbogiges Fenster ausgespart mit stark aufgeweiteten Gewänden. Das dritte Joch wird eingeengt durch den Anbau eines Treppenhauses mit einer Spindeltreppe, über die man in den Dachraum über die Quertonne des Querhauses und von dort in den Vierungsglockenturm gelangen kann. In diesem Joch gibt es auch noch ein kleines Seitenportal, vielleicht eine direkte Verbindung zu den ehemaligen Konventsgebäuden des Klosters.
Die seitliche Südostwand weist die gleiche Gliederung mit Pfeilern und Fenstern auf. Allerdings wurden in der Neuzeit die beiden mittleren Strebepfeiler beträchtlich verstärkt, sowohl in der Breite, vor allem aber in ihrer Ausladung. Die Außenseiten der Pfeiler sind in ganzer Höhe steil abgeschrägt und verspringen im unteren Drittel noch ein weiteres Stück auswärts. Zwischen den Pfeilern wurden auch die Wandabschnitte unterhalb der Fenster mit zusätzlichem Mauerwerk verstärkt, das nach unten steil abgeböscht ist. Diese Maßnahme wurde hier, wie auch noch am Querhaus und im Chorbereich vorgenommen, weil man vermutlich Rissbildungen festgestellt hat, die ein Abrutschen der südöstlichen Wände in Richtung des nahen Hanges angekündigt hatten. Die Gliederung der südwestlichen Fassade spiegelt die dreischiffige Aufteilung des Langhauses wider. In Verlängerung der seitlichen Außenwände und der Scheidewände stehen im Querschnitt über die ganze Höhe rechteckige Strebepfeiler, die knapp einen halben Meter hohe Sockelvorsprünge aufweisen. Die äußeren Pfeiler sich deutlich breiter als die inneren und reichen bis zur Traufhöhe, die inneren noch ein Stück weiter hinauf. Zwischen den inneren Pfeilern, das heißt im Bereich des Mittelschiffs, springt die Fassadenwand in ganzer Höhe um etwa 30 Zentimeter nach außen vor. Die schrägen Oberseiten der Fassadenwand überragen die Dachflächen knapp einen halben Meter. Sie werden von kräftigen Platten abgedeckt, deren auskragende Sichtkanten ähnlich dem Traufgesims mit einer Hohlkehle gebrochen sind. Der Giebelfirst wird von einem steinernen Kleeblatt- oder Lazaruskreuz bekrönt, dessen unterer Arm etwas länger ist, als die anderen.
mini|hochkant|Querhaus und Turm von Westen Die rechteckige Öffnung des Hauptportals wird umschlossen von einer Archivolte. Ein halbrunder, leicht gestelzter Bogen aus einem kräftigen halben Rundstab steht auf zwei Säulen in Wandrückversätzen, die mit pflanzlich skulptierten Kapitellen, profilierten Kämpfern und schlichten Basen auf Plinthen ausgerüstet sind. Hinter dem Bogen folgt ein weiterer Rückversatz mit einem unstrukturierten Tympanon. In Höhe der Kämpfer schließt ein rundes Profil mit gezackter Unterkante das Bogenfeld ab. Der waagerechte Sturz steht auf zwei etwas stärkeren Säulen, die wie die benachbarten ausgestattet sind. Der Archivoltenbogen wird von einem Kragprofil überfangen, mit einer gezackten Innenkante. Deutlich über den Kämpfern der äußeren Säulen schwenkt das Profil seitlich waagerecht ab und wird bis gegen die Strebepfeiler geführt. Knapp über dem vorgenannten Kragprofil öffnet sich ein schlankes rundbogiges Fenster mit aufgeweiteten Gewänden. In den späten Stunden des Nachmittags spendet dieses Fenster die einzige direkte Belichtung des Mittelschiffs.
Querhaus mit Vierungsturm mini|hochkant|Querhaus und Turm von Süden Die Giebelwände des Querhauses stehen knapp drei Meter vor den Außenwänden des Langhauses und besitzen schlichter profilierte und dünnere Abdeckungen wie die der Fassadenwand und deren Höhenlage über den Dachflächen. Die Satteldächer der Querhausarme weisen die gleiche Eindeckung, Dachneigung, Traufausbildung und deren Höhenlage wie die des Langhauses auf. Auf dem Giebelfirst des südöstlichen Querhausarms steht ein schlichtes steinernes lateinisches Kreuz aus runden Armen. Die Strebepfeiler auf der Giebelwand des nordwestlichen Querhausarms entsprechen etwa denen der benachbarten Langhauswand, wie auch das Fenster zwischen den Strebepfeilern. Das gilt analog auch für die gegenüber liegende südöstliche Giebelwand. Die Strebepfeiler sich jedoch noch ausladender und wuchtiger. Hier hat man allerdings auf eine zusätzliche Vormauerung des Wandabschnitts verzichtet.