hochkant=1.3|mini|Dokumentationszentrum auf dem Gelände der Topographie des Terrors in Berlin-Kreuzberg. Gebäude im Hintergrund, von links: Europahaus, ein Hotelgebäude, Gropius-Bau. (2022) mini|Das Dokumentationszentrum in der Niederkirchnerstraße 8 von oben (2011) mini|Dokumentationszentrum, Eingang (2022) mini|Kennzeichnung eines thematischen Bereichs der Dauerausstellung (2016)

Die Topographie des Terrors ist ein seit 1987 bestehendes Projekt in Berlin-Kreuzberg zur Dokumentation und Aufarbeitung des Terrors im nationalsozialistischen Deutschland. Dazu gehören eine Dauerausstellung und Sonderausstellungen im Dokumentationszentrum, das im Jahr 2010 eröffnet wurde, sowie eine schon zuvor eingerichtete Freiluftausstellung und ein Geländerundgang mit Erläuterungen zur Geschichte des historischen Orts.

Die Einrichtung wird von der 1992 gegründeten Stiftung Topographie des Terrors betreut, einer seit 1995 selbständigen Stiftung, die vom Land Berlin und der Bundesrepublik Deutschland gemeinsam getragen wird.

Die Topographie des Terrors zählt zu den Museen in Berlin. Nach dem Verständnis der Betreiber soll sie jedoch kein Museum und auch keine Gedenkstätte sein, sondern ein Ort der Information und der Auseinandersetzung mit den Verbrechen des NS-Staates.Bildungsangebote topographie.de. Zitat: „Das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors ist ein Informations- und Lernort.“Susanne Memarnia: Vermittlung von NS-Geschichte: „Ein schöner Rasen geht hier nicht“ Interview mit dem langjährigen Kurator Andreas Sander, taz.de, 12. Mai 2018. Zitat: „Und unsere Besonderheit ist ja: Wir sind kein Museum, keine Gedenkstätte – das hier soll ein Ort der Auseinandersetzung sein.“„Erinnerungsarbeit ist immer umstritten“ Interview mit dem langjährigen Direktor Andreas Nachama, deutschlandfunkkultur.de, 2. Januar 2020. Zitat: „Es ist eben keine Gedenkstätte, sondern ein Lernort.“

Lage mini|Der Ausstellungsgraben an der Niederkirchnerstraße mit Rest der Berliner Mauer (Blick nach Westen). Oben: Bundesfinanzministerium. Gebäude im Hintergrund: links der Gropius-Bau, rechts das Berliner Abgeordnetenhaus. (2011)

Das Gelände der Topographie des Terrors befindet sich im Berliner Ortsteil Kreuzberg in zentraler Lage zwischen Anhalter Bahnhof, Potsdamer Platz und der historischen Stadtmitte. Das Brandenburger Tor ist rund einen Kilometer Richtung Norden entfernt.

Das Gelände wird im Norden von der Niederkirchnerstraße und im Osten von der Wilhelmstraße begrenzt. Ein 200 Meter langer Rest der Berliner Mauer markiert die Grundstücksgrenze zwischen dem Gelände der Gedenkstätte und der Niederkirchnerstraße. Direkt unterhalb dieses Mauerstücks wird im sogenannten Ausstellungsgraben die Freiluftausstellung Berlin 1933–1945. Zwischen Propaganda und Terror präsentiert.

Der Gropius-Bau (Niederkirchnerstraße 7) ist das westliche Nachbargebäude des Dokumentationszentrums (Niederkirchnerstraße 8). Auf der anderen Straßenseite, gegenüber dem Gropius-Bau, steht das Abgeordnetenhaus von Berlin (Niederkirchnerstraße 5). Dessen Nachbargebäude, das Detlev-Rohwedder-Haus (Wilhelmstraße 97, Dienstsitz des Bundesfinanzministeriums), liegt gegenüber der großen Freifläche im Osten des Geländes.

Name mini|Das ehemalige Gestapo-Gebäude, Prinz-Albrecht-Straße 8, im Jahr 1949 mini|Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße, um 1837

Topographie (oder Topografie) bedeutet wörtlich „Ortsbeschreibung“; der Begriff wird insbesondere in der Kartografie verwendet.Topografie, Topographie bei duden.de Der Name Topographie des Terrors bezieht sich darauf, dass in der Zeit des Nationalsozialismus die wichtigsten Institutionen des Verfolgungs- und Terrorapparats des NS-Staates sich an diesem Ort befanden:Vgl. . Die Prinz-Albrecht-Straße ist heute die Niederkirchnerstraße. Die Saarlandstraße ist heute die Stresemannstraße. In der damaligen Prinz-Albrecht-Straße 8 (heute: Niederkirchnerstraße 8, Adresse der Topographie des Terrors) befand sich die Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in einer ehemaligen Kunstgewerbeschule. Das vormalige Hotel Prinz Albrecht, das östliche Nachbargebäude in der Prinz-Albrecht-Straße 9, war ab 1934 der Sitz des Reichsführers SS Heinrich Himmler. Das Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße 102, das südliche Nachbargebäude des Hotels Prinz Albrecht, wurde 1934 zur Zentrale des Sicherheitsdienstes (SD) der SS und ab 1939 auch des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA).

Für das Gelände wurde 1983 von IBA-Leiter Josef Paul Kleihues und der Berliner CDU die Bezeichnung „Prinz-Albrecht-Gelände“ verwendet. Seit 1987 hat sich die heutige Bezeichnung durchgesetzt.Nils Ballhausen: Ein Treffen im „Sprechzimmer der Geschichte“. Gespräch mit Dieter Hoffmann-Axthelm und Andreas Nachama. In: Bauwelt Nr. 16/2010, S. 12–19 (; 1,9 MB).

Topographie des Terrors ist zugleich der Name der Dauerausstellung im Dokumentationszentrum (vollständiger Titel: Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße).

Geschichte Nachkriegszeit Nach dem Abriss der schwer beschädigten Gebäude in den 1950er Jahren wurde das Gelände unter anderem anderthalb Jahrzehnte als Auto-Fahrübungsgelände (Betreiber: „Straps-Harry“) und als Schutthalde der Kreuzberger Flächensanierung genutzt.

Die Pläne, auf dem Gelände des ehemaligen Sitzes der Gestapo eine Gedenkstätte zu errichten, reichen zurück bis ins Jahr 1978. Der Berliner Architekturkritiker Dieter Hoffmann-Axthelm wies in diesem Jahr in Aufsätzen und Gutachten als einer der Ersten auf die Bedeutung des ehemaligen Geländes der Gestapo-, SD- und RSHA-Zentralen hin.

Erste Ausstellung Die erste Ausstellung zur Topographie des Terrors entstand zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 und wurde anschließend fortgeführt. Die Vorarbeiten zur Ausrichtung der Ausstellung mündeten in die Forderung, ein Dokumentationszentrum zu schaffen, das den Terror der Nationalsozialisten in Deutschland weiter erforschen und dokumentieren sollte.

In der Folge wurde 1992 die Stiftung Topographie des Terrors gegründet. Von 1994 bis 2019 wurde die Stiftung von dem Historiker und Rabbiner Andreas Nachama geleitet, der schon die Ausstellung im Jahr 1987 betreut hatte.Prof. Dr. Andreas Nachama nachama.de Das wichtigste Projekt der Stiftung war zu Beginn der Bau des Dokumentationszentrums mit angegliederter Dauerausstellung im Freien.

Zumthor-Entwurf Die Ausschreibung im Jahr 1993 für den Museumskomplex an der Niederkirchnerstraße gewann der Schweizer Architekt Peter Zumthor. Der Wunsch der Ausschreibung nach einfacher Form, die nur den Platz umhüllt, der für sich sprechen solle, wurde von ihm dadurch gelöst, die Formensprache der BarackeFoto: Ausstellungshalle im Jahr 1996 der provisorischen Ausstellung zu übernehmen.Stefanie Endlich über Peter Zumthors Topographie-Bau: Japanische, strukturelle Heiterkeit berliner-zeitung.de, 26. Mai 2004. Das Konzept erinnerte mit seinem Betonbalken-Tragwerk an eine skelettierte Baracke, die jedoch durch die verglasten Lücken viel Licht einließe, wobei regelmäßige Schatten sich durch den Raum zögen.

Bei der Umsetzung wurde das architektonische Kunstwerk deutlich teurer als erwartet.Experten kritisieren den neuen Vorschlag für das Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals: „Schiefer ist viel teurer als Beton“ berliner-zeitung.de, 22. Januar 2002. Schon das ungewöhnliche Tragwerk bewirkte technische Mehrkosten.Das Scheitern Zumthors ist Folge kollektiver Verantwortungslosigkeit: Und wo war der Bauherr? berliner-zeitung.de, 27. Mai 2004. Die beauftragte Baufirma für das Tragwerk wurde insolvent, und es fand sich keine andere Firma, die es für einen gedeckelten Preis realisieren mochte. 3sat, Kulturzeit, 19. Juli 2002 (nach dem Laden der Seite mehrere Sekunden lang die Taste ESC drücken, sonst verschwindet der Text). Die Stadt Berlin konnte keine Mehrkosten tragen, auch nicht für eine reduzierte Version „Zumthor II“ mit drei bis fünf Millionen Euro mehr, und die volle Übernahme der Kostenträgerschaft durch den Bund wurde von diesem jahrelang hinausgezögert.Gerhard Schoenberner: Topographie ist Bundessache. In: Der Freitag. Nr. 31, 23. Juli 2004 (Schoenberner ist Gründungsrektor der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz).

Nach 15 Jahren trat im März 2004 der Historiker Reinhard Rürup als Wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Topographie des Terrors aus Protest zurück. Unmittelbarer Anlass war, dass „die vom Bund vor einigen Jahren bewilligten Mittel für die Vorbereitung der Ersteinrichtung des Neubaus nicht mehr ausgezahlt werden.“ Er warf zudem den zuständigen Vertretern in den Behörden von Land und Bund ein „auffälliges Desinteresse“ und eine „bestenfalls lauwarme Unterstützung“ vor.Skandal und letzte Hoffnung In: Der Tagesspiegel, 27. März 2004 (Interview mit Rürup über seinen Rücktritt).

Das Land Berlin trennte sich schließlich im Streit von Zumthor. Er erhielt allerdings aufgrund vertraglicher Vereinbarungen eine Abfindung.Ex-Architekt der Topographie des Terrors prüft eine Klage gegen das Land Berlin und den Bund: Zumthor verlangt fast eine Million Euro berliner-zeitung.de, 27. Mai 2004. Die drei bereits für 13,8 Millionen Euro errichteten Treppentürme des Museumsbaus auf dem ehemaligen Gestapo-Gelände blieben ein Torso. Nach einer abgewiesenen Verfassungsbeschwerde von Zumthor und trotz Protesten von ArchitektenKatrin Schoelkopf: Streit um Abriss der Zumthor-Treppentürme. In: Die Welt, 25. August 2004. wurden diese im Winter 2004 abgerissen.Fosco Lucarelli: socks-studio.com, 14. November 2011.

Neuer Architektenwettbewerb 2005 mini|Die Freiluft-Ausstellung unterhalb der Berliner Mauer, 2008

Im Juni 2005 wurde ein neuer Architektenwettbewerb ausgelobt. Von 309 eingesandten und 23 ausgewählten Entwürfen gewannen im Januar 2006 schließlich die Architektin Ursula Wilms aus dem Berliner Büro Heinle, Wischer und Partner und der Landschaftsarchitekt Heinz W. Hallmann. Der Entwurf sah ein zweigeschossiges, quaderförmiges, verglastes Gebäude vor, das mit einer Nutzfläche von 3500 m² über ein Erd- und ein Untergeschoss verfügen soll. Für den Bau standen 15 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere fünf bis neun Millionen Euro wurden sowohl für die Innenausstattung als auch für die Sanierung des Außengeländes verwendet und je zur Hälfte vom Bund und vom Land Berlin getragen.Topographie des Terrors: Erster Spatenstich im Herbst 2007. berliner-zeitung.de, 26. Januar 2006. Die Architektin veranschlagte maximal 20 Millionen Euro und eine Bauzeit von zwei Jahren.Christina Tilmann: Auf Sand gesetzt. In: Der Tagesspiegel, 9. März 2006.

Während einerseits das Ende der bereits seit zwölf Jahren andauernden Vertagung der Bebauungsplanung begrüßt wurde, bedauerte man andererseits die „vertane Chance“ zu einem Gesamtkunstwerk.Zeichen und Zweck. In: Der Tagesspiegel, 26. Januar 2006.

Bau und Eröffnung Am 2. November 2007 wurde mit dem Neubau des Dokumentationszentrums begonnen, die Fertigstellung wurde für den 65. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 2010 geplant.Severin Weiland: Glückliches Ende eines Trauerspiels. In: Spiegel Online, 2. November 2007.

Das Dokumentationszentrum wurde am 6. Mai 2010 vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler mit einem Festakt am Abend offiziell eröffnet.Topographie des Terrors: Horst Köhler eröffnet Dokumentationszentrum in Berlin. In: Stern.de, 6. Mai 2010. Am nächsten Tag konnten die Besucher die Dauerausstellung im Dokumentationszentrum besichtigen. Das Gesamtgelände war wieder zugänglich und wurde mit dem „Geländerundgang“ Bestandteil der Dauerausstellungen.

Am 25. August 2010 wurde schließlich die dritte Dauerausstellung Berlin 1933–1945. Zwischen Propaganda und Terror eröffnet, die im Ausstellungsgraben an der Niederkirchnerstraße gezeigt wird.Topographie des Terrors zeigt Berlin in der NS-Zeit augsburger-allgemeine.de, 24. August 2010.

Gelände und Gebäude mini|Mit Schotter bedeckte Freifläche rings um das Dokumentationszentrum (Blick nach Westen). (2010)