mini|Die Regenbogenfahne am Bürkliplatz

Das Zurich Pride Festival, vormals bis 2009 CSD Zürich, ist ein jährlich stattfindendes Festival in Zürich, an dem im Juni ein mehrtägiges Rahmenprogramm mit Fachtagungen, kulturellen Anlässen, Open-Air-Konzerten und einer Demonstration für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Menschen mit Transidentität, Intergeschlechtlichen und Queers. Es ist der grösste LGBTQIA+ Event der Schweiz.

Geschichte 1994–1998 Der CSD Zürich wurde am 25. Juni 1994 das erste Mal durchgeführt. Die Feste fanden teilweise hinter dem Landesmuseum, beim Theaterhaus Gessnerallee, auf dem Zeughausareal oder dem Turbinenplatz statt. Von dem zuerst einfachen Demonstrationszug und Festareal verwandelte sich der CSD mit den Jahren in ein Festival mit Rahmenprogramm. 1995 wurde der Verein CSD Zürich gegründet.CSDs nach 1981, in: schwulengeschichte.ch, abgerufen am 19. Mai 2012.

1999: «30 Jahre Stonewall – gleiche Rechte jetzt!» Der CSD Zürich feierte den dreissigsten Jahrestag der Stonewall-Krawallen. Das Motto lautete «Gleiche Rechte jetzt!». Als Redner traten auf: die damalige Basler Nationalrätin Margrith von Felten und der FDP-Kantonsrat Hans-Peter Portmann. Auf der Hauptbühne des Platzspitz moderierte Valentino, der damalige Mr. Gay, ein Kulturprogramm, bei dem u. a. Tara LaTrash und weitere Zürcher Persönlichkeiten auftraten.

2000: «lesbisch-schwul-bi-national» Die Situation gleichgeschlechtlicher Paare, in dem ein Partner ausländischer Nationalität ist, war im Jahr 2000 das Thema am CSD Zürich. Dabei wurde eine registrierte Partnerschaft gefordert, damit die Partnerin oder der Partner zu einer Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung in der Schweiz kommen kann. Das Kulturprogramm musste in letzter Minute vom Platzspitz auf das Zeughausareal verlegt werden. Dort trat u. a. Nella Martinetti auf.

2001: «Work together» Das Motto des CSD Zürich von 2001 war «work together». Es sollte damit auf die Situation von Lesben und Schwulen am Arbeitsplatz aufmerksam gemacht werden. So wurde beispielsweise auf Diskriminierungen (Mobbing oder Nichtbeförderung) hingewiesen. Bekannter Redner auf dem Helvetiaplatz war der damalige Schweizer Bundespräsident Moritz Leuenberger.Staatsoberhaupt am CSD, Bundespräsident Moritz Leuenberger, in: schwulengeschichte.ch, abgerufen am 19. Mai 2012 Auf der Hauptbühne hatte die Schweizer Sängerin Maja Brunner einen Auftritt.

2002: «We are family» Im Jahr der Familie macht auch der CSD Zürich die Familie zum Motto. Es lautete «We are family». Thematisiert wurde einerseits die Familie, in der Lesben und Schwule aufgewachsen sind, andererseits die neuen, unkonventionellen Familien, in denen sie leben. Redner auf dem Helvetiaplatz war der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber. Auf der Hauptbühne trat das spanische Duo Baccara auf.

mini|Bühne auf dem Turbinenplatz bei der Stonewall-Award-Verleihung

2003: «landauf – stadtab» Mit diesem CSD wurde darauf hingewiesen, dass es eine lesbisch-schwule Realität jenseits der Metropolen gibt. Man wollte auf Missstände in der Akzeptanz schwullebischer Lebensweise auf dem Land hinweisen, die in der Stadt längst ausgeräumt waren. Die Redner waren ein Kantonalparlamentarier aus ländlichen Gebieten. Gast auf der Hauptbühne war Tina Charles.

2004: «Rights Now! – Lesben und Schwule weltweit» Das Motto von 2004 lautete «Rights Now!». Erstmals fand der CSD Zürich schon Anfang Juni statt und trotz trüben Wetters kamen Tausende an den Umzug und zum anschliessenden Fest, das neu auf dem Turbinenplatz im Kreis 5 stattfand. Auf der Hauptbühne trat die britische Sängerin Samantha Fox auf. Zum ersten Mal wurde ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, der ab diesem Zeitpunkt zum festen Rahmenprogramm des Festivals wurde. Dieser wird von der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, von der römisch-katholischen Kirche im Kanton Zürich und ab 2009 auch von der christkatholischen Kirchgemeinde Zürich mitgetragen.

2005: «Go For yes!» Das Motto dieses Festivals war «Go For yes!». Einen Tag vor der nationalen Abstimmung über das Partnerschaftsgesetz wurde vom CSD die Zustimmung gefordert. Auf dem Helvetiaplatz sprachen Nationalrätin Doris Leuthard (CVP) und SP-Regierungsrat Markus Notter. Am Umzug werden ungefähr 8'000 Leute gezählt und das Fest auf dem Turbinenplatz wurde von der schwedischen Gruppe Alcazar musikalisch unterstützt.

2006: «Akzeptanz macht Schule» mini|Verwaltungsgebäude Helvetiaplatz

Ein Motto, das in erster Linie Schulen und die Politik dazu auffordert, Homosexualität in der Schule zu enttabuisieren, das Thema in die Lehrmittel aufzunehmen und gleichgeschlechtliche Lehrkräfte voll zu akzeptieren. Aber auch Eltern werden dazu ermutigt, der Homosexualität der Tochter oder des Sohnes wertfrei zu begegnen. Der CSD Zürich führt einige Neuerungen ein: Neben zwei politischen Reden wurde mit Patrick Frey ein Bühnenkünstler eingeladen, seine persönliche Sicht darzulegen. Die Parade war die grösste bisher in der Geschichte des CSD Zürich. Am Abend gab es noch eine eigene CSD-Party.

2007: «Bekenne Dich!» Der CSD von 2007 forderte die Lesben und die Schwulen dazu auf, sich zu ihrer sexuellen Ausrichtung zu bekennen und damit die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Lebensweise zu fördern. Als Redner wurde der Klaus Wowereit (Regierende Bürgermeister von Berlin) eingeladen, der mit seinem öffentlichen Bekenntnis vor seiner Wahl zu einer Vorbildfunktion werden könnte. Zusätzlich wurde am CSD die Schliessung von Darkrooms durch die Stadt Zürich kritisiert. Als Symbol wurde mit einem schwarzen Sarg das Zürcher Nachtleben zu Grabe getragen.

2008: «Offside & mittendrin» Eine Woche nach dem CSD Zürich startet in der Schweiz und Österreich die Fussball-Europameisterschaft. Die Nähe zum grössten Sportfest, wurde von den Organisatoren des CSD als Chance und Herausforderung gesehen. Sie wollten aufmerksam machen, dass die Homosexualität im Fussball immer noch stark tabuisiert wurden. Als Symbol wurden zwei mit rosa Ballonen geschmückte Fussballtore durch die Stadt gezogen. Wie bereits in den Jahren zuvor, konnte die Teilnehmerzahl am Demonstrationsumzug gesteigert werden.

2009: «Europride Zürich» Der CSD wurde diesmal im Rahmen der Europride durchgeführt, die zum ersten Mal in der Schweiz stattfand. Knapp 50'000 Menschen nahmen an der grossen Parade teil und demonstrierten am 6. Juni für ihre Rechte «Your rights are my rights», rund 100.000 Menschen säumten den Strassenrand. Mit 24 Festwagen und 25 Vereinen war es die längste Parade, die es je in Zürich gab. Tausende Besucher liessen sich am zweitägigen Stadtfest von Zürich verzaubern. Über 50 mobile Sterne leuchteten über den Strassen des Festgeländes. Die Stadt Zürich wurde mit Regenbogenfahnen in der Innenstadt und auf Trams und Bussen geschmückt. die Besucher kamen aus der ganzen Schweiz, aus Europa und aus Übersee. Das Rahmenprogramm der Europride dauerte fünf Wochen. Insgesamt standen 218 Veranstaltungen auf dem Programm. Davon wurden 70 Filme gezeigt und 51 kulturelle Veranstaltungen sowie 51 Partys fanden statt. Viele Veranstaltungen wie beispielsweise Pink Apple oder der Warme Mai waren ausverkauft. Am Sportwochenende kämpften mehr als 300 Athleten aus der ganzen Schweiz und Europa um Medaillen. Bei den politischen Diskussionen konnte eine ganze Bandbreite an Themen diskutiert werden, beispielsweise die Familiensituation von Lesben und Schwule, Soziale Vielfalt bis hin zum ersten Gay and Lesbian Economic Forum in der Schweiz.

mini|Open Air Gelände Schiffbaustrasse An der Europride fand das erste internationale Tanzturnier seit den EuroGames 2000 statt. Ebenso wurde eine Website zur Geschichte von Schwulen in der Schweiz aufgeschaltet. Es wurde zusätzlich ein zweitägiges Stadtfest mit drei Bühnen in der Mitte von Zürich durchgeführt.

Im Jahr der Europride wurde im November der Trägerverein Gay Pride – Christopher Street Day Zürich einer Rundumerneuerung unterzogen. Neben der Totalrevision der Statuten, erhielt der Verein auch einen neuen Namen, nämlich «Zurich Pride Festival». Auch das vorher bekannte Doppelpräsidium endete. Das Konzept für ein Festival in Zürich basiert auf den vergangenen CSD-Veranstaltungen kombiniert mit den Erfahrungen der Europride 2009.

2010: «Do Ask – Do Tell» Über vier Tage verteilt wurde 2010 ein kulturelles und politisches Programm geboten, in dem für mehr Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft geworben wurde. Auf dem Turbinenplatz fanden sich zahlreiche Informationsstände und die grosse Hauptbühne. Das anschliessende Seizareal beherbergte die Kulturbühne und weitere Stände von Organisationen und Institutionen. Am Samstag fand die Demonstration statt. Die Route startete bei der Hafenanlage Enge und führte um das Seebecken bis zur Bellerivestrasse. Unter dem Motto «Do Ask – Do Tell» forderte das Festivalkomitee zu mehr Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Gesellschaft auf.Farbenfroher Zurich-Pride-Umzug, in: Tages-Anzeiger, 5. Juni 2010Jahresrückblick 2010, in: Youtube, Zurich Pride Festival

2011: «Live with The Difference – Vivre avec la différence» Die Thematik Anti-Diskriminierung und eine gesundheitsorientierten Ausrichtung des Festivals war Anlass zum Motto «live with the difference – vivre avec la différence» für die Zurich Pride-Session 2011. Es nahm sich dem von den Dachverbänden Pinkcross und LOS lancierten Kampf gegen die Diskriminierung an. Das Motto versteht sich als Aufforderung, die Unterschiede Anderer zu tolerieren und zu akzeptieren, aber auch mit dem eigenen Anderssein zu leben. Dabei bezieht sich dies nicht nur auf die sexuellen Ausrichtungen, sondern auf sämtliche Diversitäten in unserer Gesellschaft.

Mit den politischen Reden, der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch, dem Zürcher Polizeivorsteher Daniel Leupi, dem Ständerat Felix Gutzwiller und Zürcher Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger konnte hochrangige politische Vertreter auf der Hauptbühne begrüsst werden. Die ca. 35'000 Besucher erlebten ein Festival, mit vielen Künstlern, einem Demonstrationsumzug durch die Zürcher Innenstadt und vielen Informationsständen., in: Tages-Anzeiger, 20. Juni 2011Jahresrückblick 2011, in: Youtube, von Zurich Pride Festival.

mini|Bundesrätin Simonetta Sommaruga

2012: «Welcome To Reality» Eine hohe Auszeichnung für dieses politische Festival war der Auftritt der Bundesrätin und Vorsteherin des Eidgenössischen Polizei- und Justizdepartement (EJPD) Frau Simonetta Sommaruga. Sie war als politische Rednerin auf der Hauptbühne aus dem Bundeshaus angereist.Video des Veranstalters, in: Rede des Bundesrätin, 16. Juni 2012 Das Motto «Welcome to Reality» (zu Deutsch: «Willkommen in der Realität») soll aufwecken, aufzeigen und den Blick zu den heutigen Problemen lenken, denn es gibt noch in der Schweiz und dem Rest der Welt Diskriminierungen und Übergriffe auf Mitglieder der LGBTI-Community. Es geht sogar so weit, dass es manche Staaten die LGBTI Menschen wegsperren, foltern und hinrichten. Gemeinsam mit Queeramnesty Schweiz und der Uganderin Kasha J. Nabagesera wurde die Öffentlichkeit mit diesem Thema konfrontiert. Es war ein sehr sonniges und warmes Open Air auf dem Zürcher Turbinenplatz im Kreis 5. Die ca. 38'000 Gäste feierten friedlich die Künstler auf der Bühne, die in diesem Jahr neu ausgerichtet wurde. Ein Demonstrationsmarsch zog vom Helvetiaplatz via Bahnhofstrasse zum Werdmühleplatz.Schweizer Fernsehen, in: Bericht der Schweizer Tagesschau, 16. Juni 2012Jahresrückblick 2012, in: Youtube, Zurich Pride Festival

2013: «All Families Matter»