mini|Fassade Volkstheater (2026) mini|Das Volkstheater in Wien (2015) mini|Nordansicht des Theaters (2017) mini|Blick auf Bühne (2021) mini|Zuschauerraum (2021) Das Volkstheater (bis 1945 Deutsches Volkstheater) ist ein 1889 nach Entwürfen des Wiener Büros Fellner & Helmer der Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer erbautes Theater im 7. Wiener Gemeindebezirk Neubau. Es befindet sich am Arthur-Schnitzler-Platz 1 zwischen Burg- und Neustiftgasse gegenüber dem Naturhistorischen Museum in Nachbarschaft des MuseumsQuartiers und des Spittelbergs an der Museumstraße.

Das Volkstheater ist eine der größten Bühnen im deutschsprachigen Raum. Unter der Leitung von Gustav Manker wurde es mit Change von Wolfgang Bauer 1970 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Unter der Leitung von Kay Voges gelang dies 2022 erneut mit gleich zwei Produktionen. Seit Herbst 2025 ist Jan Philipp Gloger Künstlerischer Direktor des Volkstheaters.

Geschichte mini|links|Anteilschein des Vereins des Deutschen Volks-Theaters vom Mai 1889 mini|hochkant|Ludwig Anzengruber, Dichter und Gründungsvater des Theaters Das Volkstheater wurde 1889 vom Dichter Ludwig Anzengruber und dem Industriellen Felix Fischer durch den Verein des Deutschen Volkstheaters begründet.Jahrbuch von 1897, Hrsg. Adolf Franz Rosenzweig https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/titleinfo/3228102 Es wurde zur Unterscheidung von den anderen Nationalitäten der Donaumonarchie „Deutsches Volkstheater“ genannt und sollte ein bürgerliches Gegenstück zum kaiserlichen Hofburgtheater schaffen. Erster Präsident war der Stuhlfabrikant Franz Thonet. Den Intentionen der Gründer zufolge sollten neben dem Volksstück vor allem klassische und moderne Dramen einer breiten Bevölkerungsschicht nahegebracht werden. Ein großer Zuschauerraum war neben erschwinglichen Preisen dafür Voraussetzung. Als Standort wurde der Weghuberpark zwischen den kaiserlichen Stallungen und dem Palais Trautson ausgewählt.

Am 14. September 1889 wurde das Theater mit Ludwig Anzengrubers Schauspiel „Der Fleck auf der Ehr’“ eröffnet.

Das Bürgertum und der zu dieser Zeit hochgekommene Geldadel betrachteten das Deutsche Volkstheater stolz als „ihr Haus“ und traten damit in Opposition zu den Hoftheatern, die der Aristokratie gehörten. Die Hofintendanz, die schon lange den Plan hegte, in Wien ein zweites Schauspielhaus zu eröffnen und dies im Deutschen Volkstheater gefunden zu haben glaubte, wollte nur warten, bis das Theater heruntergekommen war, um es dann billig zu kaufen. Doch das neue Haus feierte Erfolg um Erfolg, das französische Lustspiel bildete dabei seine Domäne.

Künstlerische Höhepunkte erlebte das Volkstheater in den 1920er Jahren unter den Direktoren Alfred Bernau und Rudolf Beer, die nicht nur aufregende Spielpläne boten, sondern auch die bedeutendsten Schauspieler, Regisseure und Bühnenbildner der Zeit ans Haus holten. Von 1938 bis 1945 wurde das Theater Teil des nationalsozialistischen Freizeitprogramms Kraft durch Freude der Deutschen Arbeitsfront unter Walter Bruno Iltz. In der Nachkriegszeit verantwortete der Regisseur und Schauspieler Günther Haenel als Direktor einen modernen Spielplan gesellschaftskritischer Prägung.

In den 1950er und 1960er Jahren brachte Leon Epp die wichtigsten zeitgenössischen Stücke nach Wien, wagte die mutigsten Klassikerinterpretationen, und der Regisseur und spätere Direktor Gustav Manker hob gleichzeitig die Raimund- und Nestroyinterpretation auf bis dahin ungeahnte Höhen. Anfang der 1970er Jahre war das Volkstheater unter Gustav Mankers Direktion bahnbrechend bei der Entdeckung der modernen österreichischen Dramenliteratur von Wolfgang Bauer bis Peter Turrini.

Das Volkstheater wird von einer Privatstiftung als GmbH geführt und wird von der Stadt Wien und der Republik Österreich gefördert.

Das Haupthaus / Baugeschichte mini|Deutsches Volkstheater (vor 1928) mini|Deutsches Volkstheater (um 1928) mini|Das Volkstheater 1959 ohne Kuppel und Fassadenfries Das Deutsche Volkstheater wurde von der damals im mitteleuropäischen Theaterbau führenden Architektengemeinschaft Fellner & Helmer (Architekt: Ferdinand Fellner d. J.) im Stil des Historismus errichtet und ist der Schwesterbau des Hamburger Schauspielhauses. Der große Zuschauerraum mit nur wenigen Logen war symptomatisch für einen demokratischen Gegenentwurf zum aristokratischen Hofburgtheater. Deckengemälde von Eduard Veith im Zuschauerraum zeigen die „Huldigung der Vindobona“ und die „Bekränzung des Dichters Ferdinand Raimund“, der von seinen Kollegen Johann Nepomuk Nestroy und Ludwig Anzengruber flankiert wird. Das Volkstheater war der erste Theaterbau in Österreich, der ausschließlich elektrisch beleuchtet wurde, da er den Sicherheitsvorschriften, die nach dem Ringtheaterbrand 1881 in Wien erlassen worden waren, entsprechen musste. Bereits 1890 wurde das Bühnenhaus vergrößert, 1907 wurde das Theater um einen Anbau mit zusätzlichem Pausenfoyer und 1911 um zusätzliche Bühnennebenräume erweitert. Vor dem Haupteingang wurde 1898 ein Ferdinand Raimund-Denkmal von Franz Vogl aufgestellt, der auch das Fassadentympanon mit einem Bacchuszug gestaltet hatte. Darunter befanden sich die Büsten von Schiller, Lessing und Grillparzer.

1938 wurde das Theater nach dem „Anschluss Österreichs“ in ein KdF-Theater der Deutschen Arbeitsfront umgewandelt, aufwändig renoviert, von Gold, Stuck und Statuen entkleidet, die Deckengemälde wurden übermalt, die Verzierungen im Inneren komplett entfernt und die ursprünglich 1901 Plätze wurden durch Entfernung der 500 Stehplätze und Verbreiterung der Sitzreihen auf 1538 reduziert.Paulus Manker: Die Enttarnung eines Helden. Das unbekannte Leben des Walter Bruno Iltz. Wien 2011. Das Raimund-Denkmal wurde rechts neben das Theater in den Weghuberpark versetzt.

Für einen geplanten Besuch Adolf Hitlers wurde von Leo Kammel ein eigenes »Führerzimmer« mini|Das sogenannte „Führerzimmer“eingerichtet (das heute noch im Originalzustand existiert, s. u.). Der braun getäfelte Salon kann vom Publikum über eine separate, normalerweise nur für die Vorstellungen in der Dunkelkammer benutzte Stiege betreten werden und dient für diese Vorstellungen als Garderobe. Es ist ein gesonderter Pausenraum, der 1938 im Zuge des großen Umbaus vom Architekten Leo Kammel sen. für den Besuch Adolf Hitlers errichtet wurde, welcher das Zimmer jedoch niemals betreten hat. Michael Schottenberg sorgte in seinem ersten Direktionsjahr 2005 für Aufregung, als er die historische Holzvertäfelung des "Führerzimmers" „aus Gründen der Moral, der Ethik und des politischen Bewusstseins“ abtragen ließ und als historisches Zitat für die Aufführung von Thomas Bernhards „Vor dem Ruhestand“ einsetzen wollte, um die NS-Architektur „künstlerisch zu kommentieren“. Das Bundesdenkmalamt verpflichtete ihn jedoch zum Rückbau. Danach wurde das Zimmer als neuer Spielort „Empfangsraum“ eingerichtet und für Aufführungen, Lesungen, Diskussionen und Ausstellungen genutzt, die der Aufarbeitung der österreichischen Zeitgeschichte dienen. 2006 wurde eine von Jan Tabor gestaltete Ausstellungsinstallation „Das Führerzimmer. Ein Wiener Denkmal“ eingerichtet, die an die Zeit des Nationalsozialismus, als das Theater dem NS-Freizeitprogramm „Kraft durch Freude“ unterstellt war, erinnert. Unter der Leitung von Kay Voges wurde der ikonische Ort, an dem Literatur und Diskurs, Musik und Partykultur miteinander in Kontakt treten, eigene Spielstätte und nun auch subkulturellen Strömungen geöffnet.

Am 12. März 1944 wurden die Kuppel und die Foyers des Theaters durch einen amerikanischen Bombenangriff schwer beschädigt. 1945 wurde das Theater rasch wiederhergestellt, wobei auf die große Kuppel und das Fassadentympanon verzichtet wurde. Das Theater wurde in Volkstheater umbenannt und bereits am 10. Mai 1945 wiedereröffnet, um dem Plan zuvorzukommen, das Haus als Ausweichquartier für das Burgtheater zu nutzen. 1952 wurde neben dem Theater an der Burggasse ein von Josef Müllner geschaffenes Denkmal für die populäre Volksschauspielerin Hansi Niese errichtet. Dort befindet sich auch ein Denkmal für Direktor Rudolf Beer, der 1938 nach einer Misshandlung durch Nazischläger Selbstmord beging.

1980/81 schließlich wurde die Kuppel wiedererrichtet und das Haus nach den Originalplänen generalsaniert. Als Büsten an der Fassade wurde jedoch statt der ursprünglichen Dichter Schiller, Lessing und Grillparzer das österreichische Dichter-Dreigestirn Raimund, Grillparzer und Nestroy gewählt.

Der Zuschauerraum des Volkstheaters ist einer der letzten im Originalzustand erhaltenen in Wien und war ehemals der größte des deutschen Sprachraums, sogar größer als im Burgtheater. Ursprünglich hatte das Theater 1901 Plätze (1401 Sitzplätze, 500 Stehplätze), nach dem Zweiten Weltkrieg 1539, nach der Generalsanierung 1980/81 1148, in den 1990er Jahren 970 Plätze, heute nur mehr 832 Plätze. Das Volkstheater ist damit die zweitgrößte Sprechbühne Wiens und die drittgrößte im deutschen Sprachraum. Im Sommer 2015 wurde eine Zuschauertribüne eingebaut, die für die Besucher mehr Komfort, bessere Sicht und Akustik bedeutet.

Ab Sommer 2015 sollte das Theater um rund 35 Millionen Euro generalsaniert werden. Im August 2014 wurde dafür eine Spendenaktion gestartet, mit deren Hilfe bis Ende Dezember 2014 30.000 Euro gesammelt wurden.Volkstheater: Sanierung startet 2015. orf.at, 20. Dezember 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014.„Das Volkstheater verfällt“: Bitte um Spende. orf.at, 23. August 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014.Volkstheater verfällt, bitte spenden! diepresse.com, 22. August 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014. Aus unterschiedlichen Gründen musste die Generalsanierung auf 2019 verschoben werden.Volkstheater: Sanierung erst 2019. derstandard.at, 1. Dezember 2017, abgerufen am 29. März 2018. Mit Saisonende 2018/19 begannen die Vorbereitungsmaßnahmen für die Außen- und Innensanierung des Hauses. Die Kosten für das Revitalisierungsprojekt 2019/20 sollten 27,3 Millionen Euro betragen. Ende 2019 fiel der letzte Vorhang im Haupthaus, dann diente die Halle E im MuseumsQuartier als Ausweichquartier.

2017 wurde der Vorplatz des Theaters Arthur-Schnitzler-Platz benannt. Die offizielle Adresse des Theaters lautet seither Arthur-Schnitzler-Platz 1.

Im Herbst 2019 begannen die aktuellen Sanierungsarbeiten. Damit beauftragt wurde die ArGe Volkstheater: FCP, Dietrich Untertrifaller Architekten, Architekt van der Donk. Sie orientierten sich an den Originalplänen der Entstehungszeit. Noch während des Spielbetriebes in der Saison 2019/20 wurde entsprechend den restauratorischen Befundungen mit den Arbeiten an der vielfältig strukturierten Fassade begonnen. Die Erhaltungsmaßnahmen der Innenräume umfassten neben der Reinigung und Neufassung der historischen Oberflächen im Theatersaal, der Roten Bar sowie der Gänge und im Foyer gegebenenfalls auch eine notwendige Ergänzung. Die Beleuchtungen im Zuschauertrakt wurden, so es sich um historische Beleuchtungskörper handelte, saniert bzw. erneuert. Im Foyer z. B. wurden die Elektrokerzenhalter in Anlehnung an den Originalzustand der Entstehungszeit durch Glaskörper im Stil des Historismus ersetzt.

Zu Gunsten der Barrierefreiheit wurde u. a. auch der Eingang zur Tageskassa adaptiert, die Türen wurden mit einem motorischen Türöffner ausgestattet und die verschiedenen Ebenen des Hauses mit einem neuen Personenaufzug erschlossen. Die weiteren baulichen Maßnahmen umfassten sowohl den Bühnen- als auch den Zuschauertrakt. Der Bühnenraum Richtung Burggasse wurde erweitert und eine neue Seitenbühne samt neuem Anlieferungsportal errichtet sowie die Bühnentechnik erneuert. Außerdem neu sind das Café an der Südfassade des Hauses, die Lüftungsanlagen, Garderoben, WC-Anlagen, Verwaltungsräume und die Tageskassa. Wie schon zu seiner Entstehungszeit legte man auch bei dieser Generalsanierung großes Augenmerk auf den Brandschutz.

Spielstätten