Ziguinchor [] ist eine städtische Gemeinde (commune) im Südwesten Senegals. Sie ist Präfektur des Départements Ziguinchor und Hauptstadt der Region Ziguinchor. Sie ist mit über 200.000 Einwohnern die größte Stadt der Casamance, dem südsenegalesischen Gebiet zwischen Gambia und Guinea-Bissau. Sie ist ein Seehafen und Handelszentrum der Casamance und wichtiger Militärstützpunkt. Außerdem bildet sie das christliche Zentrum des Senegal.

Geographie Ziguinchor liegt im südlichen Zentrum der Region Ziguinchor, 266 Kilometer südsüdöstlich von Dakar und am Südufer des Casamance-Flusses, der hier über 650 Meter Breite aufweist. Er unterliegt dem Gezeitenstrom des Atlantik, der von der über 53 Kilometer entfernten Mündung des Casamance-Stromes ausgeht, durch die bis zu 8000 Meter breite amphibische Uferzone hin und her flutet und sie mit vielen Verzweigungen ausgewaschen hat, eingebettet in eine unwegsame Watt- und Mangrovenlandschaft.OpenStreetMap: ZiguinchorEntfernungen messen mit Google Maps

Die Bevölkerung dieser Sumpf- und Flusslandschaften ordnet sich verschiedenen Ethnien zu, mit über 30 Sprachen und Varietäten und je eigenen kulturellen Traditionen. Mehrsprachigkeit ist in Ziguinchor und Umgebung sehr verbreitet.

Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von 32,80 km² und ist auf der Landseite allseitig umgeben von dem Gebiet der ländlichen Gemeinde Niaguis, deren Hauptort zehn Kilometer östlich des Stadtzentrums liegt. Bis zur Grenze zwischen Guinea-Bissau und Senegal sind es 15 Kilometer nach Süden. Im Norden, jenseits des großen Stromes, sind die Gemeinden Niamone und Coubalan benachbart.Citypopulation: Senegal: Gemeindegliederung

Nächstgrößere Nachbarstadt ist das 30 km nördlich gelegene Bignona. Zwischen diesen beiden Städten verläuft die Sprachgrenze von Wolof und Diola als Verkehrssprachen. Weit verbreitet ist in Ziguinchor auch die portugiesisch basierte Kreolsprache Kriol, die in weiten Teilen des Nachbarlands Guinea-Bissau die wichtigste Verkehrssprache ist.

Geschichte Ersterwähnung und Namensherkunft Zum ersten Mal erwähnt wird Ziguinchor im Jahre 1594 im Tratado Breve dos Rios de Guiné do Cabo Verde des Kapverdiers André Álvares de Almada. Hier ist an einer Stelle die Rede vom Land der „Izig[u]chos“, die Bainunk (port.: Banhuns) seien, und an anderer Stelle von den Bainunk von „Ezigichor“Álvares de Almada, André: Tratado Breve dos Rios de Guiné do Cabo Verde. Herausgegeben von António Brásio. Editorial L. I. A. M, Lissabon 1964 , S. 60f.63.. Noch im 19. Jahrhundert unterscheidet der Franzose Emmanuel Bertrand-Bocandé die Bainunk von Ziguinchor von anderen Bainunk-Untergruppen und ordnet ihnen eine Reihe von Dörfern zu, die heute entweder unmittelbar zur Stadt Ziguinchor gehören (Boucotte, Djibok) oder Vororte Ziguinchors sind (Djibélor, Djifanghor)Bertrand-Bocandé, Emmanuel: Notes sur la Guinée Portugaise ou Sénégambie méridionale (première partie). In: Bulletin de la Societe de Geographie 3(11), 1849, S. 333.. Demnach benannten die Portugiesen ihren Handelsposten schlicht nach dem bereits lokal gebräuchlichen Namen des Gebietes und seiner Bewohner.

Abweichend von dieser durch historische Quellen belegten Etymologie des Stadtnamens gibt es auch eine vor Ort sehr verbreitete Volksetymologie. Demnach komme der Stadtname aus dem Oberguineakreol und sei von der Aufforderung Sinta bu cora! „Setz dich und weine!“ abgeleitet. Diese Herleitung ist für das Selbstverständnis Ziguinchors von Bedeutung, insofern sie an die Geschichte des Sklavenhandels und der Kolonisierung erinnert.

Portugiesischer Handelsposten, französische Kolonie, senegalesische Stadt Der portugiesische Seefahrer Gonçalo Gamboa Ayala, erster Kapitän (port.: Capitão-mor) von Cacheu, gründete 1645 den Handelsposten Ziguinchor am Fluss Casamance (port.: Casamansa). Im Zuge der Verhandlungen der Kongokonferenz tauschten Portugal und Frankreich 1886 das Gebiet um Ziguinchor gegen das Gebiet um Cacine.

Unter französischer Kolonialherrschaft wurde Ziguinchor 1907 Hauptort der Basse Casamance und 1944 schließlich der gesamten Casamance innerhalb Französisch-Westafrikas. Dies blieb auch nach der Unabhängigkeit Senegals im Jahre 1960 zunächst so. Seit 1984 ist die Region Casamance administrativ wieder geteilt: Ziguinchor ist seitdem Hauptort der gleichnamigen Region.Dieng, Dah und Francis Silakooul Ehemba: Approche chrono-spatiale de la gouvernance territoriale de la Casamance : le découpage administratif, un enjeu de pouvoir ou de développement ? In: Revue de géographie du laboratoire Leïdi (11), 2013.

Ziguinchor ist Sitz des 1955 geschaffenen Bistums Ziguinchor. Papst Johannes Paul II. besuchte die Stadt im Jahr 1992.

Bevölkerung Die letzten Volkszählungen ergaben für die Stadt jeweils folgende Einwohnerzahlen:Citypopulation: Einwohnerzahlen aller senegalesischen Städte und urbanen Gemeinden gemäß den letzten Volkszählungen Jahr Einwohner 1976 69.646 1988 124.283 2002 153.269 2013 205.294 2023 214.874

Verkehr Flugverkehr Die nationale Fluggesellschaft Air Sénégal verbindet den Flughafen Ziguinchor täglich mit dem Flughafen Dakar-Blaise Diagne.

Straße Drei Nationalstraßen verbinden Ziguinchor mit dem Rest des Landes. Die N 6 erreicht die Casamance als einzige inländische Landverbindung. Sie kommt von dem 300 Kilometer entfernten Tambacounda, erreicht die Casamance über die Gambia-Brücke von Gouloumbou und führt südlich des Casamance-Flusses im Grenzgebiet zu Guinea-Bissau nach Westen über Vélingara, Kolda und Goudomp durch Ziguinchor und weiter über Oussouye an die Atlantikküste von Cap Skirring in der Gemeinde Diembéring.

Die vielleicht wichtigste Fernstraße ist die N 4 als kürzeste Nord-Süd-Verbindung aus der Stadt zum Kernland Senegals. Sie führt zunächst auf dem in den 1970er Jahren erbauten und 650 Meter langen Pont Émile Badiane von der am Casamance-Südufer liegenden Stadt über den Strom nach NordenEiffage Sénégal: in Richtung Bignona und von dort als Transgambienne nach Nordosten durch Gambia bis Kaolack. Auf dem Transit durch Gambia ist zweimal eine Staats- und Zollgrenze zu passieren und lange Jahre wurde der Verkehr durch den Gambia aufgehalten, der nur mit einer Fähre überquert werden konnte. Seit Januar 2019 kann der Verkehr stattdessen auf der mautpflichtigen Senegambia Bridge rollen. In Bignona zweigt die N 5 von der N4 ab und führt in die gambische Hauptstadt Banjul. In Richtung Süden führt die N4 zum Grenzübergang Mpack–São Domingos und in das Nachbarland Guinea-Bissau.

Schifffahrt mini| Hafen von Ziguinchor, im Hintergrund der pont Émile Badiane über den Fluss Nicht zuletzt ist der Casamance stromaufwärts bis Sédhiou schiffbar, stromabwärts auch für Seeschiffe. Ziguinchor verfügt, 53 Kilometer vom Meer entfernt, über einen Seehafen.

Der Port de Ziguinchor gilt neben dem Hafen der Hauptstadt Dakar nach dem Verkehrsaufkommen als zweitgrößter Seehafen Senegals.Agence Nationale de la Statistique et de la Démographie: , Seite 163 der PDF-Datei 8,7 MB, Dezember 2010

Bereits Anfang der 1950er Jahre gab es in unmittelbarer Nähe des damals noch kleinen Orts eine Pier mit wenigen Gebäuden. Diese Anlage – von einem Hafen konnte man kaum sprechen – wurde aber schon kurze Zeit später u. a. von verschiedenen deutschen Frachtschiffen angelaufen. Dazu gehörten Schiffe der Reederei Gehrckens, Bastian, Flensburger Schiffspartenvereinigung, Nordische Reederei, Kiel und andere. Gelöscht wurde Stückgut mit eigenem Geschirr, geladen Erdnüsse in Säcken, welche die Arbeiter einzeln, über Planken und eine Laderampe in die Luken beförderten. Die Pieranlage war vor ihrer Verlängerung so kurz, dass das Schiff mit Vorder- und Achterleine an Mangrovenbäumen festmachen musste.

Jahre später, nach Ausbau des Hafens und der Infrastruktur, wurde eine Fährverbindung zwischen Dakar und Ziguinchor eingerichtet. Seit 1990 verkehrte Le Joola auf dieser Route. Im September 2002 kenterte sie auf einer Überfahrt nach Dakar im Sturm und riss über 1800 Menschen mit in den Tod. Im März 2008 wurde Le Joola durch die Aline Sitoe Diatta ersetzt.

Kultur In Ziguinchor ist der auf nationaler Ebene erfolgreiche Fußballclub Casa Sports beheimatet.

Persönlichkeiten Augustin Sagna (1920–2012), Bischof von Ziguinchor Ousmane Sembène (1923–2007), Schriftsteller und Filmemacher, „Vatergestalt“ des Kinos südlich der Sahara Augustin Diamacoune Senghor (1928–2007), Priester und Politiker, Gründer der Rebellenbewegung MFDC Pierre Sagna CSSp (1932–2008), römisch-katholischer Bischof von Saint-Louis du Sénégal Antoine Pascal Sane (* 1934), Diplomat Maixent Coly (1949–2010), Theologe und römisch-katholischer Bischof von Ziguinchor Jules Bocandé (1958–2012), Fußballspieler und -trainer Solo Cissokho (1963–2019), Jazz- und Mbalaxmusiker Joseph Francis Badji (* 1966), römisch-katholischer Geistlicher, Koadjutorbischof von Kolda Badara Diatta (* 1969), Fußballschiedsrichter Aliou Cissé (* 1976), Fußballspieler und Trainer der Nationalmannschaft Seckou Keita (* 1978), Koraspieler und Perkussionist Basile De Carvalho (* 1981), Fußballspieler Stéphane Badji (* 1990), Fußballspieler Joseph Lopy (* 1992), Fußballspieler Alfred Gomis (* 1993), Torwart der senegalesischen Fußballnationalmannschaft Arial Mendy (* 1994), Fußballspieler Krépin Diatta (* 1999), Fußballspieler Pape Habib Guèye (* 1999), Fußballspieler Youssouph Badji (* 2001), Fußballspieler El Hadji Mané (* 2001), Fußballspieler El Hadji Malick Diouf (* 2004), Fußballspieler

Klimatabelle

Siehe auch Stade Aline Sitoe Diatta Liste der Städte im Senegal

Weblinks

Website der Stadtverwaltung Ziguinchor

Einzelnachweise

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