mini|290px|Frontansicht der Synagoge Die Synagoge in der Fabrikstadt () ist ein denkmalgeschütztes (PDF-Datei; 240 kB), Denkmalliste Lista Monumentelor Istorice 2004 des Kreises Timiș, TM-II-m-B-06128, in rumänischer Sprache historisches Gebäude und eine ehemalige Synagoge in der Strada Ion Luca Caragiale Nr. 2 im II. Bezirk Fabric () der westrumänischen Stadt Timișoara.
Geschichte
Das Baujahr des ersten als Synagoge genutzten Gebäudes an dieser Stelle ist umstritten, einige Quellen datieren den Bau auf das Jahr 1838, andere auf 1841. Die Synagoge wurde 1870 eröffnet, als sich die dortige jüdische Gemeinde der Glaubensrichtung „Status Quo ante“ des ungarischen und transsylvanischen Judentums anschloss. Nach 1879 wandte sich die Gemeinde dem Neologischen Judentum zu.
Die Gemeinde wuchs an, und es wurde beschlossen ein neues Gotteshaus zu bauen. Die Finanzierung der neuen Synagoge erfolgte durch Sammlungen in der Gemeinde, durch eine öffentliche Lotterie, sowie durch Einzelspenden.
Die Synagoge wurde 1899 nach Plänen des Architekten Leopold Baumhorn () aus Budapest errichtet. Der Bau wurde von dem örtlichen Baumeister Josef Kremmer ausgeführt. Das neue Gebäude entsprach dem Stil zeitgenössischer reformierter Synagogen in der österreichisch-ungarischen Monarchie und ähnelt den Synagogen von Rijeka, Szolnok und Zrenjanin, die wie auch die Synagogen in Brașov und Szeged nach den Plänen des gleichen Architekten gebaut wurden. Die Einweihung fand am 3. September 1899 in Anwesenheit des Leiters der Gemeinde, Alex Kohn, und des damaligen Bürgermeisters von Timișoara, Karl Telbisz, statt.
Die Synagoge wurde zum Ende der kommunistischen Ära 1985 geschlossen, da die Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg bedingt durch die Emigration der Mehrheit der ansässigen Juden nach Israel stark geschrumpft war. Die jüdische Population lag nach dem Krieg noch bei 13.600, jedoch war sie 1971 bereits auf 3000 gesunken. 1998 wurde sie auf etwa 900 Mitglieder geschätzt. Seit ihrer Schließung wurde die Synagoge mehrfach durch Vandalen verwüstet und Artefakte gestohlen. Durch den fortschreitenden Verfall des Gebäudes besteht mittlerweile Einsturzgefahr.timpolis.ro, Timpolis, Monica Gaiță: Sinagogile, mărturia de multiculturalitate a timișorenilor, 18. August 20089, in rumänischer Sprache
In Ermangelung finanzieller Mittel zur Renovierung stellte die jüdische Gemeinde 2009 das Gebäude für 35 Jahre dem Rumänischen Nationaltheater von Timișoara () für Aufführungen zur Verfügung. Bedingung hierfür ist, dass das Gebäude innerhalb von fünf Jahren zu renovieren ist, und dass hier keine judenfeindlichen, obszönen, oder gegen die Menschenwürde verstoßenden Theaterproduktionen gezeigt werden. Diese Synagoge wurde 2022 in die Liste der 25 weltweit als gefährdet geltenden Baudenkmale aufgenommen, die von World Monument Watch geführt wird. Die Stadt Timisoara unter Bürgermeister Dominic Fritz hat angekündigt, gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde das Gebäude zu einem Kulturzentrum für den Stadtteil umzubauen.
Siehe auch: Judentum in Timișoara
Beschreibung
Die Synagoge in der Fabrikstadt gilt als eines der markantesten Gebäude der Stadt.
Das Gebäude im neo-maurischen Stil verbunden mit Elementen der italienischen Renaissance hat einen quadratischen Grundriss. Die zentrale Kuppel ruht auf einer achteckigen Holzkonstruktion mit vier Säulen.
Die Außenwände sind mit Fenstern und Rundbögen versehen. An der polychromen Fassade wechseln sich roter Backstein mit verputzten Bauelementen ab.intercultural.ro, Fișă de evaluare a obiectivului – Sinagoga din Fabric, in rumänischer Sprache
Die Synagoge hat zwei Eingänge, davon einen für Männer und einen zweiten für Frauen. Im Obergeschoss befindet sich die Orgel.
Orgel Die Orgel wurde 1895 als Opus 16 von dem Orgelbaumeister Carl Leopold Wegenstein gebaut. Das pneumatische Instrument hat 13 Register über zwei Manuale und Pedal. Die Traktur und die Konzeption des Spieltisches ähnelt der 1896 gefertigten Millenniumsorgel in der Katharinenkirche im Bezirk Cetate. Seit einem Einbruch, bei dem die Orgel um 2003 teilweise zerstört wurde, ist sie nicht mehr spielbar.
Disposition der Orgel:
I ManualPrincipal 8′Bourdon 8′Viola di Gamba 8′Dolce 8′Octav 4′Mixtur IV II ManualGeigen Principal 8′Aeoline 8′Vox celeste 8′Fuvola 4′ PedalSubbass 16′Octavbass 8′Cellobass 8′
Literatur
Jakab Singer: Avatóbeszéd a temesvári gyárvárosi izraelita templom avatásának ünnepén 1899. szept. 3, Bonyhád, 1899, in rumänischer Sprache I.Pintilie: Interferenţe regionale în arhitectura de stil 1900 reflectată în opera lui Lipot Baumhorn In: Studii şi comunicări 7, Arad, 2001–2002, S. 316–317, in rumänischer Sprache Getta Neumann: Auf den Spuren des jüdischen Temeswar: mehr als ein Stadtführer. Schiller Verlag, Bonn 2021, ISBN 978-3-946954-92-7, S. 41–52.
Weblinks
timisoara.uvt.ro, e-Patrimonium Timisiensis: Sinagoga din Fabric, in rumänischer Sprache
primariatm.ro, Primăria Municipiuliu Timișoara: Sinagoga din Fabric edwardvictor.com, Timișoara (Temesvar), Romania, historische Postkarten
Siehe auch Liste der Sakralbauten in Timișoara
Einzelnachweise
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