300px|Память Азова60pxBauwerft:Baltische WerkeKiellegung:12. Juli 1886Stapellauf:20. Mai 1888Indienststellung:1890Dienstzeit:1890–1925Verdrängung:6674 tLänge:117 mBreite:17,2 mTiefgang:8,2 mAntrieb:2 stehende Dreizylinder-Dreifachverbunddampfmaschinen6 Zylinderkessel 2 Schrauben8.500 PSGeschwindigkeit:16 knReichweite:Besatzung:640Bewaffnung:Geschütze: 2 × 203-mm-L/35-Kanone M1885 13 × 152-mm-L/35-Kanone M1877 3 TorpedorohrePanzerung: Gürtel: 152 – 104 mm Deck: 63,5 – 37 mm Geschützschilde: 57 mm
Pamjat Asowa (russ.: Память Азова) war der Name einer Panzerfregatte der Kaiserlich-Russischen Marine. Das Schiff erhielt seinen Namen zum Gedenken (russ.: память) an das russische Linienschiff Asow (russ.: Азов), das sich bei der Schlacht von Navarino ausgezeichnet hatte. Die St.-Georgs-Flagge, mit der die Asow für die in der Schlacht gezeigten Leistungen ausgezeichnet wurde, ging auf die Pamjat Asowa über. Die 1819 gestiftete St.-Georgs-Flagge war die höchste Auszeichnung, die einem Schiff verliehen werden konnte, dessen Besatzung beispielhaften Mut und Tapferkeit gezeigt hatte.Кривко, В. А.: Морские флаги отечества. ДОСААФ СССР, 1984 (russisch)
Das Schiff wurde im Jahr 1886 auf Kiel gelegt, der Stapellauf erfolgte 1888 und die Indienststellung zwei Jahre später 1890. Das Schiff wurde den Gardeeinheiten der Flotte zugeordnet. Nach wechselvoller Geschichte wurde das Schiff 1925 außer Dienst gestellt. In den Flottenlisten der russischen Flotte wurde das Schiff als Kreuzer 1. Ranges geführt. Aufgrund der Ausführung der Panzerung wird das Schiff in der russischen Literatur auch als halbgepanzerte Fregatte (полуброненосный фрегат) bezeichnet.
Bau Initiator des Baus war der mit der Führung des russischen Marineministeriums beauftragte Vizeadmiral Iwan Alexejewitsch Tschastjakow. Das Projekt eines Ozean-Kreuzers mit einer Wasserverdrängung von 6000 t wurde im Oktober 1885 von den Baltischen Werken in St. Petersburg fertiggestellt. Nach dem Entwurf, der unter Leitung des Ingenieurs N. E. Titow ausgearbeitet wurde, sollte die Länge des Schiffes zwischen den Loten 340 Fuß und 10 Zoll betragen, in der Konstruktionswasserlinie 377 Fuß und 4 Zoll. Die Breite des Schiffes war mit 50 Fuß veranschlagt, der Tiefgang am Achtersteven 25 Fuß.
Am 9. Dezember 1885 wurden in der Schiffbauabteilung des Ministeriums die vorgesehene Bewaffnung und Panzerung präzisiert. Für die zwei Geschütze vom Kaliber 8 Zoll mit einer Länge von 35 Kalibern wurde ein Gewicht von 2798 Pud (ungefähr 47 t) veranschlagt, für die vierzehn Kanonen vom Kaliber 6 Zoll (Länge 35 Kaliber) von 9660 Pud. Die Munition für die 8-Zoll-Geschütze hatte ein Gewicht von 2500 Pud, das entsprach 125 Schuss, die für die 6-Zoll-Geschütze von 8846 Pud. Für Bewaffnung und Munition ergab sich ein Gesamtgewicht von 23.805 Pud oder 391 t. Auf Forderung der Marinetechnischen Kommission wurde die Panzerung nur für einen 179 Fuß langen Teil des Rumpfes geplant. Der Gürtelpanzer wurde durch gepanzerte Querschotte unterhalb der Wasserlinie abgeschlossen, dadurch konnte das Gewicht der Panzerung von ursprünglich 733 t auf 714 t gesenkt werden.
Mitte Februar 1886 wurde die geplante Panzerung überarbeitet: Der Gürtelpanzer erstreckte sich nun über die gesamte Wasserlinie. Die Höhe des Panzers wurde auf 6 Fuß vergrößert. Das Panzerdeck hatte eine Stärke von 37 mm, die am Bug und am Heck auf 25,4 mm verringert wurde.
Am 27. Juni 1886 erhielt das Schiff den Namen Pamjat Asowa. Die offizielle Kiellegung fand am 12. Juli 1886 in Anwesenheit des russischen Kaisers Alexander III., der Kaiserin Maria Fedorowna, der griechischen Königin Olga Konstantinowna und des General-Admirals Alexej Alexandrowitsch statt. Der Bau des Rumpfes begann schon am 4. März 1886. Die Technik des Baus war bereits bei den Kreuzern Admiral Nachimow und Wladimir Monomach erprobt worden.
Der Stapellauf fand am 20. Mai 1888 im Beisein des russischen Kaisers Alexander III. statt. Auf den Tag genau 200 Jahre zuvor war das vom russischen Kaiser Peter I. gebaute Boot zu Wasser gelassen worden. Die Besatzung des Schiffes wurde der 2. Besatzung Ihrer Hoheit der Königin der Hellenen zugeordnet. Diese mehr oder weniger symbolische Zuordnung der Königin zum Schiff entspricht in etwa der eines Regimentsinhabers oder Ehrenobersten zu einem Regiment des Heeres und war zur damaligen Zeit in den europäischen Staaten weit verbreitet.
Die Ausrüstung des Schiffes wurde beschleunigt, da der Zarewitsch Nikolai Alexandrowitsch eine Bildungsreise auf ihm durchführen sollte. Für diese Reise wurde das Schiff besonders luxuriös ausgestattet. Möbel und die Rahmen der Spiegel bestanden aus Mahagoni, die Sterne der Beiboote wurden vergoldet. In diesem Zusammenhang wurden auch Wohndeck, Kabinen und Offiziersmesse mit Fliesen und einem Fußbodenbelag aus Splittasphalt ausgestattet. Diese Ausrüstung erhöhte das Gewicht des Schiffes um ungefähr 70 t.
Einsatz Jungfernfahrt mini|Fabergé-Ei mit Miniatur der Pamjat Asowa mini|St.-Georgs-Flagge (Георгиевский флаг)
Am 23. August 1890 lief die Pamjat Asowa unter dem Kommando von Kapitän 1. Ranges N. N. Lomen zu ihrer Jungfernfahrt aus. Die Fahrt führte über Ost- und Nordsee, den Ärmelkanal und die Biskaya um die iberische Halbinsel ins Mittelmeer. Von dort sollte die Reise über die Dardanellen ins Schwarze Meer nach Sewastopol gehen, um den Thronfolger an Bord zu nehmen. Während der Fahrt geriet das Schiff auf der Etappe von Plymouth nach Malta in einen schweren Sturm. Der Kapitän des Schiffes merkte dazu an:Р.М. Мельников: Полуброненосный фрегат «Память Азова» (russisch)
Da die Türkei dem Schiff die Durchfahrt durch die Dardanellen verweigerte, musste der Thronfolger in Triest an Bord genommen werden. Am 19. Oktober lief das Schiff aus Triest aus, um über den Suezkanal, das Rote Meer und den Indischen Ozean die Insel Ceylon zu erreichen. Auf dem weiteren Weg wurde ein Zwischenstopp in Bombay eingelegt, den der Thronfolger zu einem kurzen, 42-tägigen Erholungsaufenthalt nutzte. Der Bruder des Thronfolgers, Georgi Alexandrowitsch, der auf der Pamjat Asowa als Fähnrich diente, erkrankte während des Aufenthaltes an Tuberkulose und kehrte am 23. Januar 1891 auf der Admiral Nachimow nach Russland zurück. Die Pamjat Asowa lief am 31. Januar 1891 aus Bombay mit Kurs auf Ceylon aus. Über Singapur, Batavia, Bangkok, Saigon, Hongkong und Nagasaki wurde am 16. Mai Wladiwostok erreicht. Während des Aufenthalts in Japan war es zum Ōtsu-Zwischenfall gekommen, als der japanische Polizist Tsuda Sanzō ein erfolgloses Attentat auf den Thronfolger unternahm. Der japanische Kaiser Meiji besuchte wenige Tage darauf die Pamjat Asowa.
Unmittelbar nach dem Einlaufen in Wladiwostok wurde dem Kapitän 1. Ranges S. F. Bayer das Kommando über das Schiff übertragen. Anlässlich der erfolgreichen Fahrt fertigte der bekannte St. Petersburger Juwelier Carl Peter Fabergé zwei Fabergé-Eier an, die eine Miniaturnachbildung des Schiffes enthielten.
Das folgende Jahr verbrachte das Schiff in fernöstlichen Gewässern. Dabei wurden mehrere ausländische Häfen besucht. Am 5. Mai 1892 kehrte das Schiff nach Wladiwostok zurück, am selben Tage ging das Kommando auf den Kapitän 1. Ranges G. P. Tschuchnin über. Dieser führte das Schiff im Sommer 1892 nach Europa zurück. Am 16. Oktober 1892 legte die Pamjat Asowa nach einer mehr als zweijährigen Reise wieder in Kronstadt an.
Mittelmeer mini|Pamjat Asowa im Grand Harbour von Valletta, Malta
Im Winter 1892/93 wurden die Arbeiten am Schiff zur Beseitigung der Überladung des Schiffes fortgesetzt, unter der das Schiff seit seiner Indienststellung litt. Entgegen den Forderungen Tschuchnins war die Marinetechnische Kommission mit dem Tausch der Besegelung gegen ein leichteres Rigg nicht einverstanden.
Am 23. August 1893 lief der Kreuzer aus Kronstadt aus, um sich dem russischen Mittelmeergeschwader anzuschließen. Ende September rammte der neu zum Geschwader hinzugestoßene Kreuzer Admiral Nachimow die Pamjat Asowa, als er seinen Platz am Ende der Kiellinie einnehmen wollte. Dank dem entschlossenen und richtigen Handeln des Kreuzers Pamjat Asowa kam es jedoch nur zu einer leichten Berührung mit unerheblichen Beschädigungen.
Das Geschwader war im griechischen Hafen Piräus stationiert. Von dort aus wurden Besuchsfahrten zu verschiedenen Mittelmeerhäfen unternommen. Zwischen den Fahrten wurde Gefechtsausbildung durchgeführt und Übungsmanöver gefahren. Der Dienst im Mittelmeer dauerte bis Ende 1894 an.
Stiller Ozean mini|Die Kreuzer Wladimir Monomach und Pamjat Asowa vor Zhifu, China, 1895. Die Pamjat Asowa führt die St.-Georgs-Flagge am Besanmast mini|Pamjat Asowa auf Reede vor Tsingtau, China mini|Die Pamjat Asowa im Trockendock in Nagasaki, 1896
Gegen Ende des Jahres wurde das Schiff für den Dienst im Stillen Ozean abgestellt. Die Pamjat Asowa lief am 22. November 1894 aus Piräus aus. Die Verlegung erfolgte so plötzlich, dass das Schiff den Feiertag des Heiligen Georgs am 26. November auf See begehen musste. Da die St.-Georgs-Flagge von der Asow auf die Pamjat Asowa übergegangen war, war dieser Tag auch der Feiertag des Schiffes. Auf dem Weg in den Stillen Ozean schleppte das Schiff die beiden neugebauten Torpedokreuzer Wsadnik (Всадник) und Gaidamak (Гайдамак).
Am 6. Februar 1895 wurde Nagasaki erreicht. Das Schiff wurde Flaggschiff des Kommandierenden des Pazifik-Geschwaders Vizeadmiral Pawel Petrowitsch Tyrtow. Im Einklang mit den von der japanischen Regierung erlassenen Regelungen wurde das Geschwader auf verschiedenen japanische Häfen verteilt. In Nagasaki verblieben die Pamjat Asowa und die Wladimir Monomach. Zu ihnen stieß am 6. April 1895 das Flaggschiff des Mittelmeergeschwaders, das Schlachtschiff Imperator Nikolai I. unter dem Kommando von Konteradmiral Stepan Ossipowitsch Makarow.
Ende April 1895 verlegte das Geschwader nach Zhifu. Nach Bekanntgabe der Möglichkeit der Eröffnung von Kampfhandlungen durch Japan wurden die Schiffe kampfbereit gemacht. Erstmals in der russischen Flotte wurde der Anstrich der Schiffe in einem tarnenden lichtgrauen Farbton befohlen. Die Kommandanten der Schiffe nutzen diesen Befehl, um die nach ihrer Meinung günstigsten Tarnfarben auszuwählen. Die Pamjat Asowa erhielt einen Anstrich in einem rosa-grauen Farbton. Dadurch verschmolz das Schiff nicht nur nachts, sondern auch abends und am frühen Morgen mit dem Wasser und war optisch nur schwer auszumachen. Gleichzeitig wurden Geschwaderfahrten befohlen. Die Pamjat Asowa führte im Geschwader die rechte Kiellinie an, zu der weiterhin die Kreuzer Admiral Kornilow und Rynda (Рында) gehörten.
Am 13. Mai 1895 rammte der Minenkreuzer Wsadnik mit dem Vorsteven die Pamjat Asowa mittschiffs. Dabei wurden der Kupferbeschlag und die Holzbeplankung unterhalb der Wasserlinie beschädigt. Innerhalb von siebzehn Tagen konnte der Schaden durch ein Bordkommando und Taucher behoben werden.
Japan gab nach kurzer Zeit seine Ansprüche auf die Halbinsel Liaodong vorerst auf. Da die Gefahr des unmittelbaren Ausbruches von Kampfhandlungen gebannt war, wurden die Schiffe aus China zurückgezogen und nach Wladiwostok verlegt, wo die Pamjat Asowa am 29. Juni eintraf.