Die Allchristlichen Friedensversammlungen waren internationale Tagungen der Christlichen Friedenskonferenz.

Überblick Das Projekt einer Allchristlichen Friedensversammlung wurde von der Christliche Friedenskonferenz (CFK) entwickelt und sechsmal im Laufe ihres Bestehens praktiziert.

Im Jahre 1957 trafen sich protestantische tschechische und deutsche Theologen, um über die Entwicklung einer geistlichen Kraft zu beratschlagen, die mäßigend auf die Eskalation zwischen den Blöcken einwirken könnte. Die Initiatoren vertrauten darauf, dass auf eine solche Stimme sowohl im Westen wie auch im Osten gehört werden könnte, wenn sie als die Frieden und Versöhnung ausrufende Stimme Jesu Christi bekannt gemacht würde.

In den Jahren 1958, 1959 und 1960 trafen sich Theologen, Kirchenvertreter und Laien zunächst aus dem zentraleuropäischen und schließlich auch aus dem euroatlantischen Raum dreimal.

Vorkonferenzen 1. Christliche Friedenskonferenz 1958 unter dem Motto Aufgabe und Zeugnis Ein Vorbereitungstreffen in Modra gab es im Oktober 1957, da wurden Beratungen zur Friedensfrage verabredet. Die erste Vorkonferenz mit 45 Teilnehmern aus neun Ländern fand vom 1. bis 4. Juni 1958 in Prag statt, das auch der Tagungsort der Folgekonferenzen sein sollte. Man begann sonntags mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Salvatorkirche und endete am übernächsten Tag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche von Vinohrady. An den Tagen nach der Eröffnung wurden Morgenandachten gehalten von dem russisch-orthodoxen Metropoliten Pitirim bzw. dem polnischen evangelisch-lutherischen Wiktor Niemczyk.

Die Eröffnungsrede hielt der Vorsitzende des Ökumenischen Rates in der Tschechoslowakei, der Synodalsenior Viktor Hájek. Beiträge kamen von: Josef Hromádka: „Die heutige Problematik in der Sicht eines Theologen“ Hans Joachim Iwand: „Die Verantwortung und die Aufgaben der Christen in der heutigen internationalen Situation“ Heinrich Vogel: „Die Atomgefahr und der Kampf dagegen als Aufgabe der Kirche“ Vogel erlangte Aufmerksamkeit durch seine „60 Thesen“ zur Problematik der Massenvernichtungsmittel aus christlicher Sicht. Der Berichtsband der 1. CFK druckte als Stellungnahme eine Ansprache Metropolit Pitirims ab, des Leiters der Delegation der Russisch-Orthodoxen Kirche. Ladislaus Martin Pákozdy: „In der Einheit der Brüder zum Frieden und gegen den Krieg“

Gegen Ende der Tagung wurden die Kongressteilnehmer mit einem offiziellen Empfang durch die Nationalversammlung der CSR geehrt.

Der Konferenz gingen im Vorfeld schriftliche Stellungnahmen zu, die im Berichtsband abgedruckt sind: Ein Memorandum des Ökumenischen Kirchenrates in Ungarn: „Kampf gegen die thermonuklearen Waffen und die Aufgabe der Kirche“ Eine Deklaration des Exekutivausschusses des Ökumenischen Rates der Evangelischen Kirchen von Ungarn zur Vorbereitung auf diese erste Tagung der CFK

Die Konferenzteilnehmer verabschiedeten folgende Schreiben und Erklärungen: An den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, Berlin An die Regierung der UdSSR An die Regierung der Vereinigten Staaten An die Regierung von Großbritannien Botschaft der christlichen Friedenskonferenz 1. bis 3. Juni in Prag Die Christliche Friedenskonferenz in Prag. Ein Tagungsprotokoll, unterzeichnet von Bohuslav Pospíšil, Sekretär der Christlichen Friedenskonferenz und des Ökumenischen Kirchenrates in der Tschechoslowakei.

2. Christliche Friedenskonferenz 1959 unter dem Motto Elige vitam (Wähle das Leben) Die zweite Tagung der CFK fand vom 16. bis 19. April 1959 in Prag statt und hatte 92 Delegierte. Die Gäste wurden bereits am Vorabend im Hus-Seminar begrüßt, die Tagung fanden im Gemeindehaus der Methodistenkirche statt. Die Eröffnungsrede hielt wiederum Viktor Hájek. Folgende Vorträge wurden gehalten: Heinrich Vogel: Der Ruf von Hiroshima Metropolit Nikolai: Die Christen in der Buße Helmut Gollwitzer: Krieg und Christentum Lászlo Martin Pákozdy: Der Kalte Krieg als theologisches Problem Josef Hromádka: Die Kirche in der Zeit des Kalten Krieges Hans Joachim Iwand: Situation in Westdeutschland André Trocmé: Französische Christen und das Problem der wirtschaftlich unterentwickelten Völker

Die zweite Tagung ging bereits mit konkreten Ergebnissen auseinander, weil zu einzelnen Themen Arbeitskommissionen eingesetzt worden waren. Folgende Ergebnisse wurden präsentiert: Erste Kommission: Aufruf zum Fürbittegottesdienst für den Hiroshima-Gedenktag am 6. August Zweite Kommission: Eine Stellungnahme zur Problematik des Kalten Krieges mit dem Vorschlag zur Bildung einer ständigen theologischen Kommission zur thematischen Weiterarbeit Dritte Kommission: Überlegungen zur Vorbereitung einer gesamtchristlichen Friedensversammlung. Diese Kommission war tätig als „Ausschuss für die Vorbereitung der Allchristlichen Friedenskonferenz (AFK)“ unter dem Vorsitz von Bischof Nikodim.

Außerdem richtete die Konferenz ein gleichlautendes Schreiben an staatliche Oberhäupter: Telegramm an die Regierungen der Großmächte, verfasst vom Präsidium der CFK

3. Christliche Friedenskonferenz 1960 unter dem Motto Frieden – einzige Zukunft Diese Tagung fand vom 6. bis 9. September 1960 in der Zentralgemeinde der Methodistenkirche von Prag statt. 212 Delegierte sowie Beobachter und Gäste von protestantischen und orthodoxen Kirchen aus 26 Ländern nahmen teil. Beobachter kamen vom Ökumenischen Rat der Kirchen, dem Reformierten Weltbund, dem Lutherischen Weltbund, der Konferenz Europäischer Kirchen, dem Britischen Kirchenrat u. a.

Der Kongress stand unter dem Hauptthema Auf dem Weg zur Friedensepoche der Menschheit, das in mehreren Referaten entfaltet wurde: Helmut Gollwitzer, Berlin: Friedensbeitrag der Christen. Martin Niemöller, Wiesbaden: Auf dem Weg zur Friedensepoche der Menschheit Josef Hromádka, Prag: Friede und Gerechtigkeit Metropolit Pitirim, Leningrad: Friede und die Orthodoxen Kirchen Gerhard Burkhardt, Hannover: Frieden im Atomzeitalter. Emil Fuchs, Leipzig: Was sollen wir tun?. Kanonikus John L. Collins, London: Was sollen wir jetzt tun?

In vier Arbeitsgruppen wurden die vorgetragenen Referate diskutiert: Arbeitsgruppe 1: „Auf dem Weg zur Friedensepoche der Menschheit“ Arbeitsgruppe 2: „Zur Vorbereitung der Allchristlichen Friedensversammlung“ Arbeitsgruppe 3: „Probleme des Kalten Krieges“ Arbeitsgruppe 4: „Friede und Gerechtigkeit“

Der Berichtsband gibt folgende Diskussionsbeiträge folgender Diskutanten im Wortlaut wieder: Martin Niemöller: Albert J. Rasker. Er weist auf die christlich-theologisch oft vernachlässigte Grundlegung durch das Alte Testament hin.

Robert Chalamet Bischof Nikodim Erich Hertzsch Bischof Andrzej Wantuła Karl Kleinschmidt Krijn Strijd Ladislaus Martin Pákozdy Ján Chabada Heinrich Kloppenburg

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden der Versammlung vorgelegt, die folgende Dokumente verabschiedete: Botschaft der dritten Tagung der Christlichen Friedenskonferenz Brief an den Weltkirchenrat in Genf Brief an das Sekretariat der Vereinten Nationen in New York Brief an den Ministerpräsidenten Nikita Sergejewitsch Chruschtschow Brief an den Präsidenten Dwight D. Eisenhower, Präsidenten Charles de Gaulle und den Ministerpräsidenten Harold Macmillan Resolution der Kommission „Friede und Gerechtigkeit“ Stellungnahme zum Kalten Krieg Bericht über die Junge Christliche Friedenskonferenz Arbeitsergebnis der Jungen Christlichen Friedenskonferenz

Der Berichtsband dokumentiert außerdem: Viktor Hájek: Eröffnungspredigt

Am Ende der Tagung wurde im Prager Karolinum in einer feierlichen Promotion dem verstorbenen Theologen Hans Joachim Iwand die Ehrendoktorwürde der Prager Comenius-Fakultät verliehen.

Allchristliche Friedensversammlungen (ACFV) Nachdem die Vorkonferenzen, insbesondere eine Arbeitsgruppe innerhalb der 3. CFK die Vorbereitungen dafür getroffen hatten, gingen über das Internationale Sekretariat die Einladungen zur Teilnahme an der ersten Allchristlichen Friedensversammlung an Kirchen, christliche Gemeinschaften und Einzelpersonen in alle Welt.

I. ACFV unter dem Motto …und Friede auf Erden Die erste Konferenz fand vom 13. bis 18. Juni 1961 in Prag statt. Die Eröffnungsansprache hielt Viktor Hájek. Im Eröffnungsgottesdienst predigte Heinrich Vogel über die Weihnachtsbotschaft Lukas 2,14. Das erste der Hauptreferate wurden gehalten von: Josef Hromádka: Friede auf Erden. Hromádka schlug zur praktischen Arbeit für die Tagung die Bildung dieser Arbeitsgruppen vor: Friede und Gerechtigkeit Friede und Freiheit Der Kalte Krieg Neue Staaten (Kolonialismus) Das Deutschlandproblem Der Friede und die heutige Lage der Christenheit Abrüstung Friedensdienst der Jugend Friede und Ökumene Massenvernichtungsmittel

Das nächste Referat hielt: Erzbischof Nikodim: „Friede in der Nachfolge Christi“ Auch Nikodim setzte sich mit friedensfeindlichen Aspekten des Kalten Krieges auseinander, ging dabei besonders auf die Usancen der römischen Kirche ein.

Der dritte Referent aus dem Land der Hiroshima-Erfahrungen setzte sich mit den Bestrebungen des Militärisch-industriellen Komplexes auseinander, an der Weiterentwicklung von Massenvernichtungsmitteln festzuhalten: Yoshio Inoue, Tokio: „Friede – Brot für alle“

Einen speziellen Beitrag gab ein deutsch-britischer Vertreter der internationalen Quäker-Union: Richard Karl Ullmann: „Vom Kalten Krieg zum wirklichen Frieden.“

Der fünfte Referent war: Jacob S.A. Stephens: „Friede und die neuen Staaten“

Als sechster Referent sprach Martin Niemöller: „Friede im technischen Zeitalter“.

In leichter Abwandlung von den Vorschlägen Hromádkas wurden die folgenden Arbeitsgruppen tätig: Friede und Gerechtigkeit Friede und Freiheit Kalter Krieg Friede und die neuen Staaten Der Friede und das Deutschland-Problem Missbrauch des Christentums Abrüstung Friedensdienst der Jugend Ökumene Der Frieden und die atomaren Waffen

Zur Diskussion sprachen folgende Delegierte: K. H. Thing: „Verteidigung des Friedens als christliche Aufgabe“, worin er besonders auf die „Drei-Selbst-Bewegung“ Chinas einging. Curtis Naylo Chao Fusan Max Parker (Diskussionsbeitrag zur Botschaft) Renate Riemeck (Diskussionsbeitrag in Arbeitsgruppe 5) Friedrich-Wilhelm Marquardt: „Friedensdienst der jungen Generation“ (Kurze Summe zum Referat), darin die Punkte Friede zwischen den Generationen, „Frieden mit der Kirche“, „Friede mit Israel“ Hanfried Krüger: Diskussionsbeitrag in Arbeitsgruppe 9 Jan Milič Lochman, Diskussionsbeitrag in Arbeitsgruppe 3

Folgende Texte wurden verabschiedet: Botschaft der Ersten ACFV in Prag im Juni 1961 Brief an den Präsidenten des Ministerrates der UdSSR Nikita Sergejewitsch Chruschtschow Brief an den Präsidenten der USA John F. Kennedy Brief an den Präsidenten der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik Antonín Novotný Brief an den Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf Kommuniqué Entwurf für die weitere Arbeit der Christlichen Friedenskonferenz, vorgetragen von Andrej Ziak, Generalinspektor der Slowakischen Evangelischen Kirche A. B.

Die I. ACFV wurde von 624 Delegierten und 34 Beobachtern besucht.

II. ACFV unter dem Motto Mein Bund ist Leben und Frieden (Maleachi 2,5) Die zweite ACFV fand vom 28. Juni bis zum 3. Juli 1964 wiederum in Prag statt. Begonnen wurde sie mit einem Ökumenischen Eröffnungsgottesdienst in der Bethlehemskapelle, in dem Kirchenpräsident D. Martin Niemöller predigte.

Am Abend erfolgte der Rechenschaftsbericht des CFK-Generalsekretärs Pfarrer Jaroslav N. Ondra. Die Programmpunkte des nächsten Tages waren: Bibelarbeit im Plenum von Heinrich Vogel / Bundesrepublik Deutschland über 1. Mose 9,8–17 Referat zum Hauptthema von Josef Hromádka Plenarsitzung mit Korreferat von Emilio Castro aus Uruguay über „Hunger und wirtschaftliche Unabhängigkeit“ Plenarsitzung mit zwei Korreferaten: Harvey Cox aus den USA über „Die Verantwortung der Christen in einer technisierten Welt“