Seit dem Jahr 2010 feiert die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) jährlich am ersten Freitag im September einen ökumenischen Tag der Schöpfung. Im Mittelpunkt stehen das Lob des Schöpfers, die eigene Umkehr angesichts der Zerstörung der Schöpfung und konkrete Schritte zu ihrem Schutz. Die Idee, diesen Tag zu feiern, stammt aus der Orthodoxen Kirche.Siehe auch das Grundlagenheft Gottes Schöpfung feiern - Ökumenischer Tag der Schöpfung (ACK Deutschland ²2025)
Geschichte Im Jahr 1989 lud der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Dimitrios „die ganze orthodoxe und christliche Welt“ ein, am 1. September „zum Schöpfer der Welt zu beten: mit Dankgebeten für die große Gabe der geschaffenen Welt und mit Bittgebeten für ihren Schutz und für ihre Erlösung“. Diese Initiative wurde 1992 von der gesamten Orthodoxen Kirche begrüßt und übernommen. Zugleich gehörten zum damaligen ökumenischen Diskurs Fragen zur Bewahrung der Schöpfung, Frieden und Gerechtigkeit und viele Christinnen und Christen engagierten sich bereits für den konziliaren Prozess. Teil dieses Prozesses waren die europäischen ökumenischen Versammlungen in Basel (1989), Graz (1997) und Sibiu (2007). Die Initiative des Ökumenischen Patriarchen wurde sowohl in Graz als auch in Sibiu aufgegriffen. Die Botschaft der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung in SibiuBotschaft der dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung, 8. September 2007. empfiehlt sogar eine Zeit für die Schöpfung: „Wir empfehlen, dass der Zeitraum zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober dem Gebet für den Schutz der Schöpfung und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils gewidmet wird, um den Klimawandel aufzuhalten.“ (Empfehlung X). Diese Schöpfungszeit wird inzwischen weltweit begangen. Auch die Charta Oecumenica, die 2001 von den Kirchen Europas unterzeichnet wurde, empfiehlt „einen ökumenischen Tag des Gebetes für die Bewahrung der Schöpfung in den europäischen Kirchen einzuführen.“ (Leitlinie 9).
Die Orthodoxe Kirche steht hierbei in der Tradition von Panodorus von Alexandrien, der den ersten Schöpfungstag auf den 29. August 5492 v. Chr. berechnete. Der christliche Chronograph Julius Africanus ließ die Zeitrechnung im griechisch-byzantinischen Kalender (Konstantinopler Epoche) mit dem 1. September 5508 v. Chr. beginnen. Mit dem 1. September beginnt traditionell das orthodoxe Kirchenjahr.
Die Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) haben die Charta Oecumenica auf dem 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 für Deutschland angenommen. Die ACK griff auch die Empfehlung der Charta Oecumenica auf, einen Tag der Schöpfung einzuführen. Sie leitete einen zweijährigen Konsultationsprozess ein und beriet die Frage zur Einführung eines Tags der Schöpfung auf einem Informationstag in Brühl (2008)Ökumenischer Schöpfungstag in der Zeit vom 1. September bis 4. Oktober („Brühler Empfehlung“) (PDF), auf oekumene-ack.de und einer Fachtagung (2009) in Mainz.Perspektiven für die Feier eines ökumenischen Tages der Schöpfung in Deutschland („Mainzer Perspektiven“) (PDF), auf oekumene-ack.de Die Mitgliedskirchen der ACK gaben ein positives Votum zur Einführung eines Tags der Schöpfung. Auf ihrer Mitgliederversammlung in Augsburg (2009) beschloss die ACK den ökumenischen Tag der Schöpfung einzuführen, den sie auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München feierlich proklamierte.ACK: 2. ÖKT: Proklamation des ökumenischen Tags der Schöpfung, auf oekumene-ack.de
Die Mitgliederversammlung der ACK in Augsburg (2009)Beschluss der Mitgliederversammlung der ACK für die Feier eines ökumenischen Tages der Schöpfung in Deutschland (PDF), auf oekumene-ack.de, abgerufen am 17. August 2021 beschloss, den ökumenischen Tag der Schöpfung jährlich mit einer zentralen Feier am ersten Freitag im September zu begehen. Der Termin liegt im von der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung empfohlenen Zeitraum.
Inhalte Die inhaltliche Grundlage des Tags der Schöpfung ist der Lobpreis des Schöpfers, die Umkehr wegen des menschlichen Vergehens an der Schöpfung und das Einüben konkreter Schritte („Schule des Mit-Leidens“).
Materialien Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland erarbeitet in jedem Jahr gemeinsam mit lokalen Vertretern der zentralen Feierlichkeiten umfangreiche Gottesdienst- und Arbeitsmaterialien, die als Anregung zur Vorbereitung und Durchführung von Gottesdiensten vor Ort dienen sollen. Begleitend werden weitere Informationen auf der Website zum Schöpfungstag bereitgestellt. Dort können auch die Materialien der vergangenen Jahre eingesehen werden.Informationen und Materialien zum jährlichen Ökumenischen Tag der Schöpfung auf oekumene-ack.de
Tage der Schöpfung mit ihren Themen und Orten der zentralen Feier Jahr Motto Ort Beteiligung Bemerkung2010Brühl (Rheinland)ACK Nordrhein-Westfalen1. Feier des Schöpfungstages als Auftaktveranstaltung2011Bei Dir, Gott, ist die Quelle des Lebens – Ps. 36,10BerlinÖkumenischer Rat Berlin-Brandenburg2012Jetzt wächst Neues – Jesaja 43,19NagoldACK Baden-Württemberg2013Gottes Schöpfung – Lebenshaus für alleHamburgACK Hamburg2014Staunen. Forschen. Handeln – Gemeinsam im Dienst der SchöpfungMünchenACK Bayern2015Zurück ins Paradies?BornaACK Sachsen2016Die ganze Schöpfung – Lobpreis GottesBingenACK Hessen-Rheinhessen2017Soweit Himmel und Erde istLübeckACK Schleswig-Holstein2018Von meinen Früchten könnt ihr lebenStarkowACK Mecklenburg-Vorpommern2019Salz der Erde – Mt 5,13HeilbronnACK Baden-Württemberg2020(w)einklangLandau in der PfalzACK Region Südwestfand aufgrund COVID-19 überwiegend hybrid statt2021Damit Ströme lebenden Wassers fließenBregenz, Lindau (Bodensee), RomanshornACK Bayern, AGCK, ÖRKÖErstmals fand der Schöpfungstag international gemeinsam an einem Tag gefeiert statt. Die drei Orte waren durch eine Schifffahrt miteinander verbunden.2022Die Liebe Gottes versöhnt und eint die leidende SchöpfungKarlsruheACK Baden-Württemberg, ACK Karlsruhe, lokales Koordinierungsbüro der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchenanlässlich der 11. Vollversammlung des ÖRK wird zentral in Karlsruhe mit Christen aus der ganzen Welt gefeiert2023Damit ihr das Leben in Fülle habtBremenACK BremenEingebunden in ein Straßenfest auf dem Grasmarkt und mit Empfang im Haus der Bürgerschaft2024Lass jubeln alle Bäume des WaldesEberswaldeÖkumenischer Rat Berlin-Brandenburg (ÖRBB e.V.)Mit Rahmenprogramm im Familiengarten und ökumenischen Gottesdienst in der Stadthalle als Kooperation mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung.2025Gott, Du hilfst Menschen und TierenBad SassendorfACK Nordrhein-Westfalenin Kooperation mit Haus Düsse.2026Hast Du erkannt, wie weit die Erde ist?MarburgACK Hessen-Rheinhessenin Kooperation mit dem Alten Botanischen Garten (Marburg).
Varianten Italien In Südtirol wird der Tag seit 1998 am 1. September gefeiert, wie 1997 bei der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung 1997 in Graz beschlossen wurde., auf ccee.eu
In der Vesper des orthodoxen Schöpfungstages wird die Schöpfungsgeschichte verlesen.
Vatikan Die römisch-katholische Kirche hat den Impuls aus der Orthodoxen Kirche aufgegriffen und 2015 den 1. September als Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung eingeführt., auf de.radiovaticana.va Papst Franziskus sandte einen Brief, auf vatican.va an die beiden Kardinäle Peter Turkson und Kurt Koch, mit dem Auftrag, diesen Tag innerkatholisch zu gestalten und in ökumenischer Zusammenarbeit zu fördern.
Amerika Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika feiert einen Tag der Schöpfung am 22. April, als kirchliche Variante des Tages der Erde.Gail Ramshaw: More Days for Praise: Festivals and Commemorations in Evangelical Lutheran Worship. Augsburg Fortress 2016, S. 92.
Weblinks Website der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) zum Ökumenischen Tag der Schöpfung
Einzelnachweise
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