mini|St. Jakob
Neustetten (fränkisch: Nai-schdeedn bzw. Ejba-naischdeednE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 142. Dort folgendermaßen transkribiert: „naischdḗdn“ bzw. „eibənaischdēdn“.) ist ein Gemeindeteil des Marktes Flachslanden im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern) und eine Gemarkung.
Geografie Lage 0,5 km westlich des Kirchdorfs entspringt der Mettlachbach. Unmittelbar südlich des Orts mündet der Wegfeldgraben als rechter Zufluss in den Mettlachbach. Im Süden liegt die Neustettener Höhe, 0,5 km südöstlich die Kronleiten, im Osten erhebt sich der Steinbühl ().
Die Kreisstraße AN 21 führt nach Flachslanden zur Staatsstraße 2253 (1,8 km südlich) bzw. die Staatsstraße 2245 kreuzend nach Virnsberg (1,2 km nordwestlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Schmalnbühl (1,3 km nordöstlich) und nach Rosenberg zur Staatsstraße 2255 (5,5 km östlich). Ein Anliegerweg führt zur Lockenmühle (1,7 km südöstlich).
Gemarkung Die Gemarkung Neustetten hat eine Fläche von 7,905 km². Sie ist in 801 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 9868,31 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Hainklingen, Lockenmühle und Schmalnbühl.
Geschichte Der Ort wurde 1169 als „Niwenstat“ erstmals urkundlich erwähnt. Aus dem Ortsnamen kann man schließen, dass es sich um eine Ausgründung handelt, wobei unklar bleibt, von welchem Ort aus dies geschehen ist. Weil das in der Nähe liegende Moratneustetten oft einfach nur als Neustetten bezeichnet wurde, hatte sich zeitweise zur besseren Unterscheidung auch der Name „Oberneustetten“ eingebürgert.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 142.
Im Jahre 1333 erwarb das Kloster Heilsbronn in Neustetten durch Tausch zwei Güter, 1347 durch Schenkung eine Wiese. Im Ganzen erwarb das Kloster zwölf Anwesen, von denen neun während des Dreißigjährigen Kriegs verödeten und erst ab 1688 wieder an den Mann gebracht werden konnten.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 357.
Neustetten unterstand dem Deutschen Orden bis zu dessen Auflösung im Jahre 1806 mit dem Reichsdeputationshauptschluss. Von der Herrschaft zeugen noch der Hochaltar in der im 16. Jahrhundert errichteten St.-Jakobs-Kirche, das östliche barocke Portal des Friedhofs und die ehemalige Zehntscheune, die später als Schule benutzt wurde.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Neustetten 28 Anwesen. Das Hochgericht übte das Obervogteiamt Virnsberg des Deutschen Ordens aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Deutschordenskommende Virnsberg. Grundherren waren die Deutschordenskommende Nürnberg (15 Anwesen: 2 Höfe, 8 Güter, 2 Tropfhäuser, 2 Häuser, 1 Gemeindehirtenhaus) und die Deutschordenskommende Virnsberg (13 Anwesen: 1 Hof, 9 Güter, 2 Tropfhäuser, 1 Mühle).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 116.
Im Jahre 1806 kam Neustetten an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Neustetten dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Virnsberg und der 1811 gegründeten Ruralgemeinde Virnsberg zugeordnet.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–17. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 961. Am 12. Juni 1824 wurde die Bildung der Ruralgemeinde Neustetten genehmigt, zu der die Orte Berglein, Dörflein, Hainklingen, Lockenmühle und Schmalnbühl gehörten.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 949. Die Gemeinde war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt).
Im Jahre 1844 stellten Berglein und Dörflein einen Antrag zur Bildung einer eigenen Gemeinde. Dies wurde jedoch abgelehnt, weil beide Orte nicht die Mindestzahl von 20 Familien erreichten.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 948. Ab 1862 gehörte Neustetten zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1870 beim Landgericht Ansbach, von 1870 bis 1879 war das Stadt- und Landgericht Ansbach zuständig, seit 1880 ist es das Amtsgericht Ansbach.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1003 f. Am 30. August 1923 wurde die Umgemeindung von Berglein und Dörflein nach Mitteldachstetten genehmigt. Dadurch verringerte sich die Gebietsfläche der Gemeinde von 7,964 km² auf 5,102 km². Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Neustetten am 1. Januar 1972 in Flachslanden eingegliedert.
Baudenkmäler In Neustetten gibt es zwei Baudenkmäler: römisch-katholische Filialkirche St. Jakob mit Friedhofsbefestigung Haus Nr. 19: von der ehemaligen Zehntscheune (später Schulhaus, stark verändert) Deutschordenswappen aus Sandstein mit Trophäen, 18. Jahrhundert, hierher verbracht und in der Nordwand eingemauert
Einwohnerentwicklung Gemeinde Neustetten Jahr 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 Einwohner 390 385 403 396 416 426 419 439 405 394 409 420 423 396 393 298 296 283 427 402 376 308 302HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahr 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, von 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 67 76 74 80 82 59 60 62 Quelle Laut Historischen Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 378 Einwohner.
Ort Neustetten Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2011 2017 2022Einwohner 163 178 167 188 177 193 187 258 203 195 182 168 147 140Häuser 28 31 35 36 38 39 42 43 Quelle
Religion Neustetten ist seit der Reformation gemischt konfessionell. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind bis heute nach St. Laurentius (Flachslanden) gepfarrt. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession waren ursprünglich nach Mariä Himmelfahrt (Sondernohe) gepfarrt, seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach St. Dionysius (Virnsberg).
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Geographie (Flachslanden) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1169 Kategorie:Gemeindegründung 1824 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach