mini|Pflügen mit Pferden in Äthiopien, 2007

Pferderassen in Äthiopien umfassen acht regionale Landrassen, darunter die gefährdete Wildpopulation des Kundudo.

Die Pferdehaltung hat in Äthiopien eine lange Tradition. Bereits seit der Zagwe-Dynastie sind dort Reitpferde dokumentiert. Im Kaiserreich Abessinien spielten sie eine wichtige Rolle als Reit- und Kriegspferde. 2024 lebten in Äthiopien mit etwa 2,3 Millionen Hauspferden mehr als viermal so viele Pferde wie in Deutschland. Sie sind in Äthiopien vor allem für den Transport und in der Landwirtschaft unverzichtbar und unterstützen insbesondere auch Frauen im Alltag. Die Haltung vieler Arbeitspferde ist jedoch oft schlecht, mit unzureichender Versorgung und häufigen Krankheiten. Arbeitspferde haben einen niedrigen Status und werden häufig vernachlässigt.

Die Rassen gliedern sich in Arbeitspferde wie den Abessiner, das Kafa-, Bale- und das Horro-Pony sowie elegante Reitpferde wie Selale-, Ogaden- und das kulturell bedeutsame Borana-Pony.

Geschichte mini|hochkant|Oromo-Krieger, 1956 hochkant|mini|Äthiopisches Pferd, Wrangel, Die Rassen des Pferdes, 1908

Seit der Zagwe-Dynastie (930 bis 1270) gibt es Aufzeichnungen über Pferde in Äthiopien. In der Felsenkirche Biete Mariam von Lalibela finden sich Reliefs, die Reiter bei der Jagd auf Tiere und Fabelwesen zeigen. Gebra Maskal Lalibela soll über eine Armee von rund 60.000 berittenen Soldaten verfügt haben.

Im Kaiserreich Abessinien wurden Pferde sowohl als Reitpferde als auch vor allem als Streitrösser hoch geschätzt. Das erste namentlich erwähnte Pferd war Haräb Asfäré („Der Schrecken verbreitet“) von Amda Seyon I. († 1344). Mitglieder des äthiopischen Königshauses erhielten für ihre Verdienste den Namen ihres Streitrosses als Namenszusatz. Dieser sogenannte Pferdename fungierte als Adelstitel.

In Europa blieben die Pferderassen Äthiopiens lange Zeit weitgehend unbekannt. Sie wurden allgemein als äthiopisches Pferd oder Abessinier bezeichnet und als Tiere mit unterschiedlichem Körperbau beschrieben. Noch 1843 zitierte der britische Tierarzt William Youatt einen gewissen Ludolph, der 1684 über die Pferde Äthiopiens schrieb, sie seien stark, wendig und temperamentvoll. Die Pferde würden nur für Krieg und Jagd eingesetzt und mussten keine langen, anstrengenden Reisen zurücklegen, da Maultiere die schweren Arbeiten verrichteten. Die Pferde wären nicht beschlagen und die Reiter stiegen in steinigem Gelände ab, um die Hufe zu schonen.

Der Hippologe Graf Wrangel berichtete 1908, dass Henri Philippe Marie d’Orléans nach seiner Rückkehr von einer Expedition nach Abessinien in den 1890er Jahren einen zehnjährigen Wallach mit nach Europa brachte. Wrangel beschrieb die edle Erscheinung dieses Wallachs, der ein Stockmaß von 1,38 m hatte und wies auf eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Araber hin. Angesichts der guten Qualität dieses Wallachs, den er für einen typischen Vertreter der Reitpferde Abessiniens hielt, und des großen Bedarfs an orientalischem Blut in Europa, führte er die mangelnde Bekanntheit abessinischer Pferde auf die Verhältnisse im Reich von Negus Menelik II. zurück.

Eine Studie teilte 2012 Äthiopiens Pferde anhand ihres Exterieurs in acht verschiedene regionale Rassen ein, die unterschiedlich verbreitet sind, darunter eine stark gefährdete Wildpopulation, das Kundudo.

Noch 2016 meldete Äthiopien nur allgemein den Abessinier beim Worldwide Domestic Animal Diversity Information System. Im Jahr 2025 wurden schließlich die acht beschriebenen Rassen gemeldet.

Wirtschaftliche und soziale Bedeutung 2024 lebten in Äthiopien rund 2,3 Millionen Hauspferde, das ist die größte Pferdepopulation Afrikas. Äthiopien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Etwa drei Viertel aller landwirtschaftlichen Betriebe sind mehr als anderthalb Tagesmärsche von einer ganzjährig befahrbaren Straße entfernt. Pferde, Maultiere und Esel sind für den Transport unerlässlich, und Pferde werden in großem Umfang für Transport, Zugkraft und landwirtschaftliche Arbeiten wie das Pflügen eingesetzt. Equiden unterstützen Frauen sowohl bei der Erfüllung ihrer häuslichen Pflichten als auch bei der Erwerbstätigkeit, zu der sie sonst kaum Zugang hätten. Der wirtschaftliche und soziale Beitrag zum Lebensunterhalt ist bedeutend. In manchen Gegenden werden bestimmte Rassen hauptsächlich zum Reiten genutzt. Äthiopien exportierte 2023 Pferde für rund 2,5 Mio. $, den größten Teil nach Kuwait und in den Jemen. mini|hochkant|Ausgesetztes Pferd, 2020

Haltung und Gesundheit Obwohl Pferde in Äthiopien zahlreich sind und eine bedeutende Rolle in den Kleinbauergemeinschaften spielen, wird ihrer Fütterung, Haltung und Pflege nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Viele Arbeitstiere gehören armen Menschen und müssen unter oft rauen Bedingungen arbeiten, häufig ohne ausreichend Futter, tierärztliche Versorgung, angemessene Unterkunft, und müssen mit unzureichender Ausrüstung arbeiten.

Zu den gesundheitlichen Beeinträchtigungen zählen Parasiten, Druckstellen, Hufprobleme, Koliken, sowie Infektionskrankheiten wie Druse, Tetanus und die Afrikanische Pferdepest, die vor allem während der Regenzeit auftritt. Auch Lahmheiten, Schwellungen der Gelenke, Wunden, Zahnprobleme sowie Hautpilzerkrankungen sind weit verbreitet. Zeckenbefall ist im Tiefland verbreiteter als in höheren Lagen.

Wenn sich der Gesundheitszustand der Arbeitspferde verschlechtert und sie nicht mehr einsatzfähig sind, erhalten sie meist weder Gnadenbrot noch werden sie geschlachtet oder eingeschläfert. Stattdessen werden sie ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen. Arbeitspferde haben einen niedrigen Status und gehören zu den am meisten vernachlässigten Tieren in Äthiopien (Stand 2021).

hochkant|mini|Matrilineare genetische Verwandtschaft der äthiopischen Rassen, 2021 hochkant|mini|Karte der Pferderassen in Äthiopien, 2021

Rassen Die äthiopischen Pferderassen sind Landrassen für die keine Stutbücher geführt werden. Die Tiere paaren sich zufällig, während sie auf der Weide sind. Die Pferdezucht ist weitgehend traditionell und unkontrolliert. Es fehlt an Selektion. In Äthiopien werden jedoch auch Sportpferde gehalten und gezüchtet.

Die einzelnen Rassen sind unterschiedlich nah miteinander verwandt. Die genetische Verwandtschaft ist in der Grafik dargestellt. Sie haben verschiedene geografische Verbreitungsgebiete, die auf der nebenstehenden Karte markiert sind. Im Folgenden werden die Rassen nach ihrem Haupteinsatzzweck eingeteilt.

Kundudo-Wildpferd hochkant|mini|Kundudo-Wildpferde, 2008 Das Kundudo- oder Kundido-Wildpferd ist nach dem gleichnamigen Berg im Osten Äthiopiens benannt, auf dem es beheimatet ist. Es bildet eine stark gefährdete wildlebende Population, die auf dem schwer zugänglichen Tafelberg Kundudo in der Nähe der Stadt Harar in der Region Oromia lebt. Der Gipfel besteht aus einer 13 Hektar großen, flachen Graslandschaft, die den Lebensraum der Kundudo-Wildpferde bildet. Das Verbreitungsgebiet des Kundudo-Wildpferds ist in der Karte unter der Nummer 7 verzeichnet. Aus Nutzpferdesicht sind sie schlecht gebaut, mit kurzen Senkrücken und dicken Bäuchen.

Zu ihrer Geschichte gibt es keine schriftlichen Quellen. Laut mündlicher Überlieferungen der ältesten Einwohner der Region sind die Kundudo-Wildpferde seit über 200 Jahren bekannt. Der spätere Kaiser Haile Selassie I. soll im Alter von zehn Jahren mithilfe seines Onkels eines von ihnen eingefangen haben. Sie sollen von Militärpferden abstammen, die nach dem Adal-Äthiopischen Krieg von 1529 bis 1543 und dem Osmanisch-Äthiopischen Krieg von 1528 bis 1560 zurückgelassen wurden. Obwohl es früher Löwen und Geparden auf dem Gipfel des Tafelbergs gab, ist es denkbar, dass eine kleine Herde von zehn bis 15 Pferden dort überleben konnte. Diese Theorie ist nicht gesichert. Die genetische Nähe zu den domestizierten Abessiniern deutet darauf hin, dass das Kundudo von diesen abstammt. In der jüngeren Vergangenheit sind einzelne Abessinierpferde in die Wildnis entflohen. Dies geschah möglicherweise während der militärischen Ereignisse des 16. Jahrhunderts. Kundudo-Wildpferde weisen eine hohe Inzuchtrate und geringe genetische Variabilität auf. Das liegt an der geringen Anzahl von Gründerindividuen und ihrer langen Isolation.

Die Population wurde im Jahr 2008 von einer Forschungsexpedition beschrieben. Zu dieser Zeit fing ein lokaler Bauer gelegentlich Fohlen zum Verkauf ein, oder nutzte erwachsene Pferde während der Erntezeit zur Arbeit. Weil sie sich sehr widersetzlich verhielten, wurden sie nach der Ernte immer wieder freigelassen. Die äthiopischen Behörden für den Schutz der biologischen Vielfalt empfahlen, das Biotop der Pferde in ein Reservat umzuwandeln, das für den Tourismus geöffnet werden sollte. Zwischen ihrer Entdeckung und einer weiteren Expedition im Jahr 2013 ging die Population stark zurück und stand mit nur noch elf Tieren kurz vor dem Aussterben. 2022 hatte sich ihre Situation dank eines gestiegenen Bewusstseins in der Bevölkerung verbessert. Derzeit leben dort rund 30 Pferde, deren Bestand viermal jährlich von Rangern kontrolliert wird.

Arbeitspferde Kafa-Pony Das Kafa-Pony, das auch als Keffa bezeichnet wird, stammt aus den Regenwäldern der Sheka- und Keffa-Zonen in der Region der südwestäthiopischen Völker. Sein Verbreitungsgebiet ist in der Karte mit der Nummer 4 markiert.

Das Kafa ist ein schwerer Pferdetyp mit gutem Gebäude. Es hat ein größeres Stockmaß, das im Durchschnitt 1,26 m bei Stuten und 1,33 m bei Hengsten beträgt. Der Rumpf ist länger und der Brustumfang ist größer als bei anderen äthiopischen Pferden. Die Brust ist tief und die Schulter lang. Die Rippen sind gut gerundet und die Mähne oft lang. Diese Pferde leben meist das ganze Jahr über im Freien und verfügen selten über einen Unterstand. Das Kafa-Pony dient als Zugtier und ist in seiner Herkunftsregion, die für Motorfahrzeuge schlecht zugänglich ist, die wichtigste Quelle für Zugkraft. Die Stuten werden selten zur Arbeit eingesetzt und dienen vorwiegend der Zucht.

Abessinier mini|Abessinier in Adigrat, 2014|hochkant Die Abessinier sind eine Ponyrasse, die als Arbeitspferd verwendet wird und nach dem ehemaligen Kaiserreich Abessinien benannt ist. Sie kommt vor allem im Norden des Landes, in der Region Gondar, in der Nähe der Semien-Bergkette, vor. Das Verbreitungsgebiet des Abessiners entspricht der Nummer 1 in der Karte.

Abessinier haben ein fehlerhaftes Gebäude, häufig einen Senkrücken und einen schweren Bauch. Die Durchschnittsgröße beträgt 1,25 m bei Stuten und 1,29 m bei Hengsten, wobei die Größe variiert. Sie kommen in allen Farben vor, haben ein dichtes Fell und eine struppige Mähne. Manche Abessinier haben grüne Augen.

Abessinier sind an das harte Leben und Arbeiten in den Bergen gut angepasst. Sie werden für schwere Arbeit in der Landwirtschaft verwendet, vor allem als Packtiere und zum Pflügen. Sie sind das wichtigste Zugtier in ihrer Herkunftsregion. Trotz ihrer geringen Größe werden sie aufgrund ihrer Kraft und guten Arbeitsleistung geschätzt. Ihre Pferdeäpfel werden getrocknet und als Brennstoff verwendet.

hochkant|mini|Bale-Pony, 2014

Bale-Pony Das Bale-Pony (Amharisch: የባህር ፈረስ / yebahiri feresi) ist in den Hochlandgebieten der Bale-Zone in der Region Oromia im Süden des Landes beheimatet. Sein Verbreitungsgebiet entspricht dem auf der Karte mit der Nummer 6 markierten Gebiet.

Es ist schlecht gebaut, hat einen schweren Bauch und einen Senkrücken. Mähne und Schweif sind meistens lang. Im Vergleich zu anderen äthiopischen Pferdetypen hat es eine tiefere Brust, eine längere Schulter, einen längeren Hals und einen kürzeren Rücken. Die Durchschnittsgröße beträgt 1,25 m bei Stuten und 1,29 m bei Hengsten. Sie werden als Zug- und Packtiere eingesetzt.

Horro-Pony