mini|hochkant=1.3|Dorfkirche Wagenitz von Nordosten gesehen (2020) Die Dorfkirche Wagenitz ist eine evangelische Kirche in Wagenitz, einem Ortsteil von Mühlenberge im brandenburgischen Landkreis Havelland. Das Gotteshaus entstand Mitte des 18. Jahrhunderts anstelle eines Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert, das zerstört worden ist. Die Kirchengemeinde gehört zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Lage Die Kirche steht auf dem ehemaligen Dorfanger, der sich zwischen der Straße Zum Schwedenturm (nördlich) und der Lindenstraße (südlich) erstreckt. Sie trägt die Adresse Lindenstraße 6/Zum Schwedenturm, 14662 Mühlenberge OT Wagenitz. Sie ist nicht stetig geöffnet, den Kirchenschlüssel können sich Interessenten von Gemeindemitgliedern ausleihen, deren Namen und Adressen in einem Aushang neben dem Gotteshaus mitgeteilt werden.

Geschichte Vorgeschichte Im Jahr 1527 wurde eine erste Fachwerkkirche in Wagenitz als Filialkirche von Senzke erbaut. Erster Kirchenpatron von Wagenitz war Johann Christoph von Bredow. 1635 wurde Wagenitz und seine Kirche durch Angriff der Schweden im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Kirchenpatron Hans Christoph I. von Bredow, der als 12-jähriges Kind als Einziger die Zerstörung der Kirche und des Ortes überlebt hatte, ließ 1664 die Kirche wieder errichten und eine Gruft einbauen. Der Turmhelm und das Kirchendach wurden mit Lärchenholzschindeln gedeckt. Die Bestattung des Gutsherrn Johann Christoph von Bredow (im Jahr 1691) fand in der Kirchengruft statt, dessen Eingang nach einer Plünderung im späten 19. Jahrhundert zugemauert wurde.Ein Fest zum Abschluss der Restaurierung und eine herzliche Einladung, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Alte Kirchen – Mitteilungen des Förderkreises Alte Kirchen Berlin Brandenburg, Ausgabe September 2023, S. 6. Dieses Gotteshaus war jedoch nach rund 100 Jahren baufällig, und ein Neubau wurde beschlossen.

18. Jahrhundert bis 1900 Im Jahr 1753 konnte die jetzige Kirche eingeweiht werden. Der zugemauerte Zugang zur Gruft wurde nach einer umfassenden Restaurierung zu einem dauerhaften Zugang umgebaut. Zwar vermuteten Experten ein bauzeitliches Portal, doch dessen Ausprägung war nicht zweifelsfrei nachweisbar. Nach jahrelangen Diskussionen gab es schließlich den Konsens, ein schlichtes, rechteckiges Eingangsgebäude mit Satteldach zu errichten. Im Giebel des Anbaus sorgt eine dauerhafte Öffnung für eine Belüftung der Gruft.Andreas Flender: Die Ruhestätte der Familie von Bredow – Abschluss der Bauarbeiten an der Patronatsgruft Wagenitz, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Alte Kirchen – Mitgliederzeitung des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. Ausgabe November 2024, S. 11

1900 bis 1990 mini|Kirche von Westen gesehen Im Jahr 1851 bekam der Turm sein Zinkdach und 1892 die Schallluken. Reparaturen und ein Neuputz erfolgten in den Jahren 1934 und 1935.

Einschüsse und Dachbeschädigungen des Zweiten Weltkrieges wurden in den Jahren 1949 bis 1957 repariert. Das Dach erhielt eine Schieferplattendeckung, die 1974 durch Beton-Dachziegel ersetzt wurde. 1953 installierte die Kirchengemeinde eine Turmuhr mit einem Zifferblatt an der Ostseite des Turmes; 1978 kam ein weiteres Zifferblatt an der Westseite hinzu. Im Jahre 1959 erfolgte eine Sanierung des Innenraumes der Kirche: Die Decke wurde mit Sperrholzplatten abgehängt, die Bleiglasfensterscheiben wegen Schwammschäden ausgebaut und durch Milchglasscheiben ersetzt. Die Orgel auf der Empore musste Ende des 19. Jahrhunderts repariert werden, ist aber seit 1960 nicht mehr in Betrieb.

Seit 1990 Nach der deutschen Wiedervereinigung konnte die neu gebildete Kirchengemeinde Instandsetzungsarbeiten vornehmen: Der Turm und die Gesimse wurden in den Jahren 2001/2002, der Außenputz und das Innere der Kirche in den Jahren 2002/2003 denkmalgerecht, teilweise nach Fotovorlagen, rekonstruiert. Der Neuanstrich des Gestühls erfolgte vor Ostern 2007. Eine erneute umfassende Sanierung erfolgte in den Jahren 2014 (Begasung) sowie 2017–2019 (Hüllensanierung). 2001 wurde der Turmhelm aus Zink und die Turmzierde mit der Inschrift SDG (Soli Deo Gloria – Allein Gott sei Ehre) erneuert, 2002 das Uhrwerk überholt und das Dach ab 2003 mit Kirchenbibern neu gedeckt. In den Jahren 2017 und 2018 wurde er wegen erneuter Schäden nahezu neu verputzt. 2019 mussten zahlreiche Dachträgerbalken gewechselt werden. In den Jahren 2020 bis 2023 erfolgte eine umfassende Sanierung des Bauwerks, bei dem das Dachtragwerk erneuert und die Bleikristallfenster nach historischem Vorbild wiederhergestellt wurden. Durch die Öffnung einer bauzeitlichen Tür konnte ein barrierefreier Zugang in den Kirchenraum geschaffen werden. Die Restaurierungsarbeiten wurden mit einem Festgottesdienst am 14. Oktober 2023 offiziell abgeschlossen.

Im Juli 2012 wurde die Dorfkirche Wagenitz zur Kirche des Monats gewählt. Die bis dahin wöchentlich von Hand aufgezeogene Turmuhr konnte im Jahr 2020 durch einen elektrischen Antrieb ersetzt werden.

Architektur Das Kirchengebäude ist eine barocke Saalkirche mit einem Westturm. Das etwa 22 Meter lange und 12 Meter breite Kirchenschiff ist mit einem Pultdach abgeschlossen, der Turm verfügt über ein viereckiges flaches Haubendach. Unter der Kirche gibt es eine Gruft. Der Kirchenraum besitzt zwei seitliche Eingänge sowie den Eingang unter dem Turm. Im unteren Baubereich ist die frühere Außentreppe erhalten und wird durch den Vorhallenanbau geschützt.

Die Gedenktafeln auf der linken und rechten Seite der Kirche sind den Wagenitzer Opfern des Ersten und Zweiten Weltkrieges gewidmet.

Glocken Im Turm befanden sich ursprünglich drei mittelalterliche Bronzeglocken aus Lauchhammer, von denen im 21. Jahrhundert noch eine Glocke vorhanden ist. Die anderen beiden waren im Ersten und im Zweiten Weltkrieg als Metallspende des deutschen Volkes zur Umarbeitung in Kriegsgerät abzuliefern. Die Glocke und der Glockenstuhl wurden im 1982 repariert. Eine erneute Reparatur erfolgte 2020, wobei die Glocke an einem Holzjoch aufgehängt und mit einem elektrischen Antrieb versehen werden konnte.

Innenausstattung Altar, Taufstein, Votivbilder, Fenster Der Kanzelaltar stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die ursprünglichen Verzierungen sind nicht mehr vorhanden. An der Vorderseite des Kanzelkorbs befindet sich seit der letzten Kirchenrestaurierung wieder ein Bild mit dem Brot und Wein segnenden Christus. Es handelt sich dabei um eine vergrößerte Kopie des 1850 vom britischen Kupferstecher John Pound geschaffenen Blattes, das wiederum auf ein Gemälde des italienischen Malers Carlo Dolci aus Florenz um 1670 zurückgeht.Rudolf Bönisch: Kunst große Meister in Wagenitz: Über die druckgraphische Vorlage des Kruzifix auf dem Gemälde der Familie von Bredow, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Alte Kirchen – Mitgliederzeitung des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V., Ausgabe Juni 2026, S. 14 und 15. An der Unterseite des Kanzeldeckels befindet sich ein Taubenmotiv. Der aus dem 18. Jahrhundert stammende Taufstein ist mit einer silbernen Taufschale versehen, die mit den Familienwappen derer von Bredow und derer von Görne verziert ist. Links hinter dem Altar hängt an der Wand ein kleines Kruzifix aus der früheren Kirche aus dem 17. Jahrhundert.Website des Kirchen-Fördervereins, abgerufen am 25. Dezember 2025.

mini|Bild des Hans Christoph von Bredow und Barbara von Görne mit Familie Beiderseits des Altars sind Votivgemälde zu sehen. Das rechts neben dem Altar angebrachte sechs Quadratmeter große Votivgemälde aus dem Jahre 1667 entfaltet mit einer Höhe von 2,80 Metern und einer Breite von 3,95 Metern eine „mächtige Wirkung“.Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg: Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe: Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“ 2025/2026 zur Restaurierung des Familiengemäldes der von Bredows (1667) in der Dorfkirche Wagenitz im Havelland, Plakat, Dezember 2025. Auf diesem Gruppenbild ist die Familie von Bredow dargestellt, die um ein im Zentrum des Bildes angeordnetes Kruzifix auf einem Podest herum angeordnet sind. Links ist Hans Christoph von Bredow mit seinen vier Söhnen abgebildet, rechts seine Ehefrau Barbara Dorothea von Görne mit den sechs Töchtern. Obwohl die älteste Tochter Catharina Dorothea im Jahr 1664 bereits verheiratet war, wurde sie auf dem Bild wie ihre Schwestern gekleidet.Claudia Rückert, Anne Haertel, Dörte Busch: Das Gemälde der Familie von Bredow in der Dorfkirche Wagenitz braucht Hilfe: Spendenaktion Vergessene Kunstwerke 2025/2026 hat begonnen, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Alte Kirchen – Mitgliederzeitung des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. Ausgabe November 2025, S. 8 und 9. Seine vier Söhne wurden durch den Maler individuell charakterisiert, während die sechs Töchter schematisch dargestellt werden. Die älteste Tochter, Catharina Dorothea, war 1664 bereits verheiratet; dennoch ist sie wie ihre unverheirateten Schwestern gekleidet.Claudia Rückert, Dörte Busch, Anne Haertel: Wir sammeln 2026 für die Restaurierung dieses Kunstwerks: Das Gemälde der Familie von Bredow (1667) in der Dorfkirche Wagenitz, veröffentlicht in Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Offene Kirchen 2026: jung und alt – alt und neu, S. 44–47. Der Familienverband der Patronatsfamilie unterstützte bereits von 1982 bis 1985 Restaurierungen des Motivs. Interessant ist, dass im Jahr 1667 alle gezeigten Familienmitglieder noch lebten, es sich also nicht um ein Epitaphgemälde handelt. Durch die zentrale Anordnung des Kruzifixes ist es aber auch kein klassisches Gruppenportrait; einer möglichen Einordnung als Repräsentationsbild stehen die zahlreichen Bibelverse entgegen, die ebenfalls zu sehen sind. Es zeigt vielmehr den „Stolz“ sowie die „Dankbarkeit und Gottesfürchtigkeit eines Adeligen, dem es zusammen mit einer Ehefrau nach dem Dreißigjährigen Krieg als einzigem Überlebenden seiner Linie gelungen ist, den Fortbestand seiner Familie zu sichern“. Die Vorlage für das Kruzifix stammt von einem Kupferstich des flämischen Künstlers Raphael Sadeler aus dem Jahr 1690, der das Werk mit einer Abbildung der Kreuzigung Christi nach einer Idee von Jodocus van Winghe gestochen hat. Der bislang unbekannte Maler nutzte nur den Ausschnitt mit dem am Kreuz hängenden Christus als „Ausdruck der Frömmigkeit der Familie von Bredow“. Das mit Ölfarben auf Leinwand erstellte Gemälde befindet sich im Jahr 2025 in einem schlechten Gesamtzustand: einzelne kleine Teile lockern sich bereits und könnten jederzeit abfallen. Hinzu kommen Flecken, Verfärbungen und ältere, möglicherweise stark vereinheitlichende Retuschen. Das Gemälde weist außerdem kleinere Löcher und Risse auf. Eine Festigungsmaßnahme der Malschicht ist daher angezeigt und steht im Mittelpunkt einer Spendenaktion, die vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zum ersten Advent 2025 ins Leben gerufen wurde. Experten schätzen die entstehenden Restaurierungskosten mit rund 40.000 Euro.Bereits 12.000 Euro gespendet, Berliner Zeitung, 24. bis 16. Dezember 2025, S. 10. Das große Format und ältere Retuschen, die vermutlich stark vereinheitlichend und vereinfachend ausgeführt wurden, stellen dabei eine besondere Herausforderung dar.

Im Kirchenschiff befinden sich acht Bleiglasfenster, von denen vier erst im Jahr 2019 neu angefertigt wurden, die nun die Milchglasfensterscheiben aus der DDR-Zeit ersetzen.

Gestühl, Empore, Erbbegräbnis Bredow und Weiteres Das Patronatsgestühl, die Kirchenbänke und die Empore stammen aus dem 18. Jahrhundert. Auf der Empore stand eine kleine Orgel, die 1885 von Friedrich Hermann Lütkemüller hier installiert worden war.