Das Kirchliche Filmfestival Recklinghausen ist das erste deutsche kirchliche Filmfestival – sowie das einzige ökumenische in Europa überhauptnach Auskunft der Veranstalter; hier: Michael Kleinschmidt (Institut für Kino und Filmkultur, Wiesbaden) zur Eröffnung des Filmfestivals am 14. März 2018. Das Programm greift vor allem aktuelle gesellschaftliche Themen wie Migration, Integration, Identität, Mitleiden, Gerechtigkeit, Liebe und Solidarität meist in sehr entschieden künstlerischen Fassungen auf. Gezeigt werden ausgewählte deutsche und internationale Spiel- und Dokumentarfilme. Filmschaffende diskutieren im Kinosaal mit dem Publikum – das ist ein zentrales und durchgängiges Kennzeichen dieser Veranstaltung. Die Teilnahme eines Films am Festival ist mit der Verpflichtung verbunden, dass sich mindestens ein Vertreter des Films (Regisseur, Produzent, Schauspieler usw.) der Diskussion mit dem Publikum stellt. Das Publikum schätzt diese Diskussionen sehr. Die Veranstaltungen sind deshalb in der Regel sehr gut besucht und meist schnell ausverkauft.

Entstehung & Entwicklung Der Veranstalter Arbeitskreis Kirche & KinoArbeitskreis Kirche & Kino des Kath. Kreisdekanats Recklinghausen und des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen, Marc Gutzeit, Kemnastr. 7, 45657 Recklinghausen; www.kirchliches-filmfestival.de zeigt seit 2002 neben dem Filmfestival auch die Reihe monatlicher Filme, in der gesellschaftlich relevante und existentiell bedeutsame Themen präsentiert und nach jeder Vorstellung mit Experten und Regisseuren diskutiert werden. Aus diesem Arbeitskreis ist das Kirchliche Filmfestival Recklinghausen hervorgegangen.Marler Zeitung, 28. Februar 2015 Außerhalb der Festival-Termine zeigt der Arbeitskreis im Cineworld einen Film pro Monat, der im gängigen Filmbetrieb wenig Chancen hat, vor allem in der Provinz, der aber durch die betont künstlerische Gestaltung und/oder das ausgewählte Thema auffiel.

Während des Festivals werden Filme gezeigt und ausgezeichnet, die sich sozial engagieren und sich zudem künstlerisch überzeugend mit dem Menschen im Spannungsbogen zwischen Arbeitswelt, Kulturen und Religionen auseinandersetzen. Im Rahmen des Festivals wird zudem ein Kinderfilm prämiert. Der künstlerische Leiter des Festivals, Michael Kleinschmidt (Institut für Kino und Filmkultur, Wiesbaden), präzisiert die Beweggründe der VerantwortlichenMarler Zeitung/Medienhaus Bauer, 28. Februar 2015: Es gehe keineswegs um eine „superfromme“ Veranstaltung, wie viele Filmregisseure dächten, mit denen Kontakt aufgenommen werde; tatsächlich stehe das Filmfestival für die Verantwortung der Kirche für die Welt; es gehe bei den Filmen um die Bewahrung der Schöpfung, um Solidarität mit den Schwachen – all das spiegelt sich in der Filmauswahl wider. Der Film werde, laut Kleinschmidt, als Medium in Deutschland immer noch unterschätzt; dabei hat er die Kraft, mit uns zu sprechen, etwas auszulösen und sogar zu verändernRecklinghäuser Zeitung, 28. Februar 2015.

Im fünften Jahr des Bestehens (2014) entschloss sich das Leitungsgremium des FestivalsArbeitskreis Kirche & Kino, Recklinghausen zu einer Erweiterung der Veranstaltung von drei auf fünf TageMarler Zeitung, 22. November 2014, S. 15. Die Gespräche zwischen Publikum und den Schauspielern sowie Regisseuren während der Filmtage werden damit erweitert. Geöffnet wurde auch der Unterstützer-Kreis des Festivals: Fans, Freunde und Förderer (Firmen) können nun zu unterschiedlichen Bedingungen als regionale Unterstützer fungieren. Mit den größeren finanziellen Möglichkeiten würden weitere Filmakteure herangezogen und junge Regisseure unterstützt.

Einer der Ideengeber und Gründer des Festivals, Thomas Damm, schied mit dem Ende der Veranstaltungen im März 2018 aus beruflichen Gründen aus. Es sei ihm nie ein Anliegen gewesen, missionarisch zu wirken, sagte er einem Journalisten des Medienhauses Bauer. Das Filmfestival sei vor allem ein Begegnungsfestival. Der Dialog zwischen Filmschaffenden und Publikum habe ihm am Herzen gelegen.Medienhaus Bauer, Marler Zeitung, Marl, 13. März 2018, S. 13

Chronologie Das Festival startete 2010 mit der Deutschlandpremiere des Dokumentarfilms „Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen“.

2010 Für den Spielfilm Die Fremde wurde Regisseurin Feo Aladag als erste Preisträgerin des Festivals ausgezeichnet. Die Hauptdarstellerin Sibel Kekilli war ebenfalls anwesend. 2011 Regisseurin Britta Wauer nimmt die Auszeichnung für den Dokumentarfilm „Im Himmel, unter der Erde – Der jüdische Friedhof Weißensee“ entgegen. 2012 Leo Khasin erhielt den Filmpreis für die Regie im Film „Kaddisch für einen Freund“, in dem das Zusammenleben von Palästinensern und Juden aus Osteuropa (in Berlin-Kreuzberg) geschildert wird. „. . . eine herrliche Geschichte vom Widersinn des Hasses und der Kraft der Freundschaft“.laut Homepage des Festivals; siehe unten 2013 Neben selten gezeigten Dokumentarfilmen wurden vorgestellt: Hannah Arendt, die Auseinandersetzung der Philosophin mit dem Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann,Regie: Margarethe von Trotta und Fünf Jahre Leben, die Geschichte des Deutsch-Türken Murat Kurnaz, der fünf Jahre Gefangener der USA in Afghanistan und Guantanamo war (Regie: Stefan Schaller). Preisträgerin dieses Jahres wurde Sheri Hagengeb. in Lagos/Nigeria; aufgewachsen in Hamburg; Preisgeld 2000 € mit ihrem Film „Auf den zweiten Blick“, der sich mit dem Leben blinder oder sehbehinderter Menschen beschäftigt; der erste abendfüllende Film der Regisseurin, der am 10. Oktober dieses Jahres in die Kinos kommt. Das Festival entwickelt sich allmählich zu einer Institution, die alternative Filme präsentiert. Mit ca. 1800 Besuchern war das Festival 2013 das bisher meistbesuchte. 2014 Mit 2000 Besuchern wies das 5. Festival am 7. bis 9. März erneut einen Besucherrekord auf. Zu Gast waren Filmschaffende und Schauspieler wie Feo Aladag, André Feldhaus, Heinrich Hadding, Leon Lucev, Johannes Naber, Vincent Poymiro, Pablo Ribet Buse, Hüseyin Tabak, Stephanie Weimar und David Wey. Preisträger war 2014 Srdan Golubovic (siehe auch Heimatfilmfestival, Freistadt (Oberösterreich)) für „Circles“. 2015 Die Entscheidung des Leitungsgremiums, das Festival um zwei Tage zu verlängern, fiel zugunsten einer besucherfreundlicheren Version: Die (nunmehr 12) Filme abends zu zeigen, um die Besuche zu erleichtern. „So können wir (…) ein kämpferisches Programm vorstellen, (…) Das 6. Kirchliche Filmfestival steht mitten in den Auseinandersetzungen der Gegenwart“, schrieben die Organisatoren in der Ankündigung.Programmheft: Kirche & Kino, Recklinghausen, Februar 2015 Den Filmpreis 2015 erhielt der Film „Verfehlung“ (Deutschland, 2015) von Gerd Schneider (Regie und Drehbuch), in dem der sexuelle Missbrauch an Kindern am Beispiel eines jungen Pfarrers thematisiert wird (Schneider ist selbst früherer Theologie-Student), der sich an Jugendlichen in seiner Gemeinde vergeht. In der Laudatio sagte Weihbischof Dieter Geerlings (Münster), der Film arbeite das auf, was manche – auch in der Kirche – lieber verschweigen möchten.Recklinghäuser Zeitung, 9. März 2015 Den Preis der Kinderjury bekam der Streifen „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ (2014) des Produzenten Philipp Budweg (nach der gleichnamigen Romanvorlage von Andreas SteinhöfelCarlsen Verlag, Hamburg 2008). Mit 2500 Besuchern gab es einen neuen Besucherrekord; die fünf Abendvorstellungen waren schon Tage vorher ausverkauft. 2016 7. Kirchliches Filmfestival: 9. bis 13. März 2016laut offizieller Webseite: Mit seinem neuen Film Junges Licht erhielt Adolf Winkelmann den Festivalpreis 2016. Michael Kleinschmidt, der künstlerische Leiter des Filmfestivals meinte in seiner Laudatio: „Der Film ist eine wunderbare Reminiszenz an das Ruhrgebiet der 60er Jahre. Er zeigt eine Kindheit im Kohlenpott, die es so heute nicht mehr gibt.“ Gedreht wurde in Bottrop, Bochum, Dortmund und auf der Zeche Auguste Victoria in Marl. Während des Festivals wurden 25 Filme gezeigt, die einen Spannungsbogen von der Vergangenheit dieser Region bis hin zu brandaktuellen Filmen der Gegenwart, über die Zuwanderung in die BRD, präsentieren. Die Finnin Marjut Komulainen erhielt den Preis für Kinder- und Jugendfilme („Vilja und die Räuber“). Eröffnet wurde mit dem Film „Mustang“, in dem es um fünf Schwestern geht, die sich in der Osttürkei den rigiden Normen einer Männerwalt widersetzen.Marler Zeitung, 26. Februar 2016, in: Aus der Region „Der Film klagt sehr deutlich an, dass Frauen überall auf der Welt wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden“, sagte Kleinschmidt zu dem Konflikt-Film. Der Eröffnungsfilm (Mustang) war bereits wenige Minuten nach der Eröffnung des Kartenverkaufs ausverkauft. Mit 3100 Besuchern wurden erneut die Besucherzahlen des Festivals des Vorjahres übertroffen.Recklinghausen Zeitung vom 14. März 2016, S. 14 2017 8. Kirchliches Filmfestival (15.–19. März 2017): Das Programm umfasste 12 ausgewählte Spiel- und Dokumentarfilme, zahlreiche davon als Previews vor Bundesstart. Zu fast allen Filmen haben Filmschaffende (Regisseure, Autoren, Schauspieler, Produzenten) aus dem In- und Ausland ihr Kommen zugesagt.https://www.kirchliches-filmfestival.de; 08.ß3.2017 Den Hauptpreis erhielt die französische Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar für den Spielfilm: „Der Himmel wird warten“.nach Vorführung des Films am 18. März 2017, Recklinghausen Der Nebenpreis ging an die Nachwuchsschauspielerin Naomi Amarger (als Mélanie in diesem Film). Die Stadt Recklinghausen vergab im Rahmen dieses Festivals auch den Kinder- und Jugendfilmpreis. Er ging in diesem Jahr an den deutschen Dokumentarfilm „Nicht ohne uns!“. Regisseurin Sigrid Klausmann und Produzent Walter Sittler nahmen am 18. März 2017 die Auszeichnung entgegen. Neben der Stadt Recklinghausen stiftete der katholische Kreisdechant Jürgen Quante diesen Preis. Das 8. Filmfestival ging mit einem Besucherrekord zu Ende: Es kamen 3400 Cineasten; alle Abendveranstaltungen waren ausverkauft. Auch Heiner Geißler und Annette Schavan waren als Gäste zum Publikumsgespräch gekommen.laut: Medienhaus Bauer/sechs Regionalausgaben/Marler Zeitung usw. 20. März 2017; S. 14 2018 Während des 9. Kirchlichen Filmfestivalsvom 14.-18. März 2018 erhielt der Film mit dem zweideutigen Titel „Camino a la Paz“ (übersetzt: Weg nach La Paz bzw. Weg zum Frieden) des argentinischen Regisseurs Francisco Varone (geboren 1978 in Buenos Aires)Recklinghausen Zeitung vom 19. März 2018, S. 16 den ersten Preis (deutscher Produzent: Gunter Hanfgarn)Mitteilung des Arbeitskreises Kirche und Kino, Marc Gutzeit; März 2018Recklinghausen Zeitung vom 2. März 2018, S. 12. Eine ungewöhnliche Aufführung gab es am zweiten Tag des Festivals: Das digital restaurierte Werk des Klassikers „Faust“ (1926) von Friedrich Wilhelm Murnau wurde in der Kirche St. Peter erneut uraufgeführt; Musikbegleitung live von Kirchenmusiker Thorsten MausRecklinghausen Zeitung, 15. März 2018. Mit dem Kinder- und Jugendfilmpreis wird der Spielfilm Die Pfefferkörner und der Fluch des Schwarzen Königs (DE 2017) ausgezeichnet. Produzent Holger Ellermann und Hauptdarstellerin Marleen Quentin waren anwesend. Der Preis wurde von der Stadt Recklinghausen und dem katholischen Stadt- und Kreisdechanten Propst Jürgen Quante gestiftet. Die Zahl der Besucher 2018 konnte gegenüber dem letzten Jahr leicht gesteigert werden (3500 Besucher)Recklinghausen Zeitung, 19. März 2018; S. 16https://www.kirchliches-filmfestival.de/; entnommen: 24. März 2018.