mini|Willkommenstafel am südlichen Ortseingang

Böddenstedt (niederdeutsch Bernstä) ist ein Ortsteil der Gemeinde Suderburg in der Samtgemeinde Suderburg im südwestlichen Landkreis Uelzen, Niedersachsen. In den Jahren 1991 und 2016 zählte Böddenstedt zu den Siegern des Bundeswettbewerbs Unser Dorf hat Zukunft (ehem. Unser Dorf soll schöner werden).

Geographie mini|Der Stahlbach (Böddenstedter Aue) am südlichen Ortsrand von Böddenstedt

Böddenstedt liegt zwischen Hamburg und Hannover inmitten der Lüneburger Heide etwa 11 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Uelzen.

Der bei Holxen in die Hardau mündende Stahlbach entspringt südwestlich von Bahnsen in einem Ausläufer des Lüßwaldes (Bahnser Bruch) und wird kurz vor Böddenstedt von dem im Böddenstedter Bruch entspringenden Wehrbach gespeist. Der historisch überlieferte und eigentliche Name des Stahlbachs lautet Böddenstedter Aue oder Böddenstedter Bach.Heinrich Daniel Andreas Sonne (1830): Beschreibung des Königreichs Hannover Band 4, München: Verlag der Cotta’schen Buchhandlung, S. 213 Er durchfließt das Dorf am südlichen Rand von West nach Ost, passiert hierbei den Mühlenteich und die bis 1970 betriebene Wassermühle und wird von Fischteichen und eher flacheren Wiesen- und Weidengebieten begleitet. Weiter nordwestlich erstreckt sich das 398 ha große Naturschutzgebiet Mönchsbruch.

Geschichte Name Urkundlich wird Böddenstedt als villa budenstide erstmals im Jahre 1197 n. Chr. im Bremischen Urkundenbuch erwähnt,Bremisches Urkundenbuch I, Nr. 81. wonach das St. Willehadi-Capitel zu Bremen dem Kloster Walsrode die ihm vom Grafen Hermann († 1086) aus dem Geschlecht der Billunger geschenkten Güter im Lüneburgischen verkauft.Jürgen Udolph: Zuflüsse zur unteren Elbe. (Von Seege und Stecknitz bis zur Mündung) (= Hydronymia Germaniae. Reihe A, Bd. 16). Steiner, Stuttgart 1990, ISBN 3-515-05741-2, S. 51. Demnach muss das Dorf bereits vor 1086 gegründet worden sein. Weitere Schreibweisen waren Bodenstide (1226), Bodenstede (1233) und Boddenstede (1594).

Anders als lange vermutet, bezieht sich der Name Böddenstedt laut Prof. Wolfgang Meibeyer wohl nicht auf die Gründung der Stätte (-stede) eines Bodo. Vielmehr kann angenommen werden, dass sich der Name auf die Funktion des Ortes als Versorgungsort einer benachbarten Villikation bezieht. Böddenstedt könnte also im Zeitalter karolingischen Königtums gegründet und der Villikation Gerdau zugeordnet gewesen sein, zu dessen Parochie es bis heute gehört und die Funktion eines Speichers (im Sinne von Dachboden oder Kornboden) erfüllt haben.Wolfgang Meibeyer, Wilhelm Westermann (2021): Flurgenese und Agrarreformen in der Lüneburger Heide am Beispiel des Dorfes Böddenstedt im Landkreis Uelzen, Beiträge zur Kulturgeschichte der Lüneburger Heide 11, PD-Verlag GmbH & Co. KG, ISBN 3867078491

Frühgeschichte Wann sich die ersten Menschen in Böddenstedt niedergelassen haben, ist nicht genau bekannt. Zahlreiche Urnenfunde und Hügelgräber aus der Älteren Bronzezeit (um 1600 v. Chr.) sowie ein mitten im Ort liegender Schälchenstein (um 800 v. Chr.) deuten auf eine frühzeitliche Besiedlung der Gegend hin. 2019 wurde in der Umgebung des Dorfes außerdem eine Fibel aus karolingischer Zeit (um 800 n. Chr.) gefunden, von denen laut dem Uelzener Kreisarchäologen Fred Mahler in Europa nur neun weitere bekannt seien.Bedeutender Fund bei Böddenstedt: 1200 Jahre alte Spange lag auf Acker Abgerufen am 30. November 2022

Mittelalter mini|Wassermühle am Stahlbach mini|links|hochkant=0.5|Wappen derer von Böddenstedt

Seit dem Jahre 1200 ist die Existenz einer Wassermühle belegt. Bis ins 15. Jahrhundert war die ministerialadlige (Knappen-)Familie derer von Böddenstedt (Bodenstede) vor Ort ansässig. Urkundlich belegt ist etwa, dass die Brüder und Knappen Johann und Heinrich von Böddenstedt (Johannes et Hinricus de Bodenstede) dem Kloster Oldenstadt im Jahre 1321 das Recht verkaufen, Schweine in den Wald bei Böddenstedt zu treiben.Dieter Brosius (2022): Urkundenbuch des Klosters Oldenstadt: Lüneburger Urkundenbuch, 11. Abteilung, S. 55 Im Jahre 1358 kaufen Dietrich und Heinrich von Böddenstedt außerdem einen Wüsthof mit Waldanteil und eine Tonne Bier von der Familie von Meltzing.Thomas Vogtherr (1983): Wirtschaftlicher und sozialer Wandel im Lüneburger Landadel während des Spätmittelalters, in: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen: XXIV Untersuchungen zur Standesgeschichte Niedersachsens, Hildesheim, S. 103

Der privilegierte Herrenhof soll auf dem gesamten, westlich der heutigen Mühlenstraße angrenzenden Areal gelegen haben. Dies geht aus Untersuchungen des Geographen Wolfgang Meibeyer hervor. In der Tat tauchten im Bereich der angrenzenden Hofstellen bei Erdarbeiten Scherben aus der Zeit um 900 n. Chr. auf.

Mit dem ausgehenden 15. Jahrhundert verliert sich die Spur der Edelleute, bis im Jahre 2021 in der Böddenstedter Feldflur ein Siegelstempel des Hans (Johannes) von Bodenstede gefunden wird. Hans von Bodenstede war Vikar in Uelzen und ist im Uelzener Urkundenbuch zwischen 1398 und 1443 bezeugt.Böddenstedter Adelshof entdeckt Abgerufen am 10. November 2022

Im 14. Jahrhundert waren in Böddenstedt außerdem Vertreter des Adelsgeschlechts von Störtenbüttel ansässig. Urkundlich belegt ist etwa, dass die Tochter des Kersten von Störtenbüttel († 1395), Beke, einen unehelichen Sohn mit dem Böddenstedter Einwohner Conrad Techmann (Cunrado Techeman) zeugte.Urkunde zur Pflegschaft über Güter und Kinder des verstorbenen Kersten Störtenbüttel gegenüber der Tochter des Verstorbenen, Beke Abgerufen am 1. Dezember 2022

Frühe Neuzeit mini|Böddenstedt in der Kurhannoverschen Landesaufnahme (um 1773)

Als 1550 die Pest in der Hansestadt Uelzen grassierte und ein Viertel der Stadtbevölkerung verstarb, legte Heinrich von Meltzing, damaliger Hauptmann von Bodenteich, in den pestfreien Dörfern Böddenstedt und Suderburg amtliche Waagen an (eigentlich ein Stadtprivilegium). Da beide Orte an der wichtigen Heerstraße von Hamburg nach Braunschweig (Hessenkarrenweg) lagen, konzentrierte sich der regionale Handel fast zwanzig Jahre lang in diesen beiden Orten. Erst im Jahre 1569 wurde dem Treiben auf Bitten der mittlerweile pestfreien Stadt Uelzen durch die Herzöge Heinrich und Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg ein Ende bereitet. Zu dieser Zeit bestand Böddenstedt aus elf Vollhöfen, drei Halbhöfen und acht Katen. Die Höfe waren verschiedenen Grundherren gegenüber abgabe- und dienstpflichtig. Dies waren unter anderem die Grafen von Schwerin, die von Estorff, von der Wense und von Weyhe-Eimke.

In Böddenstedt befand sich zudem ein Holzgericht (Holting tho Boddenstede), dessen Aufgabe in der Regelung örtlicher Rechtsangelegenheiten bestand und das sich laut Amtsregister von 1569 auf die Orte Gerdau, Holthusen, Bargfeld, Bohlsen, Bahnsen sowie die bei Groß Süstedt gelegene Klintmühle erstreckte.

Moderne mini|links|Alte Schule (von 1809) im historischen Ortskern

Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert eröffneten in Böddenstedt einige Handwerksbetriebe, wie die Stellmacherei Drögemüller (1774) oder die Tischlerei Stolte (1802).

Vor der Gründung des Königreichs Hannover fiel die Region zwischen 1807 bzw. 1810 und 1814 kurzzeitig an das neu gegründeten Königreich Westphalen. In dieser Zeit wurde der Stellmachermeister Jürgen Drögemüller zum Maire ernannt. Sein Adjunkt wurde der Müllermeister Johann Krüger.

Im Jahre 1815 beantragte Böddenstedt eine Verkoppelung durchzuführen, die ab 1818 mit einer Spezialteilung (Festlegung der Grenzen mit den Nachbarorten) beginnend umgesetzt wurde. Am 17. März 1818 wurde Gustav UffenordeDer für den „Lüneburger Distrikt“ verantwortliche Kommissar, Gustav Uffenorde aus Süschendorf bei Dahlenburg wurde 1816 mit 31 Jahren bestellt und hat nach eigenen Aussagen die Hälfte der Verfahren im Fürstentum Lüneburg geleitet. nach Antrag der Gemeinde Böddenstedt mit der Gemeinheitsteilung (Aufteilung der Weiden-, Wiesen und Ackerflächen) und Verkoppelung beauftragt. Die Vermessung und Kartierung des Dorfes erfolgte in den nächsten drei Jahren durch Ernst LudewigErnst Ludewig war der Verantwortliche für das gesamte „Teilungsgeschäft“ vor Ort. Ludewig wurde später als Nachfolger von Uffenorde zum Landesökonomie Kommissar ernannt und war von 1830 bis 1840 Sekretär des Provinzialvereins in Uelzen.. Er erstellte bis 1823 eine Karte, in welcher der Zustand vor der Verkoppelung, wie auch der Plan nach der Verkoppelung eingezeichnet sind. Eine Kopie dieser Karte befindet sich heute im Besitz der Dorfgemeinschaft Böddenstedt.

mini|Gemischtwarenladen Drögemüller in Böddenstedt (1950er Jahre)

1848 eröffnete die Schmiede Brese. Der Stellmachermeister und Kirchenvorsteher Heinrich Drögemüller erhielt 1853 von der königlichen Landdrostei ferner die „Concession zur Landkrämerei“ und eröffnete einen Kolonialwarenladen. Weiterhin wurden 1872 eine Schank- und Gastwirtschaft, 1886 das Baugeschäft Cohrs und 1890 die Zimmerei Cohrs/Schenk gegründet. Der Vollhöfner Stolte betrieb seit 1892 eine Kornbrandwein-Brennerei. 1894 wurde zudem eine Posthilfstelle im Hause Drögemüller eröffnet, in der sich nach Einrichtung einer Telegraphenhilfstelle ab 1905 das erste Telefon des Dorfes befand. 1929 wurde die Posthilfstelle in eine Postelle II umgewandelt.

1921 wurde am Ortsausgang in Richtung Uelzen ein Ehrenmal für die zwölf im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Böddenstedt errichtet. Der Zweite Weltkrieg forderte 26 Opfer, darunter Tote und Vermisste. Außerdem kamen gegen Ende dieses Krieges am 4. April 1945 beim Abwurf britischer Sprengbomben sechs Dorfbewohner und ein französischer Kriegsgefangener ums Leben, die am südlichen Ortsrand von Böddenstedt auf dem Acker gearbeitet haben.Tilman Grottian: Geschichte der Gemeinde Suderburg. Festschrift zum 1000-jährigen Jubiläum im Jahr 2004. Edition Anderweit, Suderburg-Hösseringen 2004, ISBN 3-931824-33-0.

Nachkriegszeit mini|Findling in der Dorfmitte

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl Böddenstedts aufgrund der Flüchtlingsströme auf 843 (davon 357 Einheimische) an.Martin Schwind: Der Landkreis Uelzen (Regierungsbezirk Lüneburg). Landeskundlich-statistische Kreisbeschreibung als Grundlage für Verwaltung und Landesentwicklung (= Veröffentlichungen der Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft zum Studium Niedersachsens e. V. und des Niedersächsischen Amtes für Landesplanung und Statistik, Hannover-Göttingen. Reihe D: Die deutschen Landkreise. Handbuch für Verwaltung, Wirtschaft und Kultur. Die Landkreise in Niedersachsen. Bd. 2, ). Walter Dorn, Bremen-Horn 1949. Zu dieser Zeit gab es vor Ort drei Dorfläden sowie ein Gasthaus mit Bäckerei und einen Schlachter.

1946 hat die Firma Wintershall auf der Suche nach Ölvorkommen mehrere bis zu 3300 Meter tiefe Bohrungen in der Feldmark durchgeführt, die jedoch alle ergebnislos verlaufen sind. Ebenso ergebnislos verlief das Vorhaben des Unternehmens Dr. Oetker zur Errichtung einer Puddingfabrik am Rande Böddenstedts, das von der Bevölkerung abgelehnt wurde. Stattdessen entstand in dem Waldgebiet nördlich des Dorfes in den 1960er Jahren die Wochenendsiedlung Ortheide, die vor Ort auch „Hamburger Siedlung“ genannt wird, da sie viele Familien aus Hamburg anzog. Mittlerweile hat diese Siedlung insofern ihren Charakter gewandelt, als viele Bewohner dauerhaft dort leben.

Am 1. Juli 1972 wurde Böddenstedt in die Gemeinde Suderburg eingegliedert. Die Protestanten von Böddenstedt gehören wiederum zum Einzugsbereich der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Gerdau mit der St. Michaeliskirche.

1991 gewann Böddenstedt den Bundeswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden.