Edgar Wunder (* 31. Oktober 1969 in Nürnberg) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler, Geograph und Politiker (Die Linke).
Leben Wunder studierte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Geographie und Geologie und schloss 1999 mit einer Magisterarbeit zu einem familien- und religionssoziologischen Thema ab. 2004 promovierte er mit „summa cum laude“ zum Thema „Religion in der postkonfessionellen Gesellschaft“,Edgar Wunder: Religion in der postkonfessionellen Gesellschaft. Stuttgart 2005. einer Studie zu Säkularisierungsprozessen und religiösem Wandel in der Moderne. Daraufhin war er an der Universität Heidelberg, der Ruhr-Universität Bochum, der Goethe-Universität Frankfurt/Main, der Friedrich Schiller-Universität Jena und der Karl-Franzens-Universität Graz in Forschung und Lehre tätig. Von 2021 bis 2025 war er wissenschaftlicher Referent am Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD in Hannover und dort für die Koordination von KirchenmitgliedschaftsuntersuchungenGerhard Wegner: Der Kredit der Distanzierten. Seit einem halben Jahrhundert befragt die Evangelische Kirche in Deutschland ihre Mitglieder. als repräsentativen Bevölkerungsumfragen zuständig. Seit 2025 arbeitet er im Referat für Strategische Planung des EKD-Kirchenamts für die Evangelische Kirche in Deutschland.Dr. Edgar Wunder, Sozialwissenschaftliches Institut der EKD
Edgar Wunder lebt in Langenhagen bei Hannover, ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Forschung Wunders Arbeiten als Sozialwissenschaftler konzentrieren sich auf vier Schwerpunkte: Religionssoziologische Studien (u. a. Kirchenentwicklung, Säkularisierung, Spiritualität und andere schwach institutionalisierte Sozialformen von Religion, Zusammenhänge zwischen Religion und Wertorientierungen).Sozialwissenschaftliches Institut der EKD, Wie hältst du's mit der Kirche? Zur Relevanz von Religion und Kirche in der pluralen Gesellschaft.Edgar Wunder: Mehr Taufen in Frankreich, steigender Kirchgang in England? Er war von 2005 bis 2024 Sprecher des Arbeitskreises Religionsgeographie der Deutschen Gesellschaft für Geographie.Arbeitskreis Religionsgeographie Konflikte zwischen orthodoxen und heterodoxen Systemen des Wissens in Wissenschaft, Politik und Religion (u. a. Buch „Clashes of Knowledge“). Räumliche Verteilung und Dynamik sozialer Ungleichheit, insbesondere innerhalb von Städten, im Rahmen von Studien zur Stadt- und Regionalentwicklung.Ruhr-Universität Bochum: .Edgar Wunder: Soziale Milieus. Demokratiequalität und Bürgerbeteiligung unter besonderer Berücksichtigung direktdemokratischer InstrumenteEdgar Wunder: Bürgerbegehren und Bürgerentscheide in Baden-Württemberg. Eine Evaluation zu den Neuregelungen seit 2015Edgar Wunder: Bürgermeisterwahlen in Baden-Württemberg.Edgar Wunder: Analyse des Bürgerentscheids in Steinheim am Albuch. Er ist u. a. Autor des „Bürger-Handbuchs zur erfolgreichen Durchführung von Bürgerbegehren und Bürgerentscheiden“.Edgar Wunder: Bürger-Handbuch zur erfolgreichen Durchführung von Bürgerbegehren und Bürgerentscheiden.
Wunder veröffentlichte auch eine größere Zahl naturwissenschaftlich-astronomischer Forschungsarbeiten,NASA/Smithsonian Astrophysical Observatory: Liste astronomischer Publikationen von Edgar Wunder. vor allem zu pulsationsveränderlichen SternenEdgar Wunder: New Results on the high amplitude Delta Scuti star BE Lyn.Edgar Wunder: Investigations on the nature of 6 suspected or hardly known variables in Equuleus.Edgar Wunder: A 9-year Blazhko modulation period in V Equulei – the longest Blazhko period discovered yet in RR Lyrae stars.. Von 1992 bis 1998 war er Vorsitzender der Bundesdeutschen Arbeitsgemeinschaft für Veränderliche Sterne (BAV).Die BAV stellt sich vor. Der Kleinplanet (3825) „Nürnberg“ wurde auf Initiative von Wunder nach seinem Geburtsort benannt.
Anomalistik Wunder gehörte 1987 zu den Gründern der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und war bis 1998 Redaktionsleiter der GWUP-Zeitschrift Der Skeptiker. 1999 trat er wegen zunehmender Differenzen aus der GWUP ausChristoph Drösser: Grabenkämpfe. Die Skeptiker gebärden sich wie eine Politsekte. In: Die Zeit. 05/1999.Zum 'Rauswurf' von Edgar Wunder aus der GWUP, GWUP Stellungnahme, die er im Aufsatz Das Skeptiker-Syndrom darlegteEdgar Wunder: Das Skeptiker-Syndrom.. Seitdem tritt er als Kritiker der GWUP und der Skeptikerbewegung aufEdgar Wunder: Das Skeptiker-Syndrom im Rückblick: 22 Jahre später.Edgar Wunder: Antwort auf Kommentare zum Skeptiker-Syndrom.
1999 gründete er die Gesellschaft für Anomalistik (GfA), deren Vorstand er bis 2019 angehörte, bis 2010 auch als Redaktionsleiter der Zeitschrift für Anomalistik.Gesellschaft für Anomalistik
Er ist ein in den Medien häufig zitierter kritischer Experte zu den Thema Anomalistik, Aberglaube und Esoterik Bayern 2 Radiowissen vom 14. Februar 2008.Mythos Mond 3sat Nano vom 9. Juli 2009.Siegeszug der Mondkalender. In: Die Zeit. 15. November 2010.Moderne Mythen: Aber heute ist doch... In: Die Zeit. 13. April 2007.Drei Unglückstage in einem Jahr. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Januar 2012..
Politik Wunder war 1990 an der Gründung des Bündnis 90 beteiligt, das 1993 in der Partei Bündnis 90/Die Grünen aufging. Dort trat er im Jahr 2000 aus und 2005 der WASG bei, die 2007 zur Partei Die Linke fusionierte. Von 2009 bis 2024 war er Kreisrat im Rhein-Neckar-Kreis, Fraktionsvorsitzender der Linken und zuletzt auch einer der Stellvertreter von Landrat Stefan Dallinger im KreistagKreistag Rhein-Neckar-Kreis, sowie Gemeinderat in Edingen-Neckarhausen, zuletzt für die Offene Grüne Liste (OGL)Gemeinderat Edingen-Neckausen. Er gehörte von 2009 bis 2015 dem Landesvorstand der Partei Die Linke Baden-Württemberg an und wurde von 2010 bis 2013 in das Präsidium des Bundesparteitags der Linken gewählt. Heute hat er keine parteipolitischen Ämter oder Mandate mehr.
Seit 2011 gehört Edgar Wunder dem Landesvorstand von Mehr Demokratie e. V. in Baden-Württemberg anMehr Demokratie e. V. Landesverband Baden-Württemberg, seit 2015 als LandesvorsitzenderLandtag von Baden-Württemberg. Er koordinierte den ersten Bürgerentscheid in Heidelberg, mit dem 2008 eine geplante Privatisierung städtischer Sozialwohnungen verhindert wurde. Dafür wurde er mit der Demokratierose 2009 ausgezeichnet, einem Preis für vorbildliches bürgerschaftliches Engagement. Pressemitteilung der Stadt Heidelberg vom 19. Mai 2009. Bei der Volksabstimmung über Stuttgart 21 im Jahr 2011 gehörte er zu den leitenden Organisatoren der Landeskampagne für ein Ja zum Ausstieg aus Stuttgart 21. Webseite Landesbündnis „Ja zum Ausstieg“Volksentscheid: Stuttgart-21-Gegner wollen Quorum nicht akzeptieren. In: Badische Zeitung. 19. September 2012. Er war an etwa 500 Bürgerbegehren und Bürgerentscheiden als Berater von Bürgerinitiativen oder Kommunalverwaltungen beteiligt und gilt als ausgewiesener Experte auf diesem GebietRhein-Neckar-Zeitung: Vortrag von Edgar Wunder in EberbachTeckbote: Vortrag von Edgar Wunder in Kirchheim. Bei zahlreichen Bürgerbegehren fungierte er als Vertrauensperson (z. B. in Heidelberg 2020 zum Standort des Landesankunftszentrums für GeflüchteteBürgerentscheid gegen die Verlagerung des Ankunftszentrums für Flüchtlinge in Heidelberg an den Standort Wolfsgärten, in Stuttgart 2021 zur Durchführung des Klimaschutz-BürgerratsUnterschriftensammlung zum Klima-Bürgerrat StuttgartStuttgart richtet Bürgerrat Klima ein, in Hirschberg an der Bergstraße 2020 und Wilhelmsfeld 2021 gegen die Bebauung von GrünflächenBürgerbegehren Wilhelmsfeld), als Moderator von BürgerversammlungenBürgerversammlung zum Bürgerentscheid in NeuweilerBürgerversammlung zum Bürgerentscheid in OberreichenbachBürgerversammlung zum Bürgerentscheid in Bräunlingen oder er intervenierte durch StellungnahmenEdgar Wunder zum Bürgerentscheid OberkirchEdgar Wunder zu Bürgerentscheiden in der Region StuttgartEdgar Wunder zum Bürgerbegehren SchömbergEdgar Wunder zu Verbesserungsbedarf bei BürgerbegehrenEdgar Wunder kritisiert Verhinderungspolitik bei Bürgerbegehren auf Landkreisebene. An mehreren Gesetzgebungsverfahren zu den gesetzlichen Grundlagen von Bürgerbeteiligung wirkte er durch Gutachten und Anhörungen mitLandtag von Nordrhein-Westfalen: Anhörung zur Bürgerbegehrensreform 2011Landtag von Baden-Württemberg: Anhörung zum Gesetzentwurf der FDP zu Bürgerbegehren auf LandkreisebeneLandtag von Baden-Württemberg: Anhörung zum Demokratiestärkungsgesetz der AfD. In der Hochschullehre führt er regelmäßig Seminare und Exkursionen zum politischen System der Schweiz durchVerzeichnis der Lehrveranstaltungen von Edgar Wunder an der Universität Heidelberg.
Veröffentlichungen
Revised elements and light curve for LS Del. In: Information Bulletin on Variable Stars No. 3406, Budapest 1989. New results on the high amplitude Delta Scuti star BE Lyn. In: Information Bulletin on Variable Stars No. 3791, Budapest 1992. Geburtshelfer Mond? Zum paranormalen Überzeugungssystem des Lunatismus und seiner empirischen Überprüfung. In: Skeptiker. 8, 1995, S. 7–14 und 51–57. mit T. Klein: Regionale Disparitäten und Konfessionswechsel als Ursache konfessioneller Homogamie. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. 48, 1996, S. 96. mit T. Klein: Altenheimbewohner in Deutschland: Sozialstrukturelle Charakteristika und die Wahl des Heims. In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie. 30, 1997, S. 54–67. mit Dieter B. Herrmann: Astronomisches Wissen und astrologischer Glaube – gibt es Zusammenhänge? In: Sterne und Weltraum. 37, 1998, S. 732–735. On the relationship between urbanisation and the spread of popular belief systems. In: Correlation. 20 (1), 2001, S. 37. Die Wahrnehmung der Struktur der deutschsprachigen UFO-Szene: eine multidimensionale Skalierung von Expertenurteilen. In: Zeitschrift für Anomalistik. 1, 2001, S. 75. mit Michael Schardtmüller: Moduliert der Mond die perioperative Blutungsgefahr und andere Komplikationsrisiken im Umfeld von chirurgischen Eingriffen? In: Zeitschrift für Anomalistik. 2, 2002, S. 91–108. Erfahrung, Wissen, Glaube – ihr Beziehungsgeflecht bezüglich der Astrologie. In: Zeitschrift für Anomalistik. 2, 2002, S. 275–287. Self-attribution, sun-sign traits, and the alleged role of favorableness as a moderator variable: Long-term effect or artefact? In: Personality and Individual Differences. 35, 2003, S. 1783. Die Folgen von „Freitag, dem 13.“ auf das Unfallgeschehen in Deutschland. In: Zeitschrift für Anomalistik. 3, 2003, S. 47–55. Das Wünschelrutenexperiment des Hans von Zeppelin. Ein Evaluierungsbericht. In: Zeitschrift für Anomalistik. 3, 2003, S. 231–250. Was geschieht in Deutschland mit der Religion? In: Berichte zur deutschen Landeskunde. 78, 2004, S. 167. UFO-Sichtungserfahrungen als potenzielle Begegnungen mit maximal Fremden. Einige wissenssoziologische Überlegungen. In: M. Schetsche (Hrsg.): Der maximal Fremde. Begegnungen mit dem Nichtmenschlichen und die Grenzen des Verstehens. Ergon-Verlag, Würzburg 2004, S. 57–74. Religion in der postkonfessionellen Gesellschaft. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08772-9. Die Welt der Astrologen. In: Astronomie heute Juni. 2005, S. 22–29. mit Haiko Lietz, Matteo Leone und Jochen Ickinger: Die Diskussion um UFOs aus natur- und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Gesellschaft für Anomalistik, Heidelberg 2006, ISBN 3-937361-07-3. Religionen – Schmieröl im Kampf der Kulturen? In: Geographie und Schule. 28, 2006, S. 15–19. Thesen und Argumente zur Astrologie. Gesellschaft für Anomalistik, 2007. Grenzgänger zwischen säkularen und religiösen Welten: Außerirdische als rationalisierte Engel. In: M. Ebertz (Hrsg.): Engel unter uns. Soziologische und theologische Miniaturen. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2008, S. 179–187.