mini|Die Marienkirche in der Altstädter Fußgängerzone St. Marien oder Marienkirche ist die römisch-katholische Stadtkirche in der Altstadt der kreisfreien Stadt Hof. Sie wurde 1864 erbaut, ist die katholische Hauptkirche Hochfrankens und befindet sich im nordöstlichsten Dekanat des Erzbistums Bamberg, im bayerischen Vogtland. In unmittelbarer Nachbarschaft verläuft die Grenze zu Thüringen, Sachsen und Tschechien. Nach der Grenzöffnung im November 1989 bildeten sich mit den römisch-katholischen Partnerpfarreien in Plauen und Weida die aus dem Mittelalter herrührenden kulturellen Bezüge neu.

Die Marienkirche und ihr geschlossen neugotisches Inventar stehen einschließlich der romantischen mechanischen Kegelladen-Orgel unter Denkmalschutz.Liste der Bayerischen Denkmäler Nr. D-4-64-000-97. St. Marien ist neben der St.-Hedwigs-Kathedrale zu Berlin Gedenkstätte des seligen Dompropstes und Märtyrers unter dem Nationalsozialismus, Bernhard Lichtenberg. Die Kirche wurde an der Stelle eines Pilgerhospizes auf dem Jakobsweg erbaut. Als einer der Kirchenmusikstandorte in Oberfranken ist sie Veranstaltungsraum zahlreicher KonzerteFrauenkirchenkantor Matthias Grünert an der Steinmeyer-Orgel der Hofer Marienkirche auf YouTube. und Uraufführungen Neuer Musik.Ludger Stühlmeyer: Curia sonans. Die Musikgeschichte der Stadt Hof. 2010, S. 380–382.

Die Marienkirche gehört zum Dekanat Hof und zum Seelsorgebereich Hofer Land. Sie ist Teil der 2017 gegründeten Pfarrei Bernhard Lichtenberg Hof. Als offene Kirche ist sie täglich zwischen 8:00 Uhr und 18:00 Uhr frei zugänglich.

Geschichte Kirchen und Klöster im Mittelalter bis zur Reformation Hof oder Curia Variscorum wurde erstmals im 4. Jahrhundert nach Christus erwähnt.Lea Stühlmeyer (Hrsg.): Hof ist bunt, DeBehr, Radeberg 2012, S. 75. Der Bereich der heutigen Stadt Hof lag zur Zeit der Bamberger Bistumsgründung 1007 durch Kaiser Heinrich an der nordöstlichen Grenze des Bistums Würzburg, das sich zu dieser Zeit über ganz Franken erstreckte, und der südlichen Grenze des Bistums Naumburg. Der mittelalterliche Name der Stadt Hof, Curia Regnitzi, vermittelt zwei Informationen über die Stellung und Bedeutung der Ursiedlung. Curia steht nicht für einen einzelnen Hof, sondern für einen Gebäudekomplex im Königsland, der sowohl weltliches als auch geistliches Zentrum des Verwaltungsbezirkes war. Rekka (slawisch für Fluss) leitet sich von den beiden Saale-Zuflüssen ab.Enno Bünz: Das Regnitzland um Hof im Hochmittelalter. In: Josef Urban: Das Bistum Bamberg um 1007. 2006, S. 204.Ludger Stühlmeyer: Curia sonans. Die Musikgeschichte der Stadt Hof. 2010, S. 12 f.

mini|hochkant|Ansicht vom Sonnenplatz mini|hochkant|Ansicht von der Kreuzsteinstraße

Für 1080 wird der Bau einer Kapelle auf dem Klausenberg an der Saale vermutet. Aus dem Jahr 1214 (Fest der heiligen Katharina von Alexandrien) datiert der erste urkundliche NachweisStaatsarchiv Bamberg, Bamberger Urkunden Nr. 467. der Großpfarrei Hof. Ihre Ausdehnung von ungefähr 30 Kilometern im Radius entsprach in etwa der des heutigen Landkreises Hof. Die Pfarrkirche St. Lorenz (zwischen 1180 und 1214 erbaut) gilt als Mutterkirche Hochfrankens und besteht, infolge von Zerstörungen durch Krieg und Brand mehrmals umgebaut, bis heute. Die ebenfalls noch bestehende St.-Michaelis-Kirche geht zurück auf einen Kapellenbau von 1230; sie wurde im 14. Jahrhundert zur dreischiffigen Hallenkirche ausgebaut und übernahm in der Folgezeit die Funktion der Hofer Hauptpfarrkirche.

Um 1180 entstand in der heutigen Altstadt, Ecke Kreuzsteinstraße, in direkter Nachbarschaft zur heutigen Marienkirche, die St.-Niclas- oder St.-Nikolaus-Kirche, über deren Aussehen jedoch keine Erkenntnisse vorliegen. Aufgrund ihrer Lage an einer Durchgangsstraße wurde sie regelmäßig von Reisenden und Pilgern besucht. Ende des 13. Jahrhunderts wurde beim damals außerhalb der Stadtmauern gelegenen Hospital am Unteren Tor die Hospitalkirche erbaut.Ernst Dietlein: Chronik der Stadt Hof. Band 4: Kirchengeschichte. 1955, S. 2 f.Enno Bünz: Das Regnitzland um Hof im Hochmittelalter. In: Josef Urban: Das Bistum Bamberg um 1007. 2006, S. 216.Arnd Kluge: Das Mittelalter. In: Kleine Geschichte der Hofer Region. Hof 2010, S. 75 f.

1287 erfolgte die Stiftung des Klarissenklosters durch den Vogt von Weida mit einer 1288 gewährten Begnadung durch Papst Nikolaus IV. und 1292 entstand das Franziskanerkloster Zum Heiligen Kreuz.Luitgar Göller: 1000 Jahre Bistum Bamberg. Bamberg 2007, S. 165, S. 185. Die Klöster waren der sächsischen Ordensprovinz zugeordnet. In der Klosterkapelle ist bereits 1376 der Bau einer gotischen Schwalbennestorgel bezeugt. Damit gehört Hof zu den frühen nachweisbaren Orgelbaustandorten in Bayern.Ludger Stühlmeyer: Curia sonans. Die Musikgeschichte der Stadt Hof. 2010, S. 181 f. Die Liste der Äbtissinnen von Hof bietet einen Überblick der Äbtissinnen der Klarissen von der Neugründung Mitte des 14. Jahrhunderts bis zur Auflösung des Klosters Mitte des 16. Jahrhunderts.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war der Diplomat und Bamberger Domherr Hertnid von Stein leitender Pfarrer der Großpfarrei Hof und um 1485 wurde der Kirchenlieddichter Nikolaus Decius in Hof geboren. Sein Bruder war Guardian des Hofer Franziskanerklosters. 1487 errichtete man in Form einer Stiftung bei der Nikolauskirche für durchreisende Jakobspilger den Gasthof Zum Pilgrim, an dessen Stelle später die Marienkirche erbaut wurde.

Mit der Einführung der Reformation in Hof 1529 durch Nikolaus Medler und Kaspar Löhner wurden die Stadt und ihre Kirchen evangelisch. Die Nikolauskirche wurde 1542 als Kirche aufgegeben, in ihr entstand ein Kornlager. Infolge von Kriegseinwirkungen während der Belagerung von Hof im Markgräfler-Krieg brannte sie am 7. August 1553 nieder.Ernst Dietlein: Chronik der Stadt Hof. Band 4: Kirchengeschichte. 1955, S. 219, S. 553. Das Franziskanerkloster löste sich bald nach der Einführung der Reformation auf, das Klarissenkloster wurde 1564 aufgehoben. Dadurch erfuhr das katholische Leben für etwa 250 Jahre seinen vollständigen Niedergang.

Wiedererstehen der katholischen Gemeinde mini|hochkant|Inneres der Marienkirche um 1900

Die Stadtkirche verdankt ihre Erbauung der Tatsache, dass mit der Zuordnung der Stadt Hof und der Markgrafschaft Bayreuth zu Bayern Anfang des 19. Jahrhunderts katholische Arbeiter und Beamte aus Böhmen und dem Frankenwald in die Stadt zogen. Durch sie entstand nach dem Tod der letzten Äbtissin im Jahr 1564 erstmals wieder ein katholisches Gemeindeleben. 1820 lebten etwa 120 Katholiken in Hof und dem angrenzenden Umland. Für sie wurde zunächst eine kleine Hauskapelle im Zollamt zur Verfügung gestellt, die am 15. April 1820 von Pfarrer Deinzer aus Marienweiher geweiht wurde. Die seelsorgliche Betreuung übernahmen die Franziskaner des nahegelegenen Wallfahrtsortes Kloster Marienweiher. 1837 wurde eine Kuratie errichtet und dem Dekanat Stadtsteinach zugeordnet. Sie sollte der steigenden Anzahl an Gläubigen eine organisatorische Struktur geben.

Mit Pfarrkurat Johann Baptist Neuner erhielt Hof am 2. Dezember 1837 wieder einen eigenen katholischen Seelsorger. Von 1840 datiert die Gründung der katholischen Grundschule. Sie trug zur Neuordnung des Schulwesens bei, das in den vorangegangenen Jahrzehnten mit Klassenstärken bis zu 170 Kindern sehr angespannt gewesen sein musste. 1843 erwarb die wachsende katholische Gemeinde ein Grundstück in der Karolinenstraße, auf dem 1844 eine kleine Kirche errichtet wurde.Johannes M. Nolte: Das katholische Hof an der Saale einst und jetzt. 1929, S. 86 f.

Ende der 1850er Jahre war die Gemeinde auf 539 Katholiken angewachsen, so dass sich die Kapelle in der Karolinenstraße als zu klein erwies. Da sich Pfarrer Eichhorn erfolglos um den Erwerb der ehemaligen Klosterkirche bemüht hatte, entschloss sich die Gemeinde 1858 zum Bau einer Kirche im heutigen Stadtzentrum. Am 27. Mai 1860 wurde der Gasthof „Zur Sonne“ in der Altstadt zum Verkauf angeboten. Die Pfarrei erwarb das Anwesen für 9000 Gulden und hatte damit einen ausreichend großen Baugrund für den Kirchneubau. Die von Pfarrer Eichhorn entworfenen Pläne folgten dem Stilideal der Neugotik. Als man am 4. April 1864 mit dem Bau der Stadtpfarrkirche begann, stand dies im Kontext einer expandierenden Bautätigkeit in der ganzen Stadt. Aufgrund der stark wachsenden Einwohnerzahlen waren die Errichtung vieler neuer Gebäude und weitere städtebauliche Maßnahmen notwendig geworden. Die Kirche wurde dem Patronat der Gottesmutter und der erste Gottesdienst im fast vollendeten Gotteshaus am 2. Juni 1867 gefeiert. Der Marienkirche fehlten zu diesem Zeitpunkt noch beide Türme, das Gewölbe und der Hochaltar.Michael Gehringer: Das katholische Hof in Vergangenheit und Gegenwart. 1955, S. 4 f.

Das Pfarramt wurde 1868 in der Lorenzstraße errichtet und am 1. Mai desselben Jahres bezogen. Bis 1858 hatten die Priester in Hof zur Miete gewohnt. 1858 erwarb die Gemeinde das ehemalige Kriminalgerichtsgebäude am Schlossplatz (heute Schlossplatz 7) und baute es zum Pfarramt mit katholischer Schule um. Zehn Jahre später veräußerte die Pfarrei das Gebäude wieder.Ernst Dietlein: Chronik der Stadt Hof. Band 4: Kirchengeschichte. 1955, S. 466–468. Nachdem beide Kirchtürme erbaut waren, fand 1882 die Glockenweihe statt, und 1885 wurde die romantische Orgel der Firma Steinmeyer fertiggestellt. Nach Vollendung aller Baumaßnahmen wurde im Oktober 1891 die feierliche Konsekration der Marienkirche gefeiert.

20. Jahrhundert mini|hochkant|St. Marien von Norden mini|hochkant|Blick auf den Chorraum Von 1923 bis 1925 erfolgte die erste umfangreiche Außen- und Innenrenovierung der Marienkirche.

War die SPD aus den Wahlen des Jahres 1924 noch als stärkste Kraft in der Hofer Region hervorgegangen, wurde Hochfranken stärker als viele andere Bereiche in Deutschland vom Nationalsozialismus ergriffen. Als Motive hierfür gelten die krisenanfällige Porzellan- und Textilindustrie, die stark ausgeprägte Autoritäts- und Rechtsgesinnung des Hofer Bürgertums, der Protestantismus und die Schwäche der demokratischen Parteien. Bereits im Herbst 1933 stand die Bevölkerung mehrheitlich auf der Seite des Regimes.Arnd Kluge: Das Mittelalter. In: Kleine Geschichte der Hofer Region. 2010, S. 140. Bei der sofort eingeleiteten Gleichschaltung übernahm die Pfarrei ab 1934 das vom Kolpingverein geführte Katholische Vereinshaus und den Vereinseigenen Sportplatz in Moschendorf, um einer Beschlagnahme durch die NSDAP zu entgehen. Kritische katholische Stimmen gingen zwar auf Distanz, nach dem Anschluss des benachbarten Sudetenlandes 1938 schwand jedoch der Oppositionsgeist in der Region.Arnd Kluge: Das Mittelalter. In: Kleine Geschichte der Hofer Region. 2010, S. 142.

Durch stetigen Zuwachs der Anzahl der Katholiken in den Orten des Landkreises wurden neue katholische Pfarrgemeinden und Kuratien gegründet. So entstand mit den Kirchen in Hof, Bad Steben, Enchenreuth, Helmbrechts, Münchberg, Naila, Oberkotzau, Regnitzlosau, Rehau, Schwarzenbach an der Saale, Schwarzenbach am Wald, Schauenstein, Selbitz und Sparneck das am 11. März 1937 gegründete katholische Dekanat Hof.

Im Zweiten Weltkrieg blieb die Marienkirche bei den ersten und einzigen Luftangriffen auf Hof im April 1945 unversehrt.

Gab es vor 1933 etwa 6.000 Katholiken in Hof, stieg die Zahl nach Kriegsende auf über 13.000. Für zahlreiche in Hof ansässig gewordene Vertriebene des Zweiten Weltkriegs wurden die Filialkirchen St. Otto und St. Johannes Nepomuk errichtet.