Die zwölfte Nachtstunde in der Morgendämmerung bezeichnete im Alten Ägypten einerseits die letzte Stunde der Nacht und andererseits die letzte Stunde des altägyptischen Tages. Sie wurde durch den Sonnenaufgang, der die erste Tagesstunde im altägyptischen Kalender markierte, beendet.
Mythologisch stand die zwölfte Nachtstunde seit dem Mittleren Reich unter der Schirmherrschaft von Isis und Sopdet, Göttinnen über das Licht und die Finsternis. Die zwölfte Nachtstunde symbolisierte insbesondere die Zeit der heliakischen Dekan-Aufgänge als Geburtsstunde der Baktiu:
In der zwölften Nachtstunde und damit der letzten Stunde des alten Jahres, am fünften Tag der Heriu-renpet, erfolgte außerdem der heliakische Aufgang des Sirius, Stern der Göttin Sopdet. Mit dem kurz danach beginnenden Sonnenaufgang schloss sich die Neujahrsfeier des Sopdet-Festes für den ersten Tag des Jahres an.
Seit der Spätzeit hatte die Göttin Nebet-seschep als Herrin des Lichts die Funktionen von Isis und Sopdet übernommen. Aus den Inschriften des Naos der Dekaden geht hervor, dass die astrologische Wirksamkeit des jeweiligen Dekansternbildes einer Dekade mit der heliakischen Kulmination in der zwölften Nachtstunde beginnt.
Siehe auch Stundengottheiten Wenut
Literatur Christian Leitz: Altägyptische Sternuhren. Peeters, Leuven 1995, ISBN 90-6831-669-9. Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne. Das sogenannte Nutbuch (= Carsten Niebuhr Institute Publications. Band 31 / The Carlsberg Papyri. Band 8). The Carsten Niebuhr Institute of Ancient Eastern Studies u. a., Kopenhagen 2007, ISBN 978-87-635-0406-5.
Kategorie:Ägyptischer Kalender (Altertum) Kategorie:Astronomie im Alten Ägypten Kategorie:Geschichte der Zeitmessung