Die Legionäre Christi (offiziell Kongregation der Legionäre Christi, Ordenskürzel LC) sind eine römisch-katholische Kongregation päpstlichen Rechts von Priestern und Ordensbrüdern, die 1941 von dem Seminaristen Marcial Maciel (1920–2008) in Mexiko gegründet und bis 2004 von ihm geleitet wurde. Seit den 1940er Jahren kam es zu zahlreichen Fällen sexuellen Missbrauchs durch den Ordensgründer. Marcial Maciel wurde fast bis zu seinem Lebensende vom Vatikan protegiert. Die Ordensgemeinschaft gilt als „erzkonservativ“Gottes Geldeintreiber. sueddeutsche.de, 7. April 2010. und mit einem 2016 geschätzten Vermögen von 43,6 Milliarden US-Dollar als einer der reichsten Orden überhaupt. Wie die ebenfalls von Maciel gegründete Laienorganisation Regnum Christi arbeiten die Legionäre Christi in der Kinder-, Jugend- und Familienseelsorge sowie im katholischen Bildungswesen, der Orden betreibt Schulen, Universitäten, Knaben- und Priesterseminare.

Verbreitung Die Legionäre Christi sind in 21 Ländern vertreten (Stand 2020): Argentinien, Brasilien, Chile, Deutschland, Ecuador, El Salvador, Frankreich, Irland, Israel, Italien, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Österreich, Philippinen, Polen, Spanien, Südkorea, Ungarn, Venezuela und die USA.Legionäre Christi. regnumchristi.eu

Laut päpstlichem Jahrbuch 2006 gehörten der Gemeinschaft 1917 Mitglieder an, davon 642 Priester. 2012 zählte die Kongregation weltweit noch etwa 400 Priester und 2200 Seminaristen, wobei auch die Kinder mitgezählt wurden, die die Knabenseminare des Ordens besuchen.Geschichte: Legionäre Christi (LC). ordensgemeinschaften.at, 14. November 2012. Der durch den Skandal um den Gründer seit 2009 verursachte Mitgliederrückgang soll mittlerweile wieder aufgefangen sein.So wollen die Legionäre Christi Vertrauen zurückgewinnen. Interview mit Pater Valentin Gögele, Ordensprovinzial für West- und Mitteleuropa, auf katholisch.de, 28. Dezember 2018. Ende 2020 waren es noch 1432 Mitglieder: 4 Bischöfe (wie im Vorjahr), 975 Priester (5 mehr als im Vorjahr), 357 Ordensleute in Ausbildung (33 weniger als im Vorjahr) und 96 Novizen (5 mehr als im Vorjahr). Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr betrug insgesamt 2 Prozent.

Selbstdarstellung Der Grundgedanke der Legion ist es, eine „geistliche Miliz“ zu bilden (Legionär, Soldat einer römischen Legion). Mit militärischer Disziplin und Einheit sollen die Legionäre ihren Dienst an Kirche und Papst verrichten.

Der Orden nennt sechs Pfeiler seines spirituellen Profils:Jesus Christus: Zentrum, Maßstab und Vorbild. Grundzüge der Spiritualität des Regnum Christi. regnumchristi.eu

Christozentrische Spiritualität: Jeder Legionär soll Jesus Christus in einer persönlichen und leidenschaftlichen Weise lieben, sich nach seinem Vorbild prägen lassen und ihn predigen. Kindliche Liebe zu Maria: Maria ist für den Legionär die Mutter der Kirche; daher kommt seine geistliche Berufung auch durch Maria zustande. Wie Maria soll auch der Legionär im Erlösungsplan Christi gehorsam mitwirken. Liebe zur Kirche: Die Legionäre „versuchen […] die Kirche so anzunehmen und ihr zu dienen, wie sie ist und wie Christus sie gewollt hat“. Sie ist nach katholischer Auffassung ein von Christus eingesetztes Werk, durch das sein Heilsplan fortgesetzt wird, bis er wiederkommt. Treue zum Papst und den mit ihm vereinten Bischöfen: Der Primat Petri und die Unfehlbarkeit des Lehramtes sind für die Legion prägende Charakteristika. Der Legionär will dem Papst vor allem durch Bildungsarbeit, Familienapostolat, karitative Werke und Medienarbeit dienen. Das Reich Christi verkündigen: Die Legion strebt danach, die Menschheit in das von Christus verheißene Reich der Liebe und Gerechtigkeit zu verwandeln, nach dem Ideal des neuen Menschen in Christus. Einander lieben, wie Christus uns geliebt hat: Legionäre streben danach, allen Menschen dienlich zu sein. Ihr apostolisches Wirken soll unabhängig von Sprache, Rasse, Geschlecht, Kulturkreis oder gesellschaftlicher Stellung ausgeführt werden.

Geschichte Ordensrechtliche Anerkennung Im Jahr 1965 erhielt die Gemeinschaft das Decretum laudis durch Papst Paul VI., 1983 die unbefristete Anerkennung als Kongregation päpstlichen Rechts.Geschichte. regnumchristi.eu

Privatgelübde Die Legionäre legen die in der katholischen Kirche üblichen drei Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Bis 2007 legten sie zusätzlich zwei Privatgelübde ab: Im „Gelübde der Nächstenliebe“ verpflichteten sie sich, jede Kritik an den Oberen zu unterlassen und ihren Oberen über Verstöße anderer gegen dieses Verbot zu informieren. Im „Gelübde der Demut“ versprachen sie, niemals für sich oder andere Amtswürden anzustreben.Bernardo Barranco V.: La derogación de los votos secretos de los Legionarios. In: La Jornada, 12. Dezember 2007.

Das „Gelübde der Nächstenliebe“ bedeutete insbesondere eine Schweigeverpflichtung der Ordensmitglieder nach außen. Es hatte den Zweck, dass nichts Negatives über den Orden nach außen dringen sollte. 1956 visitierte Anastasio Alberto Ballestrero, der damalige Generalobere der Unbeschuhten Karmeliten, die Legionäre Christi und wurde bei seiner Arbeit durch das Schweigegebot behindert. Er forderte deshalb die Abschaffung des „Schweigegelübdes“, was allerdings folgenlos blieb. Papst Johannes Paul II. lobte das Gelübde der Geheimhaltung bei einer Audienz für den Orden im Januar 2001, als er sagte: „Ihr wolltet die Herausforderung des Evangeliums in Angriff nehmen, indem ihr die besondere Betonung auf die brüderliche Herzlichkeit eurer zwischenmenschlichen Beziehungen legt und den Geist der Nächstenliebe in euren Gedanken und Werken pflegt. Dabei seht ihr schweigend über die Fehler der anderen hinweg und stellt vielmehr deren positive und nützliche Taten heraus. Möge euch der Herr diese Geisteshaltung bewahren […]“.Christian Modehn: Legionäre Christi – Ihr Gründer Maciel ein enger Freund von Papst Johannes Paul II. religionsphilosophischer-salon.de, 13. Dezember 2009. Erst im Dezember 2007 schaffte Papst Benedikt XVI. beide Privatgelübde ab und entband die Mitglieder von ihren Versprechen.Brief an die Legionäre Christi. Radio Vatikan, 5. September 2009.

Organisation Generaldirektor Der Orden wird von einem Generaldirektor geleitet, der von einem Generalrat unterstützt wird. Generaldirektor und Generalrat werden vom Generalkapitel gewählt und bilden zusammen die Generaldirektion.Innere Organisation. regnumchristi.eu

Der erste Generaldirektor war der Ordensgründer Marcial Maciel. Als sein Nachfolger war Álvaro Corcuera LC von 2005 bis 2014 Generaldirektor. Aufgrund eines Dekrets von Papst Benedikt XVI. leitete der Kurienerzbischof Velasio De Paolis CS als päpstlicher Delegat die Reformierung des Ordens von 2010 bis 2014. Der Laienzweig des Ordens, das Regnum Christi, wurde ebenfalls im päpstlichen Auftrag reformiert.

Von 2014 bis 2020 leitete Eduardo Robles-Gil die Ordensgemeinschaft. Papst Franziskus ernannte im Juli 2014 Gianfranco Ghirlanda SJ zum päpstlichen Berater, der als Nachfolger von Álvaro Corcuera die Ordensgemeinschaft in den nächsten vier Jahren auf ihrem Weg der Erneuerung unterstützen sollte.Franziskus ernennt päpstlichen Berater für Legionäre Christi. kath.net, 5. Juli 2014.

Am 6. Februar 2020 wurde der US-Amerikaner John Connor (* 1969) vom Generalkapitel zum neuen Generaldirektor gewählt. Er hatte zuvor die Ordensprovinz Nordamerika geleitet und ist der erste Generaldirektor, der nicht Mexikaner ist.Pater John Connor LC neuer Generaldirektor. regnumchristi.eu, Pressemitteilung, 7. Februar 2020.

Seit 4. Februar 2026 ist der Mexikaner Carlos Alberto Gutiérrez López Generaldirektor der Legionäre Christi. Seine Amtszeit läuft bis 2032.

Ordensprovinzen Im Jahr 2021 gab es neun Ordensprovinzen. Diese werden bei den Legionären Christi „Territorien“ genannt, entsprechend sind die Provinziale (Leiter der Ordensprovinzen) „Territorialdirektoren“.

Die Ordensprovinz Mittel- und Westeuropa entstand im Jahr 2011 durch Zusammenlegung zweier Ordensprovinzen. Die vormalige Ordensprovinz Mitteleuropa mit Deutschland, Polen, Ungarn, Österreich, der Slowakei und den Niederlanden war im Jahr 2007 gegründet worden. Zur vormaligen Ordensprovinz Westeuropa gehörten Irland, Frankreich, Belgien sowie die Schweiz. Der Sitz der gemeinsamen Ordensprovinz liegt in Düsseldorf.Ordenskorrespondenz, 2011, Heft 3, S. 358 f. Andreas Schöggl wurde am 15. April 2012 als Nachfolger von Sylvester Heereman Ordensprovinzial für Mittel- und Westeuropa.Legionäre Christi mit neuem Ordensprovinzial. Radio Vatikan, 16. März 2012. Am 1. August 2018 wurde Valentin Gögele Ordensprovinzial für Mittel- und Westeuropa.Ernennung von P. Valentin Gögele LC zum neuen Ordensprovinzial für West- und Mitteleuropa. regnumchristi.eu, Pressemitteilung, 19. März 2018.

Regnum Christi Eng verbunden mit den Legionären Christi ist die ebenfalls von Marcial Maciel gegründete Apostolatsbewegung Regnum Christi. Im November 2004 wurden die Statuten des Regnum Christi von Papst Johannes Paul II. approbiert. Zum Regnum Christi zählten Ende 2020 weltweit 22.909 Laienmitglieder, 10.468 Mädchen und Jungen in der Jugendorganisation ECYD sowie 511 „gottgeweihte Frauen“ und 56 „gottgeweihte Männer“.

Die gottgeweihten Frauen und die gottgeweihten Männer des Regnum Christi sind seit dem 27. November 2018 jeweils als eine eigene Gesellschaft apostolischen Lebens kirchlich anerkannt und haben eigene Statuten. Wer wir sind. regnumchristi.eu Gottgeweihte Frauen und Männer wirken in Europa (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Polen, Schweiz, Slowakei, Spanien, Tschechien, Ungarn), Nordamerika (USA, Kanada, Mexiko, El Salvador), Südamerika (Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Venezuela) sowie in Australien und Neuseeland.Gottgeweihte Frauen des Regnum Christi. erzbistum-koeln.de

Regnum-Christi-Föderation Seit dem 15. September 2019 bilden die Kongregation der Legionäre Christi und die Mitglieder des Regnum Christi (Laien, gottgeweihte Frauen, gottgeweihte Männer) zusammen die „Regnum-Christi-Föderation“.Die Regnum-Christi-Föderation. regnumchristi.eu Im Internet haben sie eine gemeinsame Website mit dem Titel „Regnum Christi“ und dem Untertitel „Legionäre Christi“.Regnum Christi Website der Regnum-Christi-Föderation (Legionäre Christi und Regnum Christi).

Legionäre Christi in Deutschland In Deutschland betreiben die Legionäre Christi heute ein Noviziat in Altötting-Alzgern (die Apostolische Schule in Bad Münstereifel wurde 2024 geschlossen). Ihre seit 2004 bestehende deutsche Niederlassung hat ihren Sitz in Düsseldorf.Deutschland. regnumchristi.eu

Der Orden ist in Deutschland seit 1988 ansässig, als der irische Pater Eamon Kelly von Karl Braun, dem damaligen Bischof von Eichstätt, aufgenommen wurde und von Ingolstadt aus Kontakte knüpfte. Im Januar 1991 wurde das deutsche Noviziat gegründet, zunächst mit Sitz in Rom. Das Noviziat zog im selben Jahr in ein ehemaliges Erholungsheim der Caritas Essen in Roetgen in der Eifel ein. 1995 wurde es aus Platzgründen in ein ehemaliges Mädcheninternat der Ursulinen in Bad Münstereifel verlegt. Im Jahr 2000 wurde das erste aus Deutschland stammende Ordensmitglied zum Priester geweiht.

Zum Schuljahr 2008/2009 wurde mit der Genehmigung des Erzbistums Köln, der Bezirksregierung Köln und des Landesjugendamtes Köln am Standort in Bad Münstereifel eine von weltweit neun Apostolischen Schulen eröffnet. Die Schule war gemäß §§ 116, 118 Abs. 2, Abs. 4 Schulgesetz NRW als allgemeinbildende Ergänzungsschule anerkannt und wurde am 1. Februar 2009 durch Weihbischof Heiner Koch eingesegnet. Die Schule sah sich in der Tradition der Knabenseminare. Sie wurde 2021 von mehr als 30 Jungen im Alter zwischen 13 und 19 Jahren besucht (7. bis 13. Klasse). Die Jungen konnten während der Schulzeit überprüfen, ob sie einer Berufung zum Priesterberuf folgen oder nach dem Abitur einen anderen Weg einschlagen wollen.Apostolische Schule. regnumchristi.eu