mini|Die Hauptallee mit den beiden Nebenalleen rechts und links mini|Herbststimmung im Park mini|Eine Allee im Südteil des Borissowa gradina, wo er mehr einem Wald ähnelt Der Park Borissowa gradina (, zu dt. etwa Borisgarten) oder Knjas-Borissowa gradina (bulgarisch ) ist der älteste und bekannteste Park in der bulgarischen Hauptstadt Sofia, der nach dem deutschstämmigen bulgarischen Zaren Boris III. benannt ist. Der Park wurde 1884 angelegt. Das bulgarische Wort gradina bezeichnet einen kleinen Garten oder einen Park.

Dieser Park ist der größte Park in Sofia. Er umfasst heute eine Fläche von 445 Hektar (= 4,45 km²). Davon ist jedoch nur der nördliche Teil (1300 × 700 m) als Parkanlage ausgebaut, während die übrigen Flächen mehr einem Wald ähneln, durch den ausgebaute Wege führen. Im ausgebauten Teil des Parks gibt es zahlreiche Alleen, und unter anderem zwei kleine Seen und einen großen Kinderspielplatz.

Als der Park angelegt wurde, lag er am südöstlichen Stadtrand von Sofia. Wegen der starken urbanen Expansion von Sofia nach 1945 liegt der Park heute aber fast im Stadtzentrum, er grenzt unmittelbar südöstlich an das Stadtzentrum und gilt als die grüne Lunge von Sofia. 1896 wurde der Park zum Denkmal von nationaler Bedeutung erklärt, zum Musterbeispiel und Denkmal der bulgarischen Garten- und Parkkunst.

Die Alleen des Parks sind teilweise asphaltiert.

Namen

Der erste Name des Parks war Rassadnika (bulgarisch ; bulgarisch für Pflanzgarten, Gärtnerei oder Baumschule), später wurde er in Pépinière (frz. für Pflanzschule oder Baumschule; bulg. /Pipiniera) umbenannt. Auch die Namen Gradska pepiniera (Градска пепиниер/Städtischer Pflanzgarten) und Rassadna gradina (Разсадна градина/Pflanzgarten) waren gebräuchlich. Bis 1885 war der Park auch unter dem Namen Zarigradska gradina (bulgarisch ) bekannt. Dieser Name leitet sich von der Ausfallstraße nach Istanbul – Zarigradsko schose (bulgarisch ) ab, die die Nordostseite des Parkt begrenzt. Zarigrad, die „Stadt des Zaren“, war der alte bulgarische Name für die Hauptstadt der oströmischen Kaiser (Konstantinopel), später die Hauptstadt der Sultane des Osmanischen Reichs, die erst ab 1930 auch offiziell Istanbul genannt wurde.

Nach der Geburt des Thronfolgers Boris Tarnowski am 3. Oktober 1918, dem späteren Zaren Boris III., wurde der Park in „Knjas Borissowa gradina“ (bulgarisch ; auch: Fürst-Boris-Park) umbenannt. Während der Regierungszeit der Bulgarischen Kommunistischen Partei (1944–1989) wurde der Name des Parks in Park der Freiheit (bulgarisch /Parka na swobodata) geändert. Nach der Demokratisierung Bulgariens wurde der Park 1990 erneut in „Borissowa gradina“ umbenannt.

Geschichte mini|Lilienteich im Borissowa gradina Die Geschichte des Parks lässt sich in drei Perioden einteilen, die jeweils von einem bekannten Landschaftsgärtner geprägt wurden. Alle folgten dabei jedoch dem ursprünglichen Plan der Parkanlage und entwickelten ihn weiter, ohne radikale Änderungen am ursprünglichen Entwurf einzubringen.

Bis zur Befreiung Bulgariens von der osmanischen Herrschaft 1878 war das Areal des heutigen Parks ein osmanischer Truppenübungsplatz.

Sofia wurde am 3. April 1879 Hauptstadt des Fürstentums Bulgarien; zu dieser Zeit gab es nur einen kleinen Stadtgarten von Sofia (bulgarisch ) vor der heutigen Nationaltheater „Iwan Wasow“ (bulgarisch ).

Daniel Neff (Leitung: 1882–1900)

1879 wurde der größte Teil des heutigen Parks Borissowa gradina durch Beschluss der Gemeinde Sofia zu einem türkischen Friedhof umgewidmet. Am 22. März 1882 beschloss der Sofioter Gemeinderat einstimmig, den Vorschlag des Sofioter Bürgermeisters Iwan Chadschienow () anzunehmen, einen Park an der südöstlichen Stadtgrenze einzurichten. Das vorgesehene Areal bestand bis dahin aus vorwiegend privaten Gärten und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Diese wurden den Eigentümern während der Regierungszeit von Fürst Ferdinand I. (1887–1918) abgekauft.

Die Kritiker dieses Parkprojektes verwiesen, jedoch ohne Erfolg, auf den viel dringenderen hohen Investitionsbedarf für die verfallenden ungepflasterten Sofioter Straßen und das notwendige Aufstellen von Gaslaternen auf den Straßen.

Der Sofioter Bürgermeister holte 1882 den bekannten Hofgärtner des rumänischen Königs Karl I., den Schweizer Daniel Neff (1843–1900) nach Sofia und beauftragte ihn mit der Anlage eines Parks. Neff hatte sich mit der Anlage sehr schöner Parks und Gärten einen Namen gemacht und leitete den Park in Sofia von 1884 bis 1890. Er wurde 1883 bulgarischer Staatsbürger.

Um genügend Pflanzen für die Anlage eines Parks zur Verfügung zu haben, sollte erst eine große Pflanz- und Baumschule (frz. pépinière) betrieben werden, um die benötigten Mengen an Bäumen, Sträuchern und Blumen für den zukünftigen Park heranzuziehen. Die in der Gärtnerei des Parks herangezogenen Pflanzen wurden auch zur Begrünung der bis dahin unbegrünten Sofioter Straßen verwendet. So erbrachte diese erste Anpflanzung als Gärtnerei Ende des 19. Jahrhunderts sogar Einnahmen für die Gemeinde Sofia, da die Baumstecklinge nicht nur für die öffentlichen Parks, königlichen Gärten und für die Straßenbegrünung verwendet wurden, sondern auch für die Bevölkerung zum Verkauf angeboten wurden. Der Stadtkasse flossen so 1891 beispielsweise 10.000 Lewa aus dem Verkauf von Jungpflanzen zu.

mini|Nordecke des Parks – die Adlerbrücke und der Arianasee heute Im Frühjahr 1882 entwarf Neff den ersten Plan für den Park, baute sich ein Wohnhaus in der Nähe der Adlerbrücke und organisierte direkt an seinem Haus die Pépinière, in der Nähe des Flusses Perlowska reka (bulgarisch ) gelegen. Das Flüsschen fließt an der Nordwestseite des Parks und ist heute in einem künstlichen Betonbett kanalisiert. Der Fluss markierte damals die südöstliche Stadtgrenze von Sofia. Die Bewässerung erfolgte anfangs mit Wasser, das in Holzfässern vom Fluss herangekarrt wurde. Später wurden feste Wasserleitungen im Park installiert, die mit Wasser aus dem Fluss gespeist wurden.

Nach der Planungsphase 1883 begann Neff 1884 mit der Anlage des Parks. Zuerst wurden Reihen von Robinien (Robinai pseudoacacia) angepflanzt, Blumenbeete und ein kleiner See (der Fischteich) angelegt und mit Hecken aus Eichen und Weißdorn umgeben.

Neben Akazien wurden hauptsächlich Götterbäume, Trompetenbäume, Japanische Schnurbäume, Maulbeerbäume, Platanen und Ulmen herangezogen.

Die Pflanzschule wurde 1885 in einen Park umgewandelt, der 1886 bereits eine Fläche von 30 ha einnahm. Es wurden vier Hauptalleen angelegt, die parallel zur Zarigradsko schose verliefen. Der Park wurde begrenzt von der Zarigradsko schose im Nordosten, der Perlowska reka im Nordwesten, dem alten türkischen Friedhof und dem Wohnhaus von Neff.

mini|Der Arianasee heute mini|Arianasee mit dem Witoschagebirge und dem Nationalstadion (nur die Lichtmasten sind sichtbar) im Hintergrund Der Park wurde entlang der Zarigradsko schose von der Adlerbrücke aus nach Südosten ausgedehnt und nach Südwesten entlang der Parlovska reka bis zum heutigen Standort des Wassil-Lewski-Nationalstadion. Außerdem wurde 1889 ein großer See (Bootsteich), der Arianasee () () am Eingang zum Park, in unmittelbarer Nähe zur Adlerbrücke, angelegt. Nach anderen Angaben wurde er 1904 bzw. 1942 angelegt. Das war der erste Bootsteich in Sofia. Der See hat eine kleine Insel, zu dem eine kleine Steinbrücke führte, auf der Insel Stand ein kleiner Pavillon mit einem Imbissstand. Heute fahren Ruderboote und Tretboote auf dem kleinen Bootsteich. Im Winter wird auf dem Teich Schlittschuh gelaufen.

Ferdinand I., der am 7. Juli 1887 (gregor.) Zar von Bulgarien wurde, hatte ambitionierte Pläne, Sofia nach dem Vorbild von Wien zu begrünen. Auf seinen Wunsch hin wurde 1888 die Bepflanzung des Parks grundlegend geändert. Ihn störte die Eintönigkeit der Akazien, sie wurden unter anderem ersetzt durch Bergeichen, Ahorne, Eschen und Birken. Diese Bäume wurden aus dem Wald von Losenez, heute ein Stadtteil von Sofia, herangebracht.

In den Folgejahren wurden verschiedene Arten von Nadelbäumen aus dem Pasarelsker Wald, das Dorf Dolni Pasarel (bulgarisch ) liegt 30 km südlich von Sofia am Fuße des Losenska Gebirges (bulgarisch /Losenska planina), und aus dem Kokaljanska Wald, das Dorf Kokaljane (bulgarisch ) liegt 18 südlich vom Stadtzentrum Sofias am Fuße des Witoschagebirges, herangebracht und angepflanzt. Um den Baumbestand noch vielfältiger zu gestalten, wurden 1890 Hunderte von Nadelbäumen (Schwarzkiefern und Fichten) aus Tscham korija (heute Borowez) im Rila-Gebirge über 70 km auf Ochsenkarren herangefahren.

mini|Der Fischteich – heute Lilienteich – mit einer Fontäne in der Mitte Der heutige Lilienteich (), an dessen Stelle es früher ein kleines Sumpfgebiet gab, wurde ursprünglich als Fischteich (bulgarisch ) und erst später als Lilienteich (bulgarisch ) bezeichnet.

Gegen Neffs Pläne, den Park auf die umgebenden brachliegenden Flächen zu erweitern, die von Schopen aus dem benachbarten Dorf Slatina – heute der Stadtbezirk Slatina – als angestammte Weideflächen genutzt wurden, erhob sich das ganze Dorf.

Bei ihren Protestaktionen schlugen die Dorfbewohner Witan Minkow, den einzigen Arbeiter und Parkwächter, mit Knüppeln mehrmals halbtot. Im Februar 1903 schickte der Stadtvorsteher berittene Polizei gegen die aufrührerischen Viehbauern; die Polizei wurde jedoch schändlich in die Flucht gejagt. Daraufhin wurde eine ganze Militärabteilung, ein Eskadron, losgeschickt, um den Widerstand der Bevölkerung gegen die Ausweitung des Parks zu brechen. Bei der darauf folgenden Schießerei starben zwei Personen und Dutzende wurden verletzt.

Nach dem Tod von Daniel Neff im Jahre 1900 wurde seine Arbeit von seinem Sohn Karl Neff (1900–1902) und von Emil Aman (1902–1903) fortgesetzt.

Am Rad des Parks wurde 1903 die Geistliche Akademie Sofia errichtet ().

Joseph Frei (Leitung: 1906–1934) mini|Alter Stadtplan von Sofia (1908) – links unten: „Großer Städtischer Prinz Boris Garten“ Der aus dem Elsass stammende Franzose Joseph Frei (* 1873; † 1953) wurde 1906 zum Leiter der städtischen Park- und Gartenanlagen ernannt, die er bis 1934 leitete. Nach anderen Quellen leitete er den Park von 1905 bis 1933. Er ließ den Park, nach dem von ihm entworfenen zweiten Parkplan, weiter ausbauen. Nach diesem Plan wurden die beiden Hauptalleen im unteren Teil mit Linden und Kastanien bepflanzt, und im oberen Teil wurde eine breite zentrale Allee mit zwei schmaleren Nebenalleen angelegt, die vom großen Kinderspielplatz zum Fischteich führten.

Während Neff eine Vorliebe für Akazien hatte, verwendete Frei für die Parkgestaltung verstärkt auch Blumen. Er ließ einige alte landwirtschaftliche Gebäude beseitigen und an dieser Stelle ein Rosarium anlegen, ebenso zahlreiche Blumenbeete und Gewächshäuser.

mini|Balustraden am Lilienteich – Blick von der Hauptallee Richtung Lilienteich und Denkmal Nach der Idee von Joseph Frei wurden Fontänen und Balustraden am Fischteich errichtet.

1923 wurde im Park der Sportplatz und Fußballplatz des Offizierssportklubs Athletik Slawa ’23 (bulgarisch ; )/AS-23, damals auch alternativ mit dem Namen Athletik-Park (bulgarisch ) bezeichnet, gebaut. Der Sportklub bestand von 1923 bis 1944. Nach verschiedenen wesentlichen Erweiterungen ist er heute unter dem Namen Stadion der Bulgarischen Armee bekannt.

An der Stelle, wo heute das Wassil-Lewski-Nationalstadion steht wurde von 1924 bis 1934 das Stadion des SSK Lewski (bulgarisch ; Sofioter Sportklub „Lewski“) errichtet, das dann 1949 abgerissen wurde und dem Neubau des Nationalstadions weichen musste, das 1953 offiziell eingeweiht wurde.

Unter der Leitung von Frei wurde der Park nach Süden erweitert – bis zum Eichenwald am Boulevard Knjas Simeon Tarnowski (heute Boulevard Dr. Zankow / бул. „Др. Цанков“). An verschiedenen Stellen des Parks wurden viele Kiefern und Fichten angepflanzt. Die Obstbaumanpflanzungen wurden allmählich durch dekorative Bäume und Sträucher ersetzt.

Georgi Duchtew (Leitung: 1934–1944)