Die Befriedung von Mandschukuo war eine Kampagne zur Befriedung des neu errichteten Marionettenstaats Mandschukuo zwischen den antijapanischen Freiwilligenarmeen und verschiedenen Partisanengruppen der Mandschurei und später der kommunistischen Nordöstlichen Vereinten Antijapanischen Armee auf der einen und der Kaiserlich Japanischen Armee und der Mandschurischen Armee auf der anderen Seite. Die Kampagne fand im Vorfeld und während der ersten Hälfte des Zweiten Sino-Japanischen Krieges statt und führte zu einem japanisch-mandschurischen Sieg.

Japan übernimmt die Kontrolle Die frühesten antijapanischen Partisanengruppen bildeten sich in den Provinzen Fengtian und Kirin, nachdem die chinesische Fengtian-Armee dem japanischen Vormarsch im ersten Monat der japanischen Invasion der Mandschurei nur wenig Widerstand entgegensetzen konnte und die Japaner erfolgreich darangingen, die Verwaltung der Provinzen Fengtian und Kirin durch kollaborierende Kräfte zu ersetzen.

Ein Großteil der Provinzregierung von Fengtian floh in die westlich gelegene Stadt Jinzhou, während der Gouverneur Zang Shiyi in Mukden blieb. Er weigerte sich jedoch, mit den Japanern zu kollaborieren und eine separatistische Marionettenregierung zu bilden, weshalb er inhaftiert wurde. Am 21. September 1931 verkündete die Führung der Kwantung-Armee daher eine Proklamation, mit welcher Oberst Kenji Doihara als Bürgermeister von Mukden eingesetzt wurde. Dieser regierte die Stadt ab diesem Zeitpunkt mithilfe eines so genannten Notstandskomitees, welches hauptsächlich aus Japanern gebildet wurde.

Nachdem es den Japanern gelungen war, die Hauptstadt der Provinz Kirin, die Stadt Kirin, kampflos zu erobern, unterbreiteten sie dem chinesischen Generalleutnant Xi Qia am 23. September 1931 das Angebot, eine provisorische Regierung der Provinz zu bilden. General Xi Qia stimmte zu und erklärte am 30. September unter dem Schutz der Kaiserlich Japanischen Armee die Unabhängigkeit der Provinz Kirin von der Republik China.

Bereits am 24. September 1931 wurde in der Provinz Fengtian ebenfalls eine provisorische Regierung ausgerufen mit Yuan Chin-hai als Vorsitzendem des Komitee für die Bewahrung von Frieden und Ordnung.

Zusätzlich rief General Zhang Jinghui am 27. September 1931 in Harbin eine Konferenz führender Politiker und Militärs der Region zusammen, bei welcher die Organisation eines Notstandskomitee des Speziellen Distrikts diskutiert werden sollte. Ziel dieses Komitee sollte die offizielle Loslösung des Gebiets um Harbin von der Republik China sein. Da die Umgebung der Stadt jedoch fast komplett unter der Kontrolle antijapanischer Milizen und regulärer Truppen der Generäle Ding Chao, Li Du, Feng Zhanhai und anderer stand und die Stadt selbst von den Japanern regiert wurde, erlangte das Komitee keinerlei Einfluss.

Währenddessen wurde am 10. November das Nordöstliche Verwaltungskomitee durch Yu Chung-han gegründet. Dieser war ein bekannter Politiker aus dem Kabinett Zhang Xueliangs und favorisierte eine weitgehende Autonomie der Mandschurei von China. Nachdem die Japaner General Ma Zhanshan im Verlauf der Jiangqiao-Kampagne geschlagen und am 19. November Qiqihar besetzt hatten, bildeten sie in der Provinz Heilongjiang eine Selbstverwaltungsgesellschaft und setzten General Zhang Jinghui am 1. Januar 1932 als Gouverneur ein.

Im Zuge der japanischen Eroberung von Jinzhou begann die Unabhängigkeitsbewegung, in der nördlichen Mandschurei schnell an Einfluss zu gewinnen, wobei sie von Oberst Doihara und den ihm unterstellten Geheimdiensteinheiten von Harbin aus massiv unterstützt wurde. Am 7. Januar 1932 folgte General Zhang Jinghui, welcher nach der Niederlage von Jinzhou der Meinung war, sämtlicher weiterer Widerstand gegen die Japaner sei zwecklos, einer Aufforderung des Nordöstlichen Verwaltungskomitee und erklärte die Unabhängigkeit der Provinz Heilongjiang. Der geschlagene General Ma, welcher sich von Qiqihar aus nach Hailun zurückgezogen hatte, weigerte sich, diese Unabhängigkeitserklärung anzuerkennen, da er sich immer noch als rechtmäßiger Gouverneur von Heilongjiang ansah. Etwa zeitgleich begann Oberst Doihara, Kontakt zu Ma aufzunehmen, um auf ihn zur Kollaboration mit dem in der Entstehung begriffenen Staat Mandschukuo zu bewegen. Obwohl Ma den Verhandlungen zustimmte, unterstützte er weiterhin den noch Widerstand leistenden General Ding Chao in seinem Kampf gegen die Japaner.

Früher Widerstand: Milizen, Bruderschaften und Banditen Die schnelle Zerschlagung der lokalen Regierung Zhang Xueliangs durch die Japaner führte dazu, dass der Widerstand gegen die Besetzung sich dezentralisierte. Es bildeten sich vielerorts kleinere Gruppen von Milizen, Bruderschaften und Banditen. Ein Großteil der japanischen Truppen der Kwantung-Armee war in den Provinzen Heilongjiang und Fengtian gegen die Truppen Ma Zhanshans und Zhang Xueliangs konzentriert, sodass die Widerstandsgruppen außerhalb der Städte und abseits der japanisch patrouillierten Eisenbahnlinien Ende 1931 und Anfang 1932 mehr oder weniger offen Kämpfer rekrutieren und für ihre Sache werben konnten.

Milizen Die Lage in den Randgebieten Chinas führte dazu, dass die Zentralregierung in der Mandschurei von jeher eher schwach war und Banditen und Warlords eine ständige Gefahr darstellten. Aufgrund dessen hatten sich bereits vor dem japanischen Einmarsch von Landbesitzern und lokalen Behörden aufgestellte Milizen zur Verteidigung des eigenen Besitzes gebildet. Viele dieser Milizen wurden nach der Besetzung trotz ihrer schlechten Ausrüstung zu Partisanengruppen, welche sich Namen wie Selbstverteidigungsmiliz, Antijapanische Miliz oder Chinesische Freiwillige gaben. Eine der ersten bekannten Gruppen dieser Art war die Mutige Bürgermiliz, welche sich im November 1931 im Küstengebiet von Jinzhou bildete. Die meisten Milizen bildeten sich im südlichen Fengtian, in welchem ungefähr die Hälfte der Einwohner der Mandschurei lebten und der Anteil an Han-Chinesen besonders hoch war. Die Präsenz japanischer Truppen entlang der Südmandschurischen Eisenbahn lange vor der Besetzung der Mandschurei hatte in diesem Gebiet bereits vorher starke antijapanische Ressentiments entstehen lassen.

Bruderschaften Bäuerliche Bruderschaften waren eine traditionelle Form gegenseitigen Schutzes, organisiert von Kleinbauern und Landbesitzern. Während der Kriege der Warlord-Ära in Nord- und Zentralchina kamen viele Flüchtlinge in die Mandschurei. Ab 1926 stieg diese Zahl auf über eine Million jährlich. Unter diesen waren viele, die zu den zwei vorherrschenden Bruderschaften dieser Zeit, der Roter-Speer-Gesellschaft und der Große-Schwerter-Gesellschaft angehörten, welche ihre Mitglieder auch in der Mandschurei gegen umherziehende Banditen und betrügerische Großgrundbesitzer zu organisieren begannen.

Die Roter-Speer-Gesellschaft hatte ihre Zentren im Hinterland von Fengtian und in der ländlichen Umgebung Harbins, während sich die Große-Schwerter-Gesellschaft auf das südliche Kirin und kleine Teile Fengtians konzentrierte. Zu einem ersten Aufstand kam es bereits 1927 durch die Große-Schwerter-Gesellschaft. Dieser wurde durch den Zusammenbruch der Feng-Piao-Währung verursacht und, sofern er nicht von den Bauern unterstützt wurde, von diesen doch zumindest respektiert, da die Großen Schwerter nur gegen die Verwaltungsbeamten des Warlords Zhang Zuolin vorgingen.

Seit dem japanischen Einmarsch gab es kleinere Angriffe durch die Große-Schwerter-Gesellschaft entlang der koreanisch-mandschurischen Grenze, welche mit der Proklamation Mandschukuos am 9. März 1932 massiv zunahmen. Die Großen Schwerter wurden zum wichtigsten Faktor des Widerstandes in diesem Bereich und begannen lose Verbindungen mit verschiedenen antijapanischen Armeen einzugehen. Der frühere Banditenführer Lao Pie-fang wurde zum Befehlshaber der Großen Schwerter im westlichen Fengtian, während sie im südöstlichen Kirin ein Bündnis mit dem General Wang Delin eingingen. Der ehemalige chinesische General Feng Zhanhai rüstete auf eigene Kosten ein 4000 Mann starkes Korps der Großen Schwerter aus.

Die einzelnen Gruppen der Roter-Speer-Gesellschaft waren weiter verteilt und führten daher nur sporadische Angriffe durch. Ein Zentrum war die Gegend um Mukden, in welcher es viele wichtige Kohleminen gab. Ihr Befehlshaber war ein ehemaliger Offizier der Fengtian-Armee namens Tang Juwu. Trotz ihrer weiten Verstreuung konnte die Roter-Speer-Gesellschaft außerordentlich lange Widerstand leisten. So griff noch am 3. Juni 1933, zwei Jahre nach dem Mukden-Zwischenfall und lange nach der Zerschlagung der großen Freiwilligenarmeen eine Gruppe von 1000 Roten Speeren Verwaltungsgebäude in der Präfektur Tungfeng an.

Trotzdem bestanden beide Gesellschaften hauptsächlich aus ungebildeten und schlecht ausgerüsteten Kleinbauern und hatten einen traditionalistischen, quasi-religiösen Charakter. Viele vertrauten auf den Schutz magischer Rituale und die himmlische Vorhersehung ihres Schicksals. So behaupteten viele Große Schwerter, sie seien aufgrund von Zaubersprüchen immun gegen Gewehrkugeln und ihr Tod sei, wenn er sie ereile, göttlich vorherbestimmt. Auf Seiten der Roter-Speer-Gesellschaft zogen oftmals buddhistische Mönche mit in den Kampf und dekorierten sowohl ihre als auch die Waffen anderer mit religiös-magischen Zeichen, ähnlich wie es während des Boxeraufstand der Fall gewesen war.

Banditen Das nordöstliche China litt besonders am Zusammenbruch der Zentralregierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, sodass sich ein aktives Banditenwesen etablieren konnte. Während einige von ihnen raubten, um sich zu bereichern, waren viele Gelegenheitsbanditen, die infolge von Missernten oder Naturkatastrophen Raubüberfälle verübten, um sich und ihre Familien ernähren zu können. Begünstigt wurde dies durch die massive Einwanderung während der zwanziger Jahre, als viele Einwanderer keinen Anschluss an die Gesellschaft fanden und so zu Geächteten wurden. Eine der berühmtesten dieser Banditengruppierungen in der südlichen Mandschurei nannte sich Honghuzi (Rotbärte). Oft wurden die Banditen einfach nur Shanlin genannt, was Berg und Wald bedeutet und auf ihre Aktivität in der ländlichen Umgebung der Städte und die nahegelegenen Wald- und Bergregionen sowie ihre dortige Ortskenntnis anspielte. Die meisten Gruppen waren jedoch nur kleine Zusammenschlüsse, die in einem räumlich eng begrenzten Gebiet agierten und häufig unter der lokalen Bevölkerung Sympathisanten und Unterstützer hatte. Aufgrund dessen hatte auch die chinesische Armee vor dem japanischen Einmarsch große Probleme, diese Gruppen effektiv zu bekämpfen.

Es gab auch eine Art von nationalistischem Banditentum. Dieses hatte sich als Folge der Russischen Invasion vom Juli 1900 gebildet, als zaristische Truppen in die Mandschurei einmarschierten. Dies geschah, um die russisch kontrollierte Chinesische Osteisenbahn vor eventuellen Auswirkungen des Boxeraufstands zu schützen. Wang Delin führte dabei die größte Gruppe gegen die russische Besatzungsmacht. Da diese jedoch auch gegen die Qing-Dynastie opponierte, wurde sie als Banditentruppe eingestuft. Diese Gruppierung war bis 1917 aktiv, als sie in die Truppenverbände der Provinz Kirin eingegliedert wurde. Dies war in der Zeit der Warlords eine durchaus übliche Praxis, da die Banditen wenigstens über eine grundlegende Ausbildung an Waffen und in Taktik verfügten und so eine ständige Quelle neuer Rekruten bildeten. Nach der Zerschlagung der Provinzarmeen durch die Japaner 1931 desertierten Tausende dieser Soldaten und reorganisierten ihre alten Banditengruppen.