mini|Truppenfahne der Flakartillerie
Die Übersicht der deutschen Flakeinheiten umfasst sämtliche Flakeinheiten der Luftwaffe, die von deren Gründung 1935 bis zur deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 bestanden. Sie beinhaltet auch Einheiten, die nur wenige Tage bis Wochen bestanden.
Hintergrund Die Wurzeln der Flugabwehr im Deutschen Reich gehen zurück bis auf die Ballonkanonen des Deutsch-Französischen Krieges (1870–1871).Griehl: Das grosse Buch der Flak 2003 S. 6 Im Konflikt kamen 6 von 20 gebauten Geschützen, die auf pferdebespannten Wagen montiert waren vor Paris zum Einsatz und waren nur bedingt erfolgreich. Letztlich landeten die meisten in Museen.
Als jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowohl das Deutsche Reich auch Frankreich leistungsfähigere und lenkbare Luftschiffe entwickelten, begann man auf der deutschen Seite das Thema wieder anzugehen, und nach ersten Experimenten mit regulären Artilleriewaffen wurde entsprechend der Forderung des Kriegsministeriums 1906 von Rheinmetall ein erstes „Kraftwagengeschütz“ entworfen. Bei der Waffe handelte es sich um eine 5-cm-Flak L/30 mit Rohrrücklaufsystem. Diese war auf einem zweiachsigen Lastkraftwagen montiert.
Der Erste Weltkrieg sah die Flakartillerie bereits als eine Waffengattung mit einer Flakschießschule, einer Flakkraftfahrschule und einer Entfernungsmesser-Schule. In Ostende gab es bei Kriegsende ein Versuchskommando, das die Bezeichnung Prüf- und Lehrabteilung trug.Griehl: Das grosse Buch der Flak 2003 S. 17
Im Januar 1918 wurde ein Flakprogramm für 1919 beschlossen, das eine Konzentration auf einige Grundmuster festlegte. Bei der schweren Flak sollte dies die 8,8-cm-Flak von Krupp werden, welche in der dann als Modell 1919 bezeichneten Version schon unabhängige Visierlinien für Höhen- und Seitenrichtbereich aufwies. Auch eine 10,5-cm-Flak gab es schon im Ersten Weltkrieg.Griehl: Das grosse Buch der Flak 2003 S. 18 An leichter Flak war auch schon im Ersten Weltkrieg das Kaliber 3,7 cm aber auch das alte 7,62 cm (3-Zoll) vorhanden und in Produktion. Bei Kriegsende hatte die Flakartillerie des Deutschen Reiches einen Personalbestand von 3.200 Offizieren und 60.000 Unteroffizieren und Mannschaften.Griehl: Das grosse Buch der Flak 2003 S. 19
Im Vertrag von Versailles waren umfassende Rüstungsbeschränkungen für das Deutsche Reich formuliert worden. Insbesondere moderne Waffengattungen, wie die Panzertruppe oder die Luftstreitkräfte, unterlagen erheblichen Beschränkungen. Den Bestimmungen folgend wurde mit Erlass des Kriegsministeriums vom 4. Juli 1919 die Flakinspektion und alle ihr angehörigen Einheiten aufgelöst.
Die Reichswehr wollte jedoch den Anschluss an die militärtechnische Entwicklung nicht verlieren und arbeitete heimlich im Deutschen Reich und auch mittels ausländischer Firmen weiter an der Entwicklung der eigenen Waffentechnik. Nach dem Abzug der Interalliierten Kontrollkommission im Jahr 1926, begann die Ausbildung des zu Kraftwagenbatterien gehörenden Personal mit Lehrgängen bei der 6. Batterie des 1. Artillerie-Regiment (Preußisch) in Königsberg und Pillau. Diese Batterie gilt damit als Keimzelle der späteren deutschen Flakartillerie.Griehl: Das grosse Buch der Flak 2003 S. 20
Die künftige Bedeutung der Flakartillerie, also der bodengestützten Verteidigung des Luftraums, hatte man bereits während des Ersten Weltkriegs erkannt. Es waren bereits verschiedene spezielle Waffen für die Flugabwehr entwickelt worden, neben dem Einsatz von Maschinengewehren gegen tieffliegende Flugzeuge, waren bereits schwerere Geschütze auf verschiedenen Lafettentypen und auch auf Fahrzeugen montiert worden. Diese Waffen, von denen das Deutsche Reich einige im eigenen Bestand behielt, und die rasante Entwicklung der Flugzeugtechnik in der Zwischenkriegszeit bildeten den technologischen Rahmen in dem neue Waffen für eine zukünftige Luftabwehr, während der Zwischenkriegszeit entwickelt wurden.
Entstehung der Flakartillerie – als Truppengattung Die offizielle Geschichte der Flakartillerie der deutschen Luftwaffe begann mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht im März 1935. Während bis zu diesem Zeitpunkt die Aufrüstung und Aufstellung von Organisationen im Geheimen vor sich gegangen war, wurde nun der deutschen Bevölkerung eine neue, bereits ausgerüstete Waffengattung präsentiert, die historisch zur Artillerie gehörend, nunmehr Teil der ebenfalls neu aufgestellten deutschen Luftwaffe wurde.
Erste Welle der Aufstellung (1935) Ab Herbst 1935 wurden in den damaligen 5 Luftkreisen des Deutschen Reichs, ab 1. November 1935 unter dem jeweiligen Kommando eines Höheren Kommandeur der Flakartillerie, die Aufstellung der Flakartillerie-Schule (Rerik), von 15 schwere und 3 leichte Flak-Abteilungen (mot.) befohlen. Im Oberkommando der Luftwaffe (OdL) wurde die Funktion des Inspekteur der Flakartillerie (Luftwaffen-Inspektion 4) geschaffen, die mit dem General Günther Rüdel besetzt wurde. Ziel der Inspektion war der massive Ausbau dieser Truppengattung in den folgenden Monaten.
Bis zum Jahresende 1935 waren bereits 11 Abteilungen gebildet worden: I./Flak-Regiment (Rgt) 1 (Königsberg), I./Flak-Rgt 2 (Stettin), I./Flak-Rgt 7 (Wolfenbüttel), I./Flak-Rgt 8 (Fürth (Bayern)), I./Flak-Rgt 10 (Dresden), I./Flak-Rgt 11 (Seerappen (Ostpreußen)), I./Flak-Rgt 12 (Berlin), I./Flak-Rgt 13 (Wurzen), I./Flak-Rgt 22 (Döberitz), II./Flak-Rgt 22 (Brandenburg/Havel) und I./Flak-Rgt 25 (Ludwigsburg).Griehl: Das grosse Buch der Flak 2003 S. 22
Von Jahresanfang 1936 bis Oktober dieses Jahres hatte die Luftwaffe die Zahl der Flakeinheiten noch einmal nahezu verdoppelt.Adalbert Koch: Die Geschichte der deutschen Flakartillerie 1935-1945 1985 S. 7
Zweite Welle der Aufstellung (1936) Im Herbst 1936 wurde aufgrund der zunehmenden Anzahl von Verbänden eine Strukturierung der Flak-Artillerie zwingend. Die bisherige direkte Unterstellung unter die Höheren Kommandeure der Flakartillerie wurde durch neue Führungsstäbe, die den Kommandeuren unterstellt wurden, aufgehoben. Die Aufteilung von Einheiten, welche im Fall der Mobilisierung mit dem Heer operieren sollten und jenen Einheiten, welche im Deutschen Reich den Luftschutz bilden sollten, erforderte eine umfassendere Organisationsstruktur. Es entstanden die ersten sechs Regiments-Stäbe. Ende der 2. Welle waren 18 neue Abteilungen (13 gemischte und 5 leichte) aufgestellt.Adalbert Koch: Die Geschichte der deutschen Flakartillerie 1935-1945 1985 S. 9
Die Kerneinheit der Flugabwehr der Luftwaffe blieb weiterhin die Flak-Abteilung.
Mit der Flakabteilung F/88 wurde ab November 1936 im Rahmen des „Freiwilligen-Verbands“ Legion Condor eine deutsche Abteilung zur Unterstützung der nationalistischen Kräfte im Spanischen Bürgerkrieg eingesetzt. Hierbei waren die 1., 2., 3. und 8. Batterie mit 8,8-cm-Flak ausgerüstet. Die 2. und 5. Kompanie / Flakabteilung F/88 mit 2-cm-Flak, die 6. Kompanie setzte unterschiedliche Flakscheinwerfer ein und die 7. Kompanie bildete die Munitionskolonne der Abteilung. Bei der 4. Kompanie wurden zudem einige 3,7-cm-Flak im Kampfeinsatz getestet. In der 8. Kompanie wurden neue Kommandogeräte der Flakartillerie erprobt. Ein Einsatzstandort der Abteilung war der Fliegerhorst La Cenia, auf dem deutsche Jagdflieger stationiert waren. Die Traditionspflege der „Legion Condor“ wurde 1939 nach Einsatzende der I. Abteilung / Flak-Regiment 9 (Fürth) übertragen.Griehl: Das grosse Buch der Flak 2003 S. 25
Dritte Welle der Aufstellung (1937) Im Oktober 1937 wurden neue Rekruten zum Wehrdienst eingezogen, mit diesem zusätzlichen Personal wurden in einer dritten Welle auch weitere Flak-Verbände gebildet. So wurde ein neuer Höherer Kommandeur (Stab) im neuen Luftkreis VII (Braunschweig) aufgestellt, 5 Regiments-Stäbe, 6 gemischte Abteilungen, 9 leichte Abteilungen und ein Flak-Lehr-Regiment gebildet. Dem Flak-Lehr-Regiment wurde eine Flak-Lehr-, eine reine Flak-Scheinwerfer-Abteilung und eine Versuchs-Abteilung unterstellt. Die Lehr- und Versuchs-Abteilungen waren dabei Teil der Flakartillerie-Schule.Adalbert Koch: Die Geschichte der deutschen Flakartillerie 1935-1945 1985 S. 11–12
Mit der 3. Aufstellungswelle zeigte sich, wie die künftige Luftwaffe der Wehrmacht ausgerichtet sein sollte. Im Sommer 1936 verunglückte der erste Generalstabschef der Luftwaffe, General der Flieger Walther Wever, tödlich. Er hatte maßgeblich den Ansatz der operativen Luftkriegsführung nach den Prinzipien von Giulio Douhet vertreten. Nunmehr wurde die Entwicklung stark von Reichsminister der Luftfahrt Hermann Göring und dem Generalluftzeugmeister Ernst Udet bestimmt, die angesichts der eigenen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg, den Ansatz der taktischen Luftunterstützung durch Jagd-, Schlacht- und Sturzkampfflugzeugen den Vorzug gaben. Auch die Erfahrungen der Legion Condor sprachen aus Sicht der deutschen Führung eher gegen den Ausbau der Kampffliegertruppe mit ihren Bombern. Diese Entscheidung der Ausrichtung machte sich bei der Flugabwehr genauso bemerkbar. Die Kräfte, die zur Abwehr von verhältnismäßig tieffliegenden gegnerischen Flugzeugen geeignet waren, wurden überproportional ausgebaut. Es wurden mehr leichte Flak-Abteilungen gebildet.
Eine Erfahrung des Kriegs in Spanien war die Bildung einer eigenständigen Flakscheinwerfer-Abteilung. Die bisher in Geschützabteilungen integrierten Verbände waren innerhalb dieser Verbände nur bedingt effektiv, da diese zwar ständig den Verband begleiteten, aber nur bei Nachteinsätzen eine Funktion hatten.
Dem Machtspiel der hohen NS-Führer folgend, vergrößerte Göring, als Oberbefehlshaber der Luftwaffe, seine persönliche Truppe, das „Luftwaffen-Jäger Regiment Hermann Göring“ zu einem Flak-Regiment. Eine aus einer Polizeieinheit hervorgegangene Wach- und Ehrendiensteinheit wurde von ihm durch eine Neugliederung zu einer Einheit der Flakartillerie mit einer angegliederten Infanterieeinheit ausgebaut.
Neu in der 3. Welle war die Aufstellung von schweren Flakstammbatterien, diese sollten den Kern für die Bildung weiterer aufzustellender Abteilungen oder im Mobilisierungsfall für die Aufstellung von Abteilungen des Heimatluftschutz bilden. Aus schweren Abteilungen wurde sukzessive die „mittlere Flak“ (3,7 cm) entfernt und durch „leichte Flak“ (2 cm) ersetzt.
Vierte Welle der Aufstellung (1938) Die 4. Aufstellungswelle mit den Rekruten des Jahres 1938 fiel zusammen mit der „Angliederung“ des österreichischen Staatsgebiets und der Besetzung des Sudetenlandes. Eine weitere Umgliederung der Organisation der Flakartillerie wurde ebenfalls umgesetzt. Die ursprüngliche Struktur mit 6 Luftkreisen als Luftverteidigungszonen wurden aufgelöst, die Führungsstäbe „Höherer Kommandeur der Flakartillerie“ wurden abgeschafft. Das alte Reichsgebiet und die eingegliederten Territorien wurden in 10 Luftgaue mit eigenen Stäben, den Luftgaukommandos, gegliedert. Diese wurden dann den Luftwaffengruppenkommandos 1, 2, 3, „Ostpreußen“ und „Österreich-Ostmark“ unterstellt. In den neuen „Reichsgebieten“ wurden eine schwere und zwei leichte Flakabteilungen des ehemaligen österreichischen Bundesheeres eingegliedert. Diese waren anfänglich mit österreichischem Geschützmaterial von Oerlikon, Bofors und Skoda ausgerüstet.Adalbert Koch: Die Geschichte der deutschen Flakartillerie 1935-1945 1985 S. 15–17.
Bei den Luftgaukommandos (L.G.Kdo.) handelte es sich um territoriale Kommandobehörden, welche die gesamte Bodenorganisation und die Ausbildungsregimenter der Fliegertruppe führten. Im Rahmen der Luftverteidigung waren die Luftgaue ein Verteidigungsbereich mit Jagdfliegern und Flakartillerie, hierzu gehörten Versorgungseinrichtungen und das örtliche Nachrichtenwesen der Luftwaffe, zu dem auch die neu gebildeten Luftgau-Nachrichten-Regimenter gehörten. Die Eingliederung und Verteilung des von der Wehrersatzorganisation zugeordneten Personalnachschub gehörte ebenfalls in den Verantwortungsbereich der Luftgaukommandos.