mini|Bankautomaten diverser Betreiber an einem thailändischen Flughafen
Ein Geldautomaten-Entgelt bezeichnet ein Entgelt, das im Zusammenhang mit der Nutzung eines Geldautomaten für eine Bargeldabhebung erhoben wird. Es gibt drei unterschiedliche Arten von Entgelten. Betreiberentgelte (auch: direkte Kundenentgelte; englisch: access fees) werden vom Betreiber des Geldautomaten unmittelbar gegenüber dem Kunden erhoben, der an dem Automaten Bargeld abhebt. Der Kunde wird in der Regel vor Abschluss der Transaktion über die Höhe des Entgelts informiert und kann die Abhebung gegebenenfalls abbrechen. Herausgeberentgelte (auch: Fremdverfügungsentgelte) werden nicht vom Automatenbetreiber, sondern von der kartenausgebenden Bank des Kunden erhoben, wenn dieser mit seiner Karte einen Geldautomaten nutzt, der nicht zum eigenen Automaten- oder Verbundnetz der Bank gehört. Die Höhe dieses Entgelts ist im Preis- und Leistungsverzeichnis der kartenausgebenden Bank geregelt. Verbraucherschützer kritisierten insbesondere, dass der Kunde bei der Abhebung am fremden Geldautomaten häufig nicht unmittelbar erkennen konnte, welches Entgelt ihm seine eigene Bank für diese konkrete Transaktion später berechnen würde. Interbankenentgelte werden zwischen den beteiligten Kreditinstituten verrechnet. Der Betreiber des Geldautomaten bzw. dessen Bank (Acquirer) erhält dabei eine Vergütung von der kartenausgebenden Bank (Issuer) für die Bereitstellung der Geldautomateninfrastruktur und die Durchführung der Bargeldabhebung.
Asien/Pazifik Australien Seit 3. März 2009 dürfen Geldautomaten-Betreiber in Australien direktes Kundenentgelt erheben. Die australische Zentralbank (Reserve Bank of Australia) erwartet damit eine Verbesserung der Wettbewerbssituation und eine Effizienzsteigerung im australischen Geldautomatensystem. Die meisten Banken (Commonwealth Bank (CBA), Australia and New Zealand Banking Group und Westpac/St.George) erheben eine „ATM service fee“ von 2,00 AU$ australischen Dollar für Abhebungen und Kontostandsabfragen für Fremdkunden, NAB verlangt für eine Abhebung 1,50 AU$ (0,50 AU$ für eine Abfrage), Suncorp nimmt 2,20 AU$ (0,80 AU$ für eine Abfrage). Unabhängige Betreiber erheben auch leicht höhere Gebühren für Standorte in Kneipen und Clubs.
Bendigo Bank erhebt als Kartenausgeber ein Entgelt von 1,00 AU$ für die Verfügung an fremden GA. ANZ, Bank of Queensland, BankWestNo charge for Bankwest customers when they use Foreign ATMs, CBA, Suncorp und Westpac/St.George erheben keine Herausgeberentgelte für Fremdverfügungen. Die ING-Tochter Orange Everyday erstattet ihren Kunden bezahlte GA-Entgelte, wenn die Abhebung mindestens 200 AU$ beträgt. Wenn ein Kunde anstatt eines Geldautomaten ein elektronisches Terminal benutzt, erhält er eine Gutschrift in Höhe von 0,50 AU$.
Bangladesch Es gibt mehrere Geldautomaten-Netze in Bangladesch. Marktführer Dutch-Bangla Bank unterhält das größte Netz, dem sich auch die viele andere Mitglieds-Banken angeschlossen haben. Verfügungen innerhalb des Netzes bleiben für die Kunden entgeltfrei, allerdings belastet Dutch-Bangla Bank den Mitgliedern ein Interbankenentgelt von 10 BDT (ca. 0,10 €) pro Transaktion.
Hong Kong In Hong Kong bestehen drei Geldautomaten-Netze: ETC (HSBC und Hang Seng Bank) JETCO (alle übrigen Banken) und Æon. Die Benutzung von Geldautomaten ist entgeltfrei, solange man im eigenen Geldautomaten-Verbund bleibt. Außerhalb des eigenen Netzes wird ein Serviceentgelt in Höhe von 30 HK$ erhoben. Für Abhebungen mit Kreditkarten werden üblicherweise keine direkten Kundenentgelte erhoben.
Indien Per 1. April 2009 hat die indische Zentralbank allen Banken das Erheben von Geldautomaten-Entgelten untersagt. Zuvor verlangten Banken zwischen 10 INR und 35 INR pro Transaktion. Für Abhebungen mit Kreditkarten und an ausländischen Geldautomaten dürfen indische Banken Entgelte erheben. Darüber hinaus beschränkt die indische Zentralbank den Einsatz indischer Kreditkarten im Ausland; VISA-Karten aus Indien tragen standardmäßig den Vermerk: „Valid in India and Nepal only“. Grund dafür ist die restriktive Devisenpolitik des Landes. Aktuell wurde das Verbot von Geldautomaten-Entgelten wieder aufgehoben und die ursprüngliche Regelung wiedereingeführt. Entgelte variieren von Bank zu Bank und reichen von 12 INR bis 50 INR.
Iran Im Iran gibt es nur einen Geldautomaten-Netzbetreiber, Shetab. Innerhalb dieses Netzes werden keine Abhebungsgebühren verlangt.
Pakistan In Pakistan verlangen Banken normalerweise ein Entgelt von 10 PKR bis 35 PKR (ca. 0,10 € bis 0,30 €) für Fremdverfügungen. Diese Entgelte sollen die Transaktionskosten für die Durchleitung der Fremdverfügungen decken. Es existieren zwei GA-Systeme, das von einem Bankenkonsortium betrieben wird, und MNET, hinter dem die MCB Bank Ltd. steht. Alle pakistanischen Banken gehören einem der beiden Systeme an. Einige Banken (etwa die Allied Bank und HSBC) übernehmen die Fremdverfügungsentgelte und ermöglichen ihren Kunden landesweites Abheben ohne Kosten.
Sri Lanka In Sri Lanka erheben Banken ein Entgelt von 50 LKR (ca. 0,30 € bis 0,50 €) für Verfügungen fremder Kunden.
Thailand In Thailand wird seit dem 1. Juni 2010 an den meisten Geldautomaten eine Kreditkartengebühr von 150 THB (3 € bis 4 €) auf den Auszahlungsbetrag addiert. Diese Gebühr wurde später auf 180 THB und schließlich auf 200 THB (ca. 5,20 €) erhöht. Zusätzlich fallen die üblichen Gebühren an, die die Kreditkartenfirmen den Karteninhabern in Rechnung stellen. An Geldautomaten der japanischen Bank Æon waren Bargeldabhebungen bis Anfang 2014 kostenlos. Nun wird der übliche Betrag von 150 THB fällig.
Vereinigte Arabische Emirate Die Gebühren für eine Verfügung durch den Geldautomatenbetreiber kann zwischen 0 und 60 Dirham (ca. 15 €) liegen. Die Kosten für eine Verfügung werden vorher angezeigt. Insbesondere auf Flughäfen und in Einkaufszentren ist mit hohen Gebühren zu rechnen. In Bankfilialen der gleichen Betreiber sind die Verfügungen häufig kostenlos.
Europa Europäische Union Die Gleichstellung der Entgelte für grenzüberschreitende und nationale Euro-Zahlungen Europäischen Zahlungsraum (SEPA)wurde erstmals durch die Verordnung (EG) Nr. 2560/2001 eingeführt, die seit dem Jahr 2002 Anwendung fand. Die Regelungen wurden später durch die Verordnung (EG) Nr. 924/2009 und die SEPA-Verordnung (EU) Nr. 260/2012 weiterentwickelt. vom 19. Dezember 2001. Anders als bei Überweisungen und Lastschriften enthält die Verordnung über Zahlungsdienste im Binnenmarkt und zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 1093/2010 (PSR) und die EU-Interbankenentgelt-Verordnung (IFR) keine Regelungen zu Interbankenentgelten bei Bargeldabhebungen. Auch die Zulässigkeit und Höhe von Geldautomatenentgelten – insbesondere Betreiberentgelten und Herausgeberentgelten – werden durch diese Verordnung nicht vereinheitlicht. Die Verordnung beschränkt sich auf Transparenzanforderungen, insbesondere durch Informationspflichten über anfallende Entgelte bei Bargeldabhebungen.
Die Regelwerke von Visa und Mastercard beschränken – anders als das deutsche girocard-System – in weiten Teilen Europas die Erhebung unmittelbarer Kundenentgelte durch Geldautomatenbetreiber bei inländischen Bargeldabhebungen mit ihren Kredit- und Debitkarten.https://usa.visa.com/dam/VCOM/download/about-visa/visa-rules-public.pdfhttps://www.mastercard.com/content/dam/public/mastercardcom/na/global-site/documents/transaction-processing-rules.pdf?utm_source=chatgpt.com
Deutschland mini|Entgelt für Geldabhebung mit Fremdbankkarte (Noris Bank) bei einem Postbank-Geldausgabeautomat in Höhe von 12,50 € bei einem Abhebungsbetrag von 500 € (Dezember 2022) Die deutschen Geldautomatenbetreiber haben eine Geldautomaten-Vereinbarung geschlossen, für Organisation und Vertretung ist die Deutsche Kreditwirtschaft zuständig. Bis zur Neuregelung vom 15. Januar 2011 galt im girocard-System eine Interbankenentgeltregelung mit Höchstbeträgen. Ein beliebiges Entgelt konnte der Geldautomatenbetreiber nicht verlangen. Diese Vereinbarung galt nur für girocard nicht für andere Kredit- oder Debitkartensysteme. Die kartenausgebende Bank verlangte vom abhebenden Kunden jedoch ein Fremdverfügungsentgelt.
Seit dem 15. Januar 2011 gilt im deutschen girocard-Geldautomatensystem ein neues Modell.https://www.bvr.de/Presse/Deutsche_Kreditwirtschaft/Deutsche_Kreditwirtschaft_einigt_sich_auf_kundenfreundliche_Loesung_fuer_Fremdabhebungen_an_Geldautomaten?utm_source=chatgpt.com Das frühere Interbankenentgelt wurde abgeschafft. Bei einer Fremdabhebung verlangt der Geldautomatenbetreiber kein Entgelt mehr von der kartenausgebenden Bank. An die Stelle trat das unmittelbare Kundenentgelt. Der Geldautomatenbetreiber kann dieses Entgelt unmittelbar vom Kunden verlangen; es muss dem Kunden vor der Auszahlung am Geldautomaten angezeigt werden, sodass dieser die Abhebung noch abbrechen kann. Die kartenausgebende Bank darf für diese girocard-Fremdabhebung grundsätzlich kein zusätzliches Fremdverfügungsentgelt mehr erheben, wenn bereits ein unmittelbares Kundenentgelt des Geldautomatenbetreibers anfällt. Der Bundesverband deutscher Banken empfahl seinen Mitgliedern im Zuge der Umstellung 2011 eine Obergrenze für ein Kundenentgelt von 1,95 €. Diese Empfehlung war jedoch keine gesetzliche Preisobergrenze und keine für alle Privatbanken verbindliche Regelung.„Privatbanken preschen mit Niedriggebühr vor“, Der Spiegel vom 25. August 2010.
Derzeit schwanken die Gebühren je nach Kreditinstitut und liegen im Durchschnitt bei 4,22 €.Geld abheben – So vermeiden Sie Gebühren am Geldautomaten bei vergleich.de, abgerufen am 2. Mai 2021.
Geldautomaten-Netze Die meisten Banken nehmen an einem Automatenverbund teil, der ihren Kunden entgeltfreies Abheben ermöglicht. Es gibt folgende Automatenverbünde:
Sparkassen-Finanzgruppe – Die Kreditinstitute der Sparkassen-Finanzgruppe betreiben 19.650 Geldautomaten deutschlandweit (Stand 2023)., abgerufen am 16. November 2024 Bankcard-Servicenetz – Angebot im BVR – Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken für Volks- und Raiffeisenbanken sowie weitere genossenschaftliche Institute und PSD Banken mit reduzierter Gebühr, die meist von der eigenen Hausbank übernommen wird, rund 14.297 Geldautomaten (Stand: 2024)Anzahl Geldautomaten Volksbanken Raiffeisenbanken, abgerufen am 28. Juli 2025 die Cash Group (u. a. Deutsche Bank, Commerzbank, UniCredit sowie deren Tochtergesellschaften und sonstige Mitglieder) haben rund 5.000 Geldautomaten (Stand Juli 2025; nach Wegfall des kostenlosen Bargeldbezugs an den Kassen von rund 1.300 Shell-Tankstellen)Homepage cashgroup.de, abgerufen am 4. April 2024 Cashpool – Zusammenschluss der kleineren Privatbanken (BBBank, National-Bank, Santander Consumer Bank, Sparda-Banken, Targobank, …), denen die Mitgliedschaft in der Cash Group zu teuer ist, (rund 2.800 Geldautomaten, Stand: 2024)Homepage cashpool.de, abgerufen am 4. April 2024
Daneben können Buchungsposten für die Inanspruchnahme von Geldausgabeautomaten anfallen. Diese unterliegen nicht der gerichtlichen Inhaltskontrolle, weil sie das Entgelt für eine Sonderleistung der Kreditinstitute regeln, Az. XI ZR 80/93, Volltext., da sie rund um die Uhr für Abhebungen zur Verfügung stehen. Allerdings muss dann eine kostenlose Abhebung am Bankschalter des kontoführenden Kreditinstituts möglich sein.
Navigationssysteme und Apps für Smartphones erleichtern es ihren Nutzern, für sie kostenlose Geldautomaten in ihrer Nähe zu finden. Alternativen bietet auch die Bargeldauszahlung an den Kassen von Supermärkten, Discountern, Tankstellen oder in Baumärkten.
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