Die Anpassung an die globale Erwärmung hat das Ziel, sich mit den aufgrund der globalen Erwärmung bereits eingetretenen Änderungen des Klimas zu arrangieren und auf zu erwartende Änderungen so einzustellen, dass zukünftige Schäden so weit wie möglich vermieden werden können oder auch Chancen, wo sie entstehen, genutzt werden. Die Anpassung kann „entweder reaktiv oder proaktiv (vorsorgend) erfolgen und betrifft sowohl soziale als auch natürliche Systeme“.Bundeszentrale für politische Bildung: Glossar – Dossier Klimawandel Man spricht auch von der Anpassung (oder Adaptation) an den Klimawandel oder kurz von Klimaanpassung. Ziel dieser Anpassung ist eine Verbesserung der Klimaresilienz.

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) definiert Anpassung an den Klimawandel als „Initiativen und Maßnahmen, um die Empfindlichkeit natürlicher und menschlicher Systeme gegenüber tatsächlichen oder erwarteten Auswirkungen der Klimaänderung zu verringern“. Die Anpassungsfähigkeit („adaptive capacity“) eines Landes oder einer Gesellschaft hängt von verschiedensten Parametern ab, beispielsweise vom Entwicklungsstand und der ökonomischen Leistungsfähigkeit, vom Wissen über die zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels etc.

Anpassung an die globale Erwärmung ist nicht unbegrenzt möglich: Es existieren Grenzen der Anpassung an eine zukünftige Temperaturerhöhung, die für manche menschliche und ökologische Systeme bereits bei 1,5 Grad Erderwärmung um das Jahr 2030 erreicht werden. Mit einer größeren Temperaturerhöhung sinkt die Anpassungsfähigkeit weiter ab.IPCC 2018: Sonderbericht 1,5 °C globale Erwärmung. Summary for Policymakers, S. 12

Investitionen in Maßnahmen zur Anpassung sind lukrativ. Fachleute gehen davon aus, dass jeder in Vorbeugung investierte Dollar bis zu 10 Dollar an Schäden durch Naturkatastrophen vermeiden kann.

Anpassungsmaßnahmen allgemein Die IPCC-Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Palette potenzieller Anpassungsmaßnahmen sehr umfangreich ist; sie reicht von rein technologischen Maßnahmen (z. B. Küstenschutz) über Verhaltensänderungen (z. B. Ernährungsverhalten, Wahl der Urlaubsziele) und betriebswirtschaftlichen Entscheidungen (z. B. veränderte Landbewirtschaftung) bis zu politischen Entscheidungen (z. B. Planungsvorschriften). Sie können durch private oder öffentliche Akteure ergriffen werden und autonom oder geplant umgesetzt werden. Die angemessene Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen erfordert entsprechende Kenntnisse. Es stünden jedoch noch enorme ökologische, ökonomische, informationelle, soziale, bewusstseins- und verhaltensbezogene Barrieren der Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen entgegen. Zum Beispiel können Klimaanpassungsmaßnahmen in Städten zu erhöhten Bodenpreisen und Mieten führen, welche unbeabsichtigte soziale Probleme hervorrufen (Gentrifizierung). Angesichts der Tatsache, dass der Klimawandel sich auf viele Sektoren einer Volkswirtschaft auswirkt, ist die Integration von Anpassung z. B. in nationale Entwicklungspläne, Armutsbekämpfungsstrategien oder sektorale Planungsprozesse eine zentrale Herausforderung.

Jens Beckert weist darauf hin, dass Anpassung nicht nur eine Aufgabe für Ingenieure sei, sondern es auch darum gehe, „gesellschaftliche und politische Ordnung“ widerstandsfähiger gegenüber den Stress zu machen, der aus dem Klimawandel selbst resultiert. Je stärker sich die Folgen der globalen Erwärmung auswirkten, desto stärker würden gesellschaftliche und zwischenstaatliche Konflikte werden, was soziale und politische Ordnungen gefährde. In diesem Kontext verweist er u. a. auf Konflikte um knapper werdendes Wasser, Landwirtschaft, Bebauung und Ressourcennutzung, die noch durch den Umstand verstärkt würden, dass die finanziellen Spielräume für ihre Bewältigung immer stärker von Maßnahmen zur Bewältigung von Klimafolgen eingeengt würden.Jens Beckert: Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht. Berlin 2024, S. 184f.

Anpassungsfähigkeit Der IPCC versteht unter Anpassungsfähigkeit („adaptive capacity“) die „Gesamtheit der Fähigkeiten, Ressourcen und Institutionen eines Landes oder einer Region, um wirksame Anpassungsmaßnahmen umzusetzen“. Sie ist von unterschiedlichsten Faktoren abhängig, wie dem Wohlstand, der verfügbaren Technologie, der Bildungsqualität, der Infrastruktur, Managementfähigkeiten oder dem Zugang zu Wissen.

Die Anpassungsfähigkeit ist begrenzt. Der IPCC unterscheidet in seinem 2022 erschienenen Sechsten Sachstandsbericht zwischen harten und weichen Grenzen der Anpassungsfähigkeit. Harte Grenzen der Anpassungsfähigkeit sind definiert als Grenzen, bei denen bestehende Anpassungsmaßnahmen wirkungslos werden und auch keine weiteren Optionen zur Anpassung mehr existieren. Bei ihnen handelt es sich z. B. um evolutionär bedingte Grenzen, die bei Überschreiten ein lokales oder auch generelles Aussterben von Arten zur Folge haben. Weiche Grenzen sind z. B. unzureichende finanzielle Möglichkeiten zur Umsetzung von Anpassungsoptionen. In manchen Ökosystemen wurden bereits harte Grenzen erreicht, weitere werden mit zunehmender Erwärmung erreicht. Noch bei weniger als 1,5 °C Erwärmung werden mit großer Sicherheit verschiedene Arten und Ökosystemen an Land und im Wasser an harte Grenzen ihrer Anpassungsfähigkeit stoßen, wodurch es zum Aussterben von Arten, zur Destabilisierung von Ökosystemen und zu einem daraus resultierenden Verlust von Lebensgrundlagen kommen wird. Ein Beispiel für Ökosysteme, bei denen bereits das Überschreiten dieser harten Grenzen der Anpassungsfähigkeit beobachtet wurde, sind tropische Korallenriffe, bei denen es lokal bereits zu irreversiblen Verlusten kam. Ebenfalls beobachtet wurden bereits große lokale Populationsrückgänge, die sich bereits auf menschliche Nahrungsketten und Lebensgrundlagen ausgewirkt haben. Von weichen Grenzen sind derzeit insbesondere Personen, Haushalte, Städte und Siedlungen an Küsten sowie Kleinbauern betroffen. Mit steigendem Meeresspiegel und immer stärker werdenden Extremwetterereignissen stehen an Küsten gelegene menschliche Siedlungen zunehmend unter finanziellen, institutionellen und sozioökonomischen Zwangslagen und vor kurzfristig zu realisierenden Anpassungsmaßnahmen, wodurch z. B. die Wirksamkeit von Küstenschutzmaßnahmen zurückgeht und es zu höherer Sterblichkeit und ökonomischen Verlusten kommt. Der IPCC prognostiziert, dass ab 1,5 °C Küstensiedlungen, die auf naturbasierten Küstenschutz angewiesen sind, an harte Grenzen der Anpassungsfähigkeit stoßen. Auch die weichen und harten Grenzen der Anpassung an die Risiken von Hitzestress, Hitzetod und eingeschränkte Kapazitäten für die Arbeit im Freien für den Menschen nehmen ab 1,5 °C Erwärmung deutlich zu, gerade in warmen Regionen. Ab 3 °C werden zudem harte Grenzen für wasserwirtschaftliche Maßnahmen projiziert, die zu einer verminderten Wasserqualität und -verfügbarkeit führen und negative Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden haben werden. Ebenfalls wird es zu wirtschaftlichen Verlusten in wasser- und energieabhängigen Sektoren und einer möglichen Migration von Siedlungen kommen. Eng mit der Verfügbarkeit von Wasser hängt zudem die Ernte von landwirtschaftlichen Produkten wie Getreide zusammen, die ebenfalls harten und weichen Grenzen der Anpassung unterliegt.

Anpassung und Vulnerabilität Insgesamt wird die Fähigkeit zur Anpassung stark durch die Vulnerabilität geprägt. Dabei spielen sozio-ökonomische Faktoren eine zentrale Rolle. Das Ausmaß der Vulnerabilität wird unter den drei folgenden Gesichtspunkten betrachtet: die Exposition (wie stark die Klimaveränderungen in einem Land ausfallen), die Empfindlichkeit (welche Konsequenzen der Wandel hat) und schließlich die Anpassungsfähigkeit (die Möglichkeiten, sich auf Veränderungen einzustellen und sich vor negativen Folgen zu schützen). Der IPCC zählt zu den Ländern und Regionen, die sich durch eine besonders hohe Vulnerabilität auszeichnen, insbesondere die am wenigsten entwickelten Entwicklungsländer, die sogenannten Least Developed Countries (LDCs). Anders als die meisten Industrieländer, die in gemäßigten klimatischen Zonen liegen, sind die meisten Entwicklungsländer aufgrund ihrer geografischen Lage stark exponiert. In den Tropen und Subtropen kommen Extremwetterlagen wie Wirbelstürme oder Dürren häufiger vor und fallen stärker aus. Viele Entwicklungsländer sind zudem besonders empfindlich, weil die wetterabhängige Landwirtschaft ihre Ökonomien prägt. Erschwerend kommt hinzu, dass ein großer Teil der Bevölkerung von Subsistenzlandwirtschaft lebt. Auch um die Anpassungskapazitäten ist es in Entwicklungsländern typischerweise schlecht bestellt. Zum einen fehlt es an Geld für gezielte Maßnahmen, zum anderen herrscht oft Mangel an kompetentem Personal und handlungsfähigen Institutionen. Zur Unterstützung der LDCs wurden im Rahmen der Klimapolitik der Vereinten Nationen spezielle Förderprogramme vereinbart (s. 5.).

Geleitet durch das Umweltbundesamt, wurde vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung 2005 erstmals eine bundesweite Vulnerabilitätsanalyse für Deutschland durchgeführt. Dabei wurden die Handlungsbereiche Wasser, Wintersporttourismus und Gesundheit als besonders verwundbar bewertet. Außerdem wurden die Regionen Südwestdeutschland (Oberrheingraben), die zentralen Gebiete Ostdeutschlands (Nordostdeutsches Tiefland, Südostdeutsche Becken und Hügel) und die Alpen als am stärksten verwundbar identifiziert, während die geringste Vulnerabilität für die deutschen Mittelgebirge und Nordwestdeutschland gesehen wurde.KomPass – Risiken und Verwundbarkeit. Abgerufen am 5. August 2014.

Im Rahmen des durch das Umweltbundesamt (KomPass) geleiteten Forschungsvorhabens „Netzwerk Vulnerabilität“ wurde zwischen 2011 und 2015 eine aktuelle deutschlandweite Vulnerabilitätsanalyse erarbeitet. Der Schlussbericht wurde der Öffentlichkeit am 24. November 2015 vorgestellt.Folgen des Klimawandels in Zukunft deutlich stärker: 16 Bundesbehörden und -institutionen legen Studie zu den zukünftigen Folgen des Klimawandels in Deutschland vor

Außerdem liegen Vulnerabilitätsanalysen für einzelne Bundesländer und Regionen sowie für einzelne Handlungsfelder wie beispielsweise Gesundheit vor.Netzwerk Vulnerabilität –

Die Beurteilung der Vulnerabilität dient vor allem auch der Prognose. Indizes erleichtern in diesem Zusammenhang die gezielte Vorbereitung auf zu erwartende Krisen und ermöglichen eine rechtzeitige Anpassung.

Der Climate Conflict Vulnerability Index wurde unter Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) entwickelt. In ihm wird berücksichtigt, dass soziale und kriegerische Konflikte mit krisenhaften Klimafolgen häufig zusammenfallen. Einer der am längsten bestehenden Indizes, die jährlich erscheinen, ist der Klima-Risiko-Index von Germanwatch. Er misst, welche Folgen Klimaveränderungen für die Länder haben können. Die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) stellt Landwirten weltweit Beurteilungskriterien zur Einschätzung des Klimarisikos zur Verfügung (Vulnerability Assessment and Analysis). Auf der Website der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) können sich Fischer mittels des Climate Vulnerability Assessment Tool über die Einflüsse des Klimawandels auf verschiedene marine Ökosysteme informieren.

Regionale Vulnerabilität In folgenden Regionen ist die Verletzlichkeit laut IPCC besonders hoch: in ganz Afrika wegen der erwarteten starken Klimafolgen und der geringen Anpassungskapazität, in den kleinen Inselstaaten, welche der Anstieg des Meeresspiegels in ihrer Existenz bedroht, und in den Großdeltaregionen und Küstenregionen in Asien und Afrika mit hohen Bevölkerungsdichten, die regelmäßig Überschwemmungen und Stürmen ausgesetzt sind, in der Arktis, aufgrund der Auswirkungen durch die besonders hohe Erwärmungsrate (siehe Polare Verstärkung).IPCC: