mini|hochkant=1.5|Städtisches Museum Neunkirchen Das Städtische Museum Neunkirchen ist ein Stadt- und Bezirksmuseum der Stadt Neunkirchen in Niederösterreich und steht in der Stockhammergasse 13. Das Gebäude steht unter .

Geschichte Gründung im 20. Jahrhundert Bereits seit dem späten 19. Jahrhundert wurde die Errichtung eines Regionalmuseums in Neunkirchen angedacht. So wurde bereits anlässlich des Fundes römischer Grabplatten bei der Fundamentierung der Neunkirchner Druckfabrik 1893 über die Gründung eines solchen „Localmuseums“ gesprochen.Monatsblatt des Alterthums-Vereines zu Wien. IV. Band, 1893, S. 77. Auf Anfrage der „K.K. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denkmale“ teilte die Neunkirchner Druckfabriks-Actien-Gesellschaft mit, dass die „Römersteine“ an das „beabsichtigte Local-Museum“ kommen sollen, falls dieses zustande käme.Alois Hauser in: Bericht der K.K.Central-Commission für Erhaltung und Erforschung der Kunst- und Historischen Denkmale über ihre Thätigkeit im Jahre 1893. Wien/Leipzig 1894, S. 55.

Die damaligen Pläne für die Errichtung eines Museums gingen vor allem auf Heinrich Moses zurück. Der 1852 geborene Moses (auch Mose oder in Eigennennung Moser) entstammte einer jüdischen Hausiererfamilie aus dem Raum Mattersburg und war ab 1878 als Volksschullehrer im Bezirk Neunkirchen tätig. Mose war Mitglied des Vereins für Volkskunde, sammelte historische Objekte und verfasste zahllose Aufsätze. Auf einer Gewerbemesse 1910 stellte er mit Unterstützung des Neunkirchener Bürgermeisters Emil Stockhammer seine historische Sammlung, mit dem Schwerpunkt Zunftwesen, aus.Landwirtschaftliche und Gewerbliche Ausstellung in Neunkirchen 1910. Ausstellungskatalog, Neunkirchen 1910, S. 138–139. Wegen des großen Publikumserfolges wurde der Beschluss gefasst, ein Localmuseum zu gründen. Daher wird noch heute das Jahr 1910 als Gründungsjahr des Neunkirchener Museums angesehen.

Am 25. September 1911 wurde das „Localmuseum“ in zwei Räumen des Rathauses eröffnet. Die Sammlung umfasste fast ausschließlich Objekte der Geschichte, Volkskunde und aus dem Marktarchiv. Am 28. Dezember 1914 wurde Mose, kurz vor seiner Pensionierung als Lehrer, vom Gemeinderat der Titel „Kustos der Marktgemeinde Neunkirchen“ verliehen, und er wurde offiziell zum ersten Museumsleiter ernannt.Karl Schmidl: Chronik Neunkirchens. Neunkirchen 1965. Inmitten des Ersten Weltkrieges zog Mose nach Wien. Im Verlauf des Krieges wurde in den Museumsräumen eine Brotkarten-Vergabestelle eingerichtet und das gesamte Museumsinventar wurde ungeordnet in ein Privathaus verfrachtet, wobei vieles beschädigt oder zerstört wurde. Im Jahr 1920, dem Jahr von Neunkirchens Stadterhebung, starb Heinrich Mose. Damit fand das Neunkirchner Museum ein vorläufiges Ende.Gerhard Milchram: Heinrich Moses / Mose / Moser (1852–1920). Volksschullehrer – Volkskundler – Lokalhistoriker – Museumsgründer. In: Unsere Heimat 79, Heft 1, 2008.

Aufbau der Sammlung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts In den frühen 1920er Jahren begann sich der akademische Maler Fritz Weninger im Zuge seiner ersten Freskenrestaurierungsarbeit in Neunkirchen (Sonnenuhr am Bräuhaus), eingehend mit der Geschichte Neunkirchens und seines ersten Museums zu befassen. Nachdem er sich bei Bürgermeister Robert Zangerl über das Museum informiert hatte, begann Weninger 1926, die zerstreuten Bestände zusammenzutragen und die Stadtgemeinde bewilligte die Wiedereröffnung eines Museums in den alten Museumsräumen im Rathaus. Weninger wurde am 2. Mai 1927 zum Kustos des Museums bestellt. Bereits in den ersten beiden Jahren seiner Tätigkeit konnte er die Bestände des Museums von etwa 200 auf 1200 Objekte vergrößern. Ihm ging es dabei vor allem darum, ein anschauliches Lehrmuseum schaffen, vor allem für Kinder. In diesen frühen Jahren konnte Weninger durch die großen archäologischen Entdeckungen im Bezirk bereits den Grundstock für die umfangreichen ur- und frühgeschichtlichen Sammlungen des Museums legen. Er begann aber auch damit, Mineralien und Versteinerungen zu sammeln und damit die paläontologische Sammlung des Hauses aufzubauen. Jedoch konnte das entstehende Museum noch nicht öffnen, da noch weitere langjährige Arbeiten zum Aufbau der Sammlung nötig waren. Diese wurden Weninger durch die tatkräftige Mithilfe des Oberlehrers Karl Patacek und des Konditormeisters Rudolf Stalla jedoch ungemein erleichtert.Fritz Weninger: Das städtische Museum. In: Neunkirchen 1918-1928. Die Aufbauarbeit der Stadtgemeinde im ersten Jahrzehnt der Republik. Neunkirchen 1928, S. 41–42.

Am 29. April 1931 konnte die neue Institution schließlich unter dem Namen „Städtisches Museum Neunkirchen“ in drei Räumen des Rathauses eröffnet werden. Im Juli desselben Jahres wurden schließlich auch Patacek und Stalla von der Stadtgemeinde zu Kustoden des Museums bestellt, die von da an das Museum gemeinsam mit Weninger leiteten. Bis zum Jahr 1960 sollte es nun stets zwei oder drei Kustoden geben.

Weninger kümmerte sich vor allem um die Bereiche Volkskunst und Archäologie, war er ja auch als Konservator für sämtliche Ausgrabungen im Bezirk Neunkirchen zuständig. Patacek betreute die mineralogisch-paläontologische Sammlung sowie Archiv und Korrespondenz. Stalla kümmerte sich schließlich um die naturkundliche Sammlung. Gemeinsam betreuten die Kustoden die historischen Sammlungen. Dieses Arbeitsmodell erwies sich als ungemein effektiv. Denn schon 1938 war im Posttrakt des Rathauses wiederum zu wenig Platz für das Museum mit seinen mittlerweile über 4000 Objekten vorhanden.

Das Museum im Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit Eine Lösung für das Platzproblem wurde gefunden, als das Wohnhaus des ehemaligen Bürgermeisters Emil Stockhammer zu günstigen Bedingungen erworben werden konnte. Seine Ziehtochter, Leopoldine Stockhammer, überließ 1940 der Gemeinde das Haus gegen eine kleine Rente. Sie selbst und ihre alte Hausgehilfin Marianne Weißenböck bewohnten nach wie vor einen Trakt des Hauses, der Rest bot aber genügend Platz für die umfangreichen Sammlungen des Museums. Damit wurden unbeabsichtigterweise auch die Museumssammlungen gerettet, da das Rathaus zusammen mit einem Großteil des Stadtarchivs im Jahre 1945 vollständig abbrannte. Leopoldine Stockhammer und ihre Hausgehilfin wurden als Mitarbeiterinnen des Museums angestellt und bewahrten Haus und Sammlung im Zweiten Weltkrieg vor Kriegsschäden durch eine Brandbombe und Plünderungen. Ein Großteil der Sammlungen war in die Pfarrhöfe von Hasbach und Schwarzau im Gebirge ausgelagert worden. Nach Kriegsende konnten so fast alle Objekte wieder ins Museum zurückkehren. Unter den wenigen Objekten, die verloren gegangen sind, befand sich ein hochmittelalterliches Schwert aus Schwarzau am Steinfeld.

Nachdem Stalla 1944 in Brest-Litowsk gefallen war und Patacek 1953 verstorben war, wurde Weninger 1953 auf Wunsch der Stadtgemeinde der akademische Maler Karl Steiner als neuer Mitkustos zur Seite gestellt. Das Verhältnis zwischen den beiden Kustoden dürfte aber mehr als gespannt gewesen sein und eskalierte schließlich in einer Auseinandersetzung, die Steiner gewann. So klagt Weninger in seinem Bericht über die Aufbauarbeit im Museum: „…, der [Karl Steiner] nach verschiedenen Übergriffen bei der Gemeinde durchsetzte, dass ich als Kustos nach 26 Jahren Aufbauarbeit abgesetzt und diesem die alleinige Museumsleitung übergeben wurde.“Fritz Weninger: Bericht über 35 Jahre Aufbauarbeit des Museums Neunkirchen. Neunkirchen 1961, S. 1–3. Aus den Unterlagen des Museums geht aber hervor, dass dieser Zustand nicht lange anhielt, da die Stadtgemeinde auch Steiner wiederum einen Mitkustos zur Seite stellen wollte. Diese Aufgabe übernahm zunächst der Kunstmaler Julius Seiser, der nach kurzer Zeit vom Lehrer Karl Bous abgelöst wurde und zuletzt der Volksschuldirektor Karl Schmidl.

1957, nach nicht einmal 5 Jahren, legte Steiner sein Amt als Kustos nieder und Schmidl folgte ihm als alleiniger Kustos nach. Er gab das früher so erfolgreiche Modell der zwei bis drei Kustoden auf und leitete das Museum von da an als einziger Kustos. Die Quellen über die Zeit von 1953 bis 1957 im Städtischen Museum sind nur lückenhaft, bei der Inventur und Aufbereitung der Museumsobjekte wurden aber in diesem Zeitraum nur wenige Fortschritte gemacht. Viele Museumsbestände waren in dieser Zeit im Keller eingelagert, ohne dass man sich um ihren Erhalt gekümmert hatte, worunter sie stark gelitten hatten. Das Inventar war lückenhaft und noch nicht auf im Zweiten Weltkrieg abhanden gekommene Stücke geprüft worden, die Arbeitseffizienz im Museum war in diesem Zeitraum gering.Karl Schmidl: Tätigkeitsbericht des Museums 1959. Neunkirchen 1960, S. 1–3. Unter Karl Schmidl sollte das Neunkirchener Museum nun aber erneut eine positive Veränderung erleben.

Modernisierung und Stagnation Unter Karl Schmidl als Kustos wurde das Museum radikal umgestaltet. Die geologisch-paläontologische Sammlung wurde von Robert Mayerhofer vom Niederösterreichischen Landesmuseum geordnet und neu aufgestellt. Die archäologische Sammlung wurde vom bekannten Althistoriker und Archäologen Franz Hampl, der 1970 das Ur- und Frühgeschichtemuseum in Asparn an der Zaya gründete, neu aufgestellt. Hampl hatte schon Mitte der 1950er Ausgrabungen in Neunkirchen durchgeführt. Bereits 1956 hatte er im Garten des Museums die experimentalarchäologischen Modelle eines Röstbetts und eines Kupferschmelzofens gebaut, die damit zu den ältesten experimentalarchäologischen Bauten Österreichs zählen.

Zwar bewohnte in den 1950er-Jahren Leopoldine Stockhammer ihr Geburtshaus nicht mehr, doch dienten ihre ehemaligen Räumlichkeiten nun dem Kustos und seiner Familie als Wohnung. Schmidl wollte aber mehr Platz für die Sammlungen des Museums schaffen. Daher begann man 1959 mit dem Bau eines eigenen Hauses für den Kustos inmitten des großen Museumsgartens und der Ausstellungsraum des Museums wuchs damit von 6 Räumen auf 12 Räume an, wodurch erstmals ein Großteil der Museumssammlungen auch tatsächlich präsentiert werden konnte.

Auch die historischen, volkskundlichen und wirtschaftskundlichen Sammlungen ließ Schmidl durch Experten des N.Ö. Landesmuseums neu aufstellen. Zudem wollte er dem Museum eine größere Attraktivität verleihen, indem er ihm den damals modernen Namen „Heimatmuseum“ verlieh.Karl Schmidl: Das Heimatmuseum in Neunkirchen. Neunkirchen 1960, S. 1–2. Nach längeren Umbauarbeiten wurde das Museum am 25. März 1961 unter dem Namen „Heimatmuseum Neunkirchen“ neu eröffnet.