mini|Susanne Schröter (2025) Susanne Schröter (* 24. September 1957 in Nienburg/Weser) ist eine deutsche Ethnologin und Hochschullehrerin. Sie ist emeritierte Professorin am Institut für EthnologieGoethe-Universität — Mitarbeiterprofil: Schröter, Susanne (uni-frankfurt.de), abgerufen am 17. Dezember 2023. und war bis September 2025 Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.ffgi.net

Von 2009 bis 2017 war sie Direktoriumsmitglied im Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.Gremien und Ehrenämter / Susanne Schröter, abgelaufene Mitgliedschaften (susanne-schroeter.de), abgerufen am 17. Dezember 2023. Von 2016 bis 2019 war sie auch Principal Investigator im Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Schröter ist Vorstandsmitglied des Deutschen Orient-Instituts.Vorstand - Deutsches Orient-Institut (deutsches-orient-institut.de), abgerufen am 17. Dezember 2023. Sie ist Mitglied im Senat der Deutschen Nationalstiftung.

Leben Schröter studierte von 1977 bis 1986 Anthropologie, Soziologie, Kultur- und Politikwissenschaften sowie PädagogikEintrag zu Susanne Schröter im academia-net abgerufen am 26. April 2019. an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 1994 wurde sie im Fach Ethnologie bei Karl-Heinz Kohl mit einer Arbeit über Männliche Selbsterhaltungsstrategien angesichts der Vorstellung omnipotenter Weiblichkeit – Materialien zur Konstruktion von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ in Melanesien promoviert. Von 1995 bis 1997 war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethnologie und Afrikastudien in Mainz tätig und von 1997 bis 1999 am Frobenius-Institut in Frankfurt. Schröter habilitierte sich 1999 mit einer Schrift zum Thema Kéo rado – Die Austreibung des Bösen. Ein Beitrag zur Religion und Sozialstruktur der Ngada in Ostindonesien an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

In den Jahren von 1999 bis 2004 vertrat sie den Lehrstuhl für Ethnologie am Institut für Ethnologie und Afrika-Studien, sowohl in Mainz als auch in Frankfurt. In diese Zeit fiel auch eine Gastprofessur am Department of Anthropology der Yale University, New Haven. 2004 wurde sie zur Universitätsprofessorin auf den Lehrstuhl für Südostasienkunde I – Insulares Südostasien der Universität Passau berufen. Von 2008 bis zu ihrer Emeritierung war Schröter Professorin für „Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen“ im Exzellenzcluster „Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt. 2008 gründete sie das Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) und blieb bis zur Schließung 2025 dessen Leiterin.

2021 gründete sie mit Andreas Rödder, Kristina Schröder und weiteren Initiatoren die Denkfabrik „für neue bürgerliche Politik“ Republik21.

Susanne Schröter hat drei Kinder, die sie ebenso wie ihr Mann auch auf Forschungsaufenthalten nach Indonesien begleiteten.Anette Rein: Informieren und Debattieren! Ein Gespräch mit der Ethnologin Prof. Dr. Susanne Schröter über Museen und die sog. Flüchtlingskrise. Museum Aktuell, Nr. 225. Verlag Dr. Christian Müller-Straten, München 2015, S. 8–13, hier S. 12.Islam-Expertin Susanne Schröter - Die Mahnerin. Frankfurter Neue Presse, 15. Oktober 2016.

Positionen Im Januar 2016 wurde sie im Feuilleton der FAZ zu den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht 2015 und zum Begriff des sogenannten Taharrusch dschama'i interviewt. Sie konstatierte, im Diskurs zum Umgang mit Muslimen aus patriarchalen Gesellschaften und der Geschlechterforschung seien die Bezüge „zur gesellschaftlichen Wirklichkeit verlorengegangen“. Zur Konfliktlösung sieht sie die Notwendigkeit, umgehend Konzepte zur Aufklärung zu entwickeln und umzusetzen. Den Flüchtlingen müssten die hiesigen Regeln im Umgang der Geschlechter genau und im Rahmen von Rollenspielen erklärt werden. Die Männer sollten die Chance haben, „die Spielregeln unserer Kultur im Geschlechterkontakt zu erlernen und sich adäquat zu verhalten“, aber auch Konsequenzen erleben, wenn sie das nicht tun.

In einem Interview mit der taz gab sie an, explizit nur zum politischen Islam und zu Totalitarismus zu forschen, sodass von ihr eventuell geäußerte Kritik nicht als Kritik am Islam per se verstanden werden dürfe. Das Konzept der Verschleierung im Islam bezeichnete sie dabei als „absolute Dämonisierung des weiblichen Körpers“. Zudem solle der „Islam nicht mit negativen Dingen in Bezug“ gebracht werden, stattdessen werde „auf Islamfeindlichkeit oder die Diskriminierung von Muslimen“ fokussiert.

Laut Schröter haben 150 Jahre Frauenbewegung dazu geführt, dass Männer zwar noch einige Bereiche dominieren, während in anderen Gleichberechtigung herrsche oder sogar Männer benachteiligt würden, wenn sie etwa bei Einstellungen per se ausgeschlossen seien. Das Schlagwort der alten weißen Männer hält sie daher für eine „rassistische Konstruktion“. Schröter war 2020 eine der Erstunterzeichnerinnen des Appells für freie Debattenräume.

Schröter warnte nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 sowie dem folgenden Krieg in Israel und Gaza seit 2023 in Bezug auf die deutsche Gesellschaft vor „beunruhigenden Allianzen beim Antisemitismus“,Islamforscherin: Beunruhigende Allianzen beim Antisemitismus, Zeit Online, 3. Januar 2024, abgerufen am 24. Januar 2024. der rechte, linke und muslimische Kräfte verbinde. Auch an Universitäten gebe es „starke anti-israelische Stimmen“.Islamforscherin: Beunruhigende Allianzen beim Antisemitismus, Zeit Online, 3. Januar 2024, abgerufen am 24. Januar 2024.

Kontroversen Während Schröter eine starke Präsenz als Interviewpartnerin in deutschen Medien genießt, wenn es um die Themen Migration, Islam und Islamismus geht, schlägt ihr aus den Bereichen Wissenschaft und Medien mitunter heftige Kritik entgegen. Dabei geht es sowohl um die Frage der Wissenschaftlichkeit als auch um den Vorwurf des politischen Aktivismus.

Artikel im Nahost-Fachmagazin Zenith Das Nahost-Fachmagazin Zenith befand, man denke bei Schröters populärwissenschaftlichen Sachbüchern und Veröffentlichungen an „ein islamkundliches Allround-Talent mit einem extrem breiten Fachgebiet“. Bei Betrachtung ihrer akademischen Arbeit könne sie aber „allenfalls [als] Expertin für Südostasien“ gelten.Von welcher Wissenschaft ist hier die Rede?, Zenith, 25. Mai 2023. Sebastian Elsässer, Dozent für Islamwissenschaft an der Universität Kiel, bezeichnete Schröters Arbeiten als „solide Populärwissenschaft“, welche allerdings zumindest für seine eigenen Forschungen zum Islamismus irrelevant seien. Johanna Pink, Professorin für Islamwissenschaft an der Universität Freiburg, erklärte, aus einer islamwissenschaftlichen Perspektive seien ihr „Schröters Arbeiten nie als relevant erschienen.“ Reinhard Schulze, emeritierter Professor für Islamwissenschaft der Universität Bern, konstatierte: „Schröters Führungsposition an einem Forschungszentrum ist fachlich nicht begründbar.“ Zudem sei, so Schulze, „das FFGI in die rechte Ecke abgedriftet.“ Roy Karadag, Dozent für Politikwissenschaft an der Universität Bremen, kritisierte, dass Schröters wissenschaftliches Arbeiten mit der Zunahme eines aktivistischen Wirkens und ihrer starken medialen Präsenz innerlich an Wert verlöre. Laut dem Magazin Zenith werfen diverse Islamwissenschaftler hinter vorgehaltener Hand Susanne Schröter und dem FFGI vor, wenn überhaupt, dann nicht ergebnisoffen zu forschen und Populismus im Gewand der Wissenschaft zu betreiben. Hanno Hauenstein, ehemaliger Kulturchef der Berliner Zeitung, wirft dem FFGI vor, „islamophobe“ Thesen mit einem „Anstrich von Wissenschaftlichkeit“ zu verbreiten, um sie salonfähig zu machen und die Grenzen des Sagbaren so nach rechts zu verschieben. Anders sieht dies der Kieler Islamwissenschaftler Lutz Berger, der Schröter in Schutz nimmt; seiner Meinung nach gebe das FFGI Raum für Diskussionen, „die nicht en vogue“ seien.

Kritik an Politischer Islam: Stresstest für Deutschland Der Politikwissenschaftler Bassam Tibi bezeichnet Politischer Islam: Stresstest für Deutschland als „fragwürdig“. So sei falsch, dass Schröter die Ursprünge des „Politischen Islam“ bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolge. Ihre Fixierung auf das Kopftuch sei „schlicht falsch und ignorant“: „Es geht nicht um das Kopftuch, wie Schröter (2019), die keine Arabisch-Kenntnisse besitzt, in ihrem Buch »Politischer Islam« behauptet.“ Zudem verschlage ihm die Sprache, dass Susanne Schröter drei Richtungen des Islam der neueren Geschichte vermische.

Der Islamwissenschaftler Alexander Flores, Professor an der HS Bremen, bemängelt, dass die Definition des „Politischen Islam“ zu vage sei. Sie habe zudem den Salafismus als eine Spielart des Islamismus eingeordnet. Das sei jedoch falsch, da es sich um eine theologische Position im Islam handle. Auch die Betonung des Kopftuchs greife zu kurz.

Europäische Bürgerinitiative Stop Extremism Susanne Schröter unterstützte die im Juli 2017 vom ehemaligen österreichischen Abgeordneten Efgani Dönmez, Seyran Ates und dem Juristen Sebastian Reimer initiierten European Citizen’s Initiative Stop Extremism (ECI), ein Maßnahmenpaket gegen politischen und religiösen Extremismus in Europa. Ziel ist es, eine EU-Richtlinie zu erreichen, die Schlupflöcher bei der Bekämpfung von Extremismus schließt und europaweit einen effektiven Schutz vor Extremismus etabliert. Zahlreiche prominente Experten und Publizisten, darunter der Autor und Psychologe Ahmad Mansour und der Religionspädagoge Mouhanad Khorchide, unterstützen die Initiative. 2023 kündigte die EU-Kommission eine Überprüfung der Finanzen dieser Bürgerinitiative an, da vermutet wird, dass ausländische Staaten (Vereinigte Arabische Emirate) bei der Finanzierung mitgeholfen hätten. An die Öffentlichkeit gelangte interne Chats der Gruppe enthalten Aufforderungen, die Muslimbrüder, die Türkei und Katar zu attackieren, Saudi-Arabien jedoch nicht zu erwähnen.

Teilnahme an Konferenz „Europäische Werte, Rechtsstaat, Sicherheit“ der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs 2018 2018 nahm Schröter gemeinsam mit Seyran Ateş an einer nicht öffentlichen Konferenz „Europäische Werte, Rechtsstaat, Sicherheit“ unter Leitung des damaligen österreichischen Innenministers Herbert Kickl (FPÖ) im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs teil. Im Voraus hatte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, seine Teilnahme abgesagt, da er nicht an einer Konferenz teilnehmen wollte, die Kickl eröffnet. Im Anschluss an der Konferenz, die sich gegen Antisemitismus und den politischen Islam richtete, dankte Herbert Kickl Susanne Schröter in einer Aussendung.

Konferenzen des FFGI Am 8. Mai 2019 veranstaltete Schröter an der Universität in Frankfurt am Main eine Konferenz mit dem Thema: „Das islamische Kopftuch, Symbol der Würde oder der Unterdrückung?“normativorders.netBericht in der FR vom 9. Mai 2019 Vor allem von einigen (mehrheitlich anonymen) Studierenden wurde diese Konferenz heftig kritisiert. Sie bemängelten etwa, dass dort Gästen wie Alice Schwarzer und Necla Kelek, die regelmäßig auf Zustimmung im rechten politischen Spektrum stoßen, eine Plattform geboten wurde. Allerdings wurde auch Schröter selbst online massiv angegangen und als Rassistin bezeichnet. Darüber hinaus wurde ihre Entlassung aus dem Universitätsbetrieb gefordert. Die Universitätsleitung der Goethe-Universität sowie der AStA stellten sich aber hinter Schröter und verteidigten die Durchführung der Konferenz.Interview mit Susanne Schröter in „kulturzeit“, 9. Mai 2019