Das Gesundheitswesen in Thailand hat eine jahrhundertealte Tradition und teilt sich heute in den öffentlichen Gesundheitssektor, der von der Schulmedizin beherrscht wird, und in den privaten Bereich, in dem vor allem die traditionelle thailändische Medizin gepflegt wird, z. B. die thailändische Massage. Durch seine Lage in den Tropen und Subtropen herrschen in Thailand spezielle Bedingungen, was Krankheiten und deren Vorsorge angeht.

Infolge der Reformen, die seit Beginn des 21. Jahrhunderts greifen, hat heute fast jeder thailändische Staatsbürger einen Anspruch auf gesundheitliche Versorgung, die zu 65 % vom Staat finanziert wird. Der Stand der medizinischen Versorgung ist durchgehend so gut, dass sogar ein Gesundheitstourismus entstanden ist, bei dem die Reisenden überwiegend oder ganz aus medizinischen Gründen nach Thailand kommen. Dies hat auch mit den zu westlichen Ländern deutlich geringeren Kosten für die medizinische Versorgung in Thailand zu tun.

Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Thailänders liegt bei 70,77 Jahren, die einer Thailänderin bei 75,55 Jahren (2009 geschätzt). CIA world factbook PEOPLE; abgerufen am 6. Mai 2010.

Probleme des Gesundheitssystems bestehen darin, dass die meisten Ärzte an Krankenhäusern und nicht in Privatpraxen arbeiten – häufig auch an mehreren gleichzeitig, so dass sie an einem Haus nicht ständig zur Verfügung stehen. Ungewohnt für westliche Patienten ist es auch, dass die stationäre Pflege weitgehend den Angehörigen des Patienten überlassen wird, von denen auch erwartet wird, dass sie beim Patienten übernachten. Das Krankenpflegepersonal beschränkt sich weitgehend auf das Verteilen des Essens und der Medikamente sowie Routinearbeiten, wie Fiebermessen.

Gesundheitssystem Das thailändische Gesundheitssystem wird vom thailändischen Gesundheitsministerium (Ministry of Public Health, MOPH) gesteuert. Hierzu gehören ein Staatssekretär sowie drei Abteilungen (task clusters). Das Ministerium bestimmt die Gesundheitspolitik, steuert die einschlägige Forschung und übernimmt auch die Verwaltung des Gesundheitssystems des Landes, z. B. bei Akkreditierung von Krankenhäusern. Daneben gibt es zahlreiche regionale Behörden, die im Zuge der Dezentralisierung der thailändischen Verwaltung zu Beginn des 21. Jahrhunderts geschaffen wurden und die vom Staatssekretär geleitet werden.

Gesundheitspolitik Die Tendenz in der Gesundheitspolitik Thailands seit Beginn des 21. Jahrhunderts geht in Richtung der Einführung einer ergebnisorientierten Verwaltung (Management by objectives), die auch die angestrebte verstärkte Dezentralisierung ermöglichen soll.

Seit 1961 stellen die Regierungen nationale Entwicklungspläne, u. a. für die Gesundheitsversorgung des Landes auf, die anfangs über einen Zeitraum von sechs, später durchgehend über fünf Jahre liefen. Die ersten drei Planungsstufen konzentrierten sich auf die Wirtschaft, sie wurden deshalb „Nationaler Wirtschaftsentwicklungsplan“ genannt. Später, als soziale Faktoren mehr in den Vordergrund rückten, änderte sich deren Name in „Nationaler Plan für die Wirtschafts- und Sozialentwicklung“. Integriert in diese Planungen war der auf die Gesundheitspolitik fokussierte „Gesundheitsentwicklungsplan“ (Health Development Plan). Seit 1961 gibt es insgesamt neun Planungsstufen, von denen hier nur die die Gesundheit behandelnden Aspekte aufgeführt werden:

1. Erster Gesundheitsentwicklungsplan (1961–1966) Ziele: Erweiterung der Infrastruktur des Gesundheitswesens, z. B. durch Errichtung regionaler Krankenhäuser und Gesundheitszentren für die medizinische Grundversorgung

Ergebnisse: Es wurden eine Reihe neuer Krankenhäuser, vor allem auf der Ebene der Provinzen errichtet; bei der Gesundheitsförderung und der Prävention wurden die Ziele erreicht, doch blieb das Problem zu weniger Stellen für medizinisches und Krankenpflegepersonal.

2. Zweiter Gesundheitsentwicklungsplan (1967–1971) Ziele: Beschleunigung der Ausbildung des medizinischen und Krankenpflegepersonals; Verbesserung der medizinischen Versorgung in ländlichen Gebieten; Verpflichtung für neue Absolventen zum Dienst in ländlichen Gegenden (seit 1965)

Ergebnisse: Die Erfolge waren ähnlich wie im Verlauf der ersten Planungsphase; die Zahl der Absolventen bei Ärzten und Krankenpflegepersonal war geringer als geplant; die Impfschutzkampagnen waren erfolgreicher als während der ersten Phase; insgesamt stieg die Abdeckung der Landkreise (Amphoe) mit eigener medizinischer Versorgung von 42,3 % auf 54,9 %.

3. Dritter Gesundheitsentwicklungsplan (1972–1976) Der Mitte der 1970er Jahre gestaltete Gesundheitsentwicklungsplan orientierte sich an der Gesundheit von Müttern und Kindern, der Familienplanung, der Begrenzung von Infektionskrankheiten sowie an der Verbesserung und Ausweitung von Heilbehandlungen. Es wurden Pilotprojekte zur Entwicklung von umweltgebundener Gesundheit vorbereitet, wobei die lokalen Gemeinschaften einbezogen werden sollten; 1975 wurden erstmals freie medizinische Leistungen für die arme Bevölkerung angeboten.

Ergebnisse: Das Bevölkerungswachstum fiel von 31,5 (1971) auf 26,1 (1976) pro 1.000 Einwohner und die Sterblichkeitsrate sank gleichzeitig von 11,6 (2. Plan) auf 10,9 (3. Plan). Die Zielvorgaben für die Bereitstellung von medizinischem Personal konnten wieder nicht erreicht werden. 1972 begannen die Verpflichtungsmeldungen von Ärzten für ländliche Gegenden, so dass eine signifikante Anzahl neuer Ärzte in diesem Bereich tätig wurde. Die Dienstleistungen im Gesundheitssektor nahmen zu, doch nicht in dem Maße wie geplant, zumindest was die Anzahl der Krankenhausbetten und damit zusammenhängender Dienstleistungen anging. Über alle Amphoe gesehen hatten 70 % ein erstklassiges Gesundheitszentrum und 68,5 % aller Tambon hatten ein Gesundheitszentrum zweiter Klasse.

4. Vierter Gesundheitsentwicklungsplan (1977–1981) Ziele: Minderung von Problemen im Gesundheitssystem; Bereitstellung von ärztlichen Dienstleistungen für alle Bevölkerungsgruppen; 1979 wurde das Ziel „Gesundheit für alle“ bis zum Jahr 2000 ausgerufen, das mit der medizinischen Grundversorgung erreicht werden sollte.

Ergebnisse: Pest und Pocken waren keine Probleme mehr; die Situation der ländlichen Bevölkerung war immer noch unzureichend wegen unhygienischer Bedingungen, der mangelnden Versorgung mit sauberem Wasser und ungesundem Verhalten. Die medizinischen und Gesundheitszentren wurden nun durch Krankenhäuser auf Amphoe-Ebene ersetzt. 1978 wurden die wichtigsten Schutzimpfungsprogramme in die Wege geleitet. Die Ausbildung von dörflichen Gesundheitsverantwortlichen und -freiwilligen begann 1977.

5. Fünfter Gesundheitsentwicklungsplan (1982–1986) Ziele: Das Schwergewicht lag auf der Errichtung von Kreiskrankenhäusern in allen Amphoe des Landes; alle Hebammenstationen sollten zu Gesundheitszentren ausgebaut werden; Beginn der Durchführung von Bestandsaufnahmen zu den notwendigen medizinischen Maßnahmen (Basic Minimum Needs)

Ergebnisse: In 85,2 % der Amphoe wurden Kreiskrankenhäuser eingerichtet oder renoviert; die Abdeckung mit Gesundheitszentren betrug 97,9 % aller Tambon; die Ziele der Heranbildung von Personal wurden größtenteils erreicht: für medizinisches Personal zu 93,6 % und für Krankenpflegepersonal zu 93,8 %; bei der Etablierung von dörflichen Medikamentenstellen konnte man sogar mehr als doppelt so viel erreichen wie geplant.

6. Sechster Gesundheitsentwicklungsplan (1987–1991) Ziele: Ausweitung der Gesundheitseinrichtungen in allen Zielbereichen; Betonung auf der Beteiligung der Öffentlichkeit in der Gesundheitsentwicklung sowie Maßnahmen gegen HIV/AIDS; Aufbau eines Krankenversicherungssystems

Ergebnisse: Die Gesamtlebenserwartung stieg im Zeitraum von 62,8 (für Männer) und 64,8 Jahre (für Frauen) auf ...; sowohl die Sterblichkeit von Müttern im Kindbett als auch die Säuglingssterblichkeit sank; Gesundheitseinrichtungen werden bis auf Tambon-Ebene überall angeboten; die Bedeutung von Gesundheitsrisiken wie AIDS, Verunfallung, Herzkrankheiten, Krebs und geistige Gesundheit wurden als neu entstehende Gefahren erkannt.

7. Siebenter Gesundheitsentwicklungsplan (1992–1996) Ziele: Entwicklung der Gesundheitszentren als Kontaktstelle für die „Gesundheit für alle“-Bewegung; Verbesserung der Qualität der Gesundheitseinrichtungen; Bereitstellung von Gesundheitssicherung für alle Bürger; Verbesserung der Servicequalität und Lösung des Brain-Drain-Problems, bei dem viele Mitarbeiter in den privaten Gesundheitssektor abwanderten.

Ergebnisse: Die Zunahme der Bevölkerung ging 1996 auf 1,3 % zurück; die Gesundheitseinrichtungen wurden in städtischen und in ländlichen Gebieten gleichermaßen von der Zunahme privater Einrichtungen betroffen, in die das vom Staat ausgebildete Personal abwanderte; Krankenversicherungsprogramme waren für etwa 45,5 % der Bevölkerung verfügbar; 80 % der Zielgruppen erhielten die notwendigen Impfschutzstoffe, was zu einer bedeutenden Verringerung damit zusammenhängender Todesfälle führte.

8. Achter Gesundheitsentwicklungsplan (1997–2001) Ziele: Entwicklung des Humanpotentials im Gesundheitswesen, insbesondere beim gesunden Verhalten; Verbesserung der Abdeckung der Krankenversicherung über weitere Bevölkerungsgruppen; Entwicklung der Gesundheitsindustrie

Ergebnisse: Die allgemeine Situation im Gesundheitswesen verbesserte sich, sowohl was die Lebenserwartung als auch was die Krankenversicherungsrate anging; 71 % der Bürger waren krankenversichert; die aufkommenden Krankheiten, wie HIV/Aids, konnten unter Kontrolle gebracht werden; Probleme der Unterversorgung von Müttern und Kindern wurden vermindert.

9. Neunter Gesundheitsentwicklungsplan (2002–2006) Ziele: Entwicklung eines ganzheitlich ausgerichteten Gesundheitssystems für Thailand; Krankenversicherung für alle Bürger; Verbesserung der Qualität der Gesundheitsdienste

Ergebnisse: Die Gesundheitszentren dienen als Orte der medizinischen Grundversorgung; etwa 6.000 solcher Gesundheitszentren sind landesweit im Einsatz; im Jahr 2004 waren 94,3 % der Bevölkerung von der Gesundheitsversorgung erfasst; Netzwerke der Volksmedizin wurden errichtet mit einer gesicherten Qualität der angewendeten Pflanzenstoffe.

Gesundheitsvorsorge in Thailand Impfungen der Bevölkerung

Seit 1977 lässt das Gesundheitsministerium Impfungen durchführen. Diese wurden mit der Zeit an wechselnde immunologische Bedingungen angepasst. Dabei wurden große Fortschritte erzielt. 95 % der unter Einjährigen erhalten Impfschutz gegen BCG, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung und Tetanus (den DTP-Impfstoff in drei Dosen) Hepatitis B

Dies führte allein im Zeitraum von 1999 bis 2004 zu einer beträchtlichen Senkung derjenigen Krankheiten, die mittels Impfung verhindert werden können, und Kinderlähmung tritt seit 1997 überhaupt nicht mehr auf. Die jeweiligen Zielgruppen der Impfungen, meist Kleinkinder, werden regional überwacht und deren Eltern gegebenenfalls zu den Impfungen aufgefordert, um eine möglichst hohe Impfquote zu gewährleisten. Obwohl die Impfquote mit 95 % recht hoch ist, gibt es Probleme bei abseits siedelnden Gruppen, wie den Bergvölkern und der armen ländlichen Bevölkerung, bei denen die Impfquote sehr gering ist. Auch unter den zahlreichen Zuwanderern, die oft nicht registriert sind, gibt es viele Kinder, die nicht ausreichend versorgt werden können. Impfungen werden sowohl in den öffentlichen oder privaten Krankenhäusern als auch in mobilen Impfstationen durchgeführt, um auch die abseits siedelnden Personengruppen im Land zu erreichen.

Aufklärung und Prävention

Aufklärung findet auf vielen verschiedenen Ebenen statt, sowohl landesweit als auch regional und lokal. Ein Schwerpunkt ist die Förderung der Impfbereitschaft durch Informationen zur Verhinderung von Krankheiten und zu den Vorteilen von Schutzimpfungen.