Ferne Sterne ist eine Sammlung von Science-Fiction-Kurzgeschichten und -Erzählungen des Engländers Eric Frank Russell, die 1961 auf Englisch unter dem Titel Far StarsBibliography: Far Stars. Isfdb.org, aufgerufen am 14. Mai 2010 und auf Deutsch 1962 in der Übersetzung durch Heinz Bingenheimer im Wilhelm-Goldmann-Verlag erschien.

Die Sammlung enthält die Werke Kleinarbeit (engl. , 1956), Der Offund (engl. , 1955), Die Warteinweiler (engl. , 1955), Post Scriptum (engl. bzw. ,Bibliography: P.S. Www.isfdb.org, aufgerufen am 14. Mai 2010 1953) Die Zeitlosen (engl. , 1952) und Diabologik (engl. , 1955).Publication Listing. Title: Far Stars. Authors: Eric Frank Russell. Www.isfdb.org, aufgerufen am 14. Mai 2010

Handlung der Kurzgeschichten und der Erzählungen Kleinarbeit

Aus dem Bereich der Andromedanischen Kultur reist ein Hypno durch die Welt und auf die Erde, um zu sondieren, wie man die Menschen dem Imperium aus 200 Planeten unterwerfen kann, von dem er stammt. Sein Name lässt sich näherungsweise als Harasha Vanash wiedergeben. Er durchschaut denkende Wesen im Umkreis einer Meile telepathisch und hält sie auf diese Entfernung völlig in seinem Bann. Seine Kraft versagt lediglich daran, anderen ihre Selbstvernichtung zu befehlen. Vor allem aber ist er nicht gegen das so zähe wie unaufregende Vorgehen der Menschheit auf der Grundlage der Erfahrung gewappnet.

Vanashs Erscheinen belebt Gerüchte über Besuche Außerirdischer. Er schickt sein Raumschiff in eine Umlaufbahn, versteckt in den Bergen die Fernsteuerung und nimmt auf seinem Wege nur einen kleinen Kompass mit. Er gibt sich das exakte Äußere des William Jones, eines Gärtners, der ihm unauffällig und deshalb als Vorbild für eine Kopie geeignet erschienen ist, und lässt sich durch den Vertreter Burge Kimmelman per Auto in die nächste Stadt mitnehmen. Er gelangt an einen geringfügigen Geldbetrag, indem er die Kundin eines Supermarkts telepathisch beeinflusst, lässt sich in einer Pension nieder und hebt eine Bank aus, indem er wiederum genau die Gestalt eines Kassierers annimmt, der den Angestellten des Hauses vom Aussehen her bekannt ist.

Der Ermittler Edward G. Rider vom US-Schatzamt und die örtlichen Polizeiinspektoren Harrison und Kastner überprüfen, ob der Kassierer einen Verwandten hat, der ihm besonders stark ähnelt, geben einen Handzettel an alle Bankangestellten des Landes aus, der die Vorgehensweise des Täters beschreibt, und erstellen ein Phantombild von diesem, das auf den Erinnerungen einer Lederwarenhändlerin an den verdächtigen Käufer eines Geldsacks fußt. Über das Bild stößt man auf Jones und in einer Dielenritze von Vanashs Pensionszimmer auf zwei mandelförmige Samen aus dem Proviant des Außerirdischen. Als bei Jones wie bei dem Kassierer auffällt, dass er zur gleichen Zeit an zwei Orten gewesen zu sein scheint, beschreibt der Gärtner der Polizei Kimmelman, der zuerst Vanash abgesetzt hat, kurz darauf aber auf ihn selbst getroffen und vor Erstaunen aus allen Wolken gefallen ist.

Inzwischen entdecken Astronomen Vanashs Raumschiff. Man glaubt zunächst, es sei der erste von Menschen geschaffene Satellit der Erde. Als auch die Analyse der gefundenen Samen ins Rätselhafte führt, erschließt Rider die Wahrheit. Man spürt auf der Grundlage der Angaben Kimmelmans und weiterer Zeugen Vanashs Fernsteuerung auf, dokumentiert sie nach Maßen und Aussehen, deponiert sie einstweilen weiter in ihrem Versteck und ersetzt sie dann durch eine Attrappe, bei der der vermeintliche Knopf zum Herunterholen des Raumschiffs das Versprühen eines Betäubungsgases auslöst; man installiert Mikrofone in der Erde und legt sich mit Scheinwerfern, Spezialgewehren und Flakbatterien auf die Lauer.

Vanash erkundet noch durch vier Monate hindurch Forschungs- und Fertigungsstätten der Menschen. Als er an seinen Landeplatz zurückkehrt, wirkt das Gas nicht auf seinen Organismus; er bringt die Wachen dazu, sich gegenseitig zu erschießen. Eine weitere Wache befindet sich aber außerhalb der Reichweite von Vanashs hypnotischem Einfluss, fällt deshalb nicht auf die Illusion herein und erschießt den Flüchtenden. Die Menschen holen daraufhin mit der Fernsteuerung das Raumschiff auf den Boden, untersuchen es und errichten eine Armada ähnlicher, aber größerer und in vielem verbesserter Fahrzeuge.Für die ganze Handlung: Eric Frank Russell: Kleinarbeit. In: derselbe: Ferne Sterne. Utopisch-technische Erzählungen. Ungekürzte Ausgabe. Goldmann, München 1964, S. 5–66

Siehe auch: Terminator 2 – Tag der Abrechnung

Der Offund

Das Raumschiff Bustler des Kapitäns McNaught liegt nach langem Flug in Siriusport, da teilt Feldman, der Flottenkommandant für den Siriussektor im terranischen Hauptquartier, McNaught mit, dass der Hauptinspekteur für Schiffe und deren Einrichtungen, Admiral Vane W. Cassidy, in drei Tagen bei ihm eintreffen werde. McNaught fürchtet, es könnte wegen kleinerer Unstimmigkeiten beim Verbleib einzelner Gegenstände zu ruinösen Gerichtsverfahren kommen, lässt das Schiff neu streichen und hält mit dem Zweiten Offizier Pike Inventur über das an Bord Befindliche. Als auf der Liste zwischen den Besitzstücken des Schiffshundes Peaslake ein Offund aufscheint, verweist der Chefkoch Blanchard (der zwar einen starken französischen Akzent hat, sich aber im Besitz eines Zeugnisses von dem Cordon Bleu College und ähnlicher weiterer bedeutender Zertifikate befindet) darauf, dass der ihm unbekannte Gegenstand in den Bereich des Funkers Burman gehören werde, dessen Brocken (Sprechanlagen usw.) sich über das ganze Schiff und auch über die Küche verteilen. McNaught erscheint das schlüssig, da die Funker die Bezeichnungen der Geräte, mit denen sie arbeiten, zu Spitznamen zusammenziehen. Im Vertrauen darauf, dass auch Cassidy den Begriff nicht kennen werde, verpflichtet er Burman, dem wie auch immer gearteten und womöglich ja auch ziemlich teuren Offund eine physische Form zu geben.

Der Inspekteur akzeptiert das eilig angefertigte Werkstück als ein Gerät zum Ausgleichen gegensätzlicher gravitationeller Kräfte. Nach fünf Tagen erhält die Bustler den Befehl, zur Erde zurückzukehren; man will sie angesichts der glatt gelaufenen Inspektion überholen und mit einem verbesserten Antrieb ausstatten. Auf dem Flug macht Burman den Kapitän darauf aufmerksam, dass beim Überholen des Schiffs eine größere Zahl technischer Experten an Bord kommen werde und man ihnen mit der Offund-Attrappe nichts werde vormachen können. McNaught meldet an die Erde, der Offund sei beim Vorbeiflug an der Zwillingssonne Hektor in den auf ihn einwirkenden Schwerekräften zerrissen worden. Zwei Tage später werden durch General-Alarm alle Raumschiffe in die Häfen gewiesen. McNaught genießt das aufwühlende Erlebnis, das er nur selten und aufgrund schwerwiegender Vorkommnisse haben kann, wenn z. B. ein Schiff explodiert oder seine ganze Mannschaft den Verstand verliert. Burman reißt den Kapitän aus seinen Betrachtungen, indem er ihm die sorgenvolle Meldung vom Hauptquartier vorlegt betreffend das Zerreißen das offiziellen Schiffshundes Peaslake sowie die Anordnung, sofort die gesamte Mannschaft ärztlich auf etwaige entsprechende Symptome zu untersuchen.Für die ganze Handlung: Russell 1964, S. 67–84

Für die Kurzgeschichte Der Offund erhielt Eric Frank Russell 1955 den Hugo Award (Best Short Story).Bibliography: Allamagoosa. Www.isfdb.org, aufgerufen am 14. Mai 2010

Die Warteinweiler Der Kommandant des Raumschiffs Thunderer, Leigh, wird durch seinen Vorgesetzten Markham beauftragt, den Planeten Eterna zu erkunden. Der Scout Boydell hat diesen weit draußenRussell 1964, S. 86 im Universum entdeckt; ihm zufolge ähnelt er der Erde so sehr, dass man ohne Spezialausrüstung auf ihm leben kann, und ist er „von intelligenten Wesen verschiedener aber gleichwertiger Denkfähigkeit [bewohnt]“,Russell 1964, S. 87 die er Warteinweiler nennt und als unbesiegbar einstuft.

Der Soziologe Pascoe und der Geophysiker Walterson beobachten den Planeten, der Städte, Dörfer, Straßen und Schienenstränge besitzt, von einer Umlaufbahn aus. Pascoe setzt die Einwohnerzahl niedrig an. Der Thunderer landet in der Nähe einer größeren Stadt. Es stellt sich heraus, dass Tag und Nacht je etwa sechs Monate dauern. Ein mit Solarbatterien betriebener Zug fährt mit halber Schrittgeschwindigkeit vorbei und kehrt nach einer Pause von einer Viertelstunde zurück. Der Helikopterpilot Ogilvy stellt fest, dass die Warteinweiler keine Fluggeräte und Geschütze haben und dass die Straßen der Städte mit unbeweglichen Menschen überfüllt sind und von schleichenden Autos und Straßenbahnen befahren werden. Das einzige flugfähige Tier, das er sichtet, ist eine außerordentlich langsame Art fliegende Eidechse.

Die unbewaffneten Kontaktexperten heben einige der fremdartigen Passagiere aus dem Zug und versuchen, sich mit ihnen zu verständigen. Während sie dabei mit dem Schwindel kämpfen,Russell 1964, S. 106 stößt der Zoologe Garside an Käfern darauf, die örtlichen Organismen seien von normaler Struktur, „aber außergewöhnlich langsam in jeder Beziehung“.Russell 1964, S. 107 Leigh und seine Leute stellen in der Stadt fest, dass die Warteinweiler Schönheitssinn, technisches Verständnis und ein Strafrecht ihr eigen nennen und für ihre Verhältnisse erstaunlich tüchtig sind.Russell 1964, S. 108–109 Sie scheinen allerdings nicht durch eine hörbare Sprache, sondern durch Schirme und Farben zu kommunizieren;Russell 1964, S. 110 ihre Schrift umfasst in etwa 3000 Zeichen.Russell 1964, S. 111

Als die Warteinweiler zum Thunderer zu pilgern beginnen, weicht dieser um ein paar hundert Kilometer aus, um das jeweils ein weiteres Mal zu tun, wenn nach ca. einem Erdentag der nächste Ansturm beginnt. Das Vorhaben, einen BotschafterRussell 1964, S. 119 auf Eterna zurückzulassen, muss beim Abschied von dem Planeten mangels eines Freiwilligen zunächst fallengelassen werden.

Leigh und Pascoe erschaudernRussell 1964, S. 113, 121f in dem Gedanken, dass die Menschen für die Angehörigen einer anderen, womöglich aggressiv sich ausbreitenden Kultur so langsam sein könnten wie für sie selbst die Warteinweiler.

Die Scouts drängen die Natur der von ihnen entdeckten Welten stets sehr knapp in den Bezeichnungen zusammen, die sie ihnen geben. Für Pascoe erreicht das einen vorläufigen Höhepunkt, als Markham ihn mit Leigh nach ihrem Besuch auf Eterna (lat. „ewig“) zu dem Planeten Stinky sendet, den Boydell für sie ausgekundschaftet hat.Für die ganze Handlung: Russell 1964, S. 84–123

Post Scriptum Doktor Malcolm Harrison ist seit zwölf Jahren in Pension und pflegt abendlich durch die Straßen zu bummeln, zwischen denen er über ein Vierteljahrhundert eine kleine Klinik geleitet hat und die bald schon der fortschreitenden Durchdringung der Stadt durch die Technik zum Opfer fallen werden.Russell 1964, S. 125 Im Café von Silvio, bei dessen Geburt er einst geholfen hat, trifft er endlich einmal wieder Jim Corlett, den Raumfahrer, den er ebenfalls bereits als Jungen gekannt hat. Da die ganze Welt und auch der Arzt durch dreidimensionales Kino mit den berühmten Orten im Universum gründlich vertraut ist,Russell 1964, S. 128 erzählt Corlett Harrison von den Bewohnern des abgelegenen nebligen und sumpfigenRussell 1964, S. 129 Planeten Reba. Sie messen kaum einen halben Meter, sind graugrün, gesichts- und geschlechtslos und von Auswüchsen bedeckt,Russell 1964, S. 130 stinken furchterregend und können nur „wie Betrunkene“ einige Schritte laufen, ehe sie genötigt sind, sich mit ihren Wurzeln von Neuem im Boden festzukrallen. Der einzige menschliche Bewohner Rebas ist der verschrobene Sektierer Vater Josef, dessen Vorgänger die Rebanier Englisch lesen und schreiben gelehrt hat.