mini|hochkant|Jacob Wothly Jacob Wothly (eigentlich Jacob Woodtlj; * 2. Juli 1823 in Oftringen; † 27. Juni 1873 in Bözingen, Schweiz) war ein deutscher Fotograf. Wothly gilt als ein Pionier der Fotografie.

Leben miniatur|Joseph La Ruelle Jacob Woodtlj war das siebte Kind von Rudolf Jakob Woodtlj (17. April 1772 bis 24. Oktober 1843) vom Schneggenberg und Elisabeth, geb. Bär (12. September 1783 Aarburg–21. August/April 1846 Biel).(geh. 5. Februar 1803) Familienregister. S. 312. Gemeinde Aarburg. Zivilstandskreis. Frdl.Ausk.v. Frau Corinne Pippi Humm, Leiterin Zivilstandsregister. Später änderte er seinen Nachnamen in „Wothly“. Als 17-Jähriger war er Zeichenschüler der Kunstakademie München.lt. eigenen Angaben. Oftringen. S. 1/177. Ann.: Als Gasthörer. In den Schülerlisten wird er nicht aufgeführt. Matrikelbücher der Kunstakademie München. 1808–1920. Wothly kam als Assistent eines Bärenführers nach Aachen.Prof. E. Hornig, Wien, Referat über Wothly, 1858. Oftringen. S. 7. Tanzbären und Scherenschnitte waren zeitgenössische Jahrmarkt-Attraktionen. Im Herbst 1849 war der 27-jährige Wothly als Silhouetteur im Zentrum von Aachen unter der Anschrift Friedrich-Wilhelm-Graben 583 tätig. In der Aachener Zeitung warb er mit den Worten: „Das Sitzen dauert höchstens 5 Minuten, für die vollkommenste Ähnlichkeit und der feinsten Ausführung wird garantiert. Silhouetten können bei Nacht ebenso wie bei Tag angefertigt werden. Ich bin anzutreffen von Morgens 9 bis Abends 8 Uhr.“Anzeigen in der Aachener Zeitung: „Silhouetten- oder Schattenbilder“. 12. Oktober 1849; 14.; 16.; 18.; 21.; 26. Oktober; 1. November 1849. Anzeige in Echo der Gegenwart v. 10. November 1849., Gemeindearchiv Oftringen, Ruedi Schlosser: „Vom Bärenführer zum Hoffotografen.“ (RS). S. 5f. Franz Lohmeyer.

Einen Monat bevor er nach Aachen kam, hatte Jacob Wothly am 6. September 1849 in Düsseldorf-Hamm Mathilde Juliane Johanna Linden, Tochter des Kellners Friedrich Wilhelm Linden aus Düsseldorf, geheiratet.* 1821 Düsseldorf. Familienregister Aarburg. S. 354 Es ist anzunehmen, dass sich Jacob Wothly vor seinem 24 Jahre dauernden Lebensabschnitt in Aachen eine Zeit lang in Düsseldorf aufhielt. Ab dem 10. Dezember 1849 porträtierte er in Öl und Pastell in einer Aachener Hauptgeschäftsstraße, der Großkölnstraße 964.Ölporträts für 2 Lousid’or und in Pastell zum Preis von 1. Oftringen. S. 7. Echo der Gegenwart. 10. Dezember 1849. RS. S. 5f. (Franz Lohmeyer). Ab 1850 fertigte er Daguerreotypien an.Oftringen. S. 1/177. Seine erste tradierte Aufnahme ist die Abbildung von Joseph La Ruelle. 1855 führte er sein Atelier in der Nähe des Theaters und Telegraphenamtes, 1858 in der Komphausbadstraße, bevor er sich spätestens ab 1861 am Büchel 45 niederließ.Adressbuch Aachen. Die Räume in der Komphausbadstraße nutzte nach Wothly der Aachener Fotograf August Kampf. Nachdem Wothly den Prinzen Georg von Preußen abgelichtet hatte, erhielt er 1861 das Recht verliehen, die Bezeichnung „Hof-Photograph“ zu führen.

Der Geschäftsmann Wothly verkaufte seine Patente und handelte mit eigenen Apparaten. 1867 unternahm er eine Italienreise.Oftringen. S. 3/179. Kurz vor seinem Tod verlor Wothly durch Zahlungsschwierigkeiten des Bankhauses Robert Suermondt & Cie infolge des Gründerkrachs fast sein gesamtes VermögenLudwina Forst, Béatrice Oesterreich & Dieter Detiège: Geschäfts-Zeiten.Thouet, Aachen 2011, ISBN 978-3-930594-37-5, S. 75. Auf einer Reise durch die Schweiz verstarb Jacob Wothly am 27. Juni 1873 in Bözingen bei Biel. Möglicherweise führten die giftigen und radioaktiven Chemikalien, mit denen er gearbeitet hatte, zu seinem frühen Tod.

Werk Jacob Wothly fertigte Porträt- und Architekturfotografien an. Er war auch als Silhouetteur, Maler, Autor, Entwickler von Photoemulsionen und Ingredienzien,Ingredienzien Apparaturen und Hersteller seiner eigenen Linsen tätig. Wothly war Autodidakt in Chemie und Physik.

Atelier mini|Rückseite einer Carte de Visite aus dem Atelier Jacob Wothlys, um 1865 Wothly hat sein Unternehmen unter der Firma Jacob Wothly in das Handelsregister eintragen lassen. Sein Wohn- und Atelierhaus Auf dem Büchel 45 war ein schlichtes Aachener Dreifensterhaus. Es verfügte über einen Laden im Parterre mit „Lager von Etuis, Medaillons, Rahmen sowie Apparate für die Photographie, auch werden Bilder nach Gemälden und Zeichnungen in jedem beliebigen Maßstab geliefert.“Revers Aufdruck einer Wothlytypie des Stadtarchivs Aachen.

Am 30. September 1864 kaufte er das Gut Tivoli mit 10,5 Morgen Land. Der Park des Gutes erinnerte „an die Gärten des italienischen Ortes Tivoli (Latium)“. Er stattete es mit einer Glasschleiferei aus und fertigte in dieser Linsen an. Von 1865 bis 1870 führte er kein Atelier, „um sich hauptsächlich photographischen Experimenten zu widmen.“ Seine Dunkelkammer erhielt „ihr Licht durch gelbes Glas (erhält), woselbst er die Ingredienzien, sogenanntes Harz-Collodion und den empfindlich machenden Liquer (…) mischte und nach wenigen Minuten eine Reihe halber Bögen in unglaublicher Schnelligkeit tadellos überzog und zum Trocknen aufhing.“Reiseaufzeichnungen v. Photograph Professor Dr. Hermann Wilhelm Vogel über den Besuch in Wothly’s Atelier Anfang des Jahres 1865. „Photographisches Archiv“. hrsg. von Dr. Paul E. Liesegang und anderen Gelehrten und Fachmännern. 7. Jahrgang – Nro. 99. Berlin. Theobald Grieben. Amsterdam, Brüssel, London, Madrid, Mailand, Neapel, New York, Paris, Petersburg, Wien. Erstes Februarheft 1866, S. 249ff. (Liesegang).

1872 war Wothly wieder in seinem Atelier auf dem Büchel tätig und wohnte privat im Tivoli vor dem Sandkaultor.

Wothlytypie

Die 1860 entstandene Wothlytypie war ein Resultat von Jacob Wothlys spätestens ab 1857 unternommenen Anstrengungen zur Verbesserung der fotografischen Verfahrenstechnik. Sie ist ein Verfahren zur Herstellung von positiven Bildern unter Verwendung eines Uransalzes, des radioaktiven Uranylnitrat als lichtempfindlichem Material und eines mit einer Kollodiumlösung beschichteten Papiers als Träger.Ausführungen über das Verfahren in: Paul E. Liesegang, J. Schnauss (Hrsg.): Berichte über den Fortschritt der Photographie. Fünfter Band, Jahrgang 1864. Theobald Grieben, Berlin 1864, S. 125 ff.

Die Wothlytypie wurde in der Fachwelt unterschiedlich beurteilt und konnte sich letztendlich nicht dauerhaft durchsetzen. Ein Beweis über die ihm nachgesagte Preisgünstigkeit im Vergleich zum gewöhnlichen Chlorsilberverfahren konnte nicht schlüssig geführt werden.Wolfgang Baier: Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie. 2. Auflage, Schirmer/Mosel, München 1980, ISBN 3-921375-60-6, S. 212 f.

Die Präparate für dieses nach ihm benannte Verfahren unter Verwendung von Uransalzen als lichtempfindlichem Material, ließ Wothly in „dem Laboratorium des Apothekers Ernst Christian Friedrich Schering in Berlin“ herstellen.Ab 1986 fungierte das einstige Hauptlaboratorium als Museum. 2020 wurde das ehemalige Firmenmuseum Scheringianum von der Schering-Stiftung an die Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin übergeben. Das Verfahren ließ sich Wothly 1864 in EnglandWolfgang Baier: Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie. 2. Auflage, Schirmer/Mosel, München 1980, ISBN 3-921375-60-6, S. 212 und am 15. August 1865 in Paris patentieren. Die Lizenzvergabe für dieses Wothlytypie-Verfahren übernahm für Frankreich und Belgien die von Emmanuel Mangel du Mesnil 1865 gegründete Société française de Wothlytypie.

Heliostat (Solarkamera) mini|Solarkamera von Jacob Wothly

Jacob Wothly erfand um 1860 eine SolarkameraFranz Lohmeyer: „Gut Tivoli“ in „Schützenbruderschaft Soers“. Festschrift 1995. Burg, Stolberg. 1995, S. 83.. Mit dieser Kamera, die das Konstruktionsprinzip eines Heliostaten aufwies, konnte Wothly bis zu 2 × 1,5 m große Fotografien herstellen. Er stellte das Verfahren erstmals in der französischen Akademie der Wissenschaften vor. Der von ihm konstruierte Apparat war „ein Vergrößerungsgerät für Sonnenlicht mit selbst hergestellten Linsen von großer Brennweite“.Oftringen. S. 1/177, 8. Abb. s. RS Monatshefte. Ihre „Kondensorlinse hat 1 m Durchmesser und 2 m Brennweite.“ Noch 1890 erwarb Josef Maria Eder (1855–1944, österreichischer Photochemiker) eine „von Wothly gebaute(s)“ Solarkamera. Er stellte sie auf das flache „Dach der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien.“RS. Monatshefte. S. 4. Eder galt als der „ideelle Gründer der ‚k.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproduktionsverfahren‘.“ Er leitete diese 1888 gegründete Einrichtung über 30 Jahre lang. Eder schreibt 1932, dass Wothly 1860 den 1857 von Lieutenant Colonel Joseph Janvier Woodward (1833–1884)J.J.Woodwards Solarkamera s.Abb. in: J. M. Eder: Geschichte der Photographie 4. Auflage. 1932. (Eder), Abb. 155, 156 („Verwendung der Solarkamera“), S. 548f. Frdl. Ausk. v. Hans Rudolf Gabathuler, Photobibliothek.ch, Diessenhofen. s. a. Eder, S. 549 Anm. 1: J. J. Woodward: „Heliostat for Photomicrographie.“ 1896. Woodward „ließ den Apparat in England (unterm 22. Sept. 1857, Nr. 2459) patentieren und brachte den Apparat im Jahre 1859 nach Paris und London zur Kenntnis der Fachkreise. Die Einrichtung seines Apparates (Abb. 155) war der Ausgangspunkt für die Konstruktion aller späteren Solarkameras.“ Eder, S. 549. konstruierten Vergrößerungsapparat praktisch veränderte und „seine fast lebensgroßen Porträte in der Sitzung der französischen Akademie der WissenschaftenFranzösische Akademie der Wissenschaften am 8. Oktober 1860 (präsentierte) … Disdéri in Paris erwarb sich im selben Jahre dieses Verfahren mit dem Rechte es in Frankreich auszuführen, um 20.000 Franken. Diese Funktion der Kamera bestand darin, dass der Reflektor von dem Apparate getrennt wurde, wodurch Erschütterungen durch das Drehen des Spiegels während der Belichtung vermieden wurden. … Die Dimensionen der Wothlyschen Solarkamera waren sehr groß. … . Die enorme Hitze der kondensierten Sonnenstrahlen machte eine Kühlung mit planparallelen Wasserwannen erforderlich.“Eder, S. 549/550, Abb. 157. Auch Hof-Fotograf Joseph Albert stattete sein riesiges Atelierhaus mit einer nach Wothlys System erbauten Solarkamera aus.PC. S. 95/86. Ausführl. Beschreibung von Alberts Atelier in Photographische Correspondenz, 1865, S. 85–89. und . Albert hatte „sein Geschäft in zwei streng geschiedene Abtheilungen getrennt (hat), u. z. die eine für das Porträtfach, die andere für Reproductions- oder Kunstzwecke.“ Mit seinem selbst konstruierten Solar-Gerät erzielte Wothly auf mehreren Ausstellungen Preismedaillen für Vergrößerungen.PC. S. 293/256. RS. S. 18. s. Abb. 24, S. 4.

Hintergrundkopiermaschine mini|Hintergrundkopiermaschine Im März 1864 stellte Wothly seine Hintergrundcopiermaschine in den Photographischen Monatsheften vor.Fr. Bollmann’s: Photographische Monatshefte. Fortgesetzt von K. de Roth. N° 22. März 1864. RS. S. 2f. Als Argumente für sein Tool erklärte er, dass die bisher eingesetzten Glas-Vignetten kostspielig und zerbrechlich waren. Das Einbrennen der Umrissfarben verminderte die Transparenz der Mitte. Eine weitere Methode war eine Art Passepartout, um einen abgetönten Hintergrund bei Kopien zu erzielen. Das Papp-Passepartout musste von einem Assistenten gehalten werden. Daher wurde nur ein Bild pro Kopiervorgang erzielt. Wothly ersetzte den Assistenten durch eine Maschine. Fortan war eine beliebige Anzahl von Kopien mit variabler Einstellung der Pappdeckel möglich. Die Drehung des Tisches verbesserte laut Wothly den Lichteinfall. Die von Wothly konstruierte Hintergrundkopiermaschine ließ er in der Maschinenfabrik von Johann de Houben auf dem Karlsgraben in Aachen anfertigen.Abb. s. ebd. S. 3.

Schüler 1853 zählte der Berner Fotograf Carl Durheim zu seinen Schülern.Carl Durheim Vermutlich gingen einige Aachener Photographen bei Jacob Wothly in die Lehre. Eventuell auch Carl und Egidius Billotte, die Söhne des Malers Heinrich Franz Carl Billotte.

Nachfolger