mini|Prinz-Luitpold-Bad Das Prinz-Luitpold-Bad ist ein Bade- und Hotelbetrieb in Bad Oberdorf, der Deutschlands höchstgelegene Schwefelquelle nutzt.
Geschichte Die Anfänge mini|hochkant|Leonhard Stich mini|hochkant|Bad Oberdorf und der Iseler mini|hochkant|Prinzregent Luitpold, der Namenspatron des Bades Das Wasser der Quelle, die an der Südflanke des Iselers entspringt, war längst bekannt für seine heilkräftige Wirkung, als der Sonthofener Arzt Leonhard StichLebensdaten zu Stich sich Gedanken über eine kommerzielle Nutzung machte. Am 13. Dezember 1862 kaufte er der Gemeinde das Grundstück, auf dem die Quelle sich befand, für 700 Gulden ab. Der Kaufvertrag enthielt eine Klausel, mit der man sich gegen die Errichtung eines weiteren gastronomischen Betriebs in Oberdorf absichern wollte: „Die Ortsgemeinde Oberdorf protestiert von vornherein gegen die Errichtung einer förmlichen Tafernwirtschaft seitens des Herrn Käufers.“Albert Gross, Geschichte und Geschichten rund ums Prinz-Luitpold-Bad, Bad Hindelang 2010, S. 22
So konnte Leonhard Stich zunächst nur ein Badehaus errichten lassen. Dies geschah 1864. Da die Quelle samt Badehaus jedoch ober- und außerhalb des Ortes lag und die Badegäste verpflegt sein wollten, beantragte Stich 1865 eine Konzession zur Verabreichung von Speisen und Getränken und auch zur Beherbergung von Badegästen. Das königliche Bezirksamt in Sonthofen gab diesem Gesuch auch im Sommer 1865 statt, wies jedoch darauf hin, dass noch eine Bewilligung zur Eröffnung einer Heilbadeanstalt fehlte.
1866 erfolgte die erste Analyse des Quellenwassers durch Professor Ludwig Andreas Buchner aus München. Dieser berichtete auf der Sitzung der mathematisch-physikalischen Klasse der Königlich bayrischen Akademie der Wissenschaften am 7. März 1868:
„Unweit dem Orte Oberdorf bei Hindelang, in einem der schönsten Theile des Algäu's, entspringt auf einer das weite Gebirgsthal beherrschenden Anhöhe, über welche die Strasse nach Tyrol führt, eine Schwefelquelle, welche der thätige praktische Arzt Herr Dr. Leonhard Stich von Sönthofen [sic !] seit ein Paar Jahren zu Heilzwecken benutzt, wozu er in der Nähe der Quelle eine gern besuchte Badanstalt errichtet hat. Einer an mich ergangenen Einladung zufolge habe ich das Wasser dieser Quelle einer chemischen Untersuchung unterworfen, deren Ergebnisse ich im Folgenden mittheile.
Bei der von mir vorgenommenen Besichtigung der Quelle konnte schon in einiger Entfernung von der mit einer Thüre verschlossenen Brunnstube, in welcher sich das Wasser der Quelle ansammelt, ein Geruch nach Schwefelwasserstoff ganz gut wahrgenommen werden. Beim Oeffnen der gemauerten Stube trat dieser Geruch noch stärker hervor und das darin befindliche Wasser erschien weisslich getrübt, gerade so wie eine an der Luft stehende Auflösung von Schwefelwasserstoff in Wasser, deren Schwefelwasserstoff durch den Sauerstoff der Luft unter Ausscheidung von Schwefel zersetzt wurde.
Nachdem das Wasser aus der Brunnstube abgelassen worden war, bemerkte man, dass auf dem mergeligen Grunde das Quellwasser theils seitwärts, theils von unten hervor sickert und dann die Brunnstube bis zur Höhe von einigen Fuss füllt.
Der Mergel dieses Grundes sieht im feuchten Zustande schwarzgrau und getrocknet hellgrau aus. Er enthält, wie die damit vorgenommene chemische Untersuchung bewies, Gyps [sic !], etwas organische Substanz und ein wenig freien Schwefel beigemengt, welcher letztere offenbar von der in der Brunnstube beständig vor sich gehenden Zersetzung des im Wasser aufgelösten Schwefelwasserstoffes herrührt.
Die quantitative Bestimmung des Schwefelwasserstoffes in diesem Wasser wurde an einem Herbstmorgen vorgenommen, nachdem sich die am Abend zuvor entleerte Brunnstube frisch mit Wasser gefüllt hatte.
Auch diessmal roch das klare Wasser sehr stark nach Schwefelwasserstoff; der Geschmack desselben war hepatisch und bald darauf schwach bitterlich-salzig, ähnlich dem einer Auflösung von schwefelsaurem Kalke.
Man bestimmte die Menge des Schwefelwasserstoffes mittelst einer stark verdünnten wässerigen Jodauflösung, welche in einem Liter 1,27 Grm., d. h. 0,01 Mischungsgewicht freien Jodes enthielt.
Von dieser Jodlösung wurden 0,2 C. C. gebraucht, um 100 C. C. eines schwefelwasserstofffreien Wassers, dem man ein wenig dünnen Stärkekleister beigemischt hatte, deutlich blau zu färben. Hingegen waren, um die nämliche Erscheinung in 100 C. C. des fraglichen Mineralwassers hervorzubringen, im Mittel von mehreren sehr gut übereinstimmenden Versuchen 15,05 C. C. Jodlösung erforderlich.
Da nun 1 Mischungsgewicht Jod (= 127,00) einem Mischungsgewichte Schwefelwasserstoff (= 17,00) äquivalent ist und beide Stoffe in diesen Mengenverhältnissen sich umsetzen in Jodwasserstoff und freien Schwefel, so ergibt sich, dass das Oberdorfer Schwefelwasser in einem Liter 0,02525 Grm. Schwefelwasserstoff enthält, was bei der gefundenen Temperatur des Wassers, in Volumen ausgedrückt, 17,22 CG. beträgt.
Daraus geht hervor, dass die Schwefelquelle zu Oberdorf verhältnissmässig sehr reich an Schwefelwasserstoff ist und deshalb zu den stärkeren Hydrothionquellen Bayerns gezählt werden muss.
Indessen zeigte sich dieser hohe Gehalt in constanter Weise erst, als man das Wasser aus grösserer Tiefe der Brunnstube schöpfte. Die oberen, zunächst mit der Luft in Berührung kommenden Schichten des Wassers zeigten aus leicht erklärbarer Ursache einen etwas geringeren und mehr schwankenden Gehalt an Schwefelwasserstoff.
Das Wasser hat eine Temperatur von + 8>5° R. oder 10,Go C.
Das specifische Gewicht desselben wurde bei -|- 15° R. = 1,0014 gefunden.“http://www.archive.org/stream/v1sitzungsberi1868bayeuoft/v1sitzungsberi1868bayeuoft_djvu.txt
Nachdem diese Analyse erfolgt war, erhielt Leonhard Stich am 11. Mai 1866 die Bewilligung, sein Heilbad zu eröffnen.
1867 beteiligte sich Stichs Schwager, der Kunstmühlenbesitzer Sebastian Weber aus Berghofen, an dem Geschäft. 1868 wurde das Badegebäude aufgestockt und 1869 um einen Gartensalon ergänzt. 1872 besaß das Etablissement 24 Gästezimmer, einen Speisesaal und fünf Badekabinette mit Dampfheizung, dazu einen Sommersalon mit mehr als hundert Plätzen. Angeboten wurden unter anderem russisch-irische Bäder und warme Duschen sowie warme Wannenbäder mit Schwefelmineralwasser. Empfohlen wurden die Anwendungen vor allem bei Gicht, Rheumatismus, Ischialgie, Nervenschmerzen, Frauenleiden, Darmträgheit, Blutarmut, Herzschwäche und Arterienverkalkung. Die Patienten sollten täglich oder im Zweitagesrhythmus zehn bis 15 Minuten im 36 Grad warmen Schwefelmineralwasser baden und danach jeweils eine Stunde ruhen.
1873 erhielt Sebastian Weber die Konzession zur Ausübung einer „vollen Tafernwirtschaft“. Im selben Jahr ließ er sich von Leonhard Stichs Sohn Crescenz auszahlen, nachdem der Gründer des Bades verstorben war.
Der Namenspatron mini|hochkant|links|Die Genehmigung des Namens mini|Prinzregent Luitpold und Gefolge vor seiner Jagdhütte Prinzregent Luitpold war der Gegend um Hindelang eng verbunden. Nach und nach hatte er sein Jagdrevier in dieser Gegend auf eine Größe von 60 000 Hektar ausgeweitet, die ihm, wie etwa das Retterschwanger Tal, zum Teil auch als Schenkung zufielen. Aus dem Forstenrieder Park hatte er 17 Stück Rotwild in dieses Revier bringen lassen, die insbesondere von seinem Leibjäger Leo Dorn aus Hindelang gehegt wurden – heute sind es rund 3400. Neben der Jagd liebte er auch das Bad in den Gewässern der Umgebung. 1886 wurde er zum offiziellen Landesherrn, und zwei Jahre später, am 14. Februar 1888, ging er auf das Gesuch des Crescenz Stich, sein Bad nach Luitpold benennen zu dürfen, ein: „Seine königliche Hoheit Prinz Luitpold, des Königreichs Bayern Verweser, haben allergnädigst zu genehmigen geruht, dass das im Gemeindebezirk Hindelang, königl. Bezirksamt Sonthofen befindliche Schwefelmineralbad Oberdorf fortan die Bezeichnung 'Prinz Luitpold Schwefelmineralbad' führe.“zitiert nach: Albert Gross, Geschichte und Geschichten rund ums Prinz-Luitpold-Bad, Bad Hindelang 2010, S. 26 Luitpold war mehrfach Gast in dem Etablissement, wenn er sich zur Jagdzeit in Hinterstein aufhielt.
Die Prinzregentenzeit mini|hochkant|Die älteste bekannte Aufnahme, um 1892 mini|Das Bad in den 1890er Jahren 1892 erbte Leonhard Stichs Enkelin Josefa Schmid das Anwesen. Damit setzte eine Phase häufiger Besitzerwechsel ein. Josefa Schmid verkaufte das Bad 1895 an Franz Josef und Johanna Müller, die es acht Jahre lang führten und 1903 durch Grundstückstausch an Josef und Cäcilia Holl weitergaben. Diese profitierten unter anderem von den regelmäßigen Treffen der ortsansässigen Schützen, die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf der Hotelterrasse zu trainieren pflegten. Die Überreste der Anzeigerdeckung am Schießstand-Bichel östlich des Hauses sollen heute noch zu erkennen sein.
Zulauf brachten auch der Ausbau der Jochstraße ab dem Jahr 1900 sowie die Einrichtung der Kraftpostlinie Sonthofen-Hindelang und der Bau des Vaterlandsweges, der unmittelbar an den Gebäuden des Bades vorbeiführte. Der Vaterlandsweg ist nach dem Verein „Das engere Vaterland“ benannt, dem unter anderem auch der Maler Richard Mahn und der Kommerzienrat Gottfried Zillibiller angehörten. Am 11. Mai 1900 genehmigte der Prinzregent außerdem die Umbenennung des Ortes in „Bad Oberdorf“.
Der Erste Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit Der Tod des Prinzregenten 1912 und der zwei Jahre später beginnende Erste Weltkrieg bedeuteten einen tiefen Einschnitt. Josef und Cäcilia Holl konnten den Betrieb bis 1923 halten; dann gaben sie auf und boten Bad und Hotel zum Verkauf an. Damit begann die Ära unter der Besitzerfamilie Gross, die das Haus bis heute bewirtschaftet.
Andreas Gross kaufte das Anwesen am 11. Mai 1923 mitten in der Inflationszeit für zehn Millionen Mark. Gross war von Hause aus Schmied, hatte aber eine Wirtstochter aus Mering geheiratet und war mit dem Brauereibesitzer Zötler aus Rettenberg verschwägert, der den Kontakt mit der Familie Holl hergestellt hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte er zunächst den Gasthof „Bären“ in Ingolstadt betrieben, aber aus gesundheitlichen Gründen ein Haus in anderem Klima kaufen müssen. Andreas und Maria Gross erweiterten das Anwesen bald: Der Kuchenverkauf am Wochenende ermöglichte es ihnen, ihr Grundstück Stück um Stück zu vergrößern. Maria Gross’ Möbelkäufe auf Auktionen prägen das Haus bis heute – sie war stets auf der Suche nach Antiquitäten, die dem Namenspatron des Unternehmens angemessen schienen. Unter anderem erwarb sie in den 1930er Jahren die komplette Einrichtung der chinesischen Auslandsvertretung.
1925 besaß das Hotel 28 Gästezimmer und eine Zentralheizung. Im selben Jahr wurde die Schwefelmineralquelle zur öffentlich benutzten Heilquelle im Sinne des Artikels 20 des Wassergesetzes erklärt. 1926 bemühte sich Andreas Gross um die Anerkennung seines Hauses als Höhenluft-Kurhotel und Erholungsheim, damit die Einweisung von Patienten durch Kostenträger wie Versicherungen und Behörden erfolgen konnte.
1928 fand ein größerer Umbau statt: Der spätere Mittelbau wurde auf drei Stockwerke erhöht und eine Bierstube wurde eingebaut. Damit wuchs die Kapazität des Hotels auf 70 Gästezimmer, was allerdings den Bedarf noch immer nicht deckte. Badegäste, die keine Unterkunft in Gross’ Haus finden konnten, wurden in verschiedenen Quartieren im Dorf untergebracht und kamen zum Essen und Baden herauf. 1929 wurden auch sogenannte „Lichtbäder“ ins Programm aufgenommen.
1930 wurde das Etablissement in „Luitpoldbad“ umbenannt. Ständiger Hausarzt wurde Otto Stein, der zuvor eine Heilanstalt in München geleitet hatte. Die Kurangebote wurden um Mooranwendungen und die Nutzung einer Liegehalle erweitert, die östlich des Hauses errichtet worden war. Das Moor wurde aus dem Hühnermoos herbeigeschafft.