Die SPD Bremen ist die Landesorganisation der SPD im Bundesland Freie Hansestadt Bremen. Sie besteht aus den Unterbezirken Stadt Bremen mit 28 Ortsvereinen und Bremerhaven mit sieben Ortsvereinen. Seit dem 31. Juli 1945 stellt sie ununterbrochen den Bremer Bürgermeister, was den Ministerpräsidenten in Flächenländern entspricht.
Geschichte Gründung des ADAV Der Verein Vorwärts warb für die neue politische Arbeiterbewegung. Gustav Adolph Deckwitz gründete am 1. Januar 1864 in Bremen eine Gruppe des Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV). Am 6. April 1864 wurde Deckwitz vom Vorsitzenden des ADAV Ferdinand Lassalle zum Bevollmächtigten in Bremen ernannt; der Beginn der Bremer SPD. 1865 hatte der Verein bereits 239 Mitglieder.
Durch die Auseinandersetzungen der entstehenden sozialistischen Gruppierungen in Deutschland und durch die wachsende Bedeutung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) von August Bebel und Wilhelm Liebknecht mit dem Eisenacher Programm verlor der kleiner werdende ADAV von Deckwitz an Mitgliedern und Einfluss. Die nationale Bewegung von 1870/71 minderte die Chancen des ADAV. In Bremen minderte das Achtklassenwahlrecht die Hoffnung, eine parlamentarische Mehrheit erreichen zu können. Der ADAV verlegte 1874 sogar seinen Hauptsitz von Berlin nach Bremen.
Vereinigung zur SAP 1870 gründete die Eisenacher Gruppe vom SDAP in Bremen den Sozialdemokratischen Arbeiterverein. 1875 vereinigte sich der ADAV mit der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP); gefeiert wurde das „Große Verbrüderungsfest“ in den Salons der Tonhalle in der Neustadt. 1876 wurde die Partei durch die von ihr gegründete Bremer Freie Zeitung öffentlich vertreten. Im Rahmen des Sozialistengesetzes wurden die Bremer Partei und ihre Zeitung 1878 verboten. Sie konnte in der Verbotzeit bis 1890 ihre Anhänger in Bremen halten. Die Anhängerschaft wirkte mit ihren Parteiziele in anderen bremischen Arbeitervereinigungen. 1890 entstand als Sprachrohr die Bremer Bürger-Zeitung.
Bürgerschafts- und Reichstagswahlen und Mandate Bremische Bürgerschaft → Siehe auch Bremische Bürgerschaft von 1854 bis 1933: Wahlergebnisse und Mitglieder
Gewählt wurde in Bremen nach dem Achtklassenwahlrecht. Die Stimmen von 17 Wählern der 1. bis 3. Klasse (also der bürgerlichen Kreise) hatten gemessen am Bevölkerungsanteil dieselbe Bedeutung, wie die Stimmen von 297 Wählern der 4. Klasse (also die Arbeiter und Geringverdienenden).Erika Thies: Die Geschichte der Bürgerschaft. In: Weser-Kurier vom 30. April 2011, S. 11. Wählen durften auch nur die Bürger, die den kostspieligen Bremer Bürgereid abgelegt hatten und für viele Arbeiter war das zu kostspielig. Da die 4. Klasse in ihrem Wahlrecht so drastisch eingeschränkt war, blieb die Herrschaft der Oberschicht gesichert. Die Wahlbeteiligung war deshalb auch bei den Bürgerschaftswahlen deutlich geringer als bei den klassenlosen und allgemeinen Reichstagswahlen, an denen alle Bürger teilnehmen konnten.
Trotz des Verbots wurde 1881 erstmals der eher gemäßigte Bäcker Johann Meyer als SAP-Vertreter als Abgeordneter der 4. Klasse in die Bremische Bürgerschaft gewählt.Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen. Band I bis V, Edition Temmen, Bremen 1995, ISBN 3-86108-283-7, hier Bd. II, S. 412 1884 waren es schon fünf, 1896 nur zwei (Christian Blome und Heinrich Hartmann (Politiker, 1835)) und 1899 dann neun Abgeordnete (Fritz Ebert, Johann Imwolde, Johann Kruse, Josef Ulmer, Johann Voigt, Heinrich Johann Barthel, Gerd Wegener, Hermann Rhein, August Behrens)Bremen und die Sozialdemokratie - Festschrift zum Parteitag der Deutschen Sozialdemokratie. Bremen 1904, Nachdruck Bremen 1990, S. 52.
Reichstagswahlen in Bremen Seit 1867 kandidierten Sozialdemokraten für den Reichstag im Norddeutschen Bund und im Reichstag des Deutschen Kaiserreichs. Erstmals war ein Abgeordneter 1890 für den Wahlkreis Freie Hansestadt Bremen im Reichstag vertreten: 1867 kandidierte Gustav Adolph Deckwitz (ASAV) erfolglos für den Reichstag im Norddeutschen Bund. 1871 (1. WP) erhielt Wilhelm Hasselmann (SDAP) mit 1506 Stimmen einen Anteil von 15,6 % bei den Reichstagswahlen. 1874 (2. WP) belief sich der Anteil des SDAP-Kandidaten Carl Wilhelm Tölcke auf 18,4 %. 1877 (3. WP) erhielt Wilhelm Frick (SAP) 6790 Stimme = 35,2 %. 1878 (4. WP) erlebten die deutschen Sozialdemokraten nach dem Kaiserattentat heftigste Angriffe; trotzdem erhielt Fricke 30,3 Prozent der Stimmen. Es folgte das Verbot der Partei durch das Sozialistengesetz. 1881 (5. WP), in der Verbotszeit, erhielt Fricke ohne formelle Hilfsmöglichkeiten durch die Partei noch 23,3 % der Stimmen. 1884 (6. WP) wählten 23,3 % der Wähler Julius Bruhns von der SAP 1887 (7. WP) erhielt Wilhelm Liebknecht (SAP) 7743 Stimmen = 27,7 %. 1890 (8. WP) wurden mit dem Gewerkschafter Julius Bruhns erstmals ein Bremer Sozialdemokraten mit 16.403 Stimmen = 48,7 % und in einer dann folgenden Stichwahl mit 50,8 % in den Reichstag gewählt. 1893 (9. WP) verlor die Partei den Reichstagssitz; Kandidat war der Zigarrenmacher Hinrich Schmalfeldt (1930 Ehrenbürger von Bremerhaven), der schon 1890 im preußischen Wahlkreis Geestemünde die Wahl nicht für sich entscheiden konnte. 1898 (10. WP) verlor Schmalfeldt und es war kein Sozialdemokrat im Reichstag für Bremen vertreten. 1903 (11. WP) konnte Schmalfeldt den Sitz wieder zurückerobern. 1907 (12. WP) verlor Schmalfeldt das Mandat erneut und verzichtete auf eine neue Kandidatur. 1912 (13. WP) eroberte der linke Zigarrenarbeiter und Redakteur der Bremer Bürger-Zeitung Alfred Henke das Mandat zurück.Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen. Band I bis V, Edition Temmen, Bremen 1995, ISBN 3-86108-283-7, hier Bd. II, S. 412, 414.Klaus Auf dem Garten: Organisierte Arbeiterbewegung in Bremen. In: Herbert Brückner, Renate Meyer-Braun, Bernhard Oldigs (Hrsg.): 150 Jahre Sozialdemokratie Bremen und Bremerhaven, S. 22.
SPD um die Jahrhundertwende 1900 mini|hochkant|Hasenclever: ADAV-Vorsitzender mini|hochkant|Liebknecht: Mitgründer der SPD mini|hochkant|Ebert: Reichspräsident
Prominente Mitglieder der SPD waren damals in und für Bremen Wilhelm Hasenclever als ADAV-Vorsitzender, Wilhelm Liebknecht, Hermann Rhein, Senator, Alfred Henke, Wilhelm Pieck, später DDR-Präsident und Friedrich Ebert, später Reichspräsident.
Ebert war in Bremen von 1891 bis 1900 Gastwirt, Redner, bis 1894 Redakteur der Bremer Bürger-Zeitung, 1894/96 Parteivorsitzender, 1900 Gewerkschaftssekretär, 1900 Mitglied und SPD-Fraktionsvorsitzender der Bremischen Bürgerschaft und 1905 Parteisekretär und Mitglied beim Parteivorstand der Reichs. Dadurch endete Eberts Zeit in Bremen.
Pieck war 1897 in Bremen SPD-Hauskassierer, 1899 Stadtbezirksvorsitzender, 1900 Vorsitzenden der Zahlstelle des Holzarbeiterverbandes Bremen, 1904 Bremer Gewerkschaftsdelegierter, 1905 bis 1910 Bürgerschaftsabgeordneter und 1906 hauptamtlicher Erster Sekretär der Bremer SPD. 1910 verließ er Bremen und wurde Sekretär des zentralen Bildungsausschusses der SPD in Berlin.
Der Reformpädagoge Heinrich Schulz war von 1901 bis 1906 in Bremen Leiter der Bremer Bürgerzeitung, gründete 1905 den Bildungsausschuss des Gewerkschaftskartells, formulierte mit Clara Zetkin zum Parteitag der SPD die Mannheimer Leitsätze zur Volkserziehung, war 1919 Mitglied des SPD-Reichsparteivorstandes und 1920 bis 1927 Staatssekretär für Schul- und Bildungsfragen im Reichsinnenministerium.
Jugendarbeit: Am 9. Juni 1907 entstand im Bildungsverein Lessing die Junge Garde, eine Arbeiterjugend mit Lehrlingen und jungen Arbeitern der zumeist größeren Betriebe. Die Vereinigung hielt engen Kontakt zur SPD. Zeitweise (um 1908) war sie als Bildungsverein organisiert, um Verboten aus dem Weg zu gehen. 1917 wurde sie verboten. Der Verein Bremer Arbeiterjugend bildete sich 1918, ging bald darauf ein. Auch die Freie Sozialistische Jugend formierte sich 1918 und stand der USPD nahe. 1919 entstand die USPD-nahe Sozialistische Arbeiterjugend. Der MSPD gelang es nicht einen eigenen oder nahestehenden schlagkräftigen Jugendverband aufzubauen, der Arbeiter-Jugendverein hatte keine große Bedeutung.
Gewerkschaft und SPD: Die SPD-nahen Gewerkschaften konnten sich in Bremen nach der Aufhebung der Verbote von 4.554 (1894) bis 1900 auf 10.341 und bis zum Ersten Weltkrieg auf 36.085 Mitglieder steigern.Christian Paulmann: Die Sozialdemokraten in Bremen, 1864–1964. Verlag Schmalfeldt, Bremen 1964.
Pressearbeit: Die Bremer Bürger-Zeitung (von 1922 bis 1933 Bremer Volkszeitung (Bremer Bürger-Zeitung)) wurde 1890 von der SPD in Bremen herausgegeben. Sie war zeitweilig eine der führenden sozialdemokratischen Zeitungen im Deutschen Reich und repräsentierte hierbei vor allem den linken Flügel der Sozialdemokratie. Die Zeitung bestand bis 1974. Wichtige (Chef-)Redakteure der Zeitung waren u. a. Julius Bruhns (1890–1895), Franz Diederich Papers (1895–1900), Heinrich Schulz (1901–1906) Alfred Henke (1900–1919), Wilhelm Kaisen (1920–1925) und Alfred Faust (1919–1933) sowie als Mitarbeiter Johann Knief, Anton Pannekoek, Friedrich Ebert (1893/94) und Karl Radek.
Spaltung und Zusammenschluss der Partei Spaltung Die kriegsbedingte Spaltung der Partei von 1917 in Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands (MSPD) und Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) hatte auch in Bremen Auswirkungen. Führer der USPD in Bremen waren Adam Frasunkiewicz und Alfred Henke.
Die Ausrufung einer Bremer Räterepublik 1918/19 durch die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und die USPD, bei der die MSPD ausdrücklich ausgeschlossen wurde, vertiefte die Kluft von MSPD und USPD. Mit Gewalt entriss die USPD der MSPD 1918 die viel gelesene Bremer Bürger-Zeitung und die MSPD wurde aus allen Gremien ausgeschlossen.
Die am 4. Februar 1919 gebildeten Provisorischen Regierung von Bremen bestand nur aus MSPD-Vertreter und der Senat unter dem Präsidenten des Senats Karl Deichmann (MSPD) bestand dann aus Senatoren von MSPD und den liberalen Parteien Deutsche Volkspartei (DVP) und Deutsche Demokratische Partei (DDP); die USPD war nicht dabei. 1920 bildete sich eine rein bürgerlicher Senat ohne MSPD und USPD.
Die MSPD hatte bis 1922 als Presseorgan das Bremer Volksblatt mit rund 13.000 Exemplaren. Die USPD hatte 1920 rund 10.000 Mitgliedern und als Presseorgan die Bremer-Arbeiter-Zeitung mit 15.000 Exemplaren. 1920 schloss sich ein linker Flügel der KPD an und die Anzahl der Mitglieder sank auf 8.000.
1920 gründete Hanna Harder in Bremen die Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Arbeitsgemeinschaft der SPD.
Zusammenschluss 1922 gab es die Vereinigte SPD in Bremen, in die viele ehemalige USPD-Mitglieder übertraten und die nun rund 10.000 Mitglieder aufwies. Die verschiedenen Jugendorganisationen in Bremen gingen in der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ) in Deutschland auf. Als Parteizeitung etablierte sich 1922 die gemeinsame Bremer Volkszeitung mit Alfred Faust und Wilhelm Kaisen als Chefredakteure.
Die SPD litt in der Folgezeit unter den Flügelkämpfen. 1923 erhielt sie noch bei den Wahlen 23 % der Stimmen. Ihre Mitgliederzahl sank aber auf 7000 und stieg dann bis 1925 auf 8300 und bis 1931 auf 10.000 Mitglieder. Von 1928 bis 1933 war die SPD wieder im Senat vertreten mit den Senatoren Deichmann bis 1931, Kaisen, Kleemann, Rhein bis 1931 und Sommer.
Organisatorisch gab es den Unterbezirk Bremen. Bremerhaven war im Unterbezirk Unterweser vertreten. Im Unterbezirk Vegesack, mit ihrem Sekretär Willy Dehnkamp, waren auch die Landkreise Blumenthal und Osterholz vertreten. Der Jugendverband SAJ schloss sich 1931 der neuen Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (1931) (SAP) an.
Bei der Reichstagswahl vom 14. September 1930 erlitt die SPD Verluste. Bei der Bürgerschaftswahl nahmen die Verluste weiter zu und die SPD hatte 35 % der Stimmen. Weitere Verluste folgten bei den Reichstagswahlen 1932 mit Stimmenergebnissen von rund 30 %.