mini|Das zumindest 2008 verwendete Logo der PIOS Die Pontin’s International Open Series, auch unter dem Akronym PIOS bekannt, war eine Serie von Snookerturnieren auf Amateurebene zur Qualifikation für die professionelle Snooker Main Tour. Sie wurde zwischen 2005 und 2010 parallel zu den Saisons der Profitour ausgetragen. Pro PIOS-Spielzeit fanden insgesamt acht Events statt, deren Ergebnisse am Ende in eine Gesamtwertung einflossen. Die besten acht Spieler erhielten eine Spielberechtigung für die folgende Saison der Profitour. Austragungsort der für Amateurspieler offen stehenden Tour war das World Snooker Centre im namensgebenden Pontin’s-Ferienresort in Prestatyn in Nordwales.

Struktur

Austragungsort und Teilnahme

mini|Austragungsort der PIOS: Das Pontin’s-Ferienresort in Prestatyn (2018) Fester Austragungsort aller Events der PIOS war das World Snooker Centre im Pontin’s-Ferienresort im nordwalisischen Prestatyn. Der damalige Vorsitzende des Weltverbandes, Rodney Walker, begründete 2004 bei der Ankündigung der neuen Turnierserie die Wahl des Austragungsortes damit, dass Pontin’s „hochkarätige Einrichtungen für die Austragung von Qualifikationsturnieren“ biete und das Unternehmen und der Snookersport bereits eine lange Verbindung haben würden. Tatsächlich wurden in den Ferienresorts von Pontin’s schon seit den 1970ern relativ wichtige Snookerturniere ausgetragen, darunter zum Beispiel in Prestatyn das professionelle Pontins Professional oder die renommierten Amateurturniere Pontins Spring Open und Pontins Autumn Open. Letztendlich konnte man Pontin’s auch als namensgebenden Sponsor der neuen Serie gewinnen. Gleichzeitig beteiligte sich das Unternehmen auch an der Organisation der Turnierserie, die damit praktisch eine Zusammenarbeit zwischen Pontin’s und World Snooker war. Im März 2005 gab es auch Pläne, ab der Saison 2006/07 vier zusätzliche PIOS-Events außerhalb von Prestatyn und dem Vereinigten Königreich in anderen europäischen Ländern auszutragen, diese Pläne wurden aber nie in die Tat umgesetzt.

Die Tour war offen für alle Amateurspieler,Im Snooker wird die Bezeichnung „Profispieler“ ausschließlich für jene Spieler verwendet, die einen Startplatz auf der Profitour haben. Alle anderen Spieler gelten als „Amateure“. also jene Spieler, die in der betreffenden Spielzeit nicht auf der Profitour spielten. Zur aktiven Teilnahme mussten die Spieler eine gewisse Startgebühr zahlen. Die Modalitäten dafür wurden mit der Zeit geändert. Konnte man sich während der PIOS 2005/06 noch für jedes Event einzeln anmelden und die Startgebühr entrichten, so war dies bei der PIOS 2009/10 nur noch für alle acht Events gleichzeitig möglich. Eine Teilnahmepflicht bestand jedoch nicht, wodurch viele Spieler nicht an allen PIOS-Events einer Saison teilnahmen. Es gab auch keine Einschränkung hinsichtlich der geografischen Herkunft der Teilnehmer, sodass die Tour prinzipiell für Spieler aus allen Ländern offen war. Einzige zusätzliche Bedingung war die Mitgliedschaft im jeweiligen Nationalverband des Spielers. Auch der Weltverband erhoffte sich bei der Ankündigung nach eigener Angabe die Teilnahme internationaler Spieler, in der Praxis gehörten allerdings vorrangig britische Spieler zum Starterfeld.Vgl. dazu die Ranglisten und – falls vorhanden – gesonderte Auflistungen aller teilnehmenden Spieler in den Wikipedia-Artikeln zu den einzelnen Spielzeiten der PIOS. Querverweise zu diesen Artikeln befinden sich gesammelt im Kapitel „PIOS-Qualifikanten“. Man muss dabei anmerken, dass Snooker generell eine von britischen Spielern geprägte Sportart ist. Dass britische Teilnehmer auch auf der PIOS dominierten, ist also nicht allzu sehr überraschend, zumal die PIOS in Großbritannien stattfand. Die teilnehmenden Spieler mussten sich selbst eine Unterkunft besorgen, wenngleich im Pontin’s-Ferienresort Zimmer buchbar waren. Ausländische Spieler mussten sich gegebenenfalls zusätzlich auch um ein Visum für das Vereinigte Königreich kümmern. Bei späteren Saisons boten hierbei die Veranstalter von vornherein explizit ihre Unterstützung an.

Neben internationalen Teilnehmern nannte der Weltverband bei der Ankündigung 2004 auch junge, aufstrebende Spieler als Zielgruppe der damals neuen PIOS. So stand zum Beispiel die PIOS 2009/10 im Zeichen solch aufstrebender Juniorenspieler, von denen sich am Ende gleich mehrere qualifizieren konnten. Insgesamt nahmen nach Schwankungen während der ersten Saison in den nächsten PIOS-Spielzeiten konstant über hundert Spieler an allen Events teil. Eine Rekordzahl für die Teilnehmerzahl eines einzelnen Events wurde zu Beginn der Spielzeit 2008/09 mit etwa 150 Spielern erreicht. Trotz ihres Charakters als offene Tour gehörten häufig führende Amateurspieler zum Teilnehmerfeld der PIOS, und die PIOS selbst wurde als „Turnierserie von hoher Qualität“ gesehen. Matt Huart, damaliger Autor des Pro Snooker Blogs und späterer Funktionär bei World Women’s Snooker, bezeichnete zum Beispiel das Teilnehmerfeld der Saison 2009/10 als sehr stark. Die PIOS galt zudem als Möglichkeit für Amateure, mehr Spielpraxis zu sammeln und so ihre Fähigkeiten zu verbessern. Die Profitour wurde zu diesem Zeitpunkt für neue Spieler als schwieriges Terrain empfunden: in den wenigen Turnieren, die es überhaupt gab, trafen neue Spieler meist frühzeitig auf erfahrenere Spieler und schieden so schnell aus. Die PIOS mit ihren vielen Events und möglichen Spielen galt als gute Vorbereitung und für unerfahrene Spieler sogar als möglicher Ersatz für einen vorschnellen Gang auf die Profitour.

Einzelne PIOS-Events

Jede PIOS-Saison wurde parallel zu den Spielzeiten der professionellen Main Tour ausgetragen und umfasste acht Events, die im Verlauf der Saison verteilt ausgetragen wurden. Während der PIOS selbst galten die üblichen Verhaltensregeln und beim Spielen selbst die normalen Regeln des Snookers. Im Vergleich zu Profiturnieren war der Dresscode für die teilnehmenden Spieler wesentlich legerer. Prinzipiell wurden die einzelnen Turniere im K.-o.-System ausgespielt und umfassten stets mehrere Runden. Die Aufsicht über die Durchführung hatten wie bei Profiturnieren sogenannte Turnierdirektoren inne. Schiedsrichter wurden im Gegensatz zu professionellen Turnieren nur in den Endrunden für jedes Spiel einzeln eingesetzt. In den früheren Runden überwachten sogenannte „umherziehende Schiedsrichter“ (englisch: roving referees) gleichzeitig die Durchführung mehrerer Partien. Prinzipiell sah der Weltverband die PIOS als Möglichkeit an, neuen Schiedsrichtern die Gelegenheit zu geben, erste Erfahrungen in der Leitung von relativ wichtigen Snookerspielen zu geben. Ein wie bei vielen Profiturnieren üblicher Übungsbereich wurde nicht offiziell eingerichtet, freie Tische konnten aber in Absprache mit dem Turnierdirektor zum Üben genutzt werden.

Abhängig von ihrem Ergebnis erhielten die Teilnehmer bei jedem Event Preisgelder, die über die Startgebühren finanziert wurden. Das Organisationsteam versprach dabei, mindestens 85 % der Eintrittsgelder in die Preisgelder zu investieren. Die Höhe der Preisgelder änderte sich zwischen 2005 und 2010 mehrfach, mitunter auch während einer einzigen Spielzeit. Im Durchschnitt erhielt der Sieger der Events aber etwa 3.000 £. Die Turnierpläne für die einzelnen Events wurden nicht über eine Setzliste erstellt, sondern zufällig ausgelost. Dieser Umstand wurde häufig kritisiert, da so regelmäßig führende Spieler der Tour noch in den frühen Runden eines Events aufeinandertrafen. Beispielsweise spielten in der ersten Runde des zweiten Events der Spielzeit 2009/10 Jack Lisowski und Liam Highfield gegeneinander, jene zwei Spieler, die zuvor im Finale des ersten Events gestanden hatten. Insbesondere bei den jeweils letzten Events der PIOS-Spielzeiten konnten solche Ansetzungen unter Umständen den Ausgang der gesamten Tour beeinflussen. Allerdings galten die Ergebnisse der PIOS-Events prinzipiell als nur schwer berechenbar.

Gesamtwertung

Zusätzlich zu den Preisgeldern erhielten die Spieler abhängig von ihrem Abschneiden bei den einzelnen Events auch Punkte. Eine frühe Niederlage brachte wenig Punkte, der Turniersieg umso mehr. Die Verteilung der Punkte auf die einzelnen Runden blieb über den gesamten Austragungszeitraum der PIOS unverändert. Lediglich wurden in späteren Spielzeiten der PIOS zusätzlich 10 Punkte an jene gegeben, die vor der Runde der Runde der letzten 64 ausschieden, aber mindestens ein Spiel gewonnen hatten.

+ Punkteschlüssel für die einzelnen Events der PIOS Runde Sieger Finalist Halbfinalist Viertelfinalist Achtelfinalist Letzte 32 Letzte 64 Punkte 300 220 160 110 70 40 20

Die Punkte dienten am Ende einer Spielzeit als Grundlage für die Berechnung einer Rangliste (Order of Merit). Allerdings wurden nicht alle Ergebnisse für die Berechnung der Endwertung verwendet. In der ersten Saison wurden nur die besten sechs Ergebnisse jedes Spielers eingerechnet, in den folgenden Spielzeiten die besten sieben. Die Spieler hatten dadurch pro Saison mindestens ein Event, dessen Ergebnis für ihre Position in der Endwertung nicht relevant war. Letztendlich war diese Gesamtwertung aber viel wichtiger als die Preisgelder, denn die besten acht Spieler jener Rangliste erhielten Startberechtigungen für die jeweils nächste Profisaison.Während der 2000er-Jahre wurde am Ende jeder Main-Tour-Saison eine neue Snookerweltrangliste erstellt. Ein hoher Prozentsatz der Profispieler der jeweiligen Saison qualifizierte sich direkt für die nächste Spielzeit – meist handelte es sich um die besten 64, manchmal auch um die besten 80 Spieler dieser Rangliste. Die übrigen Spieler verloren ihren Platz auf der Main Tour. Das bedeutete, dass jede Saison etwa mehrere dutzend Plätze auf der Main Tour neu zu vergeben waren. Die Pontin’s International Open Series war einer von verschiedenen Wegen, diese Plätze zu besetzen. Prinzipiell galten während des Saisonverlaufs natürlich vor allem die Sieger der einzelnen Events als Favoriten auf einen Platz in den Top 8, allerdings gab es auch durchaus Teilnehmer, die trotz eines Turniersieges am Ende eine Qualifikation verpassten.

PIOS-Qualifikanten mini|hochkant|Paul Davison (hier 2014) qualifizierte sich als einziger Spieler dreimal über die PIOS für die Profitour Die folgende Tabelle zeigt die Top 8 der Endwertung jeder PIOS-Spielzeit, also im Normalfall jene Spieler, die sich über die PIOS für die Profitour qualifizierten. Ausnahmen von dieser Regel sind angegeben. Saison Platz 1 Platz 2 Platz 3 Platz 4 Platz 5 Platz 6 Platz 7 Platz 8 2005/06 Liu Song Andrew Higginson Ian Preece Chris Melling Mark Joyce Paul Davison Tian Pengfei Lee Page 2006/07 Kurt Maflin Leo Fernandez Lee Walker James McBain Munraj Pal Jamie O’Neill Matthew Selt Alex Davies 2007/08 Kuldesh Johal Peter Lines Simon Bedford Jamie Jones Matthew Couch Daniel Wells Paul Davison Lewis Roberts 2008/09 Joe Jogia Xiao Guodong Lee Page Björn Haneveer Stephen Rowlings Ben Woollaston Noppadon Sangnil Craig Steadman 2009/10 Jack Lisowski Liam Highfield Paul Davison Anthony McGill Kyren Wilson Jamie O’Neill Justin Astley Jamie Jones

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