mini|hochkant=1.3|Schloss Sacrow, Frühjahr 2015

Sacrow, historisch auch Sakrow,So noch 1917 auf einem Messtischblatt, vergleiche Abbildung in Wikimedia Commons. ist ein Gemeindeteil der Landeshauptstadt Potsdam (Brandenburg). Der Ort war bis zu seiner Eingemeindung am 1. April 1939 nach Potsdam eine eigenständige Gemeinde. Sacrow hat 132 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2024). Bekannt ist das am Sacrower See und der Havel liegende Sacrow vor allem durch sein Schloss und dessen von Peter Joseph Lenné in den 1840er Jahren weiträumig umgestaltete Parkanlage sowie durch die am Ufer des Jungfernsees stehende Heilandskirche.

Lage Sacrow liegt ca. 4,5 km nordöstlich der Innenstadt von Potsdam an der Havel. Der Schiffgraben, der den Sacrower See mit der Havel verbindet, verläuft am südlichen Ende des Ortskerns. Die Halbinsel Meedehorn ragt sehr in die Havel hinein und öffnet dadurch vor Sacrow eine tiefe Bucht, den Schiffgraben. Die früheren Gemeindegrenzen sind durch die heutigen Gemarkungsgrenzen markiert. Sacrow grenzt im Nordwesten an Fahrland, im Norden an Groß Glienicke, im Nordosten an Berlin-Kladow und im Osten und Südosten, über die Havel hinweg, an Berlin-Wannsee. Der Ortskern liegt auf . Höchste Erhebung der Gemarkung ist der Luisenberg mit . Tiefster Punkt ist der Wasserspiegel der Havel, für die ein mittlerer Pegel von angegeben wird. Weitere markante Hügel auf der Gemarkung sind: unmittelbar nordwestlich des Ortskerns der Weinberg mit , nordöstlich des Ortskerns die Fuchsberge mit , und im westlichen Teil der Gemarkung westlich des Sacrower Sees der Schwarze Berg mit und Zedlitzberg mit rund . Im westlichen Teil der Gemarkung am Ufer der Havel bzw. des Lehnitzsee liegt die sogenannte Römerschanze, ein bronzezeitlicher Ringwall, der in slawischer Zeit erneut befestigt wurde und den Pegel der Havel um mehrere Zehnermeter überragt.

Verkehr Der Ort ist von Potsdam aus über die Bundesstraße 2, Abzweig in Krampnitz, zu erreichen. Die Kladower Straße führt weiter nach Berlin-Kladow im Bezirk Spandau.

In der frühen Neuzeit führte ein Postweg von Priort über Ferbitz nach Sacrow, über die dortige Fähre nach Stolpe und die Stolper Brücke in den Teltow. Auf der Gemarkung Sacrow liegen der Wohnplatz Jägerhof sowie das frühere Forsthaus Zedlitz, heute Im Königswald genannt.

Durch Sacrow verläuft die Buslinie 697, die einerseits eine Verbindung nach Kladow und andererseits eine in die Potsdamer Innenstadt ermöglicht.

Geschichte Sacrow wurde im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 erstmals erwähnt. Der Name leitet sich von slawisch-polabisch: za krowje ‚hinter Gebüsch‘, ‚hinterm Busch‘ ab. Nach der Dorfform war es ein Gassendorf mit Gut. Der Ort geht nach dem Namen und auch nach Bodenfunden auf eine slawische Siedlung zurück.

Mittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg Nach dem Landbuch von 1375 gehörte Sacro zur terre Obule et merice (Havelland und Heide). Es wird wie folgt beschrieben:

Nach dieser Beschreibung hatte das Dorf eine bewirtschaftete Fläche von 13 Hufen, von denen zwei abgabenfreie Hufen dem Schulzen gehörte. Er musste aber dafür ein Pferd für den Markgrafen halten. Die anderen Hufen wurden von Bauern bewirtschaftet. Jede Hufe musste jährlich an Pacht und Zins zwölf Schillinge und sechs Hühner bezahlen. Das Dorf insgesamt hatte eine jährliche Bede von 32 Schillingen an den Markgrafen zu zahlen. Pächte und Zinse hatte der Markgraf an den Dyreke aus Eiche weiter verliehen. Dieser besaß auch des Obergericht. Dagegen waren dem Markgrafen noch das Anrecht auf die Wagendienste der Dorfbewohner und das Vasallenrecht verblieben.

Zu einem unbekannten Zeitpunkt Anfang des 15. Jahrhunderts hatte Heinrich von Hake oder seine beiden Söhne Hans und Achim von Hake das Dorf Sacro gekauft, das sie 1434 mit Grünem See und der Fischerei in der Havel an die Gebrüder Helbrecht verkauften.

Am 28. März 1434 belehnte der brandenburgische Kurfürst Johann die Brüdern Peter, Hansen und Jürgen Helmbrecht/Hallenbrecht, Bürger zu Spandau mit dem Dorf Sacrow. 1472 besaßen Jorg und Peter Helmbrecht im Dorf Sackro vier Stück Geld 18 Groschen, und ein Schock und acht Hühner sowie das Ober- und Untergericht, das ein Schock einbrachte.

Laut einem im Wortlaut zitierten Lehenbrief von 1521 war Georg von Wartenberg, Bürgermeister von Spandau und Besitzer von Sacrow 1521 gestorben. Mit diesem Lehenbrief belehnte Kurfürst Joachim seine Erben, Moritz von Wartenberg, den Sohn des Joachim von Wartenberg und die noch unmündigen George und Voltien von Wartenberg u. a. auch das Dorf Sacrow mit allen Rechten, sowie die Fischerei auf dem Grünen See, ausgenommen die Fischerei mit dem großen Garn, sowie die Fischerei auf der Havel mit allen kleineren Fischereien, aber nur mit kleinem Fischzeug. Die Bauern von Sacrow werden namentlich aufgeführt, davon vier Zweihüfner, zwei Einhüfner und ein Halbhüfner. Einer der Einhüfner betrieb die Fähre, denn dafür musste er einen Zins von 18 Pfennigen bezahlen. Die vier Zweihüfner mussten eine jährliche Abgabe von 39 Groschen und zwölf Hühner bezahlen, die Einhüfner  Groschen und acht Hühner, und der Halbhüfner neun Groschen sechs Pfennige und sechs Hühner. Die zwei Hufen des Schulzen waren abgabenfrei. Er musste aber anstatt ein Lehnpferd zu halten 24 Groschen bezahlen. Er hatte zudem eine halbe Pachthufe, von der er neun Groschen sechs Pfennige und drei Hühner geben musste.

Nach einer nur abschriftlich erhaltenen Urkunde saß 1523 Georg von Wartenberg zu Sacrow. Er soll in diesem Jahr von Joachim Helmbrecht zu Frankfurt (Oder) für 1591 Gulden und sechs Pfennige Güter und Einkünfte in den Dörfern Wustermark, Dyrotz und Marwitz gekauft haben.

Im Jahr 1534 wohnten neben dem Rittergut acht Bauern in Sacro. Vom Ort ging eine Fähre über die Havel. 1536 wurde Georg von Wartenberg, Bürgermeister von Spandau mit Sacrow und Schorin (= Marquardt) (wieder-)belehnt. 1571 gab es noch elf Bauernhufen im Dorf. Sie wurden von vier Zeihufenbauern, zwei Einhufenbauern und einem Halbhüfner bewirtschaftet. Der Lehnschulze mit zwei Hufen hatte zusätzlich noch eine halbe Pachthufe. 1592 gehörte Sacrow dem Matern von Wartenberg, der vor 1610 verstorben war, denn 1610 war bereits sein Sohn Mathias von Wartenberg Besitzer von Sacrow und Schorin. In der Urkunde wird erwähnt, dass die Gebrüder Joachim und Moritz von Wartenberg Vor-Vorbesitzer von Sacrow waren.

1620 besaßen Matthias und Hans Georg von Wartenberg Sacrow und hatten dort einen Rittersitz mit drei Hufen. 1624 kauften sie drei Bauernhöfe mit insgesamt  Hufen „aus“. Der „Sollzustand“ von sechs Hufenbauern war damit Vergangenheit, alle Hufen des Dorfes, bis auf eine halbe Hufe waren nun im Besitz des Rittergutes. Genannt werden weiter drei Kossäten, ein Schäfer und die Schäferknechte.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg bis 1840 Über die Schicksale des Dorfes während des Dreißigjährigen Kriegs ist nichts bekannt. 1641/1663 werden nur noch acht Ritterhufen genannt. Anscheinend waren nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder einige Hufen mit Bauern besetzt worden. 1657 war Moritz Andreas von Wartenberg Besitzer von Sacrow. Er kaufte 1671 wieder zwei Bauernhöfe und einen Kossäthen aus. 1682 wohnten sieben Kossäten im Dorf, 1700 nur noch vier. Der Sohn des Moritz Andreas, Wolfgang Georg von Wartenberg auf Schorin und Sacrow war seit 1692 mit Leopoldine Lucretia von Bredow verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos und das Lehen fiel an König Friedrich I. zurück. 1694 ließ er eine Kirche mit sieben Gebind aus Fachwerk und einem Ziegeldach erbauen.

Der König belehnte daraufhin Marquard(t) Ludwig von Printzen mit Schorin und Sacrow. Marquard Ludwig von Printzen war Königlich-Preußischer Hofmarschall, Etatsminister, Schlosshauptmann und Ritter des Schwarzen Adlerordens. Er war für die Kirchen- und Schulpolitik sowie für die Universitäts- und Wissenschaftssachen verantwortlich. Der Ort Schorin wurde nach ihm in Marquardt umbenannt. Am 15. Mai 1704 übergaben Bevollmächtigte die Lehngüter des verstorbenen Wolf Georg von Wartenberg zu Sacrow an Marquard Ludwig von Printz. Er musste aber den Allodialerben des Wolf Georg von Wartenberg 6.000 Taler als Ausgleich bezahlen. Doch nur zwei Jahre später, am 29. September 1706 verkaufte Marquard(t) Ludwig von Printz das Gut Sacrow dem Neuen Waisenhaus zu Potsdam mit Ausnahme der zum Gut Marquardt gehörigen Güter und Einkünfte in Dyrotz und Wustermark für 12.000 Taler. Erst am 6. Februar 1714 gab König Friedrich Wilhelm I. seine Zustimmung zu diesem Verkauf. 1708 wurde der Kossäte mit einer halben Pachthufe als Halbhüfner bezeichnet (1745: als Bauer!). Außer ihm wohnten noch drei Kossäten und der Dorfschäfer im Ort.

Noch vor 1720 muss Sacrow in den Besitz des Zucht- und Armenhauses in Spandau (Mons Pietatis) gekommen sein, denn diese Institution verkaufte das Rittergut Sacrow 1720 für 7.524 Taler zehn Groschen und fünf Pfennige an den Hofrat Conrad von Boden. Nach dessen Tod 1740 erbte seine Witwe Anne Elisabeth von Boden geb. Katsch(en) das Rittergut. Beginnend mit dem Jahr 1736 führte sie einen kostspieligen Prozess gegen die Potsdamer Garnmeister um die Fischereirechte auf dem Sacrower See links und rechts der Einmündung der Havel in den See. Sie verlor den Prozess und musste schließlich 1757 auch das Gut Sacrow verkaufen.

Im Jahr 1757 hatte die bäuerliche Bevölkerung in Sacrow weiter abgenommen. Das Rittergut hatte drei Kossätengüter eingezogen, entsprechend wohnten nur noch zwei Kossätenfamilien in Sacrow. Das Rittergut hatte Fischerei- und Jagdrechte. Auf der Gemarkung war eine Ziegelscheune entstanden. Nach der Schmettauschen Karte stand die Ziegelei im Gutspark südlich des Herrenhauses. Die Schäferei des Gutes lag westlich des Sacrower Sees fast an dessen Nordende, etwa auf Höhe des heutigen Wohnplatzes Jägerhof, aber etwas weiter westlich.

Im gleichen Jahr kaufte die Gräfin Maria Elisabeth von Virmont, geb. Gräfin von Nesselrode, Sacrow für 13.500 Taler von der Witwe von Boden. Sie war die Witwe des 1744 verstorbenen Kaiserlichen und Kurkölnischen Geheimen Rats und Reichskammerpräsidenten Ambrosius Franz Friedrich Christian Adalbert Graf von Vi(e)rmund/Virmont.

Die Gräfin von Virmont Sacrow verkaufte 1764 weiter für 13.000 Taler in Friedrichsd’or zu 21 Karat 9 Grän an den Grafen Johann Ludwig von Hordt, Generalleutnant und späterer Gouverneur der Zitadelle Spandau. Er ließ in Sacrow ein neues zweigeschossiges Herrenhaus mit einem Gewächshaus errichten. An der Havel ließ er sich ein Lusthaus mit Balkon bauen, von dem aus eine Kastanienallee zum Gutshaus führte. 1777 starb seine erste Frau Ulrike Juliane Henriette von Wachtmeister-Johannishus (1720–1777). Im Jahr 1778 gehörten zum Rittergut, neben dem Herrenhaus, ein Brauhaus mit Ziegeldach, eine Vieh- und Holzstall mit Rohrdach, eine Scheune, eine Wagenremise, Pferdestall, ein massiver Keller und Kornböden. Das übrige Dorf bsstand aus vier Kossätenhäusern, drei Familienhäusern, einem Küster- und Weinmeisterhaus, einer Schäferei und einem Krug. Die Gemarkung hatte 1678 Morgen acht Quadratruten Acker, 20 Morgen 32 Quadratruten Wiesen, 10 Morgen 30 Quadratruten Weinberg und 780 Morgen 158 Quadratruten Holzung.

Er heiratete 1781 in zweiter Ehe Sofie Christina Dorothea von Podewils (* 18. November 1734; † 14. August 1802), gesch. von Marschall, verw. von Haeseler, verw. von Bredow. Sie war die Erbin der Standesherrschaft Groß Leuthen in der Niederlausitz. Er verlegte seinen Wohnsitz nach Groß Leuthen, wo er am 21. August 1798 verstorben ist. Er ist aber in Sacrow begraben.

Am 30. Juli 1779 hatte er Sacrow für 23.000 Taler an Heinrich Carl de la Motte Fouqué, den Sohn des Generals Friedrich des Großen, Heinrich August de la Motte Fouqué, verkauft. Ein Sohn des Besitzers von Sacrow, Heinrich Carl de la Motte Fouqué, war der Dichter Friedrich de la Motte Fouqué, der einige Jahre seiner Kindheit in Sacrow verbrachte.