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High Speed 2, kurz HS2, ist der Projektname einer seit 2020 im Bau befindlichen Eisenbahn-Schnellfahrstrecke in England. Die Strecke soll ab 2036 schrittweise bis 2043 eröffnet werden und im Endzustand den Bahnhof London Euston mit Birmingham verbinden.https://www.standard.co.uk/news/uk/hs2-timeline-issues-delays-costs-history-government-b1064523.html HS2 wäre zur Fertigstellung die zweite solche Strecke in Großbritannien, nach der High Speed 1 getauften Verbindung von London St Pancras zum Eurotunnel, welche 2007 fertiggestellt wurde.
Züge sollten die Strecke mit bis zu 362 km/h (225 mph) befahren,https://www.gov.uk/government/publications/hs2-phase-one-full-business-case aktuell ist aus Kostengründen jedoch eine Höchstgeschwindigkeit von europaweit üblichen 320 km/h geplant. Der Zeitunterschied würde dabei nur drei Minuten betragen (statt 42 nun 45 Minuten).https://www.hs2.org.uk/what-is-hs2/hs2-project-update/
Die Planungen für HS2, die seit 2009 von der britischen Regierung vorangetrieben wurden, sahen ursprünglich auch den Weiterbau in Richtung Manchester bzw. Leeds vor, wurden aber 2021 (Leeds) bzw. 2023 (Manchester) gestoppt.
Verlauf mini|High Speed 2, Phase 2 Die Strecke wird London mit Birmingham und dem Nordwesten Englands verbinden. Die rund 230 Kilometer (140 Meilen) lange Strecke soll die nordöstlich verlaufende West Coast Main Line vom schnellen Fernverkehr entlasten.
Ein Großteil der Strecke im Londoner Stadtgebiet wird in Tunneln geführt. Stadtseitiger Endbahnhof ist der von der West Coast Main Line genutzte Kopfbahnhof London Euston nördlich der Innenstadt, der für HS2 um weitere Gleise ergänzt wird. Von dort führt die Strecke im Tunnel nach Westen. Am Berührpunkt mit der Great Western Main Line entsteht der unterirdische Bahnhof Old Oak Common, wo unter anderem zur Elizabeth Line zum Flughafen Heathrow umgestiegen werden kann. Old Oak Common soll vorübergehend Endbahnhof der neuen Schnellfahrstrecke werden, da Euston erst später fertiggestellt wird.
Ab Old Oak Common folgt die Trasse dem Korridor der Central Line und der Chiltern Main Line unterirdisch bis Ruislip, wo sie nach Norden abzweigt. Anschließend quert die High Speed 2 den Grand Union Canal mit dem Colne Valley Viaduct, bevor die Strecke wieder in einen Tunnel übergeht. Die gestreckte Linienführung tangiert Aylesbury und Brackley und führt zwischen Lemington Spa und Coventry hindurch.
Birmingham wird aus südöstlicher Richtung erreicht. Östlich des Flughafens Birmingham und dem Bahnhof Birmingham International an der West Coast Main Line entsteht der Durchgangsbahnhof Birmingham Interchange, an dem nur einzelne Züge halten. Kurz darauf verzweigt sich die High Speed 2. Ein Ast wird zum neuen Kopfbahnhof Birmingham Curzon Street am Rand der Innenstadt über das Duddeston-Viadukt geführt. Der Bahnhof liegt etwas östlich der bestehenden Bahnhöfe Birmingham New Street und Moor Street. Die zweite Strecke führt östlich an Birmingham vorbei weiter nach Norden. Bei Handsacre südöstlich von Rugeley gehen die Züge auf die West Coast Main Line über, um Ziele wie Manchester, Liverpool oder Glasgow zu erreichen.
Nach der ursprünglichen Planungen, die bis 2023 reduziert wurden, sollten nördlich von Birmingham weitere Schnellfahrstrecken in einem zweiten Bauabschnitt entstehen. Eine westliche Strecke nach Manchester und Liverpool, sowie eine östliche über die East Midlands und South Yorkshire nach Leeds. Die Reisezeiten vieler britischer Städte nach London hätten sich gegenüber 2011 deutlich reduziert;Hammond launches HS2 consultation. In: Modern Railways. Bd. 68, Nr. 751, 2011, , S. 44 f. das gesamte Y-förmige Streckennetz sollte rund 330 Meilen (531 km) umfassen.
Geschichte Im Januar 2009 gründete die britische Regierung die Projektgesellschaft High Speed Two Ltd. Diese sollte bis zum 31. Dezember 2009 eine bis auf ± 25 Meter genaue Trasse mit einer Gradientengenauigkeit von ± 0,5 Meter vorlegen.Roger Ford: HS2 route expected to be published before election. In: Modern Railways. Bd. 66, Nr. 735, 2009, , S. 26, 28. In einem ersten Schritt sollte die 230 km lange Strecke London–Birmingham realisiert werden. Nach Fertigstellung dieses Abschnittes sollten in einem weiteren Schritt die Städte Leeds, Manchester und Glasgow angebunden werden. Die Strecke soll die jetzige Hauptstrecke West Coast Main Line entlasten.
Wäre der Beschluss zum Bau der Strecke im 1. Quartal 2010 gefallen, hätten die Planungen bis Mitte 2016 ausgearbeitet und genehmigt werden sollen. Darauf sollte eine sechsjährige Bauzeit (vom 4. Quartal 2017 bis zum 3. Quartal 2023) folgen, die Inbetriebnahme war für Mitte 2025 geplant.
2011 wurde mit der Inbetriebnahme des ersten Abschnitts (bis Birmingham) für das Jahr 2026 gerechnet. Die vollständige Inbetriebnahme der Y-Lösung wurde für die Jahre 2032 und 2033 geplant.Gordon Pettitt: Why we need HS2. In: Modern Railways. Bd. 68, Nr. 751, 2011, , S. 46–51.
Am 24. September 2015 begann die Präqualifikationsphase für die Bauaufträge der ersten Tranche. Die sieben zu vergebenden Aufträge umfassen ein Gesamtvolumen von voraussichtlich 11,8 Milliarden Britischen Pfund. Die Vergabe der zweiten Tranche sollte 2016 beginnen, die dritte Tranche (zur Bahntechnik) 2017 folgen. Der Baubeginn war für 2017 geplant, die Fertigstellung für 2026.
Ende November 2015 kündigte Schatzkanzler George Osborne an, dass die Weiterführung der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Birmingham nach Manchester und Crewe bereits 2027 statt 2033 fertiggestellt werden soll. Die Reisezeiten nach London sollen sich um 35 bzw. 40 Minuten verkürzen. Im Laufe des Jahres 2016 sollten Aufträge für bauvorbereitende Maßnahmen der ersten Projektstufe im Umfang von 900 Millionen Pfund vergeben werden. Das Vorhaben ist seit 2017 gesetzlich verankert. 2018 begannen die Bauarbeiten mit der Räumung erster Flächen in London und Birmingham.
Am 11. Februar 2020 verkündete Premierminister Boris Johnson die Entscheidung seiner Regierung, das Projekt endgültig umzusetzen. Damit ist die erste Phase (bis Birmingham) gesichert und finanziert, die Inbetriebnahme in Stufen zwischen 2028 und 2031 geplant.
Vor Baubeginn werden umfangreiche archäologische Untersuchungen an der zukünftigen Trasse vorgenommen. Die Ausgrabungen für die Phase 1 fanden an insgesamt 60 Stellen der geplanten Bahnverbindung statt und wurden im November 2018 begonnen; bis 2020 sollten sie abgeschlossen sein. Der leitenden Archäologin Helen Wass zufolge handelt es sich vermutlich um die größte Ausgrabung Europas.Die größte archäologische Ausgrabungsstätte Europas. Deutschlandfunk Nova vom 10. Januar 2019, abgerufen am 21. Januar 2019.
Streichung des nordöstlichen Abschnitts Im November 2021 gab das Transportministerium bekannt, dass der ursprünglich östliche Abschnitt (Phase 2b) zwischen Birmingham und Leeds nicht gebaut werde. Lediglich zwei kurze Strecken zwischen Leeds und Sheffield und zwischen Birmingham und East Midlands Parkway südlich von Nottingham würden als Hochgeschwindigkeitsstrecken ausgebaut.
Streichung des nordwestlichen Abschnitts Im September 2023 kamen Spekulationen auf, dass der nordwestliche Abschnitt zwischen den Midlands und der Region Manchester aus den Planungen gestrichen würde, nachdem sich die Regierung unter Premierminister Rishi Sunak geweigert hatte, eine klare Festlegung auf den Ausbau der Strecke abzugeben. Stattdessen hieß es von Seiten der Regierung, dass die „Interessen der Passagiere gegenüber denen der Steuerzahler“ abgewogen werden müssten. Der ehemalige Transportminister Grant Shapps äußerte in einem Interview der BBC am 24. September 2023, dass es angesichts explodierender Kosten für das HS2-Projekt (fast 100 Milliarden statt 33 Milliarden Pfund) „verrückt“ wäre, dieses nicht erneut genau unter die Lupe zu nehmen. Prominente Politiker der Konservativen Partei wie David Osborne und Michael Heseltine riefen daraufhin die Regierung Sunak auf, an dem Projekt festzuhalten, da ansonsten der Norden und die Midlands „aufgegeben“ würden. Nach einem Bericht der Regierung aus dem Juni 2023 waren bis dato 22,5 Milliarden £ für den Bau der Strecke von London nach Birmingham ausgegeben worden. Am 4. Oktober 2023 verkündete Premierminister Sunak bei einer Rede auf dem Parteitag der konservativen Partei in Manchester, dass der nordwestliche Abschnitt nicht realisiert werden wird und die dafür vorgesehenen finanziellen Mittel für andere Projekte verwendet werden sollen.
Etappierung mini|390px|Phase 1 der HS2 von London nach Birmingham Nach Stand der Planung anfangs 2020 wird zuerst die Strecke von London nach Birmingham gebaut. In der Phase 2A sollte die Verlängerung bis Crewe folgen. Diese Phase hat am 11. Februar 2021 die Royal Assent erhalten, der Baubeginn war für 2024 geplant. Der Ausbau bis Manchester und die Strecke Birmingham–Leeds sind der Phase 2B zugeordnet. +Etappierung HS2PhaseStreckeLängegeplante FertigstellungPhase 1London Euston–Birmingham Curzon Street175 km2028–2031Phase 2ABirmingham–Crewe69 km2031–2035Phase 2BCrewe–ManchesterBirmingham–Leeds82 km198 km2035–2040
Eine Studie von Douglas Oakervee, dem ehemaligen Vorsitzenden der Projektgesellschaft High Speed Two empfahl, für die Phase 2B die kostengünstigere Variante eines Streckenausbaus anstelle einer neuen Schnellfahrstrecke zu untersuchen. Im Rahmen eines Ende 2021 vorgelegten Integrated Rail Plan wurde die Phase 2B redimensioniert. Der östliche Ast des Y wird nur bis zur Station East Midland Parkway gebaut werden, und dort in die Midland Main Line eingefädelt. Die Strecke East Midland Parkway nach Leeds wird lediglich ausgebaut und elektrifiziert.
Ausbau Die Bahnstrecke soll in Normalspur errichtet und für eine Entwurfsgeschwindigkeit von bis zu 400 km/h ausgelegt werden. Zu Beginn sollen die Züge mit 360 km/h verkehren. Für die Strecke sind bis zu 382 m lange Weichen beauftragt, die im abzweigenden Strang mit bis zu 230 km/h befahren werden können. Um Kosten einzusparen, wurde 2019 empfohlen, die Streckenkapazität von 18 Zügen pro Stunde auf 14 zu reduzieren.
Auf etwa 11 Prozent ihrer Länge soll die Strecke im Tunnel verlaufen. Dazu zählen unter anderem weite Teile Londons und Abschnitte in der hügeligen Region Chiltern.Tunnels on HS2. In: Modern Railways. Bd. 68, Nr. 751, 2011, , S. 71.
Im Dezember 2020 wurde der Auftrag über 453 km Feste Fahrbahn des Systems Slab Track Austria an Porr vergeben.
Kostenschätzungen Die Baukosten für das gesamte Projekt wurden zu Beginn auf ca. 34 Mrd. £ geschätzt. Hierbei war eine mögliche Verbindung mit der High Speed 1 nicht einkalkuliert. Das Projekt sollte über einen Zeitraum von 60 Jahren einen volkswirtschaftlichen Nutzen-Kosten-Faktor zwischen 1,6 und 2,0 erreichen.John Glover: High speed rail summit. In: Modern Railways. Bd. 68, Nr. 751, 2011, , S. 52–59.
Im Jahr 2015 kam ein Ausschuss des britischen Oberhauses auf 56 Milliarden Pfund Sterling.House of Lords, Economic Affairs Committee: The Economics of High Speed 2. 10. März 2015. Mangels nennenswerter Bautätigkeit wurde diese Schätzung bis 2019 nicht revidiert.Building news desk: A timeline of the latest HS2 news. Building, 23. Juli 2019. Im September 2019 informierte Allan Cook, der Vorsitzende der Projektgesellschaft, dass die Kosten statt 62,4 Mrd. £ wohl eher 20 % höher bei 81 bis 88 Mrd. £ liegen würden.