Ginsheim-Gustavsburg ist eine Stadt im Nordwesten des südhessischen Landkreises Groß-Gerau. Sie grenzt an die Landeshauptstadt Wiesbaden und die Landeshauptstadt Mainz in Rheinland-Pfalz und hat etwa 17.000 Einwohner. Von 1930 bis 1945 waren die beiden Orte Ginsheim und Gustavsburg Stadtteile von Mainz (siehe rechtsrheinische Stadtteile von Mainz).

Am 29. April 2013 wurden der Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg die Stadtrechte verliehen. (abgerufen am 22. Februar 2012).Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2013

Geographie Geographische Lage mini|Schleuse bei Gustavsburg Ginsheim-Gustavsburg liegt in der Mainspitze, dem Gebiet südlich der Mainmündung zwischen Main und Rhein gegenüber der Stadt Mainz. Der 50. Breitengrad verläuft durch den Stadtteil Gustavsburg und ist auf dem Maindamm gekennzeichnet.

Beim Stadtteil Ginsheim vereinigt sich der Ginsheimer Altrhein wieder mit dem Rhein, von dem er gegenüber Nackenheim abzweigt.

Nachbargemeinden Ginsheim-Gustavsburg grenzt im Norden – getrennt durch den Main – an den Stadtteil Mainz-Kostheim der kreisfreien Stadt Wiesbaden und die Stadt Hochheim am Main (Main-Taunus-Kreis), im Osten an die Gemeinde Bischofsheim und die Stadt Rüsselsheim am Main, im Süden an die Gemeinde Trebur sowie im Westen – getrennt durch den Rhein – an die Gemeinde Bodenheim (Landkreis Mainz-Bingen) und die kreisfreie Stadt Mainz.

Stadtgliederung Ginsheim-Gustavsburg besteht aus den beiden Stadtteilen Ginsheim und Gustavsburg. Die gesamte Stadt liegt auf der Gemarkung Ginsheim (Gmk.-Nr. 60024).

Klima

Geschichte Stadtteil Ginsheim mini|hochkant|Ginsheimer Wappen mini|Fähre Johanna beim Überqueren des Altrheins Der Stadtteil Ginsheim wurde bereits im Jahr 785 im „Codex Eberhardi“ des Klosters Fulda erstmals urkundlich erwähnt. Anlässlich des 1225-jährigen Jubiläums veranstaltete die Stadt im Jahr 2011 ein großes Fest in Ginsheim. Bis 1989 galt eine Urkunde von Kaiser Heinrich VI. vom Februar 1190 als älteste bekannte Erwähnung.rhoischnoke.de, abgerufen am 23. September 2013

Nachdem 1248 das ehemalige ReichsdorfErhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 35. dem Grafen Dieter von Katzenelnbogen verpfändet worden war, sind als weitere adlige Herrscher jener Zeit Familien wie Falkenstein, Sayn oder Isenburg überliefert. 1600 gelangte das Dorf durch Verkauf des Amtes Kelsterbach von der Grafschaft Isenburg-Ronneburg in den Besitz des Landgrafen Ludwig V. von Hessen-Darmstadt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gemeinwesen so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass dort von 1634 bis 1642 kaum ein Mensch mehr wohnte.

Verwaltungsmäßig gehörte Ginsheim bis 1820 zum Amt Kelsterbach, das ab 1816 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. 1821 wurden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Ginsheim dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Ginsheim:

1832 wurden Kreise geschaffen und Ginsheim gelangte in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Ginsheim zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt, bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig war. Zum 1. Januar 1930 erfolgte die Eingemeindung als Stadtteile Mainz-Ginsheim und Mainz-Gustavsburg in die Stadt Mainz. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte 1945 die Gründung des Landes Hessen und die sechs rechtsrheinischen Stadtteile von Mainz wurden entweder Wiesbaden zugeschlagen oder zu eigenständigen hessischen Gemeinden. Ginsheim-Gustavsburg wurde wieder selbständig und in den Kreis Groß-Gerau zurückgegliedert.

Die zuständige Gerichtsbarkeit war, während der Zugehörigkeit zu Hessen-Darmstadt, von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und ab 1879 das Amtsgericht Groß-Gerau. Während der Zugehörigkeit von Ginsheim-Gustavsburg zu Mainz von 1930 bis 1945 war das Amtsgericht Mainz zuständig und mit der Rückführung in den Kreis Groß-Gerau wieder das Amtsgericht Groß-Gerau.

Als typische Ginsheimer Berufe der vergangenen Jahrhunderte galten Bauer, Fischer und Müller. Die Müllerei entwickelte sich zu einem regelrechten Industriezweig. Vor Ginsheim ankerten zeitweilig bis zu 15 Schiffsmühlen. Das letzte Exemplar wurde 1928 außer Betrieb gesetzt, unter Denkmalschutz gestellt, im Mainzer Hafen verankert und dort gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bei einem Bombenangriff zerstört. Dieses und manches andere interessante Kapitel der Ortsgeschichte sind im Heimatmuseum sehr anschaulich dokumentiert. Seit 2011 liegt vor Ginsheim auf dem Rhein die Rekonstruktion einer historischen Schiffsmühle.Verein Historische Rheinschiffsmühle Ginsheim e. V.

Am 24. April 1944 wurde Ginsheim um Mitternacht im Zuge der Luftangriffe auf Mainz bei einem britischen Angriff schwer getroffen. Dabei kam niemand ums Leben, aber es brannten 22 Scheunen, 20 Ställe, drei Wohnhäuser und die evangelische Kirche komplett nieder. Schon im Sommer 1944 wurden die zerstörten Scheunen, Ställe und Wohnhäuser wiederaufgebaut, die evangelische Kirche aber konnte erst am 6. Dezember 1953 geweiht werden. Der Zweite Weltkrieg kam Ende März 1945 wieder nach Ginsheim zurück. Der Ort war zwischen amerikanischen und deutschen Truppen heftig umkämpft. Doch am 28. März 1945 kapitulierte der Ort und die Amerikaner konnten in Ginsheim einmarschieren. Nach dem Kriege gehörte der Ort zur amerikanischen Besatzungszone und anschließend zum Land Hessen.

Stadtteil Gustavsburg mini|Gustavsburg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655

Der Stadtteil verdankt seinen Namen dem Schwedenkönig Gustav Adolf, der 1632 im Dreißigjährigen Krieg auf der Mainspitze eine Festungsanlage erbauen ließ. Dabei wurde unter anderem der Stein eines römischen Reitergrabes gefunden, dessen Kopie heute die Eingangshalle des Rathauses ziert. 1635 gaben die Schweden die Gustavsburg auf, die nach wechselvollen Kriegsjahren zuletzt in französischen Besitz gelangte. 1673 ließ der Mainzer Kurfürst Johann Philipp von Schönborn kurz vor seinem Tod die Anlage schleifen.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Gustavsburg:

Das Ortslexikon für Deutschland verzeichnete 1859 Gustavsburg als „Ruine, Ziegelhütte und Gasthaus mit 10 Einwohnern“. Diese Ziegelhütte, vor 1740 erbaut, stand am Gustavsburger Hafen 1 (heute: BP-Tanklager). In ihrer Nähe lag seit der Eröffnung einer Eisenbahnlinie 1858 der Hafenbahnhof Gustavsburg, ein Endbahnhof und zugleich die Anlegestelle des Trajekts Mainz–Gustavsburg. Das andere, 1836 erbaute Gebäude, die „Gastwirtschaft zur Gustavsburg“ (heute Kolpingstraße 9), lag nahe der Mündung des Mains in den Rhein, gegenüber dem rechts des Mains und des Rheins liegenden Kostheim. Diese Gastwirtschaft war eine Anlaufstelle für Händler auf dem Weg zum Mainzer Markt, der Hessen-Darmstädter Postkutschlinie und an Sonntagen eine beliebte Ausflugsstätte.

1859 begann die Nürnberger Eisengießerei Klett & Comp. mit dem Bau der Südbrücke über den Rhein. Dazu wurde in Gustavsburg ein Montageplatz eingerichtet, um den sich Arbeiter und ihre Familien ansiedelten, aufgrund eines hohen Auftragsbestandes entwickelte sich das nur zum Bau der Südbrücke gedachte Provisorium zu einem Zweigwerk der Eisengießerei. Rasch entwickelte sich daraus ein industriell geprägter Ort. Das Werk errichtete auch das Kugelhaus in Dresden, welches 1928 anlässlich der Jahresschau Deutscher Arbeit – Die Technische Stadt eröffnet wurde.Georg Seiring (Hrsg.) / Marta Fraenkel: 10 Jahre Dresdner Ausstellungsarbeit. Dresden 1931, S. 142–145

Zum 1. Januar 1930 wurden aus der Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg die beiden Mainzer Stadtteile Mainz-Ginsheim und Mainz-Gustavsburg.

Gustavsburgs strategische Bedeutung führte im Zweiten Weltkrieg zu ständigen Luftangriffen britischer und amerikanischer Flugzeugstaffeln (siehe Hauptartikel: Luftangriffe auf Mainz). Ab Herbst 1942 gab es verstärkt Angriffe, ab Spätsommer 1944 gar täglich Luftalarm. Der schwerste Angriff traf Gustavsburg am 27. Februar 1945. Hauptangriffsziel – besonders bei einem Angriff alliierter Jagdbomber am 2. März 1945 – war das MAN-Werk. Ende März 1945 war für Gustavsburg mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen der Krieg vorbei.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte 1945 die Gründung des Landes Hessen, und die rechtsrheinischen Stadtteile von Mainz wurden entweder Wiesbaden zugeschlagen oder eigenständige Gemeinden. Mainz-Gustavsburg wurde als Ginsheim-Gustavsburg eine selbständige Gemeinde, die wieder in den Kreis Groß-Gerau eingegliedert wurde.

Am 20. September 1983 kam es durch die Revolutionären Zellen zu einem Sprengstoffanschlag auf das Rechenzentrum der MAN. Der Sachschaden betrug dabei mehrere Millionen DM.

Entstehung der Stadt Ginsheim-Gustavsburg 1806 unterstellte Napoleon Kastel, Kostheim, die Maaraue und die davor liegenden Rheininseln der französischen Herrschaft; das linke Rheinufer war schon 1801 zu Frankreich gekommen. An der Kostheimer Gemarkung südlich des Mains hatten die Franzosen jedoch kein Interesse, und so kam das Gebiet des heutigen Gustavsburg zu dem Großherzog Ludwig I. (Hessen-Darmstadt), der es wiederum der Gemarkung Ginsheim zuteilte. Am 30. Dezember 1808 bestätigte der damalige Ginsheimer Schultheiß die Neuerwerbung. In den folgenden Jahren verkauften die Kostheimer Bürger, die noch Landbesitz südlich des Mains hatten, ihre Äcker an Ginsheimer Landwirte. Somit ist das Jahr 1808 die eigentliche Geburtsstunde von Ginsheim-Gustavsburg.

mini|MAN-Werk Gustavsburg Am 28. September 1929 stimmte der Gemeinderat der Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg für die Eingemeindung zur Stadt Mainz. Mit Gesetz vom 10. Dezember 1929 genehmigte der Hessische Landtag die Lostrennung der Ginsheimer Gemarkung und der Ginsheimer Rheinauen vom Kreis Groß-Gerau und der Provinz Starkenburg unter Zuteilung zum Kreis Mainz und der Provinz Rheinhessen. Die Standesämter und die Ortsgerichte sollten bis auf Weiteres unter der amtlichen Bezeichnung Mainz-Ginsheim und Mainz-Gustavsburg bestehen bleiben. ferner entsprechende Bekanntmachung des Hessischen Gesamt-Ministeriums vom gleichen Datum und Bekanntmachung des Hessischen Ministers des Innern vom 13. Dezember 1929 (Reg.-Bl. Nr. 20 S. 213–214) Am 1. Januar 1930 erfolgte die offizielle Eingemeindung unter Oberbürgermeister Karl Külb.

So blieb es bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945. Der Rhein wurde in diesem Jahr zur Zonengrenze zwischen der amerikanischen und der französischen Zone, und Ginsheim-Gustavsburg kam als eigenständige Gemeinde zusammen mit der Gemeinde Bischofsheim wieder zum Landkreis Groß-Gerau.

Nach 1945 wuchsen Ginsheim-Gustavsburgs Wirtschaft und Infrastruktur weit über zuvor bestehende Verhältnisse hinaus. In den 1950er-Jahren entstanden die MAN-Siedlung im Nordosten und eine weitere Siedlung im Westen des Ortes sowie in der Ortsmitte. In den 1990ern wurde mit dem Bau eines Neubaugebietes begonnen. Dabei erreichte man auch die bereits 1972 erbaute Integrierte Gesamtschule IGS MainspitzeIGS Integrierte Gesamtschule Mainspitze von Süden und Osten her.

Die Hessische Landesregierung beschloss im Februar 2013, der Gemeinde die Stadtrechte zu verleihen, die Urkunde wurde am 29. April 2013 übergeben.

Eingliederung Am 1. Februar 1975 wurden Gebietsteile der Nachbargemeinde Bischofsheim mit etwa 80 Einwohnern eingegliedert.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ginsheim und Gustavsburg angehör(t)en:

Ginsheim: