Die Schlammröhrenwürmer (Tubificinae) sind eine Unterfamilie der Naididae. Zu ihnen gehört auch der als Indikator für die Gewässergüte und als Futtertier gezüchtete Schlammröhrenwurm Tubifex tubifex.

Lebensweise Die Arten der Schlammröhrenwürmer leben in selbst gemachten Röhren im Weichsediment, d. h. im Schlamm oder Sand fließender oder stehender Gewässer. Aus der Sedimentoberfläche schaut typischerweise nur das Hinterende der Würmer heraus. Durch undulierende Bewegungen strudeln sie sauerstoffreiches Wasser und organisches Material herbei. Bei Störungen können sich die Würmer rasch in ihre Röhre zurückziehen. Manche Arten sind durch Hämoglobin blutrot, z. B. die Tubifex-Arten.

Die Schlammröhrenwürmer sind wie die meisten Wenigborster Zwitter. Die Vermehrung geschieht daher grundsätzlich über die zweigeschlechtliche Fortpflanzung, bei der sich die Partner gegenseitig befruchten können.

Im Süßwasser lebende Gattungen, die im Schlamm von Flüssen oder stehenden Gewässern vorkommen, sind Tubifex und Limnodrilus. Eine Massenvermehrung tritt nur in Gewässern auf, deren Sedimente einen hohen Anteil an verwertbarem organischem Material haben. In unbelasteten Gewässern treten sie eher nur vereinzelt auf. Einige Arten werden zur Gewässergütebeurteilung herangezogen. Die Art Tubifex tubifex kann bis zu 8 Zentimeter lang werden.

Systematik Die Schlammröhrenwürmer (Tubificinae) waren lange Zeit die namengebende Unterfamilie der „Tubificidae“. Nachdem die „Tubificidae“ mit den damals als eigene Familie ausgewiesenen Arten der heutigen Unterfamilie Naidinae zusammengelegt worden waren, wurde die gesamte Gruppe nach der Prioritätsregel Naididae genannt.

Gattungen Es sind 28 Gattungen innerhalb der Unterfamilie bekannt:

Stand: 11. Dezember 2020 Amerigodrilus Holmquist, 1985 Antipodrilus Brinkhurst & Jamieson, 1971 Arctodrilus Brinkhurst & Kathman, 1983 Aulodrilus Bretscher, 1899 Baikalodrilus Holmquist, 1978 Baltidrilus Timm, 2013 Burchanidrilus Martin & Brinkhurst, 1998 Chenidrilus Liang & Xie, 1997 Christerius Holmquist, 1985 Clitellio Savigny, 1822 Edukemius Holmquist, 1978 Embolocephalus Randolph, 1892 Haber Holmquist, 1978 Ilyodrilus Eisen, 1879 Isochaetides Hrabĕ, 1966 Kahayandrilus Ohtaka & Wulandari, 2016 Kopilrok Holmquist, 1985 Krenedrilus Dumnicka, 1983 Lamadrilus Timm, 1998 Limnodrilus Claparède, 1862 Lophochaeta Štolc, 1886 Lycodrilides Hrabĕ, 1982 Lymphachaeta Snimschikova, 1982 Peipsidrilus Timm, 1977 Potamothrix Vejdovský & Mrázek, 1903 Psammoryctides Hrabe, 1964 Quistadrilus Brinkhurst, 1981 Sketodrilus Karaman, 1976 Spirosperma Eisen, 1879 Spirospermoides Dumnicka, 1983 Tasserkidrilus Holmquist, 1985 Telliclio Timm, 1978 Teneridrilus Eisen, 1879 Troglodrilus Juget, Châtelliers & Rodriguez, 2006 Tubifex Lamarck, 1816 Tubificidarum Karaman, 1973 Tubificoides Lastočkin, 1937 Varichaetadrilus Brinkhurst & Kathman, 1983

Einzelnachweise Tubificinae Eisen, 1879 in WoRMS, World Register of Marine Species, abgerufen am 10. Dezember 2020.

Literatur Gustaf Eisen: Preliminary Report on Genera and Species of Tubificidae. Bihang till K. Svenska Vet. Akad. Handlingar, 5, 16, S. 1–26, 1879 (Erstbeschreibung) Heiko Bellmann: Leben in Bach und Teich: Pflanzen und Wirbellose der Kleingewässer. Orbis-Verlag, 2000, ISBN 3-572-01085-3 Bruno Wachs: Die häufigsten hämoglobinführenden Oligochaeten der mitteleuropäischen Binnengewässer: Bayerische biologische Versuchsanstalt, München 1966 R. O. Brinkhurst, B. M. Jamieson: Aquatic Oligochaeta of the world. Oliver & Boyd Verlag, Edinburgh 1971 Heinz Streble, Dieter Krauter: Das Leben im Wassertropfen. Mikroflora und Mikrofauna des Süßwassers. Ein Bestimmungsbuch. 9., überarbeitete und erweiterte Auflage. Kosmos, Stuttgart 2002, ISBN 3-440-08431-0. Wolfgang Engelhardt: Was lebt in Tümpel, Bach und Weiher? Pflanzen und Tiere unserer Gewässer. ISBN 978-3-440-09800-4

Weblinks Tubifex in the Aquarium

Kategorie:Wenigborster