Jens Förster (* 7. März 1965 in Lübbecke) ist ein deutscher Psychologe, systemischer Therapeut, Lehrtherapeut, Sozialpsychologe, Sänger und Autor verschiedener Bücher sowie Unternehmer. Er war von 2001 bis 2015 Professor für Sozialpsychologie in Bremen, Amsterdam und Bochum. Förster leitet mit Manfred Nußbaum das „Systemische Institut für Positive Psychologie“ in Köln und ist Gesellschafter des IF Weinheim (Institut für systemische Ausbildung und Entwicklung).

Leben Förster studierte ab 1986 Psychologie, Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Trier und Operngesang an der Musikhochschule des Saarlandes und erwarb 1992 das Diplom in Psychologie. 1994 promovierte er bei dem Sozialpsychologen Fritz Strack zum Dr. rer. nat. Ab 1996 besuchte er als postdoc die Columbia University in New York und übernahm einen Lehrauftrag als Theodor-Heuss-Lektor an der „New school for Social Research“. Nach 1995 hatte Förster Lehraufträge an den Universitäten Würzburg, Duisburg und an der Jacobs University Bremen. Seine Hauptforschungsbereiche waren soziale Informationsverarbeitung, Personenbeurteilung, Vorurteile, Kreativität, Innovation, Denkprozesse, Sex und Liebe, Selbstregulation und Motivation, Positive Psychologie und „Haben und Sein“, die er in seinem eigenen Institut weiterverfolgt. Er habilitierte sich 2000 an der Universität Würzburg zum Thema Psychologische Passung.Alumni-Newsletter "Der kleine Krisenkiller", auf uni-wuerzburg.de

Förster war 2001 unter den Gründungsprofessoren der Jacobs University Bremen, an der er bis 2007 wirkte. Von 2003 bis 2005 war er Sprecher der Fachgruppe Sozialpsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, deren Ethikrat er außerdem beisaß.Dr. Jens Förster, auf dgppf.deLebenslauf von Jens Förster. (PDF-Datei) Webpräsenz des Systemischen Instituts für Positive Psychologie. Abgerufen am 27. Februar 2018.

Von Juli 2007 bis Mai 2014 war Förster Professor für Psychologie in Amsterdam; dort war er auch Direktor des „Kurt-Lewin-Instituts“. Im April 2013 wurde er für eine Alexander von Humboldt-Professur ausgewählt, um an der Ruhr-Universität Bochum ab 2014 ein „Zentrum für Selbst-Regulation“ aufzubauen. Ende April 2014 wurde die Verleihung dieser Professur wegen Manipulationsvorwürfen vorläufig ausgesetzt. Förster übernahm einstweilen vertretungsweise im Juli 2014 eine Psychologie-Professur an der Universität Bochum. Der Auswahlausschuss der Humboldt-Stiftung kündigte seine Entscheidung über die Zuerkennung der Humboldt-Professur für April 2015 an.Entscheidung über die Zuerkennung der Humboldt-Professur an Herrn Professor Dr. Jens Förster wird im April 2015 getroffen. humboldt-professur.de; abgerufen am 22. September 2014. Am 20. April 2015 gab Förster seinen Verzicht auf die Humboldt-Professur bekannt.7 b. Humboldt-Professur socolab.de; abgerufen am 22. April 2015.

Jens Förster hat über 100 Beiträge in internationalen Fachzeitschriften und Büchern veröffentlicht. Er war Gast in Talkshows zu Themen wie „Schubladendenken“.

Als Gutachter der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen analysierte er von 2016 bis 2022 Fernsehsendungen, wurde 2022 ins Kuratorium der FSF gewähltKuratorium, auf fsf.de und ist auch darüber hinaus für zahlreiche Fachzeitschriften, Organisationen und Stiftungen als Gutachter tätig. Er war von 2005 bis 2013 „associate editor“ der Zeitschrift „Social Cognition“ und ist Mitglied des editorial boards zahlreicher weiterer Zeitschriften. Seit 2016 ist er Redakteur der system-theoretischen Zeitschrift „Systhema“.Systhema, auf if-weinheim.de Er ist Fachgruppensprecher für Sprecher der Fachgruppe „Positive Psychologie des Alltagslebens“ der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung und Gutachter der European Science Foundation.

Im Jahre 2017 eröffnete er gemeinsam mit Manfred Nußbaum das „Systemische Institut für Positive Psychologie“ in Köln. Nach einer langjährigen Ausbildung vor allem am IF Weinheim wurde er dort zum Dozenten und Teammitglied gewählt. Seit 2022 ist er Gesellschafter des IFW.Das Weinheimer Team Lehre & Entwicklung, auf if-weinheim.de

Er ist weiterhin Gutachter der European Science Foundation und zahlreicher wissenschaftlicher Zeitschriften und fungiert als wissenschaftlicher Gutachter in Universitäten, in den Medien und in staatlichen Institutionen. Sein Zitations-Index zu psychologischen Themen ist einer der höchsten in Europa (h-index google scholar = 57; Zitationen total = über 17000).Jens Förster, Google Scholar, abgerufen am 10. Mai 2023.

Forschung In seiner Doktorarbeit (1995) stellte Jens Förster eine eigene Theorie des Embodiments vor, des Einflusses des Körpers auf Gedanken und Motivation.Förster, J. (1995). Der Einfluss von Ausdrucksverhalten auf das menschliche Gedächtnis: Theoretische Überlegungen und Experimente zu Motor-Kongruenzeffekten. Bonn: Holos. Er beschäftigte sich früh mit der regulatorischen Fokustheorie von Tory Higgins über menschliche Selbstmotivation.Förster, J., Higgins, E.T., & Idson, L.C. (1998). Approach and avoidance strength during goal attainment: Regulatory focus and the ”goal looms larger” effect. Journal of Personality and Social Psychology, 75,1115-1131.

Mit Ron Friedman entwickelte er die Implicit Affective Cues Theory, die besagt, dass subtile Erinnerungen an Sicherheit kreatives Denken behindern, während die Aktivierung von Idealen die Kreativität fördert.Friedman, R. S., & Förster, J. (2010). Implicit affective cues and attentional tuning: an integrative review. Psychological bulletin, 136(5), 875

Zusammen mit Nira Liberman entwarf Jens Förster ein eigenes Modell der Zielaktivierung, das die dynamische und unbewusste Hemmung und Aktivierung von Zielen im Gedächtnis vorhersagt.Förster, J., Liberman, N., & Higgins, E. T. (2005). Accessibility from active and fulfilled goals. Journal of Experimental Social Psychology, 41,220-239. Ähnliche Zielaktivierungsprozesse hatten die Autoren bei der Unterdrückung von Gedanken in ihrer Motivational Inference Model of Post-Suppressional Rebound Theory untersucht. Demnach aktiviert ein Verbot unbewusst das Ziel, das Verbotene zu tun oder zu denken.Liberman, N., & Förster, J. (2000). Expression after suppression: A motivational explanation of post-suppressional rebound. Journal of Personality and Social Psychology, 79,190-203.

In der Novelty-Categorization-Theory untersuchen Förster und Team, wann Menschen sich neuen Ereignissen zuwenden.Förster, J., Marguc, J., & Gillebaart, M. (2010). Novelty Categorization Theory. Social and Personality Psychology Compass, 4/9, 736-755.

GLOMOsys (the GLObal versus LOcal processing MOdel, a systems account), das die Zusammenhänge zwischen abstraktem und konkretem Denken, breiter und enger Wahrnehmung und Kreativität und analytischem Denken beschreibt,Förster, J. & Dannenberg, L. (2010). GLOMOsys: A Systems Account of Global versus Local Processing. Psychological Inquiry, target article, 21, 175-197. wurde 2011 mit dem Best Paper Award des International Social Cognition Network ausgezeichnet.

HaBST(Having and Being a Selfregulatory Theory) ist ein alternatives Modell zu Erich Fromms psychoanalytischem Modell menschlicher Lebensziele.Förster, J. (2017). Jenseits von Gut und Böse. Eine selbstregulatorische Perspektive auf Haben und Sein. Beyond Good and Evil. A self-regulatory perspective on Having and Being. In M. Brohm-Badry, C. Peifer & J. Greve (Eds.), Positiv-Psychologische Forschung im deutschsprachigen Raum: State of the Art, 94-113. Pabst: Lengerich.

In einem neuen Forschungsprojekt widmet er sich der Frage, wie durch körperliche Methoden Psychotherapie begünstigt werden kann.Black-Box-Methoden: Wie in der Therapie Prozesse ohne Wissen um das Problem sinnvoll begleitet werden können (21. Oktober 2023), auf apf-koeln.de

Kontroverse Im September 2012 wurde die Universität von Amsterdam auf Auffälligkeiten in drei Studien Försters hingewiesen.Zu gut, um wahr zu sein. Süddeutsche Zeitung, 12. Mai 2014. Drei Monate vorher hatte Förster eine Umsetzung seines Vorhabens für ein Zentrum für Selbstregulation an der UVA eingefordert, die ihm vertraglich zugesagt worden war. Das Anliegen wurde abgelehnt und Förster nahegelegt, sich eine andere Stelle zu suchen, da man sich inhaltlich nun anders aufgestellt hätte. Daraufhin erkrankte er für längere Zeit. Während seiner Erkrankung erreichte ihn eine „Untersuchung“ der Universität von Amsterdam, die angeblich fragwürdige Studienergebnisse fand, jedoch keinen einwandfreien Beleg für bewusste Datenmanipulation vorlegen konnte.Social psychologist Förster denies misconduct, calls charge “terrible misjudgment”, auf retractionwatch.com

Eine Ethikkommission der UvA befand zunächst, dass die Untersuchung fehlerhaft und unzureichend gewesen sei. Eine weitere Untersuchung im Auftrag des unabhängigen niederländischen Gremiums zur Forschungsintegrität „Landelijk Orgaan voor Wetenschappelijke Integriteit“ (LOWI)lowi.nl: (englisch) kam hingegen im April 2014 zu dem Schluss, dass Ergebnisse manipuliert worden seien und Förster als Erstautor die Verantwortung trage.Untersuchungsbericht zu Manipulationsvorwürfen gegen Prof. Förster (in niederländischer Sprache, Zusammenfassungen auch in englischer Sprache). Fassung vom 29. April 2014 (PDF-Datei, 330kB) Unter Bezug auf den Untersuchungsbericht des LOWI zog am 24. November 2014 die Zeitschrift Social Psychological and Personality Science den dort beanstandeten Artikel Sense Creative! The Impact of Global and Local Vision, Hearing, Touching, Tasting and Smelling on Creative and Analytic Thought zurückRetraction notice. Social Psychological and Personality Science, 24. November 2014.Zurückgezogener Artikel von 2012 in Social Psychological and Personality Science: Sense Creative! The Impact of Global and Local Vision, Hearing, Touching, Tasting and Smelling on Creative and Analytic Thought, http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/1948550611410890. Eigenen Angaben zufolge nahm Förster dies hin, weil der Artikel für seine Theorie nicht ausschlaggebend war.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung setzte im April 2014 ihre Förderentscheidung zur Verleihung der Humboldt-Professur entsprechend ihren Stiftungsregeln sowie auf Bitten Försters bis zur Klärung des Sachverhaltes aus.Pressemitteilung der Alexander von Humboldt-Stiftung vom 30. April 2014, abgerufen am 4. Mai 2014. Im April 2015 verzichtete Förster von sich aus endgültig auf die Fördergelder.Manipulationsverdacht: Sozialpsychologe verzichtet auf renommierten Forscherpreis. Der Spiegel vom 22. April 2015.

Ein Ehrengerichtsverfahren der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) wurde am 9. November 2015 mit einem Vergleich ohne Schuldzuweisung geschlossen.http://www.socolab.de/main.php?id=66 Jens Förster verpflichtete sich im Gegenzug zur Einstellung des Verfahrens, zwei seiner Publikationen im Journal of Experimental Psychology zurückzuziehen. Dies ist bei den beiden dort genannten Artikeln geschehen.Journal of Experimental Psychology: General (2009), Relations between perceptual and conceptual scope: How global versus local processing fits a focus on similarity versus dissimilarity.Journal of Experimental Psychology: General (2011), Local and global cross-modal influences between vision and hearing, tasting, smelling, or touching.