mini|Kawarna aus der Vogelperspektive – Blick von Süden auf die Bucht von Kawarna

Kawarna () ist eine Stadt und ein Urlaubsort an der nordbulgarischen Schwarzmeerküste. Sie liegt in der Süddobrudscha, im östlichsten Teil der bulgarischen Donautiefebene an der E 87 in der Oblast Dobritsch und ist das administrative Zentrum der gleichnamigen Gemeinde Kawarna. Die Stadt liegt 64 km nördlich von Warna und 50 km südöstlich von Dobritsch. Kawarna hat ungefähr 10.000 Einwohner.

Die Stadt ist 2 km vom Meer entfernt und liegt auf einem hohen Plateau der Dobrudscha. Drei Kilometer südlich des Stadtzentrums liegen der Strand von Kawarna () und einige Wohn- und Industriegebiete. Sie liegen wie eine Arena, die sich nach Süden zu einer kleinen Bucht mit einem künstlich aufgeschütteten Sandstrand öffnet. Die Westseite dieser Bucht wird von einem 110 m hohen Kalkfelsen, dem Kap Tschirakman (bulg. , ), begrenzt. Das Kap liegt unmittelbar am Hafen. Außer dem Badestrand befinden sich in der Bucht ein kleiner Yachthafen und eine Fischereibasis. In die Bucht mündet ein kleiner Fluss, das letzte Stück fließt er von der Stadt kommend 2 km durch einen Waldstreifen bis zum Strand. Dieser Waldstreifen wird als das „Tal der Goldammer“ (; Dolinata na awligite) bezeichnet.

Geografie

Kawarna liegt auf halber Strecke zwischen Baltschik im Westen (15 km) und Kap Kaliakra im Südosten (13 km). Der kleine Schwarzmeer-Urlaubsort Rusalka befindet sich 14 km weiter östlich. Wie in der gesamten Dobrudscha ist das Land dort flach. Die Küste der Gemeinde Kawarna ist insgesamt 42 km lang. Sie besteht zu einem Großteil aus Steilküste, die stark von der Küstenerosion gefährdet ist.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. hat ein starkes Erdbeben das dort befindliche Kap Tschirakman weitgehend zerstört. Das damalige wesentlich größere Kap versank zusammen mit einem Teil der dort befindlichen griechischen Kolonie im Meer. Damals reichte das Kap noch ein großes Stück weiter nach Süden ins Meer. Die nachfolgende Küstenerosion hat es weitgehend abgetragen. Heute sind nur noch einige schwer zugänglich Reste vom Kap Tschirakman übrig. Auf dem Plateau des heutigen Kaps stehen noch die Ruinen einer ehemaligen Festung mit dem dazugehörigen Gräben, der Kirche und eine Nekropole. Dort werden immer noch archäologische Grabungen durchgeführt, ebenso wird das Gebiet vor der Küste archäologisch erforscht (Unterwasserarchäologie). Heute fällt das Kap Tschirakman steil zum Meer ab.

In der Region gibt es zahlreiche Wasserquellen, dort wird auch Mineralwasser industriell abgefüllt.

Etymologie

Nach der Eroberung der Region durch die Bulgaren im 7. Jahrhundert wurde der antike griechische Name Krounoi für die benachbarte Stadt (heute Baltschik) durch den ähnlich klingenden bulgarischen Namen Karvuna (Karwuna) ersetzt. Der Name Despotat Karwuna (oder Despotat Dobrudscha) bezog sich auf die Stadt Karwuna (heute Baltschik). Die Ähnlichkeit des Namens der heutigen Stadt Kawarna mit dem Namen Karwuna verleitete manche Heimatforscher dazu, beide gleichzusetzen. Die archäologischen und historischen Fakten stützen jedoch nicht diese These.

Der heutige Name Kawarna wurde erstmals im frühen 15. Jahrhundert schriftlich erwähnt. Möglicherweise war er phonetisch von den Städtenamen Karvuna (heute Baltschik) und Warna beeinflusst.

Geschichte

Antike mini|St.-Georgs-Kirche in Kawarna

Die Region war ununterbrochen vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts besiedelt. Kawarna wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Kolonisten gegründet, die aus Mesambria (heute Nessebar) kamen – ebenfalls eine griechische Kolonie. Sie gründeten die Kolonie Bisone (auch Byzone oder Bizone geschrieben) auf dem Plateau des Kaps Tschirakman. Dort gab es reichlich Quellen und, wie in der gesamten Dobrudscha, fruchtbaren Boden.

Während des 3. und 2. Jahrhunderts v. Chr. siedelten sich Skythen in der Region an und die Stadt spielte eine wichtige Mittlerrolle zwischen den thrakischen Siedlungen der Region, den ansässigen griechischen Kolonisten und den Händlern von der Inseln Rhodos, aus den Städten Herakleia Pontike und Sinop, aus Ägypten und anderen Regionen.

Wegen der felsigen Steilküste war die Gegend für den Bau von Kaimauern zwar ungeeignet, trotzdem zog die Region aber den Schiffshandel aus dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer an, weil dort in der Dobrudscha viel Getreide von hoher Qualität, besonders Weizen, erzeugt und gehandelt wurde.

In der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. versank ein Teil des Dorfes während eines verheerenden Erdbebens im Schwarzen Meer. Bei diesem Erdbeben brach das Endstück des Kaps Tschirakman ab und riss auch einen Teil der Bewohner mit in den Tod. Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. blühte die Siedlung jedoch wieder auf.

Eine archäologische Unterwasserexpedition vor Kawarna unter Leitung von Asen Emilow Salkin, dem Direktor des städtischen historischen Museums, fand 2005 heraus, dass die römische Stadt Bisone (heute Kawarna) sogar zweimal mit ihren Wohngebieten im Meer versunken war. Davon zeugten die gefundenen Werksteine und Teile der Mauern, die unter Wasser gefunden worden waren. Diese Funde wurden auf das 2. Jahrhundert n. Chr. datiert. Der beim zweiten Mal versunkene Wohnbezirk hatte nach Meinung von Asen Salkin nichts mit dem beim Erdbeben im 1. Jahrhundert v. Chr. versunkenen Wohnbezirk zu tun, das vom griechischen Geographen Strabon und vom römischen Geographen Pomponius Mela beschrieben worden war.

Die Unterwasserfunde bezeugen auch, dass zwischen dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. der Meeresspiegel um 4 m gesunken war und dann wieder anstieg. Ursache war wahrscheinlich eine tektonische Anhebung der Region und später wieder ein sehr schnelles Absinken, das dann die tiefergelegenen Küstengebiete von Bison überschwemmte, so dass sie sich heute unter Wasser befinden. Der rumänische Archäologe BanuA. C. Banu: Observaţii şi măsurători asupra oscilaţiilor actuale şi seculare ale apelor Mării Negre la ţărmul românesc. (rumänisch für: Beobachtungen und Messungen über die aktuellen und langfristigen über Jahrhunderte dauernden oszilierenden Höhenveränderungen des Wassers des Schwarzen Meeres an der rumänischen Küste.) Hidrobiologica, Band 2; Bukarest 1961 stellte 1973 fest, dass der Meeresspiegel des Schwarzen Meeres an der Küste der Dobrudscha zeitweise 4 m tiefer als heute lag. Das Absinken des Meeresspiegels begann im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. und erhöhte sich dann wieder auf das heutige Niveau. Damit werden die Funde von Siedlungsresten vor der heutigen Schwarzmeerküste erklärt.

Während der Römerzeit wurde die Stadt unter dem gleichen Namen wieder aufgebaut und erlebte eine Blütezeit, wozu auch der Hafen beitrug. Die antike Römerstraße Via Pontica führte auch über Bisone.

Mittelalter Im 7. Jahrhundert n. Chr. zerstörten die aus Norden einwandernden Bulgaren unter Khan Asparuch die byzantinische Stadt und gründeten später in ihrem ersten Bulgarenreich die Siedlung Karwuna (heute Baltschik) als neue Siedlung.

Im späten Mittelalter wuchs die Siedlung weiter und war den Angriffen der Tataren ausgesetzt. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt unter den Despoten Balik und Dobrotiza Teil des Despotats Dobrudscha, das de facto aus dem Zweiten Bulgarischen Reich der Terter-Dynastie (Haus Terter) ausgetreten war. Im 14. Jahrhundert waren Karwuna (heute Baltschik) und Kaliakra die beiden wichtigsten Städte des Despotats Dobrudscha.

Nach anderen Angaben handelt es sich bei der mittelalterlichen christlichen Stadt Karwuna, mit ihrem Getreidehafen, um das heutige Kawarna und die Umbenennung vollzog sich im 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit sind in Kawarna ein türkisches Bad, eine Brücke, Trinkbrunnen, Kirchen und zahlreiche Inschriften erhalten.

Die osmanischen Türken zerstörten 1397 die Stadt fast vollständig. Sie wurde danach von ihren Bewohnern aufgegeben, jedoch im 17. Jahrhundert neu besiedelt.

In der Antike und im Mittelalter war die Stadt ein ökonomisches und kulturelles Zentrum, davon zeugen heute noch die Überreste der Festungsmauer, einer frühchristlichen Basilika, einer mittelalterlichen Kirche und von öffentlichen Gebäuden.

In der Region wurden Münzen verschiedener historischer Epochen gefunden, ebenso Goldschmuck, ein thrakischer Goldschatz (nicht zu verwechseln mit dem berühmten Goldschatz von Panagjurischte).

Neuzeit Zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert wurde die Stadt unter dem Namen Kawarna als christliche Siedlung und Getreideausfuhrhafen bekannt. Aus dieser Zeit stammen die Reste eines türkischen Bades, einer mittelalterlichen Nekropole, Fontänen, eine christliche Kirche und viele Inschriften.

Der Priestermönch (Hieromonachos) Jewstatij Rilsski () gründete 1868 die erste bulgarische Schule (bulgarische Klosterschule) von Kawarna.

Während des Russisch-Osmanischen Krieges (1877–1878) erhoben sich die christlichen Bewohner der Stadt, Bulgaren und Gagausen gleichermaßen, gegen die irregulären osmanischen Truppen (Başı Bozuk) und gegen die für die Osmanen kämpfenden Tscherkessen-Truppen. Der Aufstand wurde niedergeschlagen und die Stadt von den Türken vollständig niedergebrannt.

Die Tschitalischte Saglasie wurde 1890 gegründet.

Nach der Erlangung der Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich gehörte die Stadt zum Fürstentum Bulgarien. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts erlebt Kawarna einen schnellen Aufschwung als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum.

Von 1913 bis 1940 gehörte die Stadt zu Rumänien, da die vorher zu Bulgarien gehörende Süddobrudscha nach dem Zweiten Balkankrieg durch Rumänien (im Friedensvertrag von Bukarest) annektiert wurde. Die lokale bulgarische Bevölkerung leistete während der Zeit der Zugehörigkeit zu Rumänien teilweise Widerstand gegen die rumänische Obrigkeit. Dieser Widerstand war von 1923 bis 1940 auch in der Inneren Dobrudschanischen Revolutionären Organisation gebündelt. Mit dem Vertrag von Craiova wurde die Süddobrudscha und damit auch Kawarna 1940 wieder an Bulgarien abgetreten.

Seit 2005 ist die Stadt Namensgeber für die Kavarna Cove, eine Bucht der Livingston-Insel in der Antarktis.

Wirtschaft mini|Bucht von Kawarna Die größte und wichtigste Einkommensquelle der Stadt und der Gemeinde Kawarna ist die Landwirtschaft.

Auf den reichlich vorhandenen, fruchtbaren Böden werden hauptsächlich Getreide, Tierfutter und technische Kulturen (besonders Sonnenblumen) angebaut, es gibt auch etwas Viehzucht, Wein- und Obstanbau.

Eine weitere Einnahmequelle ist der Fischfang. Die in das Schwarze Meer eingewanderten essbaren Schnecken Rapana venosa wurden dort bis vor kurzem mittels Schleppnetzfischerei gefangen. Die Schnecken werden jetzt industriell in Meeresfarmen gezüchtet, da in Bulgarien vor kurzem die Schleppnetzfischerei verboten wurde, um die weitere Schädigung des Meeresbodens mit seiner Flora und Fauna zu verhindern.

Der größte Industriebetrieb in Kawarna ist die Kamash Kavarna Aktiengesellschafthttp://www.kamasch.com/indexgm.htm, die Bagger und Beladeausrüstungen herstellt. Der Betrieb ist im Besitz der italienischen Industriekammer. Im Werk sind 85 Menschen beschäftigt.

Ein anderer größerer Betrieb in Kawarna ist Kalazerka (bulg. Калацерка – Каварна) – ein Möbelhersteller. Weitere drei Firmen stellen Aluminium- und PVC-Fensterrahmen her. Es gibt einen Betrieb zum Abfüllen von Mineralwasser (Izvor Aktiengesellschaft) und einige Näh- und Strickbetriebe.

Im Windpark von Kawarna stehen zahlreiche Windkraftanlagen, die eine Gesamtkapazität von über 350 Megawatt haben und damit führend in Bulgarien sind.

Das Dobrudscha-Steinkohlenbecken (bulg. Добруджански басейн) wird auf 1,2 Mrd. Tonnen geschätzt. Es liegt nördlich von Kawarna und Baltschik. Diese Kohle hat einen hohen Heizwert von ca. 25 – 29,3 MJ/kg und befindet sich in einer Teufe von 1500 bis 2700 Metern. Es wurden über 60 Kohleflöze gefunden. Die Ausbeutung wird aber durch fünf Wasserhorizonte erschwert. Diese Kohle ist zum Verkoken sehr gut geeignet.